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spiegelkind
Hallo zusammen,

vor einiger Zeit hatte ich hier schon mal einen Thread gestartet zum Thema Jobsuche und Vorstellungsgespräche.

Nun geht es also ums eingemachte:

Ich hab am 01.03 begonnen zu arbeiten und damit heute meine erste Woche als Vollzeitangestellte hinter mir. Ich bin in einem ziemlich großen Konzern gelandet und habe nun schon einige Meetings hinter mir.
Die Angstgefühle kamen wieder hoch und naja....ich weiß auch nicht, vielleicht will ich es mir gerade einfach nur von der Seele schreiben oder Hoffe, dass der ein oder andere ein unterstützendes Wort oder eine eigene positive Erfahrung zuzusteuern hat.
In einigen Meetings war ich leider komplett unter Strom, es sieht auch so aus, als ob ich in Zukunft viel präsentieren müsste. Wie ich nun in so einem Beruf gelandet bin? Ich weiß es nicht. So viel sei gesagt, mein Arbeitgeber ist ein humaner, ich habe einen Tarifvertrag, werde nicht geknechtet es gibt Freiheiten wie Gleitzeit und ab und an Homeoffice, der Vertrag ist unbefristet. Aber natürlich muss ich es erst einmal meistern.
Bisher habe ich die Situationen irgendwie durchstehen können, obwohl es teilweise schon sehr hart war. Manchmal dachte ich nun kipp ich um oder muss den Konferenzraum fluchtartig verlassen. Nach den Regeln der Konfrontation müsste es ja mit der Zeit besser werde. War das vllt. bei jemandem so? Ich weiß auch nicht. ... Ich möchte es einfach so gerne hinbekommen. Klar, manchmal denke ich, dass ich vllt. was anderes suchen sollte, was wo ich weniger Kontakt mit anderen Menschen habe, aber ist das wirklich die Lösung? Diktieren die Angstgefühle dann nicht mein Leben? Ich philosophiere viel über diese Fragen...Ist es richtig was ich gerade tue, dass ich mich so unter Anspannung setze? Ist es falsch und entspricht nicht meiner natürlichen Art? Mache ich mich langfristig psychisch kaputt durch diesen Stress? Wird es dann irgendwann besser? Die Kollegen sprechen frei, präsentieren und diskutieren, sind locker.... werde ich das auch einmal können? Ich möchte den Job so gerne halten, weil die Rahmenbedingungen passen, was in dieser Welt echt selten der Fall ist. Auf lange Sicht werde ich reduzieren könne, den Homeoffice-Anteil steigern können, flexibel sein mit meiner Arbeitszeit...ich muss ner 40% davon in irgendwelchen Meetings verbringen und da immer wieder präsentieren.... Kann man das lernen? Kann man sich daran gewöhnen?

Ich wäre dankbar für ein paar Worte oder Gendaken

09.03.2018 21:30 • 31.03.2018 #1


14 Antworten ↓


Zitat von spiegelkind:
Hallo zusammen,

vor einiger Zeit hatte ich hier schon mal einen Thread gestartet zum Thema Jobsuche und Vorstellungsgespräche.

Nun geht es also ums eingemachte:

