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iquique
Zitat von Kruemel_68:
Daher hilft mir dieser Tipp gar nicht weiter.

Das kann ich natürlich nicht wissen, und Tipps gibt man ja meistens ohne explizit vorher schon wissen zu können, ob sie auch hilfreich sind. Deswegen sind solche Tipps ja nicht gleich sinnlos oder dumm.

Auch ich erhalte immer mal wieder Tipps, die auf mich nicht zutreffen oder die ich nicht anwenden kann.


Zitat von Kruemel_68:
aber das nutzt uns hier in Deutschland in unserem alltäglichen Leben leider gar nix.

Aber es gibt Menschen, die dieses Forum nutzen und sich zum Beispiel häufiger oder dauerhaft im Ausland aufhalten. Da ich das im Einzelnen nicht weiß, gehört das eben zu den Tipps, die eben auf Dich explizit nicht zutreffen, aber deswegen nicht komplett sinnlos oder blöd sind.

• #21


Flousen
Wir sind alle unterschiedlicher Natur. Die einen schämen sich die anderen nicht. Wie bereits geschrieben, Plane am besten deine Route. Dann siehst du wo du jederzeit auf Klo könntest. Außerhalb der Stadt Klopapier oder Taschentücher mitnehmen, notfalls kann man sich auch ein Camping Klo kaufen und im Auto verstauen. Gebüsche gibt es etliche, genauso Feldwege etc. Es geht ja darum Sicherheit zu verschaffen. Natürlich kann man da auch wieder gegen anreden aber so bekommt man erstmal keine Ruhe rein sonst.

Ich kenne im Radius von 30 Kilometer jede Ecke wo ich auf Klo gehen könnte. Nur das in der Großstadt viele Toiletten 1 Euro Kosten.

• x 2 #22


A


Angst vor Orten ohne Wc, Durchfall

x 3


Abendschein
Zitat von Roxana_87:
unternehmen, beginnt mein Kopf zu arbeiten. Ich denke ständig darüber nach, ob es dort eine Toilette gibt, was passiert, wenn ich plötzlich muss, oder ob ich es rechtzeitig schaffe.

Das ist der ausschlaggebende Satz. Damit, indem Du Deinen Kopf darauf programmierst, hast Du diese Beschwerden
und das wird nicht weggehen. So nicht. Versuch das doch einmal anders zu denken. Oder gar nicht darüber nachzudenken. Ich kann das so sagen, weil meine Ängste auch zum größten Teil von den Gedanken abhängig
waren. Ich habe versucht dagegen zu steuern. Also nicht so zu denken, sondern Positiv oder gar nicht dran zu denken, was passieren könnte. Der Energiefluß ist durch das anders denken, natürlich mit höherer Aufwendigkeit verbunden, aber es hat geklappt, nicht immer, aber meistens. Vielleicht magst Du das einmal ausprobieren, jeden Tag ein Stückchen mehr. Die Erfolge werden es bringen, das Du Dich sicherer fühlst und irgendwann denkst Du da gar nicht mehr dran. Das wünsche ich Dir sehr. 🍀

• x 2 #23


hereingeschneit
Zitat von Kruemel_68:
was sollen den die Leute von Dir denken!

Unter was würdest du denn das dann einordnen, wenn nicht Scham?

Wenn ich in die Hose mache, dann schäme ich mich, weil ich Angst davor habe, was die Leute denken, wie sie mich deswegen beurteilen. Oder weil ich vielleicht einen Sitz deswegen dreckig mache und nicht weiß, wie ich dann damit umgehen soll.
Scham trifft auch auf den Fall zu, wenn ich mitten im Theater raus muss um auf die Toilette zu gehen. Ich störe da, obwohl ich das ja eigentlich gar nicht möchte. Wie viele fühlen sich deswegen von mir genervt? Deswegen versuche ich immer ganz außen zu sitzen, damit sich die Störung wenigstens im Rahmen hält.


Zitat von Kruemel_68:
dass ich es nicht schaffen könnte weil ich das Gespräch nicht rechtzeitig unterbrechen kann.

Die Scham darüber unhöflich zu sein? Man kann doch nicht einfach wegrennen, wenn der andere gerade mir zugewandt ist?
Oder welches Gefühl steckt denn bei dir dahinter? Ein Gespräch zu unterbrechen ist ja kein Gefühl.


Zitat von Kruemel_68:
Selbst wenn die halten sollte (was sie nicht wirklich tut in dem Fall), brauchst Du wieder eine Toilette oder eine Möglichkeit, um dich zu säubern und die Windel und/oder Hose zu wechseln. Niemand rennt mit einer vollgesch.... Windel länger freiwillig rum, allein schon wegen des Geruches.

