Da in einem Thread das Thema um Kaninchen ging, musste ich an unsere Annie denken.
Wir hatten früher einige Kaninchen als Notfalltiere aufgenommen, gerne denke ich an Tobi, der lieb und verschmust war, oder Klopfer, der die tollsten Gänge gegraben hatte, und wir ihn ab und zu nachts nicht in den Stall bekamen, weil er meinte, er musste in seinem "Bau" schlafen.
Annie aber werde ich auch nie vergessen.
Meine älteste Tochter hatte erfahren, dass ein Bauer ein Kaninchen abgibt, die Haltung sollte wohl auch nicht so optimal sein.
Mein Mann war mit dem Auto unterwegs, also haben wir uns eine TraBo geschnappt und sind mit dem Fahhrad zum 10km entfernten Ort gefahren.
Als wir ankam, mussten wir erst mal schlucken, dass Kaninchen, die Rasse kannte ich nicht aber es war ziemlich groß, saß allein in einem viel zu kleinem Außenkäfig, es konnte sich darin nicht mal aufrichten.
Das Fell war schmutzig und es wirkte reichlich dick, kein Wunder bei dem Bewegungsmangel.
Wir beschlossen es mitzunehmen und ich empfand es schon ein bischen als Hohn, als uns der Bauer bat, dass Kaninchen gut zubehandeln.
Zu Hause sahen wir erst richtig, dass die Krallen so lang waren, dass sie sich schon gekringelt hatten, unmöglich für dass Ninchen, darauf zu laufen.
Mit einer normalen Krallenschere kriegten wir die gar nicht gestutzt, das mussten wir mit einem Seitenschneider machen.
Sie hatte Angst und zitterte, und um sie nicht zu stressen, haben wir die Kleine erst mal in eine umgebaute Hundehütte gesetzt, bestimmt 4 mal größer und doppelt so hoch wie ihr alter Stall.
Am nächsten Tag hatte sie sich schon etwas beruhigt, wir hatten abends noch Gemüse und Grünzeugs besort, weil sie anderes nicht kannte.
Sie gewöhnte sich aber schnell an uns und ließ sich streicheln.
Dann kam der große Moment und es war wohl das erste Mal in ihrem Leben, wir setzten sie auf die Wiese hinter unserem Haus.
Sie bewegte sich gar nicht, war ganz steif, als wäre es ihr nicht geheuer, dass Gras unter ihren Pfötchen zu fühlen.
Meiner Tochter und mir standen die Tränen in den Augen, als sie die ersten vorsichtigen Hoppler machte und überall herumschnüffelte.
Weil sie so dick war, hat sie sich erst nicht so viel bewegt, aber von Tag zu Tag wurde es besser.
Wir brauchten nicht mal eine Absperrung, weil sie gar nicht weglaufen wollte, sie blieb hinterm Haus.
Nur nachts kam sie aus Sicherheitsgründen in die Hütte.
Da sie schön älter war und nach dem Bauern immer allein war, haben wir uns überlegt, ob eine Vergesellschaftung mit einem anderen Kaninchen sinnvoll wäre, oder ob es nicht zu viel Stress für die Kleine war.
Wir beschlossen, dass sie sich erst mal richtig eingewöhnen sollte, und durch Bewegung, die immer mehr wurde, Gewicht abbaute.
Sie fühlte sich sichtbar wohl und genoss ihre Freiheit, und uns ging das Herz auf, wenn wir die Kleine nur beobachteten, oder wenn sie auf uns zu lief, wenn wir in den Garten gingen.
Aber sie war sicher schon älter wie der Bauer uns sagte, und durch das Übergewicht hatte sie wohl schon gesundheitliche Probleme, die man ihr so nicht anmerkte.
Als wir eines morgens zum Stall gingen, um das Türchen aufzumachen, lag sie friedlich da, mit dem Köpfen in der aufgehenden Morgensonne.
Wir vermuteten, das es einfach zuviel war für ihr kleines Herzchen
Sie hatte nur einen Sommer, aber den glücklichsten in ihrem Leben, sie war so dankbar und hat uns so viel zurückgegeben. Ich werde Annie nie vergessen.
