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Mindhead

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Die beste Freundin meines Bruders ist jemand, mit der ich damals in einer Klasse war.
Mein Bruder und ich sind übrigens Zwillinge, er war aber in meiner parallel Klasse.

Sie war hoch oben bei der Mitbeteiligung am Mobbing. Das Trauma, was auch an der Schule stattgefunden hat, davon weiß sie natürlich nichts (zumindest gehe ich nicht davon aus).
Ich gehe auch den Leuten aus dieser ehemaligen Klasse aus dem Weg. Weil sie mich zu sehr an den Pausen erinnern und die Pausen waren für mich der Horror, weil dann immer ER kam und mich fand...
Aber auch so, war es die schlimmste Mobbing Zeit meines Lebens und ich habe sehr viel Erfahrung mit Mobbing an unterschiedlichen Schulen/Klassen.

Aber aus dem Weg gehen kann man niemanden, der mit dem eigenen Bruder befreundet ist.
Mal davon abgesehen, dass ich mich niemals mit jemanden anfreunden würde, der dazu begetragen hätte dass mein Bruder die Schule wechseln muss, ist es für mich fast unerträglich immer wieder Leute da zu haben, die Erinnerungen auslösen.
Er ist mit mindestens 2 aus meiner alten Klasse befreundet. Eine von denen ist mittlerweile seine beste Freundin.

Ich habe ihm nie gesagt, dass er nicht mit ihnen befreundet sein darf.
Natürlich weiß mein Bruder von dem Mobbing. Das weiß jeder. Aber mein Bruder sieht es alles ziemlich locker und sagt immer "sie sind jetzt aber wirklich nett". Schön für die... Er war nicht da und ich bezweifele, dass sie ihm alles erzählen, was sie getan haben. Ich möchte auch gar nicht, dass er das alles weiß. Er ist so unschuldig und sieht einfach immer nur das Gute. Das ist eine wunderbare Gabe die ich ihm nicht nehmen möchte.

Und die Leute haben klare Regeln bei uns Zuhause: Nicht ohne mein Wissen rein kommen und NIEMALS mein Zimmer betreten und nur so lange da sein, wie es nötig ist.

Dennoch macht mich dieses Wissen, dass sie seine beste Freundin ist fertig.
Denn ich habe das erst letztens erfahren. Als er es direkt ausgesprochen hat.
Davor hatte er eine andere beste Freundin, aber die haben sich etwas auseinander gelebt. So schade...
Und jetzt ist sie seine beste Freundin. Und der Gedanke, dass wir alle erwachsen sind und die Freundschaft zwischen den beiden ja schon lange besteht und womöglich für immer bestehen wird... Damit kann ich mich wiederum nicht anfreunden.

Und ich fühle mich so egoistisch und egozentrisch deswegen.
Sie sind ja kein Paar. Mein Bruder hat seit über 3 Jahren eine feste Freundin und das wird auch soweit ich es beurteilen kann erstmal so bleiben.

Mir ist bewusst, dass A. (ich nenne sie eben mit dem erwten Buchstaben ihres Namens) mich jetzt nicht mehr fertig machen würde. Aber wenn ich sie sehe und auch nur sehe, dass sie mich anlächelt, kommen die ganzen Erinnerungen hoch und mir wird so schlecht, mein Herz rast und ich würde sie am liebsten schlagen.

Aber es ist meine Schuld, dass ich das meinem Bruder immer vorhalte. Auch wenn ich es ihm nicht verbiete, weiß er natürlich was ich über die Freundschaft denke.
Letztens saßen wir am Tisch zusammen mit meinem Cousin und die Freudin meines Bruders und sie folgt auf Instagram natürlich jetzt auch welche aus meiner alten Klass, sowie auch mein Cousin...
Wundervoll... Wie alle, die ich kenne und in meinem Umfeld sind, die aus meiner alten Klasse kennenlernen
Als würde man mir ein Messer in den Rücken stechen.