Die Scham darüber dafür Zeit zu brauchen (und andere deswegen warten müssen?)
Die Scham darüber zu stinken?
Was im Endeffekt ja auch darauf hinausläuft - was andere über mich denken 😳

Warum ist es uns wichtig, was andere darüber denken. Jeder, wirklich jeder könnte selbst mal vor so einer Situation stehen.

• x 1 #24


Gaulin
@Kruemel_68 ich kann dich da sehr gut verstehen und nachempfinden, bei mir ist es dasselbe Problem.
Letztendlich kommt man doch immer irgendwie bei Schamgefühlen raus. Aufgedröselt natürlich. Du sagst ja selbst, zb. Das Gespräch nicht rechtzeitig beenden zu können um rechtzeitig auf WC zu kommen. Warum ist das so? Ist das ein Nicht-Auffallen-Wollen oder sich-nicht-trauen-was-zu-wollen usw. Wenn das nicht sozial phobisch ist, was ist es dann? Ich meine nur, ich habe diese Diagnosen mehrfach bekommen mit demselben Problem. Und es lässt sich schon ne Menge dagegen machen. Zumindest ist es bei mir nicht mehr so schlimm, dass ich nicht mehr aus dem Haus gehe deswegen. Zu Konzerten, Menschenansammlungen, Flugzeugen, Staus im Auto zb mag ich immernoch nicht und bekomme Panik/Ängste. Es ist zwar machbar, aber unter äußerster Anstrengung. Und was ich sehr wichtig dabei finde:
Möglichkeiten schaffen. Je kreativer, umso besser. Das alles damit es eben NICHT passiert und in die Hose geht. ABER: Selbst wenn es passieren sollte, sich zu beruhigen, entspannter damit werden. Es ist nicht das Ende. Kann JEDEM mal passieren.
Klar, so locker kann ich damit auch nicht umgehen, aber zumindest etwas den Druck nehmen durch solche Gegengedanken und -vorbereitungen

• x 3 #25


CosmicPancake
Was mich ja interessiert: Wie oft ist es schon vorgekommen, dass die Betroffenen hier in einer öffentlichen Situation in die Hose gemacht haben? Vermutlich doch noch nie oder?
Ich denke, diese Form der Angst ist sehr gut zur Konfrontation geeignet (ggf. dann eben mit Windel). Wenn wir grundsätzlich von Kontinenz ausgehen, dann werden auch alle Schließmuskel funktionieren und man schafft es bis zur nächsten Toilette. Wenn es nur um den Stuhlgang geht, kann ja auch zu Immodium Akut gegriffen werden.
Glauben tue ich aber auch, dass es vermutlich um ein tieferliegendes Problem mit Scham geht.

• x 1 #26


-juli
Ich kenne die Angst vor erkrankungsbedingt und habe sie in symptomfreien Phasen glücklicherweise nicht. Wenn sich mein Darm entzündet, ist die Angst auch durchaus valide und wenn das nicht der Fall war, ist mir glücklicherweise nie etwas passiert.

• x 1 #27


Kruemel_68
Zitat von CosmicPancake:
Wenn wir grundsätzlich von Kontinenz ausgehen, dann werden auch alle Schließmuskel funktionieren und man schafft es bis zur nächsten Toilette. Wenn es nur um den Stuhlgang geht, kann ja auch zu Immodium Akut gegriffen werden.

Ja, mein Schließmuskel funktioniert. Und das weiß ich auch. Aber wir sprechen hier von Durchfall, nicht von normalem Stuhlgang. Erinnere dich doch mal bitte an Deinen letzten Magen-Darm-Infekt zurück. Wie Du zur Toilette gerannt bist wenn es wieder los ging. Glaubst Du, Du könntest in dem Moment einhalten und erst mal 10 Minuten nach einem Klo suchen?


Zitat von CosmicPancake:
Was mich ja interessiert: Wie oft ist es schon vorgekommen, dass die Betroffenen hier in einer öffentlichen Situation in die Hose gemacht haben? Vermutlich doch noch nie oder?

Bei mir ein Mal. Nur mit Urin auch ein Mal.


