Gast


Hi Tamara!

Ich versuche auch oft, mich in den Schatten eines noch Kränkeren zu stellen. Das tut mir für den Moment immer ganz gut, hilft aber auf die Dauer nicht weiter. Oft kam Ich mir in solchen Situationen total gesund vor und die anschließende Erkenntnis, dass Ich auch nicht viel besser bin als der, über den Ich mich stellen wollte, hat mir danach sehr zu schaffen gemacht. Manchmal schiel es mir auch im Nachhinein, als sei nur der Kränkere. Oft habe Ich zum Beispiel auf Leute herabgeguckt, die ihr Leid an die große Glocke hingen, bis Ich merkte, dass es eigentlich viel schlimmer und auch dümmer ist, es ständig für sich zu behalten wie Ich es getan habe. Ich bin inzwischen zu dem Ergebnis gekommen, dass es besser ist, seine eigenen Fehler sich einzugestehen und versuchen, sie zu akzeptieren als zu versuchen, sie in den Schatten größerer Übel zu stellen. Ein wichtiger Schub für meine Genesung kam wirklich, als Ich mich loslöste von dem inneren Zwang, doch wenigsten besser als der oder der zu sein Ich habe halt meine Probleme und andere Leute haben Ihre. Und jeder stellt auf seine Weise sicher ein Extrem dar. Warum sollte man die unterschiedlichen Ausprägungen werten?

Das Wort krank benutze Ich heutzutage eigentlich nicht mehr so gerne. Es ist aber das richtige Wort, um meine Empfindungen darzustellen

Was sind denn die konkreten Gründe für die Angst, wenn Du unter Leuten bist.
Glaubst Du, alle anderen Menschen gucken auf Dich, weil Du dich auffällig benehmen könntest?
Glaubst Du, die Leute könnten Geschichten über Dich kennen, die Dir peinlich sind?

Oder welcher Gedanke verbreitet bei Dir solche Angst?

Liebe Grüße
Chris

Ps: Hatte diese Antwort schon vor ein paar Tagen geschrieben, aber sie ist irgendwie im falschen Pfad gelandet

23.04.2002 23:05 • #21


makrospex


Hi.

Ich habe eine sehr ähnliche Phase der Sozialphobie durchlaufen. Ebenfalls schon als Kind (ab dem Grundschulalter) wurde ich zum Aussenseiter, teilweise war ich selbst dafür verantwortlich, wenn man von 'sich selbst' sprechen kann und eigentlich erst das Produkt von ein paar Jahren Erziehung der Eltern ist...
Schon als 12 jähriger habe ich starke Angst vor körperlichen Auseinandersetzungen gehabt und als es mit meiner 2. Freundin endgültig krachte (22 Jahre), war es aus mit mir. Panikattacken.
Ich habe diese gar nicht als solche empfunden, jedoch suchte ich im Internet meinen Wissenstrieb zu stillen und anhand der Symptome war dann relativ schnell geklärt, woran ich litt.
Zu Anfang nahm das Ganze sogar psychotische Züge an, die sich im Laufe eines halben Jahres aber wieder legten und das nur, weil ich schon gewohnt war, mich und meine Gedanken, daraus resultierenden Taten und die Reaktionen darauf stark und ehrlich zu hinterfragen.
Nun bin ich 27 Jahre alt und habe das Schlimmste hinter mir. Ich habe mich nie auf Medikamente verlassen, nur ein halbes Jahr lang nahm ich ein SSRI Präparat (Serotonin Wiederaufnahme Hemmer, in halber verschriebener Dosis) um vom Schlimmsten weg zu kommen und weil Johanniskraut nicht wirken wollte. Zu diesem Schritt habe ich mich aber erst nach einem Jahre meines Leidens entschlossen. Danach gings mit Johanniskraut weiter und einer (fast) nicht enden wollenden Periode von Selbstversuchen. Ich wusste, dass der Ursprung meiner Probleme in meiner Kindheit, in mir und meinen Erwartungen an die Umwelt lag.
Diesen Gründen stets auf der Spur, befasste ich mit Themen wie dem Leben, dem Tod und verschiedenen Bewusstseinszuständen.
Als ich wieder fähig war, Beziehungen zu führen (25), versuchte ich es diesmal anders, alle meine Fehleinstellungen in Bezug auf Lebenspartner zu korrigieren.
Der bahnbrechendste Erfolg stellte sich innerhalb von wenigen Wochen ein, nachdem ich dem Nikotin, dem Koffein und dem Alk. abgeschworen hatte. So lernte ich auch positiv zu denken, anstatt meinen Süchten nachzutrauern. Vor allem die Dro. Nikotin hat meine Genesung extrem verzögert, Nikotin ist Wegbereiter des GRAU, der Angst, und verhindert, dass es wieder weg geht.
Wenn du Dich in diesen Foren umschaust, wirst du mich als Nikotin-Prediger wiederfinden (aber nicht als einzigen - Grüsse an 'spirit') aber so bin ich lebendes Beispiel für meine Erfahrungen
Übrigens bin ich jetzt erst 27 Jahre alt.

Verpasste Chancen:
Gibt es nicht.
Du meintest warscheinlich 'nicht wahrgenommene Chancen'.
Da gibt es einen feinen Unterschied. Alle Chancen die Du hattest, sind von Dir bestimmt nicht ergriffen worden, niemand hat das jemals geschafft.
Es bleibt stets nur ein wahrer Grund für das Nichtergreifen: DU.
Du, weil Deine Angst Dich lähmte.
Du, weil Du Dich einer Herausforderung nicht gewachsen fühltest. u.s.w.
Du hast immer die 'Sozialphobie ' in deiner Realität wachgehalten, als Grund für dein Zurückweichen verwendet - Du nährtest deine Angst!
Deine Angst kommt nicht von den Anderen, sie kommt von Dir!
Mach Dich frei. Wer sagt, du müsstest Angst haben? Richtig: Du.
Als Kind waren wir beide nicht wir selbst, aber jetzt sind wir es.
Du bist allein Herrscher einer ganzen Welt, der Welt, die Du in Deiner Realität, Deiner Wahrnehmung bildest.
Lerne die Wahrnehmung zu verändern, aber lasse sie nicht von Giften, schlechter Ernährung oder anderen Menschen von aussen verändern.
Sei Du selbst. Sei weder Dein beeinflusstes Selbst noch Dein vergiftetes Selbst, denn das bist nicht Du.
Wenn es sein muss, geh in die Wüste um dort alle deine Fragen zu klären aber lass dich nicht weiter ablenken.

Das Leben ist Deine Vergangenheit, genauso wie deine Zukunft.
Was hast Du in Deinem Leben verpasst? Du hast doch alles mitbekommen oder nicht?

Sag zu Dir, dass Du niemals jemand anders sein wolltest, dein Ich hat das warscheinlich schon lange nicht mehr gehört. Das würde deinem Ich gut tun. Sei Kraft, sei Stärke, sei Du, der einzige MENSCH in diesem Universum, der so ist wie Du - Du.

Ich habe sehr hart an der Lösung meiner Probleme gearbeitet. Ich selbst habe es so weit kommen lassen, also wer oder was sonst sollte diese Probleme lösen?