07.07.2019 10:12 • #21


Veritas

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Ich würde an deiner Stelle mit deinem Bruder offen sprechen und ALLES auf den Tisch legen. Weshalb Du die Leute - verständlicherweise - nicht magst und nicht gerne von ihnen umgeben bist. Wie er damit umgeht, das sollte nicht dein Problem sein, Verständnis sollte (muss) er aber haben. Zwanghaft eine auf heile Welt zu machen, sollte nicht die Lösung sein, v.a. tust Du dir damit selbst keinen Gefallen.

Vergiss mist und den ganzen Rotz. Das ist alles oberflächlicher Müll, der die Leute größtenteils verblödet. Eine Welt voller SCHEIN-Freunde (mal vom mangelnden Datenschutz und dem Riesengeschäft, was dort hintersteckt + der Überwachung, abgesehen).

07.07.2019 10:34 • x 2 #22


Mindhead

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Zitat von Veritas:
Ich würde an deiner Stelle mit deinem Bruder offen sprechen und ALLES auf den Tisch legen. Weshalb Du die Leute - verständlicherweise - nicht magst und nicht gerne von ihnen umgeben bist. Wie er damit umgeht, das sollte nicht dein Problem sein, Verständnis sollte (muss) er aber haben. Zwanghaft eine auf heile Welt zu machen, sollte nicht die Lösung sein, v.a. tust Du dir damit selbst keinen Gefallen.Vergiss mist und den ganzen Rotz. Das ist alles oberflächlicher Müll, der die Leute größtenteils verblödet. Eine Welt voller SCHEIN-Freunde (mal vom mangelnden Datenschutz und dem Riesengeschäft, was dort hintersteckt + der Überwachung, abgesehen).


Es geht dabei auch um meine eigene Sicherheit, dass er nicht genau von dem weiß, was alles passiert ist.
Ich kann es ihm nicht sagen. Und doch, es ist auch meine Verantwortung wie er mit was umgeht. Er ist mein Bruder.

Also mit ihnen ist er wohl wirklich befreundet. Und es ist okay, wenn er unbedingt will... Nur hasse ich es diese Leute andauernd zu sehen und dass alle anderen diese Leute ebenfalls kennenlernen. Ich musste seiner Freundin auh erst sagen, dass es die vom Mobbing waren, die sie da folgt und sie hat sofort gefragt, ob sie entfolgen soll. Das hat mich gewundert, da mein Bruder nicht mal auf die Idee gekommen ist.

Ich muss lernen damit umzugehen, dass ein paar dieser Leute wohl Teil meines Lebens bleiben.
Ich weiß nur noch nicht, wie ich das lernen soll.

07.07.2019 14:08 • #23


Veritas

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...aber dein Bruder ist kein Kind mehr, oder? Außerdem trifft dich keine Schuld (schreibst Du auch nicht, aber könnte man meinen). Mir ist das zu defensiv, aber natürlich nur meine Meinung.

Entfolgen klingt gut (und v.a. loyal!).

Oben mit "mist" (wurde zensiert) war Instagram gemeint.

07.07.2019 14:26 • x 2 #24


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Zitat von Veritas:
...aber dein Bruder ist kein Kind mehr, oder? Außerdem trifft dich keine Schuld (schreibst Du auch nicht, aber könnte man meinen). Mir ist das zu defensiv, aber natürlich nur meine Meinung. Entfolgen klingt gut (und v.a. loyal!).Oben mit "mist" (wurde zensiert) war Instagram gemeint.


