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Sasa_81
Liebe Forenmitglieder,

ich habe folgendes Problem und hoffe auf eure Erfahrungswerte.

Über viele Jahre wurde meine Angststörung von den Ärzten verkannt. Irgendwann kam es zum Zusammbruch und das Arzneimittelaustesten mit mangelnder vorheriger Aufklärung begann.

Mittlerweile nehme ich seit 2014 das Präparat Paroxetin, kurz eingeschlichen und bis 2016 auf 60mg hoch dosiert. Im Zuge der Einschleichung hat mir niemand gesagt, dass sich die Beschwerden zuerst verschlimmern. Nach einem halben Jahr der Einnahme war ich insoweit stabil, dass ich wieder arbeiten gehen konnte. Auch, wenn es heißt, dass diese Mittel angeblich keine Gewichtszunahme verursachen, habe ich seither über 30kg zugenommen. Ehrlich gesagt, ist es nicht toll, war mir aber dann auch wiederum irgendwie egal...Hauptsache ich konnte wieder alleine das Haus verlassen.

Da ich recherchiert und gelesen habe, dass 60mg nicht als Dauerdosierung gut sind, sprach ich das Thema beim Arzt an. Leider habe ich diesbezüglich keine guten Ärzte an meiner Seite. Zwischenzeitlich habe ich es geschafft auf 40mg runterzudosieren.

Da meine Ängste trotz Medikamente in diesem Jahr wieder öfter zwischendurch auftraten und ich mir selber nicht mehr helfen konnte, entschied ich mich, mir einen Therapeuten zu suchen.

Ich habe dabei Glück gehabt und zeitnah eine alt eingesessene Therapeutin, die Fachärztin für psychische und psychosomatische Erkrankungen ist, gefunden.

Nach knapp 5 Sitzungen sprachen wir über meine Medikamente und dass es mein Ziel ist, irgendwann dort wegzukommen.

Sie schlug mir vor von den 40mg Paroxetin auf 2mal täglich 50mg Opipramol umzustellen.

Ich willigte ein und das Drama begann...

Ich sollte innerhalb 3 Tagen Paroxetin in 10mg runterdosieren, 1 Tag ohne jegliche Medikamente verbringen und am 5. Tag mit morgens und abends 50mg Opipramol beginnen.

Die ersten 3 Tage waren noch OK...Aber dann: Schwindel, Schüttelfrost, Übelkeit, verstärkter Tinnitus, Schlafstörungen, Schweißausbrüche, Heulattacken, Durchfall...ich dachte, ich überstehe das nicht. Es fühlt sich an wie Entzugserscheinungen...auch, wenn diese Mittel nicht abhängig machen.

Erst war mein Gedanke, dass ich Opipramol nicht vertrage... Dann ist mir aber eingefallen, dass ich schon ziemlich heftige körperliche Reaktionen hatt, wenn ich die Paroxetin 2mal hintereinander vergessen hatte.

Meine Therapeutin empfiel mir, alle Tabletten sofort wegzulassen und lediglich Promethazin Tropfen bei Bedarf einzunehmen.

Nachdem selbst durch die Einnahme von Promethazin die körperlichen Beschwerden nicht besser wurden, kontaktierte ich sie noch einmal und sprach meine Vermutung an.

Als Antwort erhielt ich, dass ich ein besonderer Fall sei...so starke Reaktionen hätte sie in ihrer Laufbahn noch nicht gesehen. Ich solle nun wieder zu den 40mg Paroxetin zurückkehren und wir überlegen dann weiter.

Das schlimmste ist, dass ich aktuell wieder das Haus nicht verlassen kann, Zuhause nichts gebacken bekomme und mir sooo übel und schwindelig ist...und ich das Gefühl habe, dass die Therapeutin von meinen beiden aufeinander folgenden Anrufen genervt ist...ich glaube, Sie meint ich sei ein Hypochonder.

Und das bin ich wirklich nicht...andere wären bestimmt ins Krankenhaus gefahren...und ich habe gedacht, ich muss da irgendwie dadurch...

Kennt jemand so starke Reaktionen auf ein Medikament? Ist das nachvollziehbar, dass der Körper so Alarm schlägt oder bin ich wirklich ein atypischer Fall.

Habe das jetzt alles in einer Woche Urlaub durchlebt und muss Dienstag wieder arbeiten...weiß nur nicht wie...

LG

03.11.2017 14:36 • 03.11.2017 #1


11 Antworten ↓


Hallo Sasa!
Also solche Reaktionen kenne ich glücklicherweise nicht ! Aber ich denke du solltest dich unbedingt krank schreiben lassen denn so kannst du ja gar nicht arbeiten ....
Und besser dran bleiben Hilfe zu suchen! Ich drücke dir die Daumen dass hier jemand helfen kann oder in deinem Raum gute Ärzte kennt. Wo lebst du?

