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Hallo,

Hm ja also, worum es geht, steht ja schon in der Überschrift.
Bevor ich darauf aber etwas näher eingehe, schildere ich erstmal meine Vorgeschichte.

Ich bin jetzt 25 Jahre alt, habe eine abgeschlossene Berufsausbildung und bin momentan aber arbeitsuchend und wohne daher noch zu Hause bei meinen Eltern. Soziale Phobie habe ich schon von Kindheit an. Gemerkt haben wir das etwa als ich 11 war und in die 5. Klasse kam. Ich habe während der grundschulzeit einmal die Klasse gewechselt, weil ich (genau wie im Kindergarten) mit meinen Lehrern und Mitschülern kein einziges Wort geredet habe. In der anderen Schulklasse ging das komischerweise.

Bis Ende der 4. Klasse war das dann aber auch erstmal gut. Als ich dann in die 5. Klasse und somit auch auf eine andere, neue Schule kam, hatte ich wieder Probleme. Ich fühlte mich einfach mega unwohl und habe die Schule möglichst gemieden. Das zeigte sich dadurch, dass ich entweder heimlich von der Schule abgehauen und nach Hause gegangen bin oder ich bin morgens aus dem Haus gegangen aber nicht in der Schule angekommen, sondern irgendwann umgedreht. Dadurch habe ich nicht nur eine menge Schulstoff verpasst sondern auch meine Mitschüler fingen an mich zu mobben.

Kurz vor Ende der 5. Klasse habe ich daher die Schule gewechselt und prompt legte ich das gleiche Verhalten wieder an den Tag. Ich weis nicht wie, aber irgendwie habe ich die Schule dann irgendwie geschafft. Mal abgesehen davon, das ich auch auf dieser Schule von meinen Mitschülern zwar nicht gemobbt aber dennoch gemieden wurde und immer alleine da stand. Nach dem Abschluss habe ich dann erstmal gar nichts weiter gemacht sondern war 6 Wochen in einer Tagesklinik bzw. war auch in Behandlung bei mehreren Therapeuten. 2007 habe ich dann meine Ausbildung in einem berufsbildungswerk angefangen und diese letztes Jahr im Januar abgeschlossen. Während dieser Zeit war ich auch in therapeutischer Behandlung und auch wieder 6 Wochen in einer Tagesklinik. Nicht allein wegen sozialer Phobie sondern es kamen auch noch Panikattacken dazu.

Wie gesagt, ich bin seit Januar 2011 fertig und seitdem zu Hause. Und weil ich bisher immer Pech hatte einen Job zu finden, dachte ich mir Anfang diesen Jahres, dass ich mir ein paar Praktikumsstellen suchen könnte. Das habe ich auch getan und habe somit 4 Stück an Land gezogen. Heute sollte das erste Praktikum anfangen und über 2 Wochen laufen. Aber.....ich bin auf dem Wege dort hin wieder umgekehrt und nach Hause gefahren
Tja und nun sitze ich hier und bin ein wenig sauer aber auch erleichtert. Sauer deswegen weil ich es mal wieder nicht geschafft habe und erleichtert deswegen, weil ich nun nicht im Praktikum bin. Habe meiner Mutter eine sms geschickt das ich wieder umgekehrt bin und im Praktikumsbetrieb habe ich auch angerufen das ich nicht komme wegen meiner psyche. Also...ich habe das Praktikum komplett abgesagt.

Auf der anderen Seite habe ich grade aber auch verdammt Angst das ich Ärger kassiere von meinen Eltern weil ich nicht im Praktikum war. Wiederum denke ich aber auch das der Ärger viell. gar net sooo krass ausfallen wird, weil das ja ein freiwilliges praktikum war, welches ich ja nicht für die Schule, Ausbildung oder so brauche. Ich hatte es mir ja nur gesucht um etwas zu tun zu haben.

Mir ist aufgefallen das ich diese Probleme dann habe, wenn ich gezwungen bin mit anderen zusammen zu arbeiten. In der Stadt zu bummeln oder ähnliches ist kein problem, denn da kann ich ja nach Hause fahren wenn ich keine Lust mehr habe und ich muss die Leute dort ja auch nicht ansprechen etc. Aber wenn ich arbeiten gehen würde, wäre ich dazu ja quasi gezwungen. Alleine fühle ich mich einfach viel wohler. Ich fahre z.B. 2x in der Woche Zeitungen aus, was mir aber gar nichts aus macht, weil ich da ja alleine bin. Ich habe momentan das Gefühl das ich nie richtig werde arbeiten können, trotz das ich ja arbeiten und Geld verdienen will.

Ich musste mir das grade einfach mal etwas von der Seele schreiben. Vielleicht kennt der ein oder andere von Euch ja solche oder ähnliche Situationen und mag sich austauschen ?

LG, Cacherotti

29.05.2012 13:11 • 29.05.2012 #1


2 Antworten ↓


Ich sollte viell. noch erwähnen das ich seit einem Jahr das Antidepressivum Citalopram nehme, weil ich durch die ganzen Situationen mit der sozialen Phobie (was nicht nur das Problem mit dem arbeiten sondern auch Freunde und Beziehungen angeht) halt depressiv geworden bin.

29.05.2012 13:14 • #2


Hi Cacherotti,
ich kann dein Verhalten leider gut verstehen, weil ich ähnliche und auch weitaus extremere Vermeidungsverhalten von mir selbst kenne.
Ich kann dir nur empfehlen dieses Verhalten als Teil deiner Angststörung zu akzeptieren, so dass du verständnisvoller mit dir selbst umgehen kannst. Es bringt einfach nichts, wenn du nun sauer auf dich bist - dies füttert nur die Ängste und Depressionen. Sei einfach ehrlich zu dir, und mache dir klar, dass dieses Verhalten momentan einfach völlig normal für dich ist, und dass du eben noch viel an dir arbeiten musst.
Du solltest lieber stolz auf dich sein, dass du es zumindest geschafft hast vier solche Praktika an Land zu ziehen. Versuche es doch einfach noch Mal, aber diesmal mit dem Vorsatz zumindest einen Tag dort hin zu gehen
Dass du dich zum arbeiten gezwungen fühlst und dich alleine viel wohler fühlst ist durchaus verständlich bei starken sozialen Ängsten. Mir geht es diesbezüglich auch nicht anders, aber ich hatte während meiner Ausbildungszeit auch das Erlebnis, dass ich auch völlig anders fühlen kann, wenn man sich akzeptiert und gemocht fühlt, so dass die Ängste gering sind.

29.05.2012 20:52 • #3




Dr. Reinhard Pichler