Ich hab am 01.03 begonnen zu arbeiten und damit heute meine erste Woche als Vollzeitangestellte hinter mir. Ich bin in einem ziemlich großen Konzern gelandet und habe nun schon einige Meetings hinter mir.
Die Angstgefühle kamen wieder hoch und naja....ich weiß auch nicht, vielleicht will ich es mir gerade einfach nur von der Seele schreiben oder Hoffe, dass der ein oder andere ein unterstützendes Wort oder eine eigene positive Erfahrung zuzusteuern hat.
In einigen Meetings war ich leider komplett unter Strom, es sieht auch so aus, als ob ich in Zukunft viel präsentieren müsste. Wie ich nun in so einem Beruf gelandet bin? Ich weiß es nicht. So viel sei gesagt, mein Arbeitgeber ist ein humaner, ich habe einen Tarifvertrag, werde nicht geknechtet es gibt Freiheiten wie Gleitzeit und ab und an Homeoffice, der Vertrag ist unbefristet. Aber natürlich muss ich es erst einmal meistern.
Bisher habe ich die Situationen irgendwie durchstehen können, obwohl es teilweise schon sehr hart war. Manchmal dachte ich nun kipp ich um oder muss den Konferenzraum fluchtartig verlassen. Nach den Regeln der Konfrontation müsste es ja mit der Zeit besser werde. War das vllt. bei jemandem so? Ich weiß auch nicht. ... Ich möchte es einfach so gerne hinbekommen. Klar, manchmal denke ich, dass ich vllt. was anderes suchen sollte, was wo ich weniger Kontakt mit anderen Menschen habe, aber ist das wirklich die Lösung? Diktieren die Angstgefühle dann nicht mein Leben? Ich philosophiere viel über diese Fragen...Ist es richtig was ich gerade tue, dass ich mich so unter Anspannung setze? Ist es falsch und entspricht nicht meiner natürlichen Art? Mache ich mich langfristig psychisch kaputt durch diesen Stress? Wird es dann irgendwann besser? Die Kollegen sprechen frei, präsentieren und diskutieren, sind locker.... werde ich das auch einmal können? Ich möchte den Job so gerne halten, weil die Rahmenbedingungen passen, was in dieser Welt echt selten der Fall ist. Auf lange Sicht werde ich reduzieren könne, den Homeoffice-Anteil steigern können, flexibel sein mit meiner Arbeitszeit...ich muss ner 40% davon in irgendwelchen Meetings verbringen und da immer wieder präsentieren.... Kann man das lernen? Kann man sich daran gewöhnen?

Ich wäre dankbar für ein paar Worte oder Gendaken


Die Angst wird man leider wohl nie los...

09.03.2018 21:42 • #2



Berufseinstieg meistern

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Risberg
Erstmal Glückwunsch zum neuen Job!

Direkt unbefristet, ohne Probezeit? Na umso besser. Bei mir war die Lage verdächtig ähnlich, hatte nach meiner 3 Jährigen Ausbildung einen einjährigen Zeitvertrag auch das Glück im Anschluss einen unbefristeten Arbeitsvertrag ergattern zu können, das ist nun 8 Monate her - selbe Konditionen wie bei dir - ein 6er im Lotto in der heutigen Zeit!

Der Anfang ist natürlich schwer wenn du alles von der Pieke auf neu lernen musst, der Druck enorm - aber hab Vertrauen in dich, der AG wird sich nicht umsonst für dich entschieden haben. Ich weis nun nicht was du für ein Krankheitsbild hast, aber deine Denkweise allein zeugt schon von Stärke. Es wird besser werden, du bist ja nun noch wirklich sehr frisch dabei. Was das präsentieren angeht wirst du sicherlich auch Stück für Stück sicherer werden, ist noch kein Meister vom Himmel gefallen - versuch dir nicht mehr Druck wie nötig zu machen.

Bin nach meiner Übernahme auch in eine für mich neue Abteilung gekommen und musste mich erstmal mit meinen neuen Feld vertraut machen, das brauch halt seine Zeit. Lange Rede kurzer Sinn, nach etwa 8 Monaten nun komm ich deutlich besser klar, bin nicht mehr so unsicher und die Angst in Situation wie bei Teamsitzungen ist auch besser geworden.

09.03.2018 22:02 • #3


spiegelkind
Zitat von Risberg:
Erstmal Glückwunsch zum neuen Job!

Direkt unbefristet, ohne Probezeit? Na umso besser. Bei mir war die Lage verdächtig ähnlich, hatte nach meiner 3 Jährigen Ausbildung einen einjährigen Zeitvertrag auch das Glück im Anschluss einen unbefristeten Arbeitsvertrag ergattern zu können, das ist nun 8 Monate her - selbe Konditionen wie bei dir - ein 6er im Lotto in der heutigen Zeit!

Der Anfang ist natürlich schwer wenn du alles von der Pieke auf neu lernen musst, der Druck enorm - aber hab Vertrauen in dich, der AG wird sich nicht umsonst für dich entschieden haben. Ich weis nun nicht was du für ein Krankheitsbild hast, aber deine Denkweise allein zeugt schon von Stärke. Es wird besser werden, du bist ja nun noch wirklich sehr frisch dabei. Was das präsentieren angeht wirst du sicherlich auch Stück für Stück sicherer werden, ist noch kein Meister vom Himmel gefallen - versuch dir nicht mehr Druck wie nötig zu machen.