03.11.2017 14:54 • #2



Paroxetin / Opipramol Nebenwirkungen?

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Sasa_81
Zwischen Recklinghausen und Dortmund in NRW.

Hier gibt es zwar Ärzte wie Sand am Meer, aber wenig Qualität in diesem Bereich...

Der Arzt, bei dem ich bislang die Medikamente bezogen hat, ließ mir durch seine Empfangsdame ausrichten, dass er mit mir telefonisch nicht über die von ihm verordnete Medikamente und Nebenwirkungen sprechen möchte...schließlich hätte er meine Versicherungskarte in diesem Quartal ja noch nicht gehabt. Obwohl ich sagte, dass ich erstmals die 40km aufgrund des Schwindel nicht fahren kann, solle ich vorbeikommen.

Ich fühle mich gerade wirklich alleine gelassen...

Wir reden ja auch nicht von Schnupfenmitteln, sondern von hoch dosierten Antidepressiva...wie kann ein Arzt so sein...?

Ich war nie schwierig, hab lediglich meine Medikamente bei ihm abgeholt und nie Hilfe von ihm beansprucht... für mich ist so ein Verhalten verantwortungslos...

Danke für die lieben Worte...

03.11.2017 15:07 • #3


Ja das ist erstmal total niederschmetternd! Ging mir auch zu Anfang so. Dann lernte ich zu akzeptieren... Hast du schon mal deine krankenkasse deswegen kontaktiert? Meine hat für Probleme eine Hotline und hilft dann. Andere haben für Mitglieder tatsächlich gesonderte Begleiter hab ich gehört. .. wahrscheinlich würde ich das in so einem Fall tatsächlich ausprobieren! Für mich ist nichts so schrecklich wie gar nichts tun können und mich ausgeliefert fühlen. ... :-/

03.11.2017 15:18 • x 1 #4


Schlaflose
Zitat von Sasa_81:
Als Antwort erhielt ich, dass ich ein besonderer Fall sei...so starke Reaktionen hätte sie in ihrer Laufbahn noch nicht gesehen.


Paroxetin ist dafür berüchtigt, dass es starke Absetzsymptome verursacht und nur sehr langsam über Wochen hinweg ausgeschlichen werden soll.

03.11.2017 15:24 • x 1 #5


Sasa_81
Paroxetin ist dafür berüchtigt, dass es starke Absetzsymptome verursacht und nur sehr langsam über Wochen hinweg ausgeschlichen werden soll.

...deshalb wunderte mich, dass in 4 Tagen alles vorbei sein sollte...(wobei ich zuvor es noch nicht einmal geschafft habe unter die 40mg zu kommen) ich habe bei diversen Personen gelesen, dass diese monatelang und mit nicht mehr als 10% je Stufe ausgeschlichen haben.

Da die Therapeutin eine Fachärztin ist, bin ich davon ausgegangen, dass sie weiß, was die tut...

Momentan bin ich sehr verunsichert...Sehr schlechte in dieser Zeit...

03.11.2017 15:32 • #6


MaryDP
Huhu

Oje das ganze kenne ich. Ich hab auch bis vor kurzem Paroxetin genommen. Ich hatte mega langsam runter dosiert. Alle 4 Wochen 3mg weniger. Als ich bei 7mg war ging das Elend los. Ich hatte so starke AbsetzSymptome. Übelkeit, wieder Panik ohne Ende und ich war nur noch ein Wrack. Hab dann wieder hoch dosieren müssen aber das Medikament hat nicht wirklich mehr geholfen. Ich bin jetzt auf Escitalopram umgestiegen. Habe Paroxetin ausgeschlichen und Escitalopram eingeschlichen. Paroxetin ist bekannt für starke AbsetzErscheinungen. Manche reduzieren sogar noch langsamer. Alle 4 Wochen nur 1mg.

Opipramol nehme ich auch. Ist gut verträglich. Davon solltest du nicht so heftige Nebenwirkungen bekommen.

LG Mary

03.11.2017 16:15 • #7


Sasa_81
Hallo Mary,

danke für die Info...bin froh, nicht alleine zu sein.

Da Opipramol ein leichtes Mittel sein soll, gehe ich davon aus, dass es im Vergleich zu den starken Beschwerden des starken Paroxetin kein Wirkungsmöglichkeit hatte...zudem braucht es ja auch eine gewisse Zeit, bis es wirkt...habe es sofort auf Anraten der Therapeutin abgesetzt...die Situation einfach verkannt und die Beschwerden dem falschen Mittel zugeordnet.