Du hast nur EIN LEBEN. Willst Du es so weiter leben? Ich denke nicht, doch sollte ich mich irren, dann ist es ja doch das Leben, das du dir wünschst.
Wenn nicht, dann sei stolz auf dein Leben. Nur ein Bruchteil aller Menschen macht ähnliche Erfahrungen wie wir alle hier. Aus diesen Erfahrungen kannst Du Dinge lernen, die der Rest nicht lernen kann, weil ihm genau diese Erfahrungen fehlen.
Schau hin:
Der Rest der Welt verhält sich verantwortungslos seiner, schlimmer: unserer Umwelt gegenüber! Und nur, weil die meisten nie die Erfahrung gemacht haben, in der Nähe des Todes zu sein oder in Angst zu leben.
Dein Misstrauen anderen gegenüber kommt nicht aus Dir, es kommt von ihnen selbst. Sie wissen es nur nicht, weil sie nicht so sehen können wie Du.
Du kannst alles quasi umdrehen. Jeder Nachteil bedeutet wiederum einen Vorteil und das ist auf fast alles menschliche anwendbar. Es gibt absolute Wahrheiten. Suche sie, dann wirst Du sie auch finden und sie werden für alles was wir kennen anwendbar sein.

Ich erwarte nicht, dass du dies hier sofort und klar verstehst. Erkundige Dich über Schamanismus - er hat mich und viele andere auf die Grundidee gebracht:

Du hast in deinem Leben nichts versäumt, Du hast nur nicht angefangen es zu ändern.

Alles Liebe und viel Erfolg beim selbstfinden!

24.04.2002 17:07 • #22


makrospex


btw.: Warum glaubst du 'zu wenig' Kontakt zu Frauen gehabt zu haben?
Was ist zu wenig? Was ist zuviel?
Miss Dich nicht an anderen. Ich sollte laut meiner Familie auch schon Kinder gezeugt haben ("In deinem Alter !"), ich denke aber nicht daran. Ich tat es zwar mal aber ICH wollte es nie. Fast alle die ich kenne, haben Kinder gezeugt oder bekommen, weil es die Gesellschaft erwartet, weil sie dachten da kommt sonst nicht mehr.
Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass da noch sehr viel mehr kommt, als man annimmt. Man muss nur offen dafür sein.
Ich weiss, dass ich von dieser Welt nichts mitnehmen kann. (Trotzdem habe ich einen gut bezahlten Job - aber nicht weil ich einen haben 'muss', sondern weil ICH mich dazu entschieden habe!)
Du hast den ersten Schritt schon getan also mach noch einen.
Du hast Depressionen überwunden also was hält Dich dann noch auf?


- Ein Zusatzgedanke -

24.04.2002 17:14 • #23


tamara


Hallöchen Chris,
danke für Deine mail.
Zur Zeit bin ich sehr pessimistisch und bewege mich leider in die falsche Richtung. Mein Körper möchte in beide. Der eine Teil sagt, komm mach weiter, uns kann nichts unterkriegen, wir haben schon so viel überstanden. Der andere Teil sagt igendwie, wofür eigentlich dieser Kampf? Hat sich denn bis jetzt eigentlich irgend etwas geändert dadurch, dass ich die ganze Zeit kämpfe?
Ich kann dann gar nicht mehr aufhören mich wieder in dem Teufelskreis zu sehen. Ich will nicht wieder an den Anfang meiner Angstkaierre zurück.
Dadurch, dass ich im Moment auch noch Joblos bin und ich mich in die Richtung " ich will endlich wieder arbeiten können, bitte gebt mir einen Job" bewege und ich nur Mißerfolge erlebe ist meine Woche echt schei. gelaufen, wenn ich das mal so formulieren darf. Man schreibt 5 Bewerbugen und bekommt wöchentlich eine Bewerbung zurück, oder hört nichts von den Arbeitgebern.
Dann höre ich von einer Freundin, Du musst stärker sein, hinterher sein, anrufen hinfahren und und und, dass kann ich aber nicht. Und nun? Wieder das selbe Spiel von vorne? Kein Job und Angst. Angst und kein Job. Um einen Job zu bekommen muss ich Angstfrei sein, wie???
Was kann ich tun? Außer mich in einer Klinik behandeln zu lassen? Gibt es Konfrontationstherapien? Weißt Du vielleicht noch einen Rat?
Gruß Tami

25.04.2002 22:43 • #24


Gast


Hi Tamara!