Bin nach meiner Übernahme auch in eine für mich neue Abteilung gekommen und musste mich erstmal mit meinen neuen Feld vertraut machen, das brauch halt seine Zeit. Lange Rede kurzer Sinn, nach etwa 8 Monaten nun komm ich deutlich besser klar, bin nicht mehr so unsicher und die Angst in Situation wie bei Teamsitzungen ist auch besser geworden.


Nein, also eine Probezeit von 6 Monaten habe ich schon, das macht mich ja auch so unsicher... Aber grundsätzlich ist es eben ein unbefristeter Vertrag, Also nach der Probezeit auf unbestimmte Zeit angestellt. Aber ich danke dir für den positiven Ausblick, das macht schon mal etwas Mut.

Mein Krankheitsbild ist eine soziale Phobie und generalisierte Angst...Nun ist meine soziale Phobie aber nicht so extrem ausgeprägt, dass ich nicht in einem offenen Büro sitzen könnte oder mit engeren Kollegen klarkommen. Auch kurz vorstellen ist kein Problem. Meine größte Sache sind vor allem die stundelangen Meetings und die Präsentationen und Redebeiträge vor vielen Leuten....da überkommen mich dann immer Übelkeit, Schwindel und Herzrasen...

Und ja, über den 6er im Lotto bin ich mir eben bewusst. Es ist ein gutes Unternehmen, Mitarbeiterwohlbefinden liegen am Herzen, fühlt man sich mal angeschlagen bleibt man im Homeoffice, alle sind soweit recht freundlich, die Chefs duzen einen und umgekehrt, meine engeren Kollen mag ich soweit, die Zeit wird erfasst und einem zur Not gutgeschrieben, Teilzeit wird ermöglicht später und im Alter...an sich ein Arbeitgeber bei dem ich gerne bleiben würde. Nur hab ich jetzt erst mal eine eher sprechlastige Stelle ergatter...später wäre ein Wechsel dann immer gut möglich... aber eben erst einmal die Probezeit schaffen und sich vllt 1-2 Jahre etablieren. Es macht mich einfach unsicher, ich lese von so vielen die gerade wegen sozialer Phobei in der Probezeit rausgeflogen sind....und das macht mich richtig krank vor Sorge und es baut sich ungemeiner Druck auf. Zusätzlich bin ich auch noch eine finanzielle Verpflichtung eingegangen, weil ich bald meine erste eigene Wohnung beziehe und hier eben auch Miete zahlen muss...

09.03.2018 22:10 • #4


kl Schnecke
Ich glaube wir hatten schon mal das Vergnügen
Toll das du einen Job gefunden hast der dir vom Prinzip her gefällt.
Das du dich mit allen Dingen die du zur Zeit bewerkstelligen must unwohl fühlst kann ich gut nachvollziehen.
Das ist aber normal und geht allen anderen auch so , die irgendwo neu anfangen. Sei stolz auf dich, dass du alles versuchst so gut es deinen Umständen geht zu bewerkstelligen, du hast Mut und nimmst die Herausforderung an das ist gut

Ich glaub ich hab dich schon mal gefragt ob du Therapie machst und wenn schilder dort deine Probleme.
Such dir einen Choatsch oder manchmal bieten die Volkshochschulen auch diverse Angebote an die hilfreich und unterstützend sein können.

LG. Kl. Schnecke

09.03.2018 22:24 • #5


spiegelkind
Zitat von kl Schnecke:
:huhu: Ich glaube wir hatten schon mal das Vergnügen
Toll das du einen Job gefunden hast der dir vom Prinzip her gefällt.
Das du dich mit allen Dingen die du zur Zeit bewerkstelligen must unwohl fühlst kann ich gut nachvollziehen.
Das ist aber normal und geht allen anderen auch so , die irgendwo neu anfangen. Sei stolz auf dich, dass du alles versuchst so gut es deinen Umständen geht zu bewerkstelligen, du hast Mut und nimmst die Herausforderung an das ist gut

Ich glaub ich hab dich schon mal gefragt ob du Therapie machst und wenn schilder dort deine Probleme.
Such dir einen Choatsch oder manchmal bieten die Volkshochschulen auch diverse Angebote an die hilfreich und unterstützend sein können.

