26

Mindhead
Zitat von Schlaflose:
Der Asperger würde sich um so etwas überhaupt nicht scheren, er macht sich keine Gedanken darum, wie er auf andere wirkt und empfindet keine Schamgefühle oder Angst vor Blamage usw.


Nun, da muss ich mal dagen, dass das nicht stimmt.
Natürlich scheren sie sich darum! Manche mehr, manche weniger. Bei jedem ist das ganz unterschiedlich.

Zudem wünschen sich einige wirklich Kontakt zu haben und zu interagieren. Aber das ist wirklich schwierig, wenn ein Gesicht nur ein Gesicht ist und die Stimme nur eine Stimme. Wenn alles um einen herum einem ins Auge sticht und zu viele Geräusche für einen Druck sorgen. Wenn man ein Overload bekommt und wenn man nicht versteht, wieso Menschen das tun und wollen, was sie tun und wollen.
Und nur Mal so; Es gibt häufig Unterschiede bei Männern und Frauen.

Asperger Autismus ist eine andere Art des Denkens. Vor allem die Wahrnehmung ist anders. Die Filter (akustisch und visuell) funktionieren nicht, wodurch Filtern praktisch unmöglich wird (übrigens ist das wirklich zum Teil sehr anstrengend und schrecklich).
Das ist erstmal ein Kennzeichen.
Zweitens dann eben die Kommunikation. Zwischenmenschliche Beziehungen sind schwierig, vor allem weil sie schwierig mit der Mimik und Gestik umgehen können bzw. sie nicht richtig deuten können und dadurch erhebliche Probleme auftauchen.

Natürlich können auch Asperger auch andere psychische Störungen bekommen, das ist sogar häufiger der Fall.
Aber so eine Störung und einer Asperger Störung sind wirklich zu unterscheiden und nicht nur in "Kleinigkeiten"

08.08.2017 05:46 • #21


@Bimi[quote=reenchen]die Medikamente nehme ich allein wegen den Schlafstörungen und damals halfen sie mir auch gegen die aus dem Schlafmangel resultierenden Depressionen.
Mit Kollegen hatte ich allerdings nie Probleme und es immer genossen, in ihrer Gesellschaft zu sein. Es ist aber nie zu Kontakten außerhalb der Arbeitszeit gekommen.
[/quote]
Das war ein Zitat von @Schlaflose , nicht von mir.

08.08.2017 07:48 • #22



Hallo Bimi,

Ävps oder Asperger Syndrom Austausch mit Betroffenen

x 3#3


Schlaflose
"Auch, wenn es für Außenstehende so wirkt: Menschen mit Asperger-Syndrom wollen nicht unbedingt zurückgezogen leben – sie sind aber nicht in der Lage, soziale Situationen und Signale einschätzen zu können und sich entsprechend zu verhalten, sodass sie nur schwer Beziehungen aufbauen. Allerdings haben sie nur wenig Freude daran, ihre Interessen mit anderen zu teilen. Asperger-Betroffene können sich nicht in andere Menschen hineinversetzen. Die Emotionen anderer – zum Beispiel Wut, Trauer, Ärger – können sie nicht nachvollziehen. Es fehlt ihnen die Fähigkeit, die Gefühle anderer zu erfassen, also Empathie zu zeigen und Mitgefühl zu entwickeln. Dadurch machen sie oft einen rücksichts- und distanzlosen Eindruck und verhalten sich unangepasst."

(Quelle: Onmeda)

Zitat von Mindhead:
Natürlich scheren sie sich darum! Manche mehr, manche weniger. Bei jedem ist das ganz unterschiedlich.


Wenn man die Reaktionen der Mitmenschen auf einen selbst nicht einschätzen und man die Gefühle anderer nicht erfassen kann, müsste eigentlich auch die Fähigkeit fehlen, sich Sorgen darüber zu machen, wie man selbst auf die Mitmenschen wirkt und wie sie über einen denken.

