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201706.03




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Hallo,

ich habe eine Angststörung und einen Reizdarm. Ich kann leider nicht mehr so genau sagen was zuerst da war und was von beiden die Begleiterscheinung ist. Eins steht jedoch fest, mein Darm reagiert hochsensibel auf Stress und wenn ich dieses Problem habe und mich am liebsten auf einer Toilette einschließen würde, dann steigert es meine soziale Angst ins Unermessliche. Ich habe die Angst, dass sich daraus ein sehr peinlicher Moment ergeben könnte. Das heißt soziale Situationen in welchen eine Toilette nicht unmittelbar erreichbar ist oder ein Sich-entfernen unangemessen wäre bzw. umständlich ist, können für mich die Hölle sein. Dazu zählen zum Beispiel Hochzeiten, Taufen, lange Autofahrten, Unterricht, Kinobesuche ect..

Wenn es dann in meinem Bauch grummelt und ich in die Spirale der Panik falle, dann bin ich auch nicht mehr ich selbst. Ich verhalte mich in den Augen anderer mit Sicherheit sehr distanziert, desinteressiert oder unfreundlich, aber auch sehr schüchtern und unsicher. Jedenfalls mache ich keinen positiven und offenen Eindruck.
Das Problem ist, es handelt sich nicht immer um "Irgendwelche" Leute. Ich möchte beispielsweise einen guten Eindruck vor der Familie meines Freundes machen. Doch dann bin ich aber komplett gefangen in meiner Angst und kann überhaupt nicht zeigen, dass ich eigentlich ganz ok bin und dass ich sie mag und dass ich ihnen auch gerne Aufmerksamkeit und Interesse schenken will. Ich fühle mich immer so schlecht wenn ich das nicht tun konnte, wenn mich die Angst komplett gelähmt hat und mir mein Körper meine Gedanken zu einem realen Problem gemacht hat.

So oft denke ich darüber nach ob es nicht eine gute Idee wäre offener mit meinem Problem umzugehen und andere einzuweihen, aber dann denke ich mir wieder, dass es einfach zu peinlich ist um es jemanden zu erzählen. Ich schäme mich einfach... . Außerdem kommt dazu noch der Gedanke, ob es denn nicht auch die Angst verschlimmern könnte? Denn wenn andere davon wissen, kann es auch passieren, dass sie anfangen sich anderes zu verhalten und dass sich daraus die Umwelt um die Angst herum formt und sie noch mehr in den Fokus stellt. Ich hoffe man kann nachvollziehen was ich damit meine. Der Gedanke, dass man mehr auf mich achtet und mich beobachtet ob ich Angst habe, stresst mich total. Andererseits könnte es auch die Angst mildern indem ich ihr allen Raum gebe, ihr erlaube da zu sein indem ich ihr die Menschen um mich herum vorstelle. Aber bei wem fängt man an und wo hört man auf? Ist es wirklich hilfreich ehrlich zu sein?

Ich würde mich freuen wenn einige ihre Erfahrungen mit diesem Thema aus ihrem eigenen Leben teilen könnten.

:freunde:

Auf das Thema antworten


1240
17
Hamburg
515
  06.03.2017 21:51  
Hallo Tanja,

da gehen die Meinungen bestimmt in beide Richtungen. Ich persönlich gehe offen mit meiner Angststörung und den depressiven Phasen um. In meiner Abteilung wissen die Kollegen und Führungskräfte bescheid. Wenn interessiert nachgefragt wird, dann antworte ich auch offen und ehrlich. Das ist für mich selbst der aufrichtigste Weg, um durchs Leben zu gehen und um auch Vorurteilen entgegen zu wirken.

Was ich nur nicht mag ist, wenn unsichere Menschen mich dann in Watte packen möchten, denn das ist schlichtweg für meine gesundheitliche Entwicklung kontraproduktiv.

Ich kann Dich aber absolut verstehen, dass das besagte Toilettenproblem bzw. der Umgang damit im konkreten Moment sehr schwierig und mit zusätzlicher Angst besetzt ist. Und ich kann ebenso verstehen, dass Du Sorge um Deine Wirkung auf andere hast, speziell ggü. Menschen, zu denen Du gern eine engere Bindung aufbauen möchtest. Dein Freund weiß sicher von Deinem Problem. Vielleicht könntet ihr ja seine Familienmitglieder erst einmal zu Euch einladen. Dann hast Du die Sicherheit Deiner Wohnung und kannst schneller mal kurz verschwinden. Und nicht gleich mit so vielen Menschen in Kontakt treten, ein oder zwei Personen reichen für den Anfang. Vertrauen muss sich entwickeln und ich denke, dass sich dann auch das Problem regulieren wird oder sich die Gelegenheit ergibt, dass Du ein wenig mehr von Dir erzählst.

LG, Martina



17
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  06.03.2017 21:55  
Hey, zu nächst du bist damit nicht alleine. Ich hatte das letzes Jahr für eine Zeitrahmen von ca 6 Monaten und die Gefühle dabei stimmen mit deinen überein. Es genau diese Angst und Sorgen machen was wäre wenn, das du dich auch für sowas schämst. Die Angst verschlimmert es tatsächlich. Ist ein brutales Hineinsteigern.
Hinzukommt das dich noch unter Druck setzt, wenn du z.B auf einer Hochzeit bist. Und all das schränkt dich für dein Umfeld total ein.