LG. Kl. Schnecke


Ja, wir haben schon mal geschrieben. Nunja, das stimmt mutig war ich schon immer. Es widerspricht irgendwie meiner Art mich davon kleinkriegen zu lassen.
Ja, ich habe eine Verhaltenstherapie dazu gemacht und dann auch noch mal die Onlien-Therapie von Studicare. Verhaltenstechnisch gibts für mich nicht mehr viel zu lernen. Ich kenne die Tricks, mache regelmäßig kognitive Umstrukturierungen etc. und weiß wo rein psychologisch die Probleme liegen.
Dennoch heißt das natürlich nicht, dass man dann auch direkt geheilt ist Ich glaube momentan ist eben die Angst vor der Angst ein Problem. Ich finde diese unangenehmen Symptome fürchterlich und will nicht dass sie mich in meiner Leistungsfähigkeit einschränken.

09.03.2018 22:36 • #6


kl Schnecke
Vielleicht gehören die Symptome im Moment nun mal dazu und es sind nur irgend welche Stresssymptome, du läufst zur Zeit auf Hochtouren.
Vielleicht kann es dir helfen das du dich darauf aufmerksam machst das aber gar nichts passiert ist, gar nicht umgekippt bist nur ein Gefühl ist.

09.03.2018 22:42 • #7


Jan_
Na das hört sich ja grundsätzlich alles recht positiv an.

Ich glaube wichtig ist es einen Ausgleich zu finden. Wenn dich der Beruf unter Anspannung versetzt, dann ist es wichtig das wahrzunehmen und entsprechend Pausen und Erholung (im Feierabend, Urlaub etc) zu schaffen. Um dann auch wieder die Kraft zu haben das schwierigere und anstrengendere meistern zu können.

Grundsätzlich hört man ja öfters davon dass so etwas leichter wird. Je mehr Übung und Routine man bekommt, desto leichter wird es - auch wenn immer etwas Nervosität bleibt (was ja natürlich ist, weil man es 'gut' machen will).
An der Grundeinstellung dazu (Sicht dazu ändern, sich selbst Ängste nehmen, Akzeptanz) und dem negativen Nährboden dafür (Selbstwert, Befürchtungen, generelle Belastung) zu arbeiten ist aber sicherlich genauso wichtig.

Diese Herausforderungen zu haben kann man natürlich auch als gute Konfrontationszwänge sehen, bei der man sich der Angst stellen muss.
Meine Therapeuten haben eigentlich auch immer Konfrontation empfohlen, auch wenn mein Beruf jetzt eher in die Gegenrichtung ist (Homeoffice; nach Umzug noch beim alten Arbeitgeber).

Zitat von spiegelkind:
Ich finde diese unangenehmen Symptome fürchterlich und will nicht dass sie mich in meiner Leistungsfähigkeit einschränken.

Tja, so wirklich vermeiden lässt sich das ja nicht. Kann man nur als gegeben akzeptieren und damit umgehen. Das gehört halt dazu.
Und wenn sie dich einschränken dann kannst du auch nur damit umgehen, die Einschränkung ja aber nicht verhindern oder direkt abmildern. Es direkt kontrollieren zu wollen führt eher zum Gegenteil - mehr Anspannung, mehr Frustration, mehr Angst.

10.03.2018 02:33 • #8


TomTomson
Klar kannst du diese Angst überwinden. Aber erstmal, es gibt halt 2 Arten von Konfrontation, eine "richtige" und eine "falsche". Die falsche Konfrontationsart ist, dass man sich in die Situation begibt und versucht mit Augen zu und durch irgendwie heil rauszukommen, dabei hofft man die ganze Zeit dass es vorbei ist und möchte am liebsten gar nicht richtig dort sein.
Die richtige Konfrontationsart ist, dass man sich bewusst auf die Angst einlässt, man konfrontiert sie aktiv und ist mit der Aufmerksamkeit so gut es geht bei der aktuellen Situation. Man hofft nicht darauf, dass die Situation schnellstmöglich vorbei ist, sondern geht mit dem Gedanken rein, dass man sich so lange der Angst aussetzt, bis diese schwächer wird.

Viele Leute versuchen zwar die Angst zu konfrontieren, machen es aber auf eine falsche Art, dies lindert die Angst aber nicht sondern hält sie nur aufrecht. Also achte darauf, dass du es auf die richtige Art machst. Am besten setzt du dich zuhause noch mit der Angst auseinander, was genau macht dir Angst? Was wäre das Schlimmste was passieren könnte? Welche negativen Erfahrungen hast du bisher gemacht?