Nein, wie gesagt, wir sind Zwillinge und mittlerweile alle erwachsen.
Dies bedeutet aber nicht, dass ich ihn nicht beschützen möchte.
Er ist der positivste Mensch den ich kenne. Das möchte ich nicht zerstören.
Er weiß ja auch, wie ich es finde, dass er mit den Leuten befreundet ist.
Er muss aber nicht alles wissen. Ich muss selber lernen damit umzugehen, das ist auch nicht seine Aufgabe, sondern meine.
Es ist nur verdammt schwierig und ich weiß noch nicht, wie ich das schaffen kann.
Ich hoffe sehr, dass man mir helfen kann, sobald ich professionelle Hilfe bekomme.

07.07.2019 14:32 • x 1 #25


schnapper

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Es ist nicht sinnvoll Täter in drin Leben zu integrieren. Abgrenzung ist da sinnvoll und gesund. Also nein, du musst nicht lernen mit ihnen zu leben, sondern ohne sie.

07.07.2019 18:02 • x 3 #26


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Zitat von schnapper:
Es ist nicht sinnvoll Täter in drin Leben zu integrieren. Abgrenzung ist da sinnvoll und gesund. Also nein, du musst nicht lernen mit ihnen zu leben, sondern ohne sie.


Ich kann aber nicht von allen anderen verlangen diese Leute aus ihrem Leben auszuschließen, nur weil ich sie nicht in meinem Leben haben möchte.
Das wäre sehr egoistisch von mir...

07.07.2019 18:04 • #27


schnapper

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Das kannst du nicht. Aber du kannst dich frei entscheiden ob und wie weit du dich auf sie einlässt oder mit ihnen umgibst. Wenn die räumliche Nähe das sehen unumgänglich macht, müssen regeln her oder ein Umzug. Und daran wäre nichts egoistisch, jedenfalls nicht ungesund. In erster Linie zählt das eigene wohl nicht das wohl anderer.

07.07.2019 18:23 • x 1 #28


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Zitat von schnapper:
Das kannst du nicht. Aber du kannst dich frei entscheiden ob und wie weit du dich auf sie einlässt oder mit ihnen umgibst. Wenn die räumliche Nähe das sehen unumgänglich macht, müssen regeln her oder ein Umzug. Und daran wäre nichts egoistisch, jedenfalls nicht ungesund. In erster Linie zählt das eigene wohl nicht das wohl anderer.


Die Regeln, dass niemand rein kommt ohne dass ich davon weiß und niemand von ihnen mein Zimmer betreten darf besteht. Ansonsten sind da leider keine Regeln.
Noch kann ich nicht ausziehen aber hoffe, dass wenn ich für das neue Studium angenommenen werde ich ab dem zweiten Semester ins Studentenwohnheim kann.
Das erste Semester würde ich pendeln, um auch erst zu sehen ob ich das Studium wirklich weiter mache (was ich denke, so sein wird), damit ich nicht direkt viel Geld für einen Umzug von wieder nur ein Semester ausgebe -das kann ich mir nämlich nicht leisten.

Du hast ja Recht, dass ich auf mich aufpassen muss. Das muss ich auch noch lernen. Ich vermeide auch ansonsten alles, was mich erinnern kann -ist auch typisch für Traumata soweit du auch weißt.
Ich fühle mich nur mit verantwortlich für meinen Bruder. Ansonsten für niemanden, außer mir selber.

07.07.2019 18:36 • #29


schnapper

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OK. Aber Pass auf auf dass du dich in deinen eigenen zielen und leben nicht zu sehr von deinem Verantwortungsgefühl für deinen Bruder bremsen lässt. Habe ich viel zu lang gemacht aus Rücksicht auf Mutter.

07.07.2019 18:38 • x 1 #30


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Zitat von schnapper:
OK. Aber Pass auf auf dass du dich in deinen eigenen zielen und leben nicht zu sehr von deinem Verantwortungsgefühl für deinen Bruder bremsen lässt. Habe ich viel zu lang gemacht aus Rücksicht auf Mutter.