Zitat von CosmicPancake:
Ich denke, diese Form der Angst ist sehr gut zur Konfrontation geeignet

Jo, soweit die Theorie. Ich habe das jetzt seit 2019. Im Alltag ist es bei mir am Schlimmsten auf dem Weg zur Arbeit. Ich fahre seit 2019 jeden verdammten Arbeitstag zur Arbeit. Und stehe immer noch am gleichen Punkt. Mein Körper dreht jedes Mal ab. Dann ist es mal wieder ein wenig besser, ich schöpfe Hoffnung, und dann geht es wieder los. Wenn das keine Konfrontation ist, weiß ich es auch nicht. Und ja, ich habe auch die dahinterliegenden Ursachen aufgearbeitet. Ziemlich gut sogar würde ich sagen. Es ist mir mittlerweile egal, was die Leute von mir denken. Ich würde auch im Theater mittendrin aufstehen und alle hochscheuchen wenn es notwendig wäre. Ich ziehe meinen Stiefel durch.

Aber ich bekomme die Datenautobahn in meinem Kopf nicht umgebaut. Sobald ich zu Hause meine Jacke anziehe, gehen die Horrorgedanken los. Ich schiebe sie zur Seite und verlasse das Haus trotzdem. Aber sie sind immer da. Ich arbeite mit meinem Therapeuten an immer wieder an der Neuroplastizität in meinem Hirn, aber bisher sind wir gescheitert.

• x 5 #28


freely
Hallo ihr. Ich kenne dieses Problem nicht, aber ich glaube ich kenne das Gefühl dahinter.

Auf den Punkt gebracht, klingt es für mich so: etwas wollen, etwas brauchen, dass man aber nicht zu wollen hat, nicht wollen darf.

Man kann sich ja alles mögliche entsagen, aber innerlich bleiben dadurch Bedürfnisse unerfüllt.

Ich stelle mir das als Kind vor, bei mir war das teilweise so,- wenn ich irgendwo fremd war, traute ich mich nicht nach Trinken zu fragen obwohl ich Durst hatte.
Als ich älter war so fast volljährig und in den Bekanntenkreis meines ersten Freundes kam, merkte ich, dass es dort genauso war. Ich traute mich nicht zu sagen was ich wollte oder brauchte. Ich plante das dann lange in meinem Kopf wie und wann ich das jetzt frage. Und das blöde war, da ich sowieso kaum etwas sagte und wenn dann sehr leise, waren alle auf einmal ruhig und schauten mich an. 😨

Also am besten, nichts wollen, nichts brauchen, nicht auffallen.

Mein erster Freund war sehr dominant und bestimmend. Es war dann irgendwann so, wenn wir Essen gingen und ich das Essen vor mir stehen hatte, war mein Appetit weg. Aufgrund der Angst, ich schaffe das nicht alles aufzuessen und mein Freund ist dann wütend.
Das war einmal so und er beschwerte sich, dass er das ja zahlen müsse und das doof sei wenn ich nicht mal die Hälfte davon gegessen hatte.
Schon die Blicke auf meinen Teller reichten und ich bekam keinen Bissen mehr runter.

Ich war dem ganzen zum Glück nicht so ausgiebig ausgesetzt. So jemanden aber als Elternteil.. hm kann mir schon gut vorstellen dass der Körper dann irgendwann dauerhaft rebelliert.

Wenn ich nervös war, also irgendwas bevorstand wo ich Leistung erbringen musste bekam ich auch eine nervöse Blase. Einschlafen ging dann schlecht, weil ich alle 10 Minuten aufs Klo musste.
Die Blase und der Verdauungstrakt sind stark mit dem Gehirn verbunden. Auch der Magen.
Also wenn sich psychisch etwas aufstaut, wir da zu sehr etwas in unserem Decken deckeln, fungiert die Blase und Darm als Ventil.

Auf mich bezogen, ich weiß nicht wie es bei euch ist, sind da mehrere Gedanken die zu psychosomatischen Symptomen führen.
Da wäre keine Wahl zu haben. Dadurch entsteht ein enormer innerer Druck und Stress. Wenn man nicht darauf reagiert, sondern sich ständig weiter peitscht, verlagert sich das in den Körper und er signalisiert genau das, keine Wahl! ich muss zwar auf die Toilette aber es ist wahrscheinlich dann keine da. Ich brauche etwas (freie Wahl), das es nicht gibt.

Verbunden mit Leistungsdruck. Ich muss richtig funktionieren. Dazu kann man sich innerlich schon zwingen und über seine Grenzen und Bedürfnisse leben, bis die Angst vor Versagen (Inkontinenz) sich im Körper zeigt.

Einerseits Hilflosigkeit, weil man nicht weiß wie man aus der Situation wieder raus kommt, andererseits fehlendes Selbstvertrauen, man hat Angst davor eine schwierige Situation zu meistern.