10.03.2018 02:39 • x 1 #9


spiegelkind
Vilelen Dank erst mal an alle für die netten Worte und hilfreichen Ratschläge. Ja, tatsächlich hoffe ich momentan, dass sich der Spruch "Man wächst an seinen Aufgaben und Herausforderungen" bewahrheit und sich die Dinge Stück für Stück bessern und soweit regeln, dass zumindest Team- und Bereichsmeetings gut gehen. Ich wollte mir selbst einfach nicht die Chance nehmen, so einen Job zu schaffen. Wenn es dann doch nicht gehen sollte, dann ist der Weg zum Arzt oder die Bewerbung auf eine weniger soziale Stelle oder sogar eine weitere Ausbildung immer noch möglich. Das versuche ich mir auch immer zu sagen: "Das hier ist nicht deine einzige Möglichkeit".

Zitat von Jan_:
Ich glaube wichtig ist es einen Ausgleich zu finden. Wenn dich der Beruf unter Anspannung versetzt, dann ist es wichtig das wahrzunehmen und entsprechend Pausen und Erholung (im Feierabend, Urlaub etc) zu schaffen. Um dann auch wieder die Kraft zu haben das schwierigere und anstrengendere meistern zu können.


@jan_: Hier hast du natürlich vollkommen Recht. Das hab ich jetzt in der Woche vernachlässigt. Meist kreisen meine Gedanken ständig um die Angstproblematik und den nächsten Tag oder das Meeting in der nächsten Woche. Und ja es stimmt auch, Kontrolle ist der falsche Weg. Immer wenn ich zu stark versuche die Symptome zu unterdrücken, dann werden sie erst Recht schlimm.

Zitat von TomTomson:
Die richtige Konfrontationsart ist, dass man sich bewusst auf die Angst einlässt, man konfrontiert sie aktiv und ist mit der Aufmerksamkeit so gut es geht bei der aktuellen Situation. Man hofft nicht darauf, dass die Situation schnellstmöglich vorbei ist, sondern geht mit dem Gedanken rein, dass man sich so lange der Angst aussetzt, bis diese schwächer wird.


@tomtomson: Da sagst du natürlich was sehr Wahres. Ich denke, das habe ich bisweilen nicht ganz richtig gemacht. Oft schaue ich verstohlen auf die Uhr und zähle die Minuten wie lange ich noch "aushalten" muss. Hier muss ich wohl ein wenig an meinem Gedankensatz arbeiten und versuchen eher spielerisch an das ganze ranzugehen und mir zu sagen: "Okay, schauen wir mal, wie lange es dauert bis die Gefühle nachlassen, aber ich will die Situation definitiv erleben".

Mit meinen Angstgefühlen setze ich mich regelmäßig in Form von kognitiven Umstrukturierungen und Realitätstests auseinander. Jede Situation dich gemeister habe, versuche ich für mich im neutralen Licht zu sehen und Erfolge ganz bewusst für mich deutlich zu machen. Warum ich diese Angstgefühle habe? Das ist schwierig. Die Thera meinte damals, am ehesten, weil ich zum einen sehr überbehütet aufwuchs (ala "Die Welt will dir Schlechtes") und zum anderen weil mir meine Mutter eine sehr starke soziale Orientierung vorgelebt hat (sie hat immer sehr darauf geachtet, ja keinen schlechten Eindruck zu hinterlassen). Negative Erfahrungen habe ich selbst eher selten gemacht, zumeist bin ich den Leuten sympathisch, weil ich eine ziemlich freundliche Art habe und meist höflich mit anderen umgehe. Ich mag Menschen auch eigentlich und interessiere mich für sie, das merken die meisten. Wenn ich so schreibe, dann fällt mir auch auf, dass ich diese Probleme vor allem habe, wenn ich denke jemand ist "besser" als ich. Also liegt die Krux vllt. ganz klassisch sehr stark im Selbstwertgefühl und ich muss aufhören mich beweisen zu wollen bzw. daran arbeiten mich einfach zu nehmen oder sogar zu lieben wie ich bin.

Vllt sollte an der Stelle auch gesagt sein, dass ich eine sehr schwere Beziehung mit einem Mann hinter mir habe, der mir in Streits oft sagte, dass ich dumm bin oder krank und mich für mich schämen soll. Der mich auch oft mit Abweisung gestraft hat, wenn ich nicht tat was er wollte. Ich habe es geschafft das zu beenden, aber es nagt natürlich noch sehr an mir, denn das ging über 3 Jahre....