Werde ihm irgendwann später auf jeden Fall noch einmal eine Chance geben...

...erst mal wieder dahin kommen, dass die olle Übelkeit und die Magen-Darm-Schmerzen weggehen...das setzt mir gerade am Meisten zu...

Ich habe das Gefühl, dass ich mir mehr Gedanken mache, wo jetzt der Fehler liegt und seit Tagen recherchiere als die Ärzte / Therapeutin, die es eigentlich wissen sollten...traurig.

03.11.2017 16:37 • #8


Skeletor
Zitat von Sasa_81:
Sie schlug mir vor von den 40mg Paroxetin auf 2mal täglich 50mg Opipramol umzustellen.

Ich willigte ein und das Drama begann...

Ich sollte innerhalb 3 Tagen Paroxetin in 10mg runterdosieren, 1 Tag ohne jegliche Medikamente verbringen und am 5. Tag mit morgens und abends 50mg Opipramol beginnen.



Paroxetin nie einfach so absetzen. Das muss langsam ausgeschlichen werden um krasse Entzugserscheinungen zu vermeiden. Vor allem da Paroxetin berühmt-berüchtigt für seine Entzugserscheinungen ist. Ich frage mich auch, warum Opipramol. Opipramol ist ein eher schwaches Anxiolytikum.

Zitat von Sasa_81:
Die ersten 3 Tage waren noch OK...Aber dann: Schwindel, Schüttelfrost, Übelkeit, verstärkter Tinnitus, Schlafstörungen, Schweißausbrüche, Heulattacken, Durchfall...ich dachte, ich überstehe das nicht. Es fühlt sich an wie Entzugserscheinungen...auch, wenn diese Mittel nicht abhängig machen.

Es sind Entzugserscheinungen.

https://de.wikipedia.org/wiki/SSRI-Absetzsyndrom

Zitat von Sasa_81:
Meine Therapeutin empfiel mir, alle Tabletten sofort wegzulassen und lediglich Promethazin Tropfen bei Bedarf einzunehmen.

Deine Therapeutin würde ich zum Teufel jagen.

Zitat von Sasa_81:
Als Antwort erhielt ich, dass ich ein besonderer Fall sei...so starke Reaktionen hätte sie in ihrer Laufbahn noch nicht gesehen. Ich solle nun wieder zu den 40mg Paroxetin zurückkehren und wir überlegen dann weiter.

Erstmal zurück auf 40mg ist definitiv eine gute Idee. Es sollte nach ein paar Tagen regelmäßiger Einnahme wieder besser werden.

Zitat von Sasa_81:
Kennt jemand so starke Reaktionen auf ein Medikament? Ist das nachvollziehbar, dass der Körper so Alarm schlägt oder bin ich wirklich ein atypischer Fall.

Also gerade bei Paroxetin und Venlafaxin kommen starke Entzugserscheinungen beim plötzlichem Absetzen durchaus vor. Als ich mal drei Tage mein Sertralin vergessen hatte, bin ich die Wände hochgelaufen.

Nimmst Du denn jetzt die 40mg wieder?

03.11.2017 19:43 • #9


Sasa_81
Hab heute wieder 40mg eingenommen...werde das jetzt auch so fortsetzen...hoffe, dass es schnell wieder wird. Lange halte ich das nicht mehr aus...das kostet so viel Kraft...

So eine Phase wünscht man niemandem...einfach nur schrecklich...

Danke für den Link...lese gleich mal nach...LG

03.11.2017 20:31 • #10


Sasa_81
+++ Ich möchte mich bei allen bedanken, die mir heute geantwortet haben... ich habe schlimme Tage hinter mir und schöpfe dank eurer Worte und Informationen wieder Hoffnung, dass es mir bald besser geht...es ist toll, sich mit Gleichgesinnten austauschen zu können. Oftmals hat die Umwelt kein Verständnis, keine Ahnung oder Interesse und schaut einen dann noch an, als wäre man dumm. Ich glaube nicht, dass sich irgendjemand von uns das hier ausgesucht hat, oder? Und geboren wurden wir mit diesem Thema auch nicht. Danke für eure Hilfe...LG Sandra +++

03.11.2017 20:49 • x 1 #11


MaryDP
Hallo Sandra

Ich denke mit den 40mg sollte es dir bald besser gehen. Die Psychiater sehen das mit dem Absetzen irgendwie immer nicht so schlimm. Die sind meist der Meinung, dass es so schlimme AbsetzErscheinungen nicht gibt, aber die Realität zeigt leider anderes. Deshalb ganz langsam absetzen. Aber jetzt stabilisiere dich erst mal.

Gute Besserung, Mary

03.11.2017 22:14 • x 2 #12



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Dr. med. Andreas Schöpf