Die Frage wäre für mich daher, wie sieht eure Lebenssituation aus?
Peitscht ihr euch weiter, weil ihr meint, ihr hättet keine andere Wahl?
Fühlt ihr euch hilflos, zu sehr dem Leistungsdruck ausgesetzt?

Das interessante ist ja, dass der Körper uns eigentlich zeigt was er braucht. Von der Psyche her, können wir alles verdrängen. Doch unbewusste Gefühle, nicht gelebte Gefühle, zeigen sich dann in körperlichen Symptomen.
Im Grunde sind psychosomatische Symptome eigentlich eine Chance, ungesunden Umständen zu entfliehen bzw ungesundem Denken auf die Spur zu kommen.

Darm und Blase entleeren zu wollen, bedeutet Druck ablassen. Innerlich herrscht also ein enormer Stress. Ich denke dass es Leistungsdruck ist. Oder auch seine Bedürfnisse zu unterdrücken.

Wenn ihr möchtet schreibt gerne mal ob das so ist oder war in eurem Leben.
Habt ihr eine Wahl? Ich mein jetzt habt ihr sie offensichtlich nicht mehr, der Körper diktiert was ihr zu wollen habt.

Hört ihr auf eure Bedürfnisse? Oder peitscht ihr euch durch Situationen um Leistung zu erbringen?


Ich hatte vor einigen Jahren noch stark mit Magenschmerzen auf schwierige Situationen reagiert. Nur ein Gedanke an etwas Unangenehmes und es fühlte sich wie ein Hieb in den Magen an.
Ich dachte mir, wenn das so weitergeht habe ich irgendwann ein Magengeschwür.

Ich lernte dann irgendwie umzudenken, mit mehr Gelassenheit die Dingen anzugehen.

• x 1 #29


P
Zitat von Kruemel_68:
Ich fahre seit 2019 jeden verdammten Arbeitstag zur Arbeit. Und stehe immer noch am gleichen Punkt. Mein Körper dreht jedes Mal ab. Dann ist es mal wieder ein wenig besser, ich schöpfe Hoffnung, und dann geht es wieder los.

Das ist krass. Hut ab, dass du trotzdem weiter machst.

Hast du mal versucht, etwas an der Fahrt/Strecke zu ändern?
- andere Strecke fahren
- anderes Auto
- evtl. Öffis? Oder teil der Strecke Auto, einen Teil mit Öffis oder zu Fuß
- andere Art von Musik
- etc?

Ist es einen Unterschied, ob du zur Arbeit fährst oder die Strecke nur so bzw zu einem anderen Zweck?

Und du könntest mal schauen, ob du rausfindest, ob die guten Tage einem Muster folgen und das dann versuchen zu stärken bzw das Muster der schlechten Tage entschlüsseln und versuchen zu vermindern.

• x 2 #30


Gaulin
Zitat von CosmicPancake:
Vermutlich doch noch nie oder?

Doch leider

• #31


Kruemel_68
Zitat von Pauline333:
Das ist krass. Hut ab, dass du trotzdem weiter machst. Hast du mal versucht, etwas an der Fahrt/Strecke zu ändern? - andere Strecke fahren - anderes Auto - evtl. Öffis? Oder teil der Strecke Auto, einen Teil mit Öffis oder zu Fuß - andere Art von Musik - etc? Ist es einen Unterschied, ob du zur Arbeit fährst oder ...

Danke für das Lob. Letztendlich habe ich ja keine andere Wahl - aufgeben ist keine Option. Denn meine Arbeit macht mir Spaß und tut mir gut. Deswegen kämpfe ich mich immer wieder durch.

Es ist egal, welche Strecke ich fahre - ist immer das selbe. Auch wenn ich die Strecke mit einem anderen Ziel fahre (meine Autowerkstatt ist in der selben Stadt wie meine Arbeit) ist es in der Regel ätzend. Andere Musik, anderes Auto - auch alles schon probiert, nützt nix. Öffis sind keine Alternative - zum einen wohne ich auf dem platten Land wo es keine Möglichkeit gibt, aus meinem Dorf zu meiner Arbeitsstelle mit dem Bus zu fahren. Zum anderen wäre das für mich der Super-Gau. Allein der Gedanke, Bus fahren zu müssen treibt mir schon den Schweiß auf die Stirn. Da würde ich lieber die 18 km mit dem Rad fahren - wenn ich denn eins hätte 😂