08.08.2017 09:44 • #23


Hab auch ÄVPS diagnostiziert. Bei mir ist es so, dass ich nur schwer nahe Bindungen eingehen kann, aus Angst, abgelehnt zu werden. Im Gespräch bin ich auch gestresst, da ich zu sehr gefallen will. Ich getraue mich oft nicht meine Meinung zu sagen aus Angst vor Konflikten. Ich bin oft tief verunsichert, ob mein Verhalten nun richtig oder falsch ist, ob das was ich sage, denke, fühle richtig oder falsch ist. Da ist eine sehr tiefe Verunsicherung.

Ich denke, wenn die (die Leute) wüssten wer ich wirklich bin, würden sie mich eh verlassen, da ich insgeheim ein schrecklicher Mensch bin. Deswegen bin ich sehr angepasst und bin immer auf Harmonie aus. Ich schäme mich auch oft für eigentlich total harmlose Dinge. Ich stehe gar nicht gern im Mittelpunkt, wenn jemand etwas von mir fordert oder mich zu lange ansieht, wird mir unwohl und dann will ich weg.

So in etwa ist das bei mir.

08.08.2017 10:17 • x 1 #24


@Freisein Das trifft Wort für Wort auch auf mich zu. Gerade das mit dem Verlassenwerden: Ich habe zu meiner Therapeutin gesagt, ich sei eine Mogelpackung, Fassade okay, aber dahinter nur Schlechtes, das wolle ich meinen Mitmenschen ersparen bzw. habe ich Angst, dass das entdeckt wird und dass ich dann im Stich gelassen werde und mir das Verlassenwerden weh tut. Darum lasse ich kaum jemanden an mich ran. Ich dachte, das sei nur bei mir so.

08.08.2017 10:24 • #25


Zitat von juwi:
@Freisein Das trifft Wort für Wort auch auf mich zu. Gerade das mit dem Verlassenwerden: Ich habe zu meiner Therapeutin gesagt, ich sei eine Mogelpackung, Fassade okay, aber dahinter nur Schlechtes, das wolle ich meinen Mitmenschen ersparen bzw. habe ich Angst, dass das entdeckt wird und dass ich dann im Stich gelassen werde und mir das Verlassenwerden weh tut. Darum lasse ich kaum jemanden an mich ran. Ich dachte, das sei nur bei mir so.


Ja, genau, Angst, dass das entdeckt wird. Ich höre oft in Gesprächen einfach nur zu und stelle Fragen. Dann muss ich nichts über mich erzählen. Die meisten Menschen merken das gar nicht. Die sagen dann ich sei eine gute Zuhörerin. Nur anonym hier oder bei meinem Freund kann ich mich öffnen. Selbst bei meiner besten Freundin, die ich seit über 26 Jahren kenne, kann ich nicht immer offen sein. Ich habe oft Angst, dass sie mich dann doof findet und mich verlässt.

08.08.2017 10:36 • #26


Haha, die "gute Zuhörerin" bin ich auch. Dabei konzentriere ich mich in Wirklichkeit gar nicht so sehr drauf, was andere sagen, sondern bin mit Selbstbeobachtung beschäftigt, z.B. "Schaue ich eh nicht verräterisch blöd drein, sodass der andere merkt, dass ich mich in Gesellschaft nicht wohl fühle?"

08.08.2017 10:41 • #27


Schlaflose
Zitat von Freisein:
da ich insgeheim ein schrecklicher Mensch bin.

Das habe ich von mir noch nie gedacht.
Schreckliche Menschen sind in meinen Augen Leute, die Verbrechen begehen, betrügen, sich ohne Rücksicht auf Verluste Vorteile verschaffen, sich den Mitmenschen gegenüber rücksichtslos verhalten, indem sie zu laute Musik hören usw.

Ich wundere mich zwar immer wieder, warum sich Leute sich mit mir abgeben, obwohl ich so gehemmt und zurückhaltend bin, aber ich bin schon immer so akzeptiert worden, wie ich bin.

08.08.2017 10:47 • #28


@juwi Das mit der Selbstbeobachtung hab ich weniger. Oft will ich dann einfach zu sehr gefallen und stimme bei vielem zu, aber dabei fühle ich mich so nicht ganz in mir drin, so ausser mir. Ich rede dann auch dummes Zeug wie ich finde und brabble falsche Wörter hin, bin wie ein Papagei, wiederhole Zeugs, da ärgere ich mich dann wieder über mich. Also ich denke dann schon, die finden mich bestimmt doof, aber nicht so, dass sie es mir ansehen würden, nur dass sie halt dann sagen wenn ich dann weg bin, das ist ne ganz komische oder die war ja doof oder so.

Sowieso wenn dann Leute halt über andere lästern, dann fühle ich mich unwohl und betroffen, da ich ja auch z.b. manchmal so bin, wie die darüber lästern. Dann werde ich meistens sehr still.

@Schlaflose das ist schön, dass du schon immer so akzeptiert wurdest, wie du bist. Das war bei mir in der Kindheit halt nicht so.

08.08.2017 11:07 • #29


Ich stimme auch oft zu, wenn jemand etwas sagt, nur um zu gefallen. Dadurch kommt es oft zu Missverständnissen, dann heißt es, oh, wir sind uns ja so ähnlich. Hatte schon Fälle, wo jemand mit mir befreundet sein wollte, der ganz andere Ansichten als ich hatte, der aber glaubte, wir seien so etwas wie seelenverwandt Da gab es zum Beispiel eine aus der Selbsthilfegruppe, die total esoterisch drauf war. Ich habe bei ihrem Gerede immer nur höflich genickt und das hat sie natürlich als totale Zustimmung interpretiert. Dabei kannst du mich mit Esoterik jagen!

08.08.2017 11:14 • #30


Ojeee, soweit geht's.... fühlst du dich dann aber auch so nicht in dir drin, wenn du dich wieder mal so verbiegst? So wie taub im Körper iwie ganz ganz komisch, so aufgeregt.

Ich hoffe ich crashe den Thread hier nicht...

08.08.2017 11:19 • #31


Liebe Schlaflose,

wie kamst Du denn in der Schule klar? Bei mir steht kommendes Jahr das Referendariat an und z.Zt. schreibe ich meine Doktorarbeit fertig. Doch leider geht es mir seit drei Monaten ziemlich schlecht, es fing an mit sozialer Phobie und Panikattacken. Ich habe mich wohl auch ziemlich reingesteigert, weil ich mich mit ävPS beschäftigt habe, die ich vor 7 Jahren diagnostiziert bekommen habe (in der Psychiatrie, wobei meine Therapeutin und Psychiaterin die Diagnose bezweifeln). Kann man Schule trotz ävPS schaffen, zumindest das Ref.? Ich hätte es so gerne gemacht, bin gerade aber wahnsinnig eingenommen von meinen Ängsten vor allem den sozialen (warte auf Tagesklinikplatz)...

08.08.2017 11:56 • #32


Auch an alle anderen die Frage: wie kommt man am besten aus einer sozialängstlichen Phase raus? Bin gerade ziemlich verzweifelt! Müsste so vieles tun und komme zu nichts...

08.08.2017 12:20 • #33


Also wenn ich eh schon zu viel um die Ohren hatte, gings mir sowieso immer schlechter, auch Betreff der Ängste. Zur Ruhe kommen ist erstmal gut. Was in deinem Fall grad schwierig ist. Aber es wäre wichtig. Und wenn man genug Energie hat, würde ich irgendeine Kampfkunstart empfehlen, darf auch ohne Kampf sein, Tai Chi oder so. Vielleicht geht auch was anderes, je nach Typ, aber etwas wo du die Muskeln brauchst und den Körper stärkst, die Haltung verbesserst.

Und dann, das sagte meine frühere Therapeutin immer, trotzdem machen, trotz Angst. Aber bitte dosiert, sonst ist es dann wieder zu zuviel. Häppchenweise.

08.08.2017 12:39 • #34


Zitat von Freisein:
Ich hoffe ich crashe den Thread hier nicht...

Ich hab' auch schon ein ganz schlechtes Gewissen Vielleicht sollten wir zum Austausch woanders hin.

08.08.2017 14:15 • #35


Habe eben den Anruf bekommen und kann ab morgen in die Tagesklinik. Ich hoffe, das wird mir etwas weiter helfen, sodass mein Leben nun nicht völlig entgleitet...

08.08.2017 14:52 • x 1 #36


@juwi ja komm das machen wir.