Danke für deine Antwort!
Tatsächlich hat er sein Leben viel besser im Griff, als ich und ist z.B. auch viel gesellschaftsfähige (der Gesellschaftfähigste Mensch den ich kenne) und doch fühle ich mich verantwortlich. Vielleicht weil wir Zwillinge sind. Vielleicht, weil er mein Grund ist weiter zu kämpfen und am Leben zu bleiben.
Aber ja, ich muss lernen für mich zu leben.

07.07.2019 18:42 • #31


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Wenn ich ganz viel Stress habe, habe ich oft das Gefühl Abstand vom Trauma nehmen zu können.
So wie diese Woche. Ich hatte so viel Stress und zu tun, dass ich gar nicht sonderlich die Möglichkeit hatte, über all diese Sachen nachzudenken, oder es mir schlecht gehen zu lassen.
Natürlich ist es mehr als anstrengend, wenn man über die Woche hinweg keine Ruhe findet und ich würde das auch nicht mehrere Wochen hinter einander schaffen.
Aber es war trotzdem mal schön Abstand von der eigenen Psyche zu haben.

13.07.2019 16:06 • #32


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Seit längerer Zeit habe ich oft das Gefühl, als würde ich die Welt nicht mehr richtig sehen.
Ich sehe sie visuell, aber irgendwie sehe ich nur die Oberfläche. Als würde man aufs Wasser sehen und nur die Oberfläche erkennen und alles drunter ist unwirklich.
Ich würde gerne daraus ausbrechen. Die Welt wieder wahrnehmen. Auch, wenn meine Wahrnehmung gestört ist und die "echte Welt" für mich oft zu viel ist, möchte ich sie wieder erleben können. Vielleicht ist es so, wie es gerade ist, einfacher. Aber einfacher bedeutet nicht, dass man sich darin einnisten sollte. Und das mache ich. Ich habe mich eingenistet. Weil ich nicht bemerkt habe, wie ich da immer mehr reingerutscht bin.
Nur weiß ich nicht, wie ich da wieder raus kommen kann.
Ich versuche es mit Achtsamkeitsübungen, nur leider bringen diese mir ziemlich wenig.
Zwischendurch bemerke ich an manchen Tagen ganz plötzlich mal, dass ich wieder "da" bin. Aber meistens nur ein paar Sekunden. Dann bin ich wieder hinter dem "Glas".
Es erscheint mir wie in einer Trance.
Und irgendwie muss ich wach werden.

19.07.2019 20:28 • #33


schnapper

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Willkommen im Club. Derealisation / Depersonilation sind häufig bei Traumatisierung. Bekannetr Schutzmechnismus. Zum Teil ist das auch gesund bei unbelasteten Menschen da, denn wenn wir uns fortwährend mit all dem Leid auf der Welt beschäftigen würden, ginge man nur kaputt und hätte gar keine Freude.

Vielleicht hilft dir ja Imagination. Das kann sein, entwder an reale schöne Moment rinnern, oder aus der Phantasie heraus scöne Momente kreiren und alte belastetnde Erinnerungen so zu überschreiben. Essoll angeblich gehen, selbst negatve Erinnerungen so umzuprogramieren, das sie durch die bewußte Abänderung zu guten werden. Das Gehirn könne da nicht zwischen wirklicher und erfunder Realität unterscheiden.

Mir hilft imagination nich. Habe mir vorgestellt, mir meine eigene Familie nach meinen Wünschen in meinen Gedanken zu schaffen. Es kommen aber immer die alten belasteten Erinnerungen dabei erart hoch, dass ich abbrechen muss. Tue ich es icht, kann das zu heftigen Gefühlsreaktionen führen, in denen ich dann auch für nichts mehr garantieren kann.

20.07.2019 07:18 • x 1 #34


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Das mit der Imagination mache ich fortlaufend. Dadurch "verschwinde" ich allerdings irgendwie immer noch mehr...
Es hilft mir, aber es zerrt mich nur weiter weg. Als würde das Glas, das mich umgibt, immer dicker werden.