Ich habe schon so oft versucht, Muster zu erkennen - auch ohne Erfolg. Das einzige, was klar ist: wenn es mir psychisch schlecht geht, ist die Fahrt zur Arbeit eine Katastrophe. Sie kostet mich so viel Kraft, dass ich wenn ich angekommen bin nicht weiß, wie ich den Tag kräftemäßig überstehen soll. Wenn es mir psychisch gut geht, geht es wesentlich besser. Ich hatte dann schon Phasen, wo ich über mehrere Tage relativ problemlos die Strecke bewältigt habe. Es gab z.B. aber auch Tage, wo ich total entspannt losgefahren bin, weil es die Tage davor gut geklappt hatte. Es war schönes Wetter, ich war gut gelaunt und guter Dinge - und zack, auf einmal kippte alles wieder auf den letzten Metern. Ohne dass ich irgendeinen Grund dafür finden konnte. Das macht mich wahnsinnig.

Was auch total kurios ist: Mein Arbeitsweg gliedert sich sozusagen in zwei Teile. Einmal von zu Hause bis zum Supermarkt, der kurz vor meiner Firma ist. Dort gibt es gut zugängliche, saubere Toiletten. In der Regel schaffe ich es mit Hängen und Würgen bis dort hin, halte an und gehe auf Klo. Dann noch ein paar Meter weiter fahren, parken und dann muss ich noch ein paar Minuten zu Fuß bis auf das Firmengelände in mein Gebäude laufen (das Firmengelände ist sehr groß).

Am Anfang war es so, dass der Fahrtweg noch ging und es immer auf dem Fußweg ins Gebäude eskalierte. Ich hab oft nur im letzten Moment die erste Toilette auf dem Gelände erreicht. Deshalb habe ich mir angewöhnt, immer erst am Supermarkt zu halten. Das hat dann dazu geführt, dass ich irgendwann den Fußweg gut und angstfrei schaffte. Dafür eskalierte es dann plötzlich im Auto auf der Bundesstraße. Vor ein paar Wochen gelang es mir, diese Angstschleife auf der Bundesstraße zu unterbinden. Ich fahre jetzt seit einigen Tagen sehr entspannt bis zum Supermarkt. Und jetzt darfst Du drei Mal raten, was letzte Woche passiert ist? Die Panik kam auf dem Fußweg wieder Kopf Wand Es ist als wenn mein Körper, meine Seele oder was auch immer sagt: ohne Angst kommst Du mir hier nicht durch.

• x 3 #32


Kruemel_68
@freely Wow, Du hast das Ganze ziemlich gut umschrieben und auf den Punkt gebracht. Vielen Dank dafür. Das trifft es so viel mehr wie "Scham". Das ist mit Sicherheit auch in Anteilen vertreten, aber es trifft es (bei mir) nicht richtig.

Zitat von freely:
Da wäre keine Wahl zu haben. Dadurch entsteht ein enormer innerer Druck und Stress. Wenn man nicht darauf reagiert, sondern sich ständig weiter peitscht, verlagert sich das in den Körper und er signalisiert genau das, keine Wahl! ich muss zwar auf die Toilette aber es ist wahrscheinlich dann keine da. Ich brauche etwas (freie Wahl), das es nicht gibt.

Verbunden mit Leistungsdruck. Ich muss richtig funktionieren. Dazu kann man sich innerlich schon zwingen und über seine Grenzen und Bedürfnisse leben, bis die Angst vor Versagen (Inkontinenz) sich im Körper zeigt.

Einerseits Hilflosigkeit, weil man nicht weiß wie man aus der Situation wieder raus kommt, andererseits fehlendes Selbstvertrauen, man hat Angst davor eine schwierige Situation zu meistern.

Dieser Punkt war ein sehr wichtiger und entscheidender in meiner Therapie. Ich musste lernen, selbstwirksam zu sein. Und dass mich nur mein Kopf glauben lässt, dass ich Situationen ausgeliefert bin. Da bin ich mittlerweile schon ziemlich weit würde ich sagen. Ich gestalte mittlerweile viel zu meinen Bedingungen und so, dass es für mich passt. Geht das nicht, lasse ich es sein. Und damit zeige ich mir ja impliziert immer mehr, dass meine Bedürfnisse mir wichrtig sind. Ein ganz wichtiger Schritt.

Zitat von freely:
Darm und Blase entleeren zu wollen, bedeutet Druck ablassen. Innerlich herrscht also ein enormer Stress. Ich denke dass es Leistungsdruck ist. Oder auch seine Bedürfnisse zu unterdrücken.

Genau so. Man kann in der Therapie lernen, den Druck erst einmal zu merken und dann anders abzulassen. Das ist in der Lernphase noch sehr fragil und sobald der Druck ein gewisses Level übersteigt, greift der Körper wieder auf gewohnte Wege zurück. Das macht es halt so frustrierend.

