Pfeil rechts
3

Hi,
ich schreibe hier wegen meiner Freundin. Sie leidet seit langem schon am Depressionen , kam aber mit Venlafaxin einigermaßen ein paar Jahre zurecht.
Aufgrund von mehreren Problemen-auch viele Job bedingt, ist sie seit Oktober krank geschrieben und hat in der Zwischenzeit gekündigt.
Ihre Psychiaterin hatte ihr dann Paroxetin verschrieben, die aber nicht wirklich angeschlagen haben.
Dann bekam sie Fluoxetin beginnend mit sehr kleinen Dosen. (Begonnen hat sie damit vor sechs Wochen und vier Wochen paralell mit Paroxetin wegen langsamen Absetzen).
Seit Beginn der Einnahme hat sich ihre Depression stark verschlimmert und es wird auch nicht wirklich besser. Seit einer Woche nimmt sie nun 15mg. Nun meine Frage. Da ich gelesen habe, dass so eine Erstverschlimmerung nicht selten vorkommt, würde ich euch gerne fragen, wie lange es dauern kann, bis die positive Wirkung einsetzt. Nächste Woche hat sie auch wieder einen Termin bei ihrer Ärztin. Ich bin wirklich um jeden Beitrag dankbar! Viele liebe Grüße Caro

24.05.2019 00:33 • 24.05.2019 x 1 #1


4 Antworten ↓


Frühlingsblume2
Hallo Caro.

Leider kann ich dir da jetzt nicht richtig helfen. Ich kann dir nur sagen, dass ich genau deswegen auch noch nicht mit den Tabletten angefangen habe.
Ja die Erstverschlechterung, das ist bestimmt nicht bei allen so.
Das müsste doch die Psychiaterin wissen, wielange das dauert.

Aber keine Sorge, morgen hast du hier bestimmt einige Antworten von Leuten, die sich damit auskennen. Ein bißchen Geduld, auch wenn es schwierig ist.

Grüße und gute Besserung für deine Freundin.

Ach vergessen, die Suchfunktion oben ist ganz toll, Stichwort eingeben und los gehts.

24.05.2019 01:47 • x 1 #2



Erstverschlimmerung durch Fluoxetin bei Depressionen

x 3


Hey Caro,

sehr schwer zu sagen.

Kannst du den mal relativ genau mithilfe deiner Freundin aufschreiben, wie lange sie Venlafaxin genommen hat in welcher Dosis? Wie schnell wann abgesetzt?

Und das ebenso mit den ganzen anderen ADs.

Ich vertraue ja Medizin, Psychologie und Ärzten, bin auch recht angstfrei mittlerweile.

Aber die Verschreibungs-Praxis und das Absetzen, holy moly. Da wundern mich die Zustände nicht.

Ich hab da meine eigene Taktik:

Einschleichen 1/4 Tablette paar Tage, dann 1/2 Tage/ 1 Woche, 3/4 paar Tage / 1 Woche und dann eine Tablette als Standarddosis, weil:

Einschleichnebenwirkungen und Abbruch vermeiden. Hab damit sehr gute Erfahrungen gemacht, warum wird das nicht von Ärzten so praktiziert?

Gehirnchemie kann sich besser einstellen und es reduziert die Einschleich-Nebenwirkungen.

SSRI / AD wirkt eh erst nach 4-8 Wochen. Im Mittel so nach 5-7 Wochen.

Absetzen ähnlich. Ich hatte Bammel bei Paroxetin, weils im Internet als so hart zu absetzen dargestellt wird, weil kurzwirksam und starke Rezeptor-Bindung, da scheint auch was dran zu sein.

Und naja, ich hab lange 15mg gehalten, lange 10mg gehalten, lange 5mg gehalten und vielleicht sogar 2.5mg gehalten und ja, das hat gewirkt.

Ich rede bei den Intervallen von mehreren Wochen, ich hatte keinen Zeitdruck. Mir gings gut, sexuelle Nebenwirkungen haben mich zum Absetzen bewegt. (kein Orga. trotz Libido und Errektion bzw. nur sehr sehr schwer möglich, wenn man sich dort unten alles zerstört )

Ich kann ja verstehen, dass man deiner Freundin psychologisch, neurologisch und medizinisch helfen will. Und sie auch leidend ist und ohne passendes AD gehts halt wohl auch nicht.