Ob Du in eine Klinik gehst oder nicht, musst Du selbst entscheiden. Ich traue mir da nicht, Dir einen Rat zu geben. Meine erste Therapeutin (die mir nichts gebracht hat), hat mir auch vorgeschlagen, in eine Klinik zu gehen. Ich hatte es damals abgeschlagen. Tatsächlich hat es für mich gereicht, einen anderen Therapeuten aufzusuchen. (allerdings erst 5 Jahre später). Das soll aber nicht heißen, dass es für Dich trotzdem das Beste sein kann.

Das Witzige allerdings ist, dass die Hauptleistung meines jetzigen Therapeuten (der mir sehr viel weiter hilft), war, diese beiden Teile, von denen Du eben erzählt hast, zusammenzuführen.

Das, was Du im ersten Absatz geschrieben hast, kann Ich nähmlich 100%ig nachvollziehen! Bei mir war es haargenau so! Ich hatte einen Teil, der mich aus dem Schlamassel rausholen wollte und mir keine ruhige Sekunde ließ und einen anderen, eher verborgenen Teil, der zu alledem überhaupt keine Lust hatte.

Führe diese beiden Teile zusammen! Mache den aktiven Teil darauf aufmerksam, dass es den Passiven gibt (auch wenns sehr, sehr weh tut) und mache den passiven Teil darauf aufmerksam, dass es den Aktiven gibt! Mache Dir klar, dass Du eine Abwehrreaktion auf seelische Verletzungen betreibst, in dem Du verschiedene Teile Deiner Persönlichkeit ausbildest!
Bei mir waren diese Erkenntnisse der Anfang meiner Besserung und der Grundstein, eine Therapie auch zu wollen.

Und noch etwas: Deine Freundin mag sehr, sehr nett und gutmütig sein, aber, ohne sie zu kennen, glaube Ich, dass sie sich nicht im Geringsten in Dich hineinversetzen kann, denn die wenigsten Menschen können sich in Leute wie Du und Ich hineinversetzen. Jedenfalls nach meiner Erfahrung. Pass auf, dass Du Dich durch gut gemeinte, aber für Dich wenig hilfreiche Ratschläge noch weiter runterziehen lässt
´
Bei allem, was Du machst, wünsche Ich Dir jedenfalls, dass es Dich weiterbringt und sorry, dass Ich Dir keinen konkreten Ratschlag geben kann.

02.05.2002 22:42 • #25


Gast


Hi Makrospex!
Vielen Dank für Deine Worte! Das sind genau die Weisheiten, die Ich auch heute noch brauche.

In punkto Nikotin stimme Ich Dir vollkommen zu. Auch Ich habe vor 1,5 Jahren aufgehört zu rauchen und habe allein durch das Gefühl, seine Sucht kontrollieren zu können, Selbstbewußtsein erlangt. Zur Zeit gewöhne Ich mir Kaffee ab.

Gruß
Chris

02.05.2002 22:52 • #26


Gast


So ich muss jetzt auch noch was sagen *lach*
Als ich den zweiten Eintrag von Birte gelesen habe hat mich der Schlag getroffen- ich will auch mal "was soziales machen" warscheinlich Terapeutin oder so.... ich bin IMMER im internet und schau IMMER nach seiten von Leuten denen es schlecht geht, schaue nach 1000 sachen und zuletzt bin ich jetzt bei der Sozialen Phobie geraten, auf anraten von jemand (aus dem Internet natürlich). Ich habe mich zum ersten mal sofort erkannt.
Bin ich schlussendlich irgend wie durchgeknallt? Spinne ich?
Ich bin erst 18 und ich denke auch ich verpasse mein ganze Leben. Ich habe einen Freund der is 33 und ich liebe ihn echt total. Aber manchmal denke ich an alle Jugendlichen die grade in irgend einer Disco ihre erfahrungen machen anstatt sich anzuhören wie schei. die GEZ ist oder das geschimpfe über Leute die vom Staat leben... Es ist einfach ein unterscheid ob man 33 ist oder 18. Es ist alles einfach nur zu kompliziert, ich traue mich ja gar nicht raus und wäre ohne ihn auch total aufgeschmissen. Das klingt jetzt wie ausnutzen, aber ich meine wir haben auch schöne Momente und unsere Beziehung ist etwas einzigartiges!
Ich denk man sollte sein Leben immer versuchen in den Griff zu kriegen und nicht etwas verpasstem hinterhertrauern, weil man in dem Moment nur das verpasst was man erleben könnte!
Ich wünsche euch allen viel glück.. bis dahin.....