Zitat von freely:
Die Frage wäre für mich daher, wie sieht eure Lebenssituation aus?
Peitscht ihr euch weiter, weil ihr meint, ihr hättet keine andere Wahl?
Fühlt ihr euch hilflos, zu sehr dem Leistungsdruck ausgesetzt?

Zitat von freely:
Wenn ihr möchtet schreibt gerne mal ob das so ist oder war in eurem Leben.
Habt ihr eine Wahl? Ich mein jetzt habt ihr sie offensichtlich nicht mehr, der Körper diktiert was ihr zu wollen habt.

Hört ihr auf eure Bedürfnisse? Oder peitscht ihr euch durch Situationen um Leistung zu erbringen?

Ich höre mittlerweile viel besser auf meine Bedürfnisse. Ich habe ein Stück mehr Selbstwert und habe auch ein Stück weit gelernt, mich mehr gern zu haben und zu respektieren. Daher würde ich sagen, ich peitsche mich nicht mehr weiter - nur noch, was die Therapie und die Angstbewältigung angeht. Es ist keine Option für mich, aufzugeben.

Und mir ist mittlerweile bewusst, dass ich jahrzehntelang nur nach dem Leistungsprinzip gelebt habe. Ich habe meine Rolle nie hinterfragt. Ich war eine brave Tochter, eine vorbildliche Ehefrau, eine fürsorgliche Mutter, eine zuverlässige Arbeitnehmerin, ein zuverlässiges Mitglied des Fördervereins im Gymnasium, ein zuverlässiges Mitglied im Dorf was Ehrenamt angeht. Das alles habe ich mustergültig ausgefüllt. Und seit 2019 bin ich dabei, rauszufinden, wer ich eigentlich bin. Das ist nicht einfach.

Aber mittlerweile fühle ich mich dem Leistungsdruck nicht mehr ausgeliefert. Ich kann mittlerweile NEIN sagen. Wenn meine Eltern wieder was brauchen, was auch bis zum nächsten Tag warten kann. Wenn mein Mann mich unter Druck setzt, Dinge zu erledigen, damit sein Perfektionismus befriedigt wird. Wenn im Job unerfüllbare Deadlines gesetzt werden, obwohl mein Tisch schon voll ist. Das klappt mittlerweile immer besser.

• x 2 #33


P
Zitat von Kruemel_68:
Auch wenn ich die Strecke mit einem anderen Ziel fahre

Und was wäre, wenn du kein Ziel dort hättest? Also nur hin und direkt wieder nach Hause fahren würdest?

Zitat von Kruemel_68:
Und jetzt darfst Du drei Mal raten, was letzte Woche passiert ist? Die Panik kam auf dem Fußweg wieder

Ich habe meine Ängste überwunden. Nichtsdestotrotz stelle ich auf meiner ehemaligen Angststrecke auch fest, dass ich schwierigere Fahrten habe. Mit Gedanken, die früher dazu geführt hätten, dass ich die Fahrt sehr leiden muss und sie phasenweise nicht mehr schaffe.

Solchen Zeiten gehen immer Zeiten von vermehrtem Stress voraus, den ich über diverse Marker mit meinem Oura Ring messen kann (schlechter Schlaf, höherer Ruhepuls, mehr Sress, schlechte HRV etc.) Und natürlich auch so wahr nehme. Plus hat auch mein Zyklus mittlerweile Einfluss auf meine Anfälligkeit für Ängste bzw Angstgedanken. Rund um den ES und vor der Periode bin ich grundsätzlich psychisch weniger stark.

Dass dieser Fußweg plötzlich wieder schlechter zu bewältigen ist, finde ich nicht überraschend. Die Mechanik, die in dir abläuft und die immer zunächst mit Angst machenden Gedanken starten wird, hängt - so denke ich - auch bei dir von der Verfassung ab. Geht es dir schlechter, kommt der Mechanismus der Angst eher durch und fällt zusätzlich auf eher fruchtbaren Boden.
Wie bei einem Allergiker. Dem geht es auch gut bis er Nüsse isst. Unsere Nüsse sind unser körperliches und seelisches Befinden.
Dem widerspricht auch nicht der Umstand, völlig entspannt los gefahren zu sein und dann plötzlich doch wieder Angst zu kriegen.