Sehr schade, dass es dir auch nicht hilft :/
Hast du denn etwas, das dir schon hilft?

20.07.2019 11:00 • #35


schnapper

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Wie ich an anderen Stellen schon greschriwve habe gibt es da schon ein paar Dinge die mir helfen. Am besten klappt bei mir Sport, an besten was, was meine volle Aufmerksamkeit erfordert und zieht oder etwas bei den ich an meine körperlichen Grenzen gehe. Besonders Fussball spielen zieht meine volle aufmerksankeit. Schwimmen auch, da kann ich nicht viel gedanklich abdriften, die Konzentration auf die atmung und die Züge beschäftigt voll, sonst saufe ich ja auch ab.

Sport geht nicht immer und auch nicht unebdlich. Ansonsten helfen nur schon Aktivitäten für die ich mich interessiere, z. B. Brettspiele, Zoo oder Musical. Einfache alltäglich mögliche Dinge sind z. B. Yoga oder lecker essen selbst machen und essen. Hilfreiche Techniken sind ansonsten Logikaufgaben sowie die Sinne ansprechende Dinge. Logik z. B. Stadt Land Fluss von a bis z in gedanken. Sinnliches z. B. Düfte, im Wald Vogelstimmen erkennen, nach fünf Sachen in einer bestimmten Farbe suchen. Und auch nicht schlecht, Sex, geht aber eben auch nicht immer.

20.07.2019 14:00 • x 1 #36


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Danke nochmal für deine Antwort.
Ich versuche es auch mittlerweile mir Sport und versuche regelmäßig in Fitnessstudio zu gehen. Das geht nicht immer gleich gut, aber das ist auch verständlich denke ich.

Ansonsten kann ich mich momentan auf gar nichts konzentrieren. Ich habe auch wieder so eine Lese Blockade, dabei war Lesen im Prinzip das, was mich lange "gerettet" hat.
Das ist zwar dann auch wieder ein Vermeidungsverhalten, aber man ist trotzdem mehr da. So geht es mir zumindest.

Die Techniken helfen mir leider ziemlich wenig. Manchmal wird es dadurch sogar schlimmer. Ich weiß gar nicht, weshalb.
Ich wollte mir demnächst vielleicht Ammoniak Ampullen kaufen. Das hilft wohl vielen bei schwereren Dissoziationen. Aber mal sehen. Ich traue mich nie in Apotheken.

20.07.2019 14:22 • #37


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Wasabi kriegste auch im Supermarkt. Pur genossen auch besonders scharf und ekelhaft. Oder Süßstoff pur.

20.07.2019 14:40 • x 1 #38


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Zitat von schnapper:
Wasabi kriegste auch im Supermarkt. Pur genossen auch besonders scharf und ekelhaft. Oder Süßstoff pur.


Haben wir sogar Zuhause, habe ich gerade entdeckt Also Wasabi-Nüsse

20.07.2019 15:07 • #39


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Ich finde es sehr schade, dass eine PTBS, bzw. deren Symptome, oft verallgemeinert wird.
Häufig heißt es bei einigen Verhaltens- und Denkweisen, dass es ja die PTBS ist. Dabei war es auch schon vorher so.
Bei anderen Verhaltens- und Denkweisen wird behauptet, es habe nichts mit einer PTBS zu tun, dabei ist es schon so.

Wichtig hierbei ist, was der Betroffene auch selber dazu sagen kann.
Natürlich ist derjenige dazu nicht immer in der Lage. Aber oft eben schon.