06.05.2002 13:28 • #27


Daniela1


Hallo Chris!

Erstmal entschuldige, dass ich nicht früher von mir hören hab lassen, aber ich habe einfach eine so lange Zeit benötigt, um gründlich über deine Fragen nachzudenken.

Durch einige Aktionen in meinem Leben habe Ich klar und deutlich gemerkt,
wie sich ganz plötzlich ein großer Teil meiner Ängste und Depressionen
löste. Als Ich "Freunden" von mir das erste Mal klar sagte, dass mir etwas
gewaltig auf die Nerven gingen, fühlte Ich mich z.B. ganz plötzlich
freier.

Oh, das kann ich leider noch nicht. Ich schaff es nicht, es der betreffenden Person zu sagen wenn sie (oder etwas an ihr/ihm) mich nervt. Ich hab noch zu grosse Angst davor, als Gegenreaktion Ablehnung von der Person zu bekommen. Eine irrationale Angst, deren Gründe bei mir in meiner Kindheit liegen. Aber bald werde ich versuchen, gegen diese Hemmung anzugehen.

Oder als Ich bei Prüfungsvorbereitungen mal gemerkt habe, dass Ich doch in
der Lage bin, 6 Stunden am Tag hochkonzentriert zu arbeiten. (eigentlich
litt ich bis dahin an einer großen Konzentrations- und auch
Motivationsschwäche).
Gab es bei Dir auch solche Momente, in denen Du in kurzer Zeit eine deutlich
spürbare Genesung erlebtest? Und wann waren die?

Ja, die gabs und die gibts auch immer noch.
Vor allem wenn ich ein Projekt fertig habe, bin ich glücklich über das erreichte Ergebnis und das gibt mir Selbstvertrauen und eine positive Einstellung der Zukunft gegenüber.
Leider habe ich oft Motivationsschwierigkeiten, mit einem Projekt anzufangen.
Mein Freund und ein Bekannter und ich haben zusammen vor drei Jahren ein kleines Computerspiel namens fisch gemacht und als das fertig und auf CD gepresst und auf ner Messe lief, war ich unglaublich zufrieden, dass das geklappt hat.
Also, es war so dass wir gar nicht wussten, ob wir das Spiel machen überhaupt können, aber wir habens einfach gemacht und es ist gut geworden.
Da hab ich auch viel Zeit reininvestiert, obwohl ich sonst oft Motivationsprobleme hatte in der Zeit.
Aus dem Projekt habe ich viel Selbstbestätigung gewonnen.
Worauf ich auch stolz war, und grösstenteils noch bin, ist die Homepage www.handbuchbinderei.de und die abgeschlossenen Semesterarbeiten aus meinem Studium.

Und was glaubst Du, war generell die bedeutendste Medizin, die Du benötigt
hast, um die Sozialphobie und alle anderen psychischen Probleme zu überwinden?

