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Hallo Chris!
Erstmal entschuldige, dass ich nicht früher von mir hören hab lassen, aber ich habe einfach eine so lange Zeit benötigt, um gründlich über deine Fragen nachzudenken.
Durch einige Aktionen in meinem Leben habe Ich klar und deutlich gemerkt,
wie sich ganz plötzlich ein großer Teil meiner Ängste und Depressionen
löste. Als Ich "Freunden" von mir das erste Mal klar sagte, dass mir etwas
gewaltig auf die Nerven gingen, fühlte Ich mich z.B. ganz plötzlich
freier.
Oh, das kann ich leider noch nicht. Ich schaff es nicht, es der betreffenden Person zu sagen wenn sie (oder etwas an ihr/ihm) mich nervt. Ich hab noch zu grosse Angst davor, als Gegenreaktion Ablehnung von der Person zu bekommen. Eine irrationale Angst, deren Gründe bei mir in meiner Kindheit liegen. Aber bald werde ich versuchen, gegen diese Hemmung anzugehen.
Oder als Ich bei Prüfungsvorbereitungen mal gemerkt habe, dass Ich doch in
der Lage bin, 6 Stunden am Tag hochkonzentriert zu arbeiten. (eigentlich
litt ich bis dahin an einer großen Konzentrations- und auch
Motivationsschwäche).
Gab es bei Dir auch solche Momente, in denen Du in kurzer Zeit eine deutlich
spürbare Genesung erlebtest? Und wann waren die?
Ja, die gabs und die gibts auch immer noch.
Vor allem wenn ich ein Projekt fertig habe, bin ich glücklich über das erreichte Ergebnis und das gibt mir Selbstvertrauen und eine positive Einstellung der Zukunft gegenüber.
Leider habe ich oft Motivationsschwierigkeiten, mit einem Projekt anzufangen.
Mein Freund und ein Bekannter und ich haben zusammen vor drei Jahren ein kleines Computerspiel namens fisch gemacht und als das fertig und auf CD gepresst und auf ner Messe lief, war ich unglaublich zufrieden, dass das geklappt hat.
Also, es war so dass wir gar nicht wussten, ob wir das Spiel machen überhaupt können, aber wir habens einfach gemacht und es ist gut geworden.
Da hab ich auch viel Zeit reininvestiert, obwohl ich sonst oft Motivationsprobleme hatte in der Zeit.
Aus dem Projekt habe ich viel Selbstbestätigung gewonnen.
Worauf ich auch stolz war, und grösstenteils noch bin, ist die Homepage
www.handbuchbinderei.de und die abgeschlossenen Semesterarbeiten aus meinem Studium.
Und was glaubst Du, war generell die bedeutendste Medizin, die Du benötigt
hast, um die Sozialphobie und alle anderen psychischen Probleme zu überwinden?
Ähm, leider musste ich in der Zwischenzeit feststellen, dass meine Sozialphobie und die anderen psychischen Probleme noch nicht völlig überwunden sind.
Aber es geht mir jetzt schon so gut, wie ich früher (ca. der Zeitraum von 1990 bis 2000) fast nicht zu hoffen und erträumen gewagt habe.
Vor zwei Jahren habe ich gemerkt, dass mich ein paar Leute trotz meiner vielen Seltsamkeiten doch gerne leiden mögen, und das war eine super Medizin für mich, weil ich mir dachte, wenn mich jemand mag, bin ich ja gar nicht so verkehrt und dann kann ich mich ja selber auch mögen, und damit habe ich dann angefangen.
Ganz wichtig für mich ist die Erkenntnis, mich nicht ständig mit Leuten messen zu müssen, die keine sozialphobischen oder psychische Probleme haben.
Sondern zu erkennen dass ich wunderbare Fortschritte mache, anstatt nur zu schauen, wo ich noch nicht mithalten kann.
Überhaupt kann nicht jeder alles perfekt, auch die Leute die keine Angstprobleme haben sind nicht auf jedem Gebiet 120 prozentig, wieso setze ich mich dann diesem von mir selbst erzeugtem Druck des "Alles perfekt können müssens" aus? Und wieso mache ich mich damit emotional total fertig? Dafür gibt es keinen realistischen Grund, also lerne ich gerade, meine mir eigenen positiven Fähigkeiten zu entdecken (schwierig!), diese anzunehmen, zu fördern, auszuleben ...
Mittlerweile bin ich auf die Idee gekommen, dass ich Selbstwert auch dann empfinden kann, wenn ich nicht gerade etwas ganz tolles gemacht habe. Man ist als Mensch von Haus aus was wert. Der Gedanke ist mir wichtig, denn ich will mich nicht nur durch Leistung definiert sehen, will kein Workaholic werden der das Gefühl, als Person geliebt zu werden, nicht empfangen kann.
Ich habe erkannt, dass manche meiner Ziele schon Gegenwart geworden sind.
Z.B. habe ich mit immer gedacht, ich habe keine Kontakte zu Mitstudenten, und muss unbedingt welche haben und hab mich da richtig reingesteigert in das gedankliche Problem, dass ich keine hätte. Dann ist mir vor zwei Wochen aufgefallen, dass ich ja sehr wohl Kontakt zu mehreren Leuten aus dem Studium habe (Sonja, Johannes, Basti, Nana, Peter, Mel) und das ist doch schon genug um damit aufzuhören mir ein Problem zu machen.
Man muss einfach mal innehalten und sich der Veränderungen, positiven Fortschtritte und eigenen Weiterentwicklungen bewusst werden. Oft ist man schon im Ziel angelangt, und merkt es nicht, weil man den Blick nach hinten gerichtet hat, und ständig auf den Ausgangspunkt starrt.
Wichtig war für mich, zu merken, dass ich gar nicht mehr immer die bin, die ich zu sein glaubte.
Statt immer schüchtern bin ich jetzt nur manchmal zurückhaltend.
Statt mich nichts zu trauen, probiere ich manche Sachen einfach aus.
Statt dauernd Angst zu haben, was falsch zu machen, habe ich manchmal keine Angst.
Mal ne Kurzfassung meiner persönlichen Entwicklung:
Ausprobieren, die eigenen Interessen auszuleben.
Erfolg wird sich einstellen, nur nicht aufgeben.
Erfolg bringt Selbstwertgefühl, Angst lässt nach und mit anderen Leuten klappts viel besser.
Ab da sich konzentrieren auf den Wert der eigenen Person, man will ja nicht vom Erfolg abhängig werden, sondern zufrieden leben.
übrigens:
Auch Ich dachte, es wäre im Bereich des Möglichen, es allen Leuten, denen
man begegnet, recht machen zu können und ich habe geglaubt, es gäbe eine
absolute, objektive Wahrheit, auf die man zwangsweise kommen müsste, wenn
man nur richtig nachdenkt. Eigene Meinungen und Gefühle habe Ich zwar
gehabt, aber sie meist der zugunsten der Gewissheit, dass mein
Gesprächspartner sich schon nicht täuscht, verdrängt.
Ganz genau meine Erfahrung mit mir, nur hab ich nicht so treffende Worte dafür gefunden.
Alles Liebe,
Dani