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AbwegICH

AbwegICH
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Hallo Zusammen,
ich muss mir das mal von der Seele schreiben.
Vor 2,5 Jahren und mit Unterstützung einer Beratungsstelle für von sexualisierter Gewalt betroffene Frauen und einer Opferanwältin, habe ich Anzeige gegen den Täter gestellt. Es folgten insgesamt drei sehr schwere, sehr intime und zugleich auch entwürdigende Vernehmungen bei der Kriminalpolizei. Danach sehr lange Stille.
Vor ein paar Wochen nun das Schreiben der Staatsanwaltschaