Zitat von Aladin:Ich denke nicht, das das bei stinknormalen Angstpatienten angewendet wird.
Hallo Aladin, könntest du das bitte mal der Öffentlichkeit klarmachen, dass Angstpatienten stinknormal sind.
Ich befürchte nämlich, dass sich das noch nicht überall rumgesprochen hat.
Hier mal eine selbst miterlebte Geschichte eines stinknormalen Angstpatienten:
Vor ein paar Jahren lernte ich in einer Angstselbsthilfegruppe einen alleinstehenden Mann kennen. Wir freundeten uns auch privat an und er kam lange Zeit zu mir nachhause und verbrachte viel Zeit mit mir und meinen Tieren.
Wir malten zusammen, an den Wochenenden unternahmen wir gelegentlich Ausflüge, mit meinem Mann spielte er regelmäßig Schach oder die beiden Männer werkelten zusammen in der Werkstatt meines Mannes.
Irgendwann bekam der Mann während eines Ausflugs sehr starke Kopfschmerzen. Er mußte sich sogar übergeben und mir war nicht mehr wohl bei der Sache zumal es an dem Tag extrem heiß war und ich wußte, dass unser Freund hohen Blutdruck hatte.
Mein Mann und ich brachten ihn daraufhin ins nahegelegene Krankenhaus.
In der Notaufnahme übernahm ich die Formalitäten während man den Mann in ein Behandlungszimmer verfrachtete.
Ich hörte noch, wie unser Bekannter zu dem Arzt sagte, dass er möchte, dass mein Mann und ich bei der Untersuchung dabei sind.
Die Antwort des Arztes war: "Nein, das geht nicht, das Untersuchungszimmer sei zu klein für vier Personen".
Dann bat unser Bekannter den Arzt, die Tür vom Untersuchungszimmer wenigstens aufzulassen. Auch das wurde abgelehnt.
Mein Mann und ich standen vor der Türe und konnten jedes Wort mithören.
Kurze Zeit später hörte ich, dass der Arzt ein Ultraschallgerät bediente und ich bekam mit, dass unser Freund leicht aufgeregt aber in sehr höflichem Ton den Arzt darauf hinwies, dass er ein Angstpatient sei und er möge doch bitte wenigstens mich dazuholen.
Das verneinte der Arzt abermals, mit der Begründung, er bräuchte keine Kontrolle bei seiner Arbeit.
In diesem Moment öffnete ich die Tür ganz leise einen Spalt weit und konnte somit auch sehen, was weiter passierte.
Unser Freund lag auf einer Untersuchungsliege, den Bauch, mehrere Zentimeter dick mit Ultraschallgel eingeschmiert.
Vor ihm saß, taten- und wortlos der junge Arzt mit einer Kaffeetasse in der Hand vor dem Ultraschallgerät und las die Bedienungsanleitung des Gerätes.
Das ganze dauerte mehrere Minuten. Unser Freund lag in dieser Zeit frierend auf der Liege, auf seine Frage die er an den Arzt richtete was denn los sei, bekam er keine Antwort.
Der Arzt ignorierte ihn einfach und gerade, als ich mich empört bemerkbar machen wollte, bat ihn unser Freund, ihm doch wenigstens das eiskalte Gel wegzuwischen, auch das kommentierte der Arzt mit einem barschen "Nein", der Oberarzt würde die Untersuchung machen und nicht er.
Mittlerweile lag der Mann mehr als 20 Minuten auf der Liege.
Wieder fragte unser Freund den Arzt, ob er denn wenigstens aufstehen dürfte, er müßte zur Toilette.
Dann nahm das Unheil seinen Lauf. Der Arzt schrie ihn an, er könnte ihn auch sedieren, wenn er es drauf anlegen würde.
Daraufhin versuchte unser Freund aufzustehen und schlug bei dieser Bewegung versehentlich an die Hand, die die Kaffeetasse hielt.
Der Kaffe ergoß sich über die weiße Kleidung des Arztes, der vollkommen ausrastete.
Er schrie gellend um Hilfe!! Das ist kein Witz!!
Mein Mann und ich standen wie erstarrt vor der Tür, wurden von einem anderen Arzt und einer Krankenschwester quasi überrollt und mußten zusehen wie die Leute unseren Freund der selber zu Tode erschrocken auf der Liege saß, bändigten.
Er wehrte sich natürlich, versuchte die vielen Hände die ihn gepackt hatten wegzustoßen, ich versuchte zu ihm zu gelangen um ihn zu beruhigen. Daraufhin schrien alle durcheinander und es kam ein anderer Arzt mit einer Spritze unbekannten Inhalts ins Zimmer gerannt.
Eh mein Mann und ich reagieren konnten, hatte unser Freund die Nadel in seinem Arm.
Es war wie man es im Film manchmal sehen kann.
Unser Freund ging vor Schreck und Angst in die Knie und lag dann am Boden.
Jemand rief nach der Polizei, das Zimmer war voller Menschen die alle durcheinander plärrten, der Patient wurde auf die Liege gehieft und war vollkommen erstarrt.
Ich versuchte mit ihm zu sprechen, er verdrehte nur die Augen und gab keine Antwort mehr.
Kurz darauf kam die Polizei. Unser Freund war mittlerweile mit Händen und Füßen in einem Gitterbett festgebunden worden, obwohl er sich vollkommen still verhielt.
Ein Polizist verhörte den Arzt und der sagte: Der Patient sei renitent geworden und hätte versucht, ihn mit der Kaffetasse zu verletzen!!! Unfassbar!
Und dann kam die Aussage von dem Arzt die ich nie vergessen werde.
Er behauptete, dass Angstkranke und das hätte ja der Patient selber zugegeben, zu Gewalttätigkeiten neigen würden! Aber er sei ja jetzt Gott sei Dank betäubt worden und nun ginge keine Gefahr mehr von ihm aus.
Nur unter Aufbietung aller Kraft und der Hilfe des von mir telefonisch herbeigerufenen Hausarztes gelang es uns, nach mehreren Stunden, unseren Freund wieder aus dem Krankenhaus rauszubekommen.
Das lieber Aladin zum Thema, nur die "schweren" Fälle würden ruhiggestellt.
Seitdem gibt es bei uns zuhause den Satz: "Wenn du nicht spurst, lade ich dich auf ein Tässchen Kaffee ein."
Es ist natürlich ein Einzelfall, das ist klar, aber trotzdem bleibt einem sowas im Gedächtnis und das Vertrauen zu Ärzten im Umgang mit Angstkranken wird dadurch nicht wirklich größer.
LG Krok