Ähm, leider musste ich in der Zwischenzeit feststellen, dass meine Sozialphobie und die anderen psychischen Probleme noch nicht völlig überwunden sind.
Aber es geht mir jetzt schon so gut, wie ich früher (ca. der Zeitraum von 1990 bis 2000) fast nicht zu hoffen und erträumen gewagt habe.
Vor zwei Jahren habe ich gemerkt, dass mich ein paar Leute trotz meiner vielen Seltsamkeiten doch gerne leiden mögen, und das war eine super Medizin für mich, weil ich mir dachte, wenn mich jemand mag, bin ich ja gar nicht so verkehrt und dann kann ich mich ja selber auch mögen, und damit habe ich dann angefangen.
Ganz wichtig für mich ist die Erkenntnis, mich nicht ständig mit Leuten messen zu müssen, die keine sozialphobischen oder psychische Probleme haben.
Sondern zu erkennen dass ich wunderbare Fortschritte mache, anstatt nur zu schauen, wo ich noch nicht mithalten kann.
Überhaupt kann nicht jeder alles perfekt, auch die Leute die keine Angstprobleme haben sind nicht auf jedem Gebiet 120 prozentig, wieso setze ich mich dann diesem von mir selbst erzeugtem Druck des "Alles perfekt können müssens" aus? Und wieso mache ich mich damit emotional total fertig? Dafür gibt es keinen realistischen Grund, also lerne ich gerade, meine mir eigenen positiven Fähigkeiten zu entdecken (schwierig!), diese anzunehmen, zu fördern, auszuleben ...
Mittlerweile bin ich auf die Idee gekommen, dass ich Selbstwert auch dann empfinden kann, wenn ich nicht gerade etwas ganz tolles gemacht habe. Man ist als Mensch von Haus aus was wert. Der Gedanke ist mir wichtig, denn ich will mich nicht nur durch Leistung definiert sehen, will kein Workaholic werden der das Gefühl, als Person geliebt zu werden, nicht empfangen kann.
Ich habe erkannt, dass manche meiner Ziele schon Gegenwart geworden sind.
Z.B. habe ich mit immer gedacht, ich habe keine Kontakte zu Mitstudenten, und muss unbedingt welche haben und hab mich da richtig reingesteigert in das gedankliche Problem, dass ich keine hätte. Dann ist mir vor zwei Wochen aufgefallen, dass ich ja sehr wohl Kontakt zu mehreren Leuten aus dem Studium habe (Sonja, Johannes, Basti, Nana, Peter, Mel) und das ist doch schon genug um damit aufzuhören mir ein Problem zu machen.

Man muss einfach mal innehalten und sich der Veränderungen, positiven Fortschtritte und eigenen Weiterentwicklungen bewusst werden. Oft ist man schon im Ziel angelangt, und merkt es nicht, weil man den Blick nach hinten gerichtet hat, und ständig auf den Ausgangspunkt starrt.
Wichtig war für mich, zu merken, dass ich gar nicht mehr immer die bin, die ich zu sein glaubte.
Statt immer schüchtern bin ich jetzt nur manchmal zurückhaltend.
Statt mich nichts zu trauen, probiere ich manche Sachen einfach aus.
Statt dauernd Angst zu haben, was falsch zu machen, habe ich manchmal keine Angst.


Mal ne Kurzfassung meiner persönlichen Entwicklung:

Ausprobieren, die eigenen Interessen auszuleben.
Erfolg wird sich einstellen, nur nicht aufgeben.
Erfolg bringt Selbstwertgefühl, Angst lässt nach und mit anderen Leuten klappts viel besser.
Ab da sich konzentrieren auf den Wert der eigenen Person, man will ja nicht vom Erfolg abhängig werden, sondern zufrieden leben.


übrigens:

Auch Ich dachte, es wäre im Bereich des Möglichen, es allen Leuten, denen
man begegnet, recht machen zu können und ich habe geglaubt, es gäbe eine
absolute, objektive Wahrheit, auf die man zwangsweise kommen müsste, wenn
man nur richtig nachdenkt. Eigene Meinungen und Gefühle habe Ich zwar
gehabt, aber sie meist der zugunsten der Gewissheit, dass mein
Gesprächspartner sich schon nicht täuscht, verdrängt.

Ganz genau meine Erfahrung mit mir, nur hab ich nicht so treffende Worte dafür gefunden.

Alles Liebe,
Dani

19.06.2002 17:01 • #28



Dr. Reinhard Pichler


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