Du kannst diesmal vielleicht schneller wieder den Weg gut bewältigen und beim nächsten "Einbruch" nochmal schneller u.s.w. Solche emotional falsch verkoppelten Situationen sind meist nicht mit einer kurzen Phase des besser-Klappens für immer gut zu bewältigen. Nicht, wenn sich das über Jahre so eingeschliffen hat. Aber dass sie gut klappen können, zeigt den Progress und der wird sich, wenn du weiter dran bleibst und auf deine gesamte körperliche und psychische Konsitution achtest, immer mehr ausweiten.

• x 1 #34


R
habe gestern eine fahrt nach therme schallabach hibter mir als beifahrer mit musik und decke für gemütlichkeit.. hatte die ganze fahrt die augen zu ... hat super funktioniert .... auch an der kassa...da wusste ich aber das links ein klo ist... nur ja hat das problem meiner meinung nach nur verdrängt .... oder war das auch ein kleines positives erlebnis? mittlerweile sehe ich positives nicht mehr , gebe negativem mehr gewichtung

• x 1 #35


freely
Zitat von Kruemel_68:
Letztendlich habe ich ja keine andere Wahl - aufgeben ist keine Option. Denn meine Arbeit macht mir Spaß und tut mir gut. Deswegen kämpfe ich mich immer wieder durch.

Hm. Da lese ich immer noch Druck heraus.
Und kämpfen? hm.

Ja es scheint noch ein Kampf zu sein. Darum wer das Sagen hat wahrscheinlich.

Ich weiß nicht, würde das nicht zu einer Spaltung führen? Ein Teil soll weg, der Teil der Probleme macht.

Ich weiß nicht, ob das richtig ist, dass man den inneren Kritiker verbannt, sollte man ihn nicht besser davon überzeugen für einen zu arbeiten und nicht gegen einen? Dann wird er mit der Zeit lernen milder zu sein, nachsichtiger.

Wie gut steckst du Kritik weg?
Und was genau gibt dir dein Job?

Ich habe mir jetzt auch deinen anderen Thread durch gelesen. Du hast meiner Meinung nach auch schon wirklich viel erkannt.

Ich frage mich ob es noch an perfektionistischem Denken liegt. Was sagt deine innere Stimme wenn du Fehler machst? Kannst du dich dann dennoch mögen?

Oder hasst du dich und deinen Körper, weil du diese Symptome nicht endlich in den Griff bekommst?

Will da evtl auch noch etwas betrauert werden?

Was sind das denn für Situationen die dich aus der Bahn werfen?

Ich sehe es ja so, dass von Aussen kommen kann was will, wenn wir es nicht hereinlassen, tangiert es uns nicht. Das wäre das Ziel für mich. 🙂 In sich ruhen, ich entscheide wie es mir geht.

Selbstregulation bedeute ja glaube ich, zu dem inneren Tumult Kontakt aufzunehmen, zuzuhören, zu verstehen und zu beruhigen. Nicht weg drücken und verdrücken, passt auch wieder zum Blasendruck, den man sich ja auch gelegentlich verdrücken muss.

Mein schlimmstes Erlebnis war als ich einmal mit der Auto Fähre fahren musste. Erst eine lange Autoschlange davor. Da musste ich schon dringend und es hieß warten. Rechts und links nur Rasen und Wasser und dann alles voller Autos. Absolut keine Chance, auch mit dem Auto kam man da nicht mehr zurück. Der Hunde musste auch, den konnten wir einfach raus lassen.
Dann die Fahrt auf der Fähre 😵 das Geschaukel, das Geplätscher von Wasser. Es war wie Folter. Aber ich habe es durchgehalten.

Heute will ich manchmal nicht auf die Toilette weil ich in etwas spannendem vertieft bin, oder die Situation so schön finde und weiß dass ich diese Atmosphäre verliere wenn ich sie durch einen Toilettengang verlasse.

Zitat von Kruemel_68:
Was ich auch gemacht habe: ich habe mir auf den Wegen, die ich tagtäglich nutze, ein "Toilettennetz" aufgebaut.


Ich weiß nicht, ob man diesen Symptomen dadurch nicht erst ihre Berechtigung gibt, wenn man sich danach ausrichtet.
Wer entscheidet? Wer gibt vor worauf der Fokus gerichtet wird und was Priorität hat?

Das könnte auch eine Möglichkeit sein, sich seine Prioritäten anzuschauen. Selbst wenn man meint, man hat sich bisher immer zu sehr nach anderen gerichtet, stimmt dies ja meistens nicht. Es sah so aus, als wenn man es anderen nur Recht machen will, in Wirklichkeit war es auch nur zum Eigennutz. Evtl das man Konflikte vermeidet oder als liebenswert, aufopferungsvoll usw erscheint.
Ich denke daher es könnte wieder in die gleiche Richtung gehen, wenn man sich selbst als wichtigste Priorität sieht. Selbstlosigkeit finde ich selbst auch schwer zu erreichen.