08.08.2017 14:56 • #37


Schlaflose
Zitat von Freisein:
@Schlaflose das ist schön, dass du schon immer so akzeptiert wurdest, wie du bist. Das war bei mir in der Kindheit halt nicht so.


In der Kindheit hatte ich das alles noch gar nicht. Damals war ich genau das Gegenteil. Wollte immer Mittelpunkt stehen, mich vor Leuten produzieren usw.
Es fing bei mir mit der Pubertät an, dass ich Hemmungen bekam, weil ich mich wegen meines Übergewichts anfing zu schämen. Aber trotzdem hatte ich immer ein paar Freundinnen und auch später im Studium hatte ich immer einen netten kleinen Freundeskreis. So richtig ausgebrochen ist die ÄVPS bei mir erst, als ich anfing, als Lehrerin zu arbeiten.

Zitat von James1986:
Liebe Schlaflose,

wie kamst Du denn in der Schule klar?


Das habe ich ja schon ein paar Beiträge zuvor beschrieben. Es war der pure Horror, den ich 20 Jahre lang durchmachte. Es manifestierte sich vom ersten Tag an mit massiven Schlafstörungen, die sich chronifizierten und die ich immer noch in abgeschwächter Form habe, obowhl ich seit 6 Jahren nicht mehr im Schuldienst bin.
Im Referendariat war es noch nicht so schlimm, da konnte ich immer nur die ersten 2-3 Wochen, wenn ich eine neue Klasse bekam, nicht schlafen. Dann hat sich das eingependelt. Bei uns damals war das Ref auch noch ganz locker. Wir mussten keinen eigenverantwortlichen Unterricht halten, sondern immer nur für ein paar Wochen in einer Klasse des Fachleiters oder eines Fachlehrers unterrichten und eine Lehrprobe machen. Da saßen in jeder Stunde entweder der Fachleiter oder der Fachlehrer und andere Referendare dabei, so dass ich mich immer vor den Schülern geschützt fühlte und quasi ein Alibi hatte, dort zu sein und Schaustunden zu machen. Um die Schüler ging es mir dabei nie, sondern den Zuschauern zu zeigen, wie gut ich bin. Das konnte ich wunderbar.
Nur als ich dann meine erste Stelle bekam und für alles selbst verantwortlich war, ging es los mit den Ängsten und Schlafstörungen. Den reinen Fachunterricht abhalten war das geringste Problem, aber alles drumherum war für der Horror. Und im Laufe der Jahre verlor der Fachunterricht im Schulalltag immer mehr an Stellenwert und alle möglichen außerunterrichtlichen Dinge wurden immer wichtiger. Und in dem Maße verschlechterte sich mein Zustand immer mehr. Gegen Ende war ich mehrmals für längere Zeit krank geschrieben inklusive einem 8-wöchigen Reha-Aufenthalt, aber das hat auch nichts gebracht. Am Ende war ich fast ein Jahr krank geschrieben und bekam vor 6 Jahren glücklicherweise die Möglichkeit ans Ministerium in die Verwaltung zu wechseln.
Das Studium bereue ich keine Sekunde, das war die schönste Zeit in meinem Leben, aber in den Schuldienst würde ich nie wieder gehen.

08.08.2017 15:59 • x 2 #38


Liebe Schlaflose, wie kamst du dann nach dem Schuldienst aus deiner Krankheitsphase wieder raus? Habe Angst, aus der jetzigen Phase nie mehr herauszukommen

08.08.2017 21:31 • #39


Zitat von Reenchen:
[quote=reenchen]die Medikamente nehme ich allein wegen den Schlafstörungen und damals halfen sie mir auch gegen die aus dem Schlafmangel resultierenden Depressionen.
Mit Kollegen hatte ich allerdings nie Probleme und es immer genossen, in ihrer Gesellschaft zu sein. Es ist aber nie zu Kontakten außerhalb der Arbeitszeit gekommen.

Das war ein Zitat von , nicht von mir. [/quote]
Hmm habe wohl falsch zitiert. Kenne mich noch nicht so gut aus mit solchen Foren.

09.08.2017 04:34 • #40




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