10.03.2018 11:00 • x 2 #10


TomTomson
Ich denke du wirst das schon hinbekommen, du scheinst eine recht gesunde Denkweise und Problemeinsicht zu haben. Bleib dran das wird schon,fsd ganze braucht halt Zeit und Disziplin, aber es lohnt sich.

10.03.2018 15:41 • #11


aldia249
Zitat von spiegelkind:
Hallo zusammen,

vor einiger Zeit hatte ich hier schon mal einen Thread gestartet zum Thema Jobsuche und Vorstellungsgespräche.

Nun geht es also ums eingemachte:

Ich hab am 01.03 begonnen zu arbeiten und damit heute meine erste Woche als Vollzeitangestellte hinter mir. Ich bin in einem ziemlich großen Konzern gelandet und habe nun schon einige Meetings hinter mir.
Die Angstgefühle kamen wieder hoch und naja....ich weiß auch nicht, vielleicht will ich es mir gerade einfach nur von der Seele schreiben oder Hoffe, dass der ein oder andere ein unterstützendes Wort oder eine eigene positive Erfahrung zuzusteuern hat.
In einigen Meetings war ich leider komplett unter Strom, es sieht auch so aus, als ob ich in Zukunft viel präsentieren müsste. Wie ich nun in so einem Beruf gelandet bin? Ich weiß es nicht. So viel sei gesagt, mein Arbeitgeber ist ein humaner, ich habe einen Tarifvertrag, werde nicht geknechtet es gibt Freiheiten wie Gleitzeit und ab und an Homeoffice, der Vertrag ist unbefristet. Aber natürlich muss ich es erst einmal meistern.
Bisher habe ich die Situationen irgendwie durchstehen können, obwohl es teilweise schon sehr hart war. Manchmal dachte ich nun kipp ich um oder muss den Konferenzraum fluchtartig verlassen. Nach den Regeln der Konfrontation müsste es ja mit der Zeit besser werde. War das vllt. bei jemandem so? Ich weiß auch nicht. ... Ich möchte es einfach so gerne hinbekommen. Klar, manchmal denke ich, dass ich vllt. was anderes suchen sollte, was wo ich weniger Kontakt mit anderen Menschen habe, aber ist das wirklich die Lösung? Diktieren die Angstgefühle dann nicht mein Leben? Ich philosophiere viel über diese Fragen...Ist es richtig was ich gerade tue, dass ich mich so unter Anspannung setze? Ist es falsch und entspricht nicht meiner natürlichen Art? Mache ich mich langfristig psychisch kaputt durch diesen Stress? Wird es dann irgendwann besser? Die Kollegen sprechen frei, präsentieren und diskutieren, sind locker.... werde ich das auch einmal können? Ich möchte den Job so gerne halten, weil die Rahmenbedingungen passen, was in dieser Welt echt selten der Fall ist. Auf lange Sicht werde ich reduzieren könne, den Homeoffice-Anteil steigern können, flexibel sein mit meiner Arbeitszeit...ich muss ner 40% davon in irgendwelchen Meetings verbringen und da immer wieder präsentieren.... Kann man das lernen? Kann man sich daran gewöhnen?

Ich wäre dankbar für ein paar Worte oder Gendaken


Hallo spiegelkind,

also vorneweg: ich bin nicht betroffen von sozialer Phobie.

..dennoch möchte ich was dazu schreiben. Mir ging es mit gewissen Ängsten und dieser Fragestellung "wird es besser oder nicht?" ähnlich. Ich habe schon immer panische Angst vor Reisen gehabt und auch schon, wenn es darum ging, eine Stunde entfernt irgendwo geplant hinzufahren. Irgendwann wurde es in meiner Ausbildung aufgrund von Langeweile für mich so unaushaltbar, dass mein Chef mir anbot, in einen anderen Bereich zu wechseln, in welchem jemand gekündigt hatte. Für diese Stelle musst ich allerdings ne Stunde pendeln. Da ich mich so unwohl gefühlt hab mit der aktuellen Situation, hab ich ohne überhaupt an Problem B zu denken, JA gesagt.. und dann letztendlich auch begonnen..
Siehe da..komischerweise ging es nach ner Zeit und es wurde besser, sicherlich auch, weil der Job gut war. Das ist jetzt ca. 5 Jahre her und seitdem hab ich ein Studium (auch mit Pendeln) und eine neue Arbeit (auch Pendeln) begonnen..keinerlei Probleme mehr.. so viel zum Thema Ängste können besser werden.