Nach etwas ausrichten, das höher ist als man selbst. Das nennt sich in der Psychologie Selbst-Transzendenz.
Momentan sind hingegen die Toiletten Priorität Nr. 1 🙃Die Toiletten und man selbst.
Würde sich vielleicht lohnen darüber nachzudenken.

Es soll nicht bedeuten sich zu vernachlässigen, seine Bedürfnisse zu missachten usw. Eher ist Selbst-Transzendenz etwas dass uns mit Sinnhaftigkeit erfüllt. Das kommt von Victor Frankl fällt mir gerade ein. Der Begründer der Logotherapie.


"Selbsttranszendenz ist ein zentraler Begriff aus der von Viktor Frankl begründeten Existenzanalyse und Logotherapie. Sie beschreibt das grundlegende Merkmal des Menschseins, über sich selbst hinaus auf etwas oder jemanden ausgerichtet zu sein.

Die Kernaussagen nach Viktor Frankl

• Richtung statt Selbstbezug: Der Mensch wird erst dann ganz er selbst, wenn er aus sich heraustritt und sich einer Aufgabe, einer Sache oder einem anderen Menschen widmet.
• Umkehrung der Fragestellung: Frankl kritisierte das reine Streben nach Selbstverwirklichung als leer, wenn es nur um das eigene Ego geht. Er formulierte den berühmten Satz: „Es kommt nicht darauf an, was wir vom Leben zu erwarten haben, sondern vielmehr darauf, was das Leben von uns erwartet.“
• Die Grundhaltung des Gewissens: Das Gewissen dient laut Frankl als Organ, um in jeder konkreten Lebenslage zu spüren, welcher Sinn oder welche Forderung des Guten jetzt ansteht.
• Wege zur Selbsttranszendenz: Nach Frankl lässt sich Sinn im Leben auf drei Hauptwegen verwirklichen:
1. Durch das Schaffen eines Werkes oder das Vollbringen einer Tat (z. B. Arbeit, Kunst, Projekt).
2. Durch das Erleben von Natur, Kunst oder das Erfahren von Liebe zu einem anderen Menschen.
3. Durch die Haltung, die der Mensch dem unvermeidbaren Leiden gegenüber einnimmt."


Damit lässt sich auch vieles an Ängsten bewältigen. Weil man wirklich wie beschrieben, aus sich selbst heraus tritt. Mir hat das bisher doch mehr geholfen, als mir bewusst war.
Einfach das Ganze zu sehen. Nicht nur die Angst. Nein das Leben ansich. Schnell anknüpfen kann ich immer an der Natur. Sie begleitet uns auf allen Wegen. Sie ist immer da und strahlt Ruhe aus, egal was für ein Horror in unseren Gedanken herrscht. Sie bleibt davon völlig unbeeindruckt.

Hinzu helfen auch menschliche Begegnungen. Wenn man nicht an jemand total falsches gerät. Aber fast jeder versucht doch irgendwie sein Bestes zu geben. Selbst wenn es oft mehr Show oder Unsicherheit ist.

Begegnungen zu genießen, neugierig zu sein wer ist da, was denkt er, hat mir einiges an sozialen Ängsten genommen. Ich habe dann auch Freude daran die Begegnung schön zu gestalten. Nicht damit es auf mich zurück fällt, ich darauf Stolz sein kann, sondern weil ich das als eine schöne Aufgabe ansehe und unsere Welt so viel schöner wäre wenn das jedem wichtig wäre.


Prioritätensetzung anhand der eigenen Werte. Auf Platz Nr 1 sollte nicht Ich stehen. Auch nicht der Job o.ä.
Finde interessant wie sich die Toiletten auf Platz 1 geschoben haben.
Was könnte, was sollte wichtiger sein?

• x 1 #36


Kruemel_68
@freely Ich werde dir hier drauf noch ausführlich antworten- aber wahrscheinlich erst am Wochenende. Arbeit geht vor ☺

• #37

Mitglied werden - kostenlos & anonym

YellowFerrum
Auch andere Menschen haben diese Sorge. Ohne mich lustig zu machen, möchte ich das Thema aber auflockern:

• x 1 #38


Kruemel_68
Zitat von YellowFerrum:
Auch andere Menschen haben diese Sorge. Ohne mich lustig zu machen, möchte ich das Thema aber auflockern:

Wie herrlich 😄 Danke dafür!

• #39


A


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