Aber ich bin nicht verwundert, dass es ihr schlecht geht. Die Ärzte haben da wenig Ahnung oder Feingefühl, mit Verlaub.

Das liest sich für mich alles zu schnell, parallel und halt nur übliche Verschreibungspraxis.

Ihr gehts sicher sogar schlechter als vor dem Wirkungsverlust des Venlas?

Ich vermute Venla ist schon lange genug her, hoffe das Ausschleichen war nicht zu krass. Ich kann mir bei viel zu schnellem Absetzen sogar längere Probleme vorstellen, aber wohl reversibel. Sag das ja nicht deiner Freundin, Leute machen sich zuviel einen Kopf.

Bei 4 Wochen sollte es keine Einschleichnebenwirkungen mehr geben. Erstverschlimmerung IMHO auch nicht, kann man aber nicht ausschließen.

Bei ~4 Wochen könnte es wirken und da gibts so Erstverschlechterungen wie Enthemmung / Angstfreiheit und dadurch falls noch depressiv oder suizidial => eher gewillt es umzusetzen :/ - das hab ich mal gelesen und könnte ich mir vorstellen.

Ggf. mal den Arzt mit so meiner Theorie des zu Schnell absetzen und parallel konfrontieren und nochmal beraten lassen. Aber meistens sind Ärzte unantastbar und haben die Weisheit mit Löffeln gegessen.

Meine größte Vermutung: Paroxetin-Nachleiden. Das haut halt mit so am krassesten rein. (von den SSRIs, Benzodiazepine Entzüge sind so das einzig schlimmere).

4 Wochen sind je nach Dosis schon sehr schnell. Und dazu dann noch 1-2 Wochen Einschleichnebenwirkungen vom Fluoxetin
=> nicht schön, da wäre ich ggf. auch getilted. Man ist ja vorher schon sensibel und depressiv.

Ich bin kein Arzt, aber mein Common Sense wäre:

Da es wahrscheinlich noch nicht wirkt und einfach um Nebenwirkungen gering zu halten: 10mg Fluoxetin ne Weile halten, nach einiger Zeit und ggf. Stabilisierung kann sie noch in den nächsten Wochen hochgehen.
Das kann auch durchaus mit 10mg wirken oder genügend sein, wer weiß. Jeder Körper/Gehirn ist anders.

Und auch wenn mans gerne einfach weg hätte: 5mg Paroxetin eindosieren und halten. 10mg sollten nicht nötig sein, wäre aber auch nicht schlimm.

Deine Freundin ist keine Zahl im System, die zack zack Medikamente hin und her dosiert, nehmt euch die Zeit. Mit so einem Hin und Her gehts ihr nachher einfach nur schlechter und sie leidet :/

Da würde ich mir immer die Zeit nehmen, die einfach sinnvoll ist. Aber naja, ich hab sowas viel zu selten gelesen, aber ich bin damit sehr gut gefahren und das macht auch einfach Sinn.

Passende Anekdote:

Hab meiner besten Freundin/Nachbarin auch Paroxetin empfohlen, sie hat noch ein wenig mehr Angst und soziale Phobie als ich.
Sie war richtig hyped drauf, weil es mir viel gebracht hat und mich einige Male stabilisiert hat. Ohne die sexuellen NWs würde ich das heute noch nehmen.

Längere Zeit: 20mg = nix.

40mg = noch immer nix, dafür schneller Harndrang und Extrasystolen oder wie man das nennt.

Abgesetzt nach und nach.

Spürte beim Absetzen nix, 10mg, 5mg. Ich so: Anna, du hast Zeit. Sei bitte vorsichtig und alleine wegen Gehirnchemie, HWZ und meinen Erfahrungen bzw. Expertise: Ich würde langsamer machen, aber ist deine Sache.

Erst war alles okay, als sie auf 0 war. Sie hatte dann aber ein paar Löcher und war auf jeden Fall sehr viel voller Energie, leicht gereizt und hat echt viel gegrübelt.