Das ist aber nur ein Aspekt.. Im Fall von Pendeln ist es Mittel zum Zweck..Wenn das Präsentieren und Anderes allerdings einen großen Teil der künftigen Arbeit ausmachen wird und du langfristig (kann man ja testen und schauen wie sichs entwickelt) merkst, dass es dir keinen Spaß bereitet und es einfach nicht Deins ist, macht es irgendwann Sinn umzudenken.

Wichtig ist glaube ich nur, dass du dir den Druck der Entscheidung raus nimmst. Entscheidungsdruck und allgemein Druck verstärkt wiederum die Angst und da kannst noch weniger rational beurteilen, was Angst und was "Ich will es einfach nicht" ist. Gib dir doch einfach Zeit.. Schau wie es sich entwickelt.. Stell dich deinen Ängsten soweit es geht und dann siehst du, ob es besser wird oder nicht..Sei nicht hart zu dir, wenn es dir mal nicht gelingen wird.. Egal welche künftigen Entscheidungen du treffen wirst, es gibt immer einen Plan B..

Vergleich dich auch nicht mit deinen Kollegen..Jeder ist anders..vielleicht haben die andere Ängste / Defizite oder was auch immer. DU bist gut so wie du bist und es geht nur um dich und nicht um die anderen

LG

10.03.2018 17:52 • x 2 #12


spiegelkind
Hallo, ich dachte ich gebe mal einen kurzen Zwischenstand durch.

Ich merke schon erste kleine Fortschritte, seit ich versuche mich so gut es geht an eure Ratschläge zu halten. Im Team fällt mir das Reden schon leichter und ich habe auch immer mal wieder was zu sagen und traue mich das dann auch. Größere Meetings 9vor allem lange, die über eine Stunde gehen) empfinde ich noch immer als ziemlich anstrengend. Aber wer weiß, vielleicht kommen hier auch noch Fortschritte.

Was mir aber noch sehr zu schaffen macht, ist die Umstellung. Jeden Tag um halb 7 raus und um halb 7 wieder heimkommen ist sehr anstrengend. Grade wenn einem durch die Angstgefühle auch noch Druck entsteht und die Tage so doppelt belastend werden. Einmal hatte ich sogar schon ziemliche Kreislaufprobleme auf der Arbeit und musste kurz die Füße hochlegen, aber irgendwie war das auch weniger schlimm als gedacht. Der anwesende Kollege hat sich nicht groß daran gestört und es weitestgehend ignoriert als im ihm erklärte, dass ich ein wenig mit dem Kreislauf zu kämpfen habe, das aber in einer halben Stunde vorbei ist.

Ja, also ich hoffe sehr, dass sich weiterhin Fortschritte einstellen. Auf lange Dauer würde ich diesen Stress vermutlich nicht durchhalten. Aber nun gilt es erst mal weiterhin Probezeit überstehen.

27.03.2018 22:26 • x 1 #13


Jan_
Dass so lange Tage anstrengend sind, und durch Anspannung/Ängste um so mehr, kann ich sehr gut nachvollziehen.
Wenn man da Erholungsphasen/-pausen einbauen kann ist das natürlich von Vorteil.

Aber was du insgesamt äußerst hört sich ja super an!
Wie lange hast du denn noch Probezeit?
Du kannst dir ja überlegen zukünftig eine reduzierte Stundenzahl anzustreben. Je nach Unternehmen ist das auch kein Problem.

30.03.2018 12:33 • #14


kl Schnecke
Zitat von spiegelkind:
Hallo, ich dachte ich gebe mal einen kurzen Zwischenstand durch. Ich merke schon erste kleine Fortschritte, seit ich versuche mich so gut es geht an eure Ratschläge zu halten. Im Team fällt mir das Reden schon leichter und ich habe auch immer mal wieder was zu sagen und traue mich das dann auch. Größere Meetings 9vor allem lange, die über eine Stunde gehen) empfinde ich noch immer als ziemlich anstrengend. Aber wer weiß, vielleicht kommen hier auch noch Fortschritte. Was mir aber noch sehr zu schaffen macht, ist die Umstellung. Jeden Tag um halb 7 raus und ...


Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg . Kannst ja bei Gelegenheit berichten wie es so weiter läuft.
Wünsche dir schöne Ostertage.

31.03.2018 22:23 • #15



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Dr. Reinhard Pichler