Ich glaube sogar du willst damit keinen zur Last fallen. Aber wenn du mit niemand darüber redest, wird jeder in deinem Umfeld davon ausgehen das alles in Ordnung ist. Es gibt keinen Grund sich dann um dich zu Sorgen oder dir zu Seite zu stehen und genau das brauchst du aber.
Bei mir was es so, das mir der Magen immer mal grummelt und ich mich hinsteigert, Übelkeit etc war die Folge. Irgendwann hab ich mir immer wieder gesagt "jetzt nicht, machen wir anderes Mal" sowas in der Art. Jetzt ist es weg.

Ich kann dir leider nicht den besten Tip geben, außer wichtige Leute die du vertraust einzuweihen. Es gibt einen schon das Gefühl von Stärke wenn man weiß das der Lebenspartner oder beste Freundin da sind.
wünsche dir viel Erfolg





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  06.03.2017 23:08  
@ Martina: Erstmal vielen Dank für deine Antwort! Bist du schon immer so offen mit deiner Angststörung umgegangen? Fühlst du dich auf Arbeit wohler seit deine Kollegen davon wissen? Diese Sorge habe ich auch, dass man mich in Watte packen könnte. Ich möchte auch nicht anders behandelt werden, nur dass man es nicht persönlich nimmt wenn ich mich eigenartig verhalte.
Zu der Familie von meinem Freund stehe ich im regelmäßigen Kontakt. Wir sehen und fast jede Woche und regelmäßig finden Geburtstage etc.. Ich finde die Familie toll und trotzdem stehe ich immer unter einer Anspannung, mit kritischem Blick auf meinen Bauch und bin oft viel zu sehr mit mir beschäftigt. Mein Freund weis von meiner Angststörung, aber er weis nicht von meinem Toilettenproblem. Ich habe auch wirklich Angst, dass das Problem stärker wird je mehr es zum Thema gemacht wird.

@looperfool: Auch dir vielen Dank für die Antwort. Das ist schön zu hören dass sich Das Problem bei dir aufgelöst hat. Hat du dein Umfeld auch eingeweiht? Wenn ja, hat es dir geholfen?



1240
17
Hamburg
515
  07.03.2017 16:26  
Hallo Tanja,

Ich habe die Angststörung erst seit Anfang 2014 und meine Kollegen haben damals das ganze Dilemma hautnah mitbekommen. Ich bin sehr oft panikartig aufgesprungen und zum Arzt gelaufen. Ich hatte u. a. starke Schluckbeschwerden, anderes kam dann später noch hinzu. Ich war 1 Jahr krank geschrieben. Was hätte ich also meinen Kollegen noch groß erzählen sollen, außer der Wahrheit. Ob ich mich auf der Arbeit wohler fühle? Das Verhältnis ist vertrauensvoller untereinander geworden und die anderen verstehen mich jetzt besser. Von daher, ja, ich fühle mich wohler als früher.

Zu dem Toilettenproblem würde ich sagen, dass es besser wäre, wenn Du Dich Deinem Freund anvertrauen könntest. Du musst doch nicht alles Leid alleine tragen. Und zu einer Beziehung gehört das nun mal auch dazu.

LG, Martina



419
10
Hamburg
247
  07.03.2017 16:46  
Hallo,

Ich gehe nicht so offen mit meiner Angststörung um... vermutlich liegt das daran, dass ich auch schon auf viel Unverständnis gestoßen bin und keine Lust hatte mich zu rechtfertigen oder schief angeschaut zu werden. Als ich dann jeden Tag mehrmals Panikattacken bekam, war das so stressig die immer vor jedem verbergen zu müssen. Es war mir peinlich. Die Leute haben gedacht, dass ich einen an der Klatsche hab, wenn ich plötzlich aufgesprungen und weggegangen bin oder wenn ich plötzlich so unruhig und zittrig wurde. Bis heute bereue ich, dass ich keinen reinen Tisch gemacht habe, es hätte mit Sicherheit vieles erklärt und meine Freunde hätten sicherlich auch Verständnis gezeigt. Keine Ahnung, ich stand mir da wohl ziemlich selbst im Weg. Mittlerweile habe ich (Gott sei Dank) die Attacken im Griff, doch über meine Ängste sprechen, möchte ich mit anderen nach wie vor nicht so wirklich.

Grüße von Jamie



6
1
Halle Sachsen-Anhalt
  22.12.2017 22:02  
Hallo Tanja7,

Ich kann dich und sei Problem richtig gut verstehen. Ich habe eig eine diagnostizierte Depression und Sozialphobie, aber ich glaube selbst eher, dass ich unter einer Angststörung leide.
Bei mir ist das Problem nicht der Darm, sondern der Magen. In Situationen mit anderen habe ich unglaubliche Angst mich zu übergeben, sodass mir mein ganzer Körper verkrampft und mir erst recht schlecht wird. Leider passiert es mir auch ab und zu, dass ich mich in einigen Situationen übergebe. Besonders wenn ich eig einen guten Eindruck machen will. Im Moment ist es besonders schlimm. Ich stehe nur unter Stress, hab jeglichen Appetit verloren und einfach nur Angst, dass ich meinen neuen Job nach der Ausbildung nicht antreten kann.
Wenn irgendjemand Tipps für eine erfolgreiche Therapie für so eine Störung hat, wäre ich sowas von dankbar. Es schränkt wirklich unglaublich ein und verbessert nicht wirklich mein niedriges Selbstbewusstsein.

Ich wünsche dir viel Kraft Tanja, vielleicht findest du ja eher einen Weg heraus!



16350
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6****
5057
  26.12.2017 18:40  
Lindisch hat geschrieben:
Ich habe eig eine diagnostizierte Depression und Sozialphobie, aber ich glaube selbst eher, dass ich unter einer Angststörung leide.


Eine Sozialphobie IST eine Angststörung.


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