+ Durchfall durchgehend seit dem Absetzen.

Haarausfall kam auch noch dazu.

Und was schlimm klang, aber für sie wohl nicht so schockierend war:

Schwäche bzw. Ohnmachtsanfälle so vom Gefühl, eher so Derealsierung, wo man kurz weg ist. Schwer zu beschreiben. Stand wohl auch irgendwie in den (Absetz)-Nebenwirkungen.

Das ging trotz ein wenig Abdosieren > 1 Monat.

Und wurde nur langsam bis wenig besser.

Haarausfall ist wegen Haarproblemen das schlimmste für sie und sie hat dann auch viel recherchiert und auch gefunden, dass zu schnelles Absetzen wegen irgendner Rezeptor Unterbesetzung sowas auslösen kann.

Sie nimmt jetzt wieder 5mg und es hat sich gebessert.

Diese wird sie wohl eine Weile halten. Und dann sehr vorsichtig 2,5mg zerbröseln. Glaub viel mehr drunter kommt man dann ohne eine Lösung herzustellen nicht. 2,5mg halten und dann den Kram weg.

Was bin ich froh, dass ich glimpflich davon kam.

Deiner Freundin alles Gute von mir! Cool, dass du dich informierst und ihr zur Seite stehst. '

Ich hoffe das normalisiert sich schnell.

Cheers Angstknauel

@Morgentau2008 mir haben Medikamente mein Leben gerettet und sehr sehr stabilisiert. Ich glaube irgendwann ist man vom Verhalten und Gehirnchemie so eingefahren, dass Therapie nur bedingt was bringt bzw. man keine Durchbrüche hat und immer zurückfällt. Also wenns schon recht schwerwiegend bzw. vom Verlauf durchgezogen ist.

Wenn du dich gut über Medikamente informierst und das ganze so vorsichtig und langsam wie ich ein und ausdosierst sehe ich relativ wenige "Gefahren", eher die Chance der Verbesserung.

24.05.2019 02:00 • x 1 #3


Frühlingsblume2
Ja, ich will versuchen, dass ich Tropfen bekomme, da kann ich dann mit ganz wenig anfangen.

Grüße

24.05.2019 03:50 • #4


@angstknauel, vielen Dank für diese ausführliche Antwort!
Eigentlich war meine Freundin immer sehr zufrieden mit ihrer Ärztin, aber bei dieser Umstellung hat sie nichts wegen den krassen Nebenwirkungen gesagt!
Leider habe ich mich oben auch vertan mit Paroxetin und Venlafaxin. Sie hatte beim einschleichen von Fluoxetin paralell Venlafaxin ausschleichen lassen. Aber auch alles in kleinen Dosen. Also angefangen mit 1\4 Fluoxetin am Morgen für fünf Tage und alle fünf Tage um 1/4 erhöht. Ob das jetzt zu schnell ist keine Ahnung.
Zum Glück recherchiert sie nicht im Internet rum, da wird man ja echt überhäuft, weshalb ich mich an das Forum wende . Ich habe ihr gesagt, dass vieles mit Nebenwirkungen zu tun hat, aber längs verliert sie die Geduld und den Glauben (sie ist auch Momentan ganz viel alleine und grübelt sehr viel). Momentan hat sie das Gefühl verrückt zu werden und ich möchte ihr gerne mehr Sicherheit und Zuversicht geben, aber ich glaube sie ist langsam an einem Punkt, am dem sie stagniert. Und ich denke mit der Therapie hast du es auf den Punkt gebracht - sie hat jahrelang Therapie gemacht, was auch sicher viel geholfen hatte, aber jetzt geht es erstmal darum, dass sie wieder einen klaren Kopf bekommt und mehr aus diesem Loch rauskommt.
Ich hoffe dir geht es wieder besser und @morgentau, dir wünsche ich auch nur das Beste!
Ich selber bin nicht von Depressionen und/oder co Betroffen, aber ich sehe es Tag für Tag, wie schwer es ist, sich dadurch zu kämpfen!
Danke nochmal!

24.05.2019 06:42 • #5




Auch interessant

Hits

Antworten

Letzter Beitrag


Dr. med. Andreas Schöpf