Ein Beispiel zu mir:
Es dürfen genau 3 Menschen mich umarmen. Mit Zustimmung. Fragen muss man mich sowieso.
Wird nicht gefragt, kann es durchaus passieren, dass ich aggresiv darauf reagiere.
Nun: Liegt es an der PTBS oder hat es nichts mit Traumata zu tun?
Meine Antwort:
Es war schon immer so. Mein gesamtes Leben lang! Sprich, auch schon vor den erlebten Traumata (ich wurde nicht von meiner Familie traumatisiert. Die erste Traumatisierung erfolgte, als ich 13 Jahre alt war).
Den Unterschied muss man erkennen (wichtig: Dies gilt für MICH).
1. Spüre ich bei der Umarmung Ekel?
2. Bekomme ich Flashbacks?
3. Tut es mir weh?
4. Bekomme ich Angst?

Vor den erlebten Ereignissen war es auch schon so. Mit dem Unterschied, dass ich keine Flashbacks und Panik bekam.
Umarmungen, bzw, Berührungen allgemein, sind für mich ein sehr schwieriges Thema. Ein Thema, das mich schon immer begleitet hat.
Man durfte mich nicht umarmen. Oft auch nicht auf Frage hin.
Der Unterschied der jetzt dazu gekommen ist, sind eben die Traumata, wodurch das Thema nochmal komplexer geworden ist. Sprich, es hat sowohl mit den Traumata (mittlerweile) zu tun, als auch nicht.

Nächstes Beispiel:
Es heißt, dass ein mangelndes Körperempfinden (Körperwahrnehmungsstörung) häufig bei einer PTBS vorkommt.
Ich hatte das ebenfalls schon immer. Ich kann mein Körper ganz einfach nicht so richtig spüren, wie es normal wäre. Zudem habe ich eine Unterempfindlichkeit gegenüber Schmerzen und manchmal ist es nicht das einfachste, meinen Körper richtig zu kontrollieren.
Was wird gesagt? Trauma.
Und ich sage: Nein.
Das hat bei mir NICHTS mit den Traumata zu tun. Dissoziation hat hingegen schon mit den Traumata zu tun.
Aber die Störung der Wahrnehmung bei mir erstmal gar nichts. Das hat bei mir ganz einfach mit meiner Wahrnehmung zu tun. Ich befinde mich nicht umsonst in der Autismus Diagnostik. Und das hat genau so wenig mit Auswirkungen der Traumata zu tun.

Ich hasse es aber, wenn Leute anfangen das zu generalisieren.
Man sollte NIEMALS generalisieren. Egal bei welchen Symptomen. Und vor allem auch darauf achten, was die Person selber sagt.

Unterscheiden ist wichtig! Sehr, sehr wichtig. Vor allem wenn es um die Vergabe von Diagnosen geht und die Behandlung.

Ich bin sehr gut darin mich selber zu reflektieren. Das kann nicht jeder gleich gut (was auch vollkommen in Ordnung ist), aber ich weiß meistens woher meine Verhaltensweisen kommen und wenn nicht, dann gehe ich diese auf den Grund.
Da lasse ich mir aber von niemanden sagen, dass das alles normal bei einer Traumatisierung ist.
Ja, mag sein. Aber eben nicht all meine Probleme und Verhaltens- und Denkweisen rühren von der Traumatisierung her.
Ich bin nicht meine Traumata und meine Traumata definieren mich nicht.
Das mag sich jetzt vielleicht anhören, als würde ich einiges verdrängen, oder wäre die PTBS bei mir eigentlich gar nicht so schlimm: Das möchte ich damit nicht sagen. Mir ist es nur wichtig, dass vor allem wenn man nicht von klein auf an traumatisiert wurde, Unterscheidungen sehr wichtig sind (auch wenn von klein auf an, man ist immerhin nicht die PTBS/kPTBS).

Man merkt vielleicht die Wut hinter diesem Beitrag? Wenn nicht: Ich bin wütend.
Wütend, weil ich nicht nur über einzelne Sachen definiert werden möchte. Ich bin ein Mensch. Ein komplexes Lebewesen. Tatsächlich. Wer würde das denn auch denken?
Und ich bin viel mehr als meine Traumata und viel mehr als ein Verhalten.

31.07.2019 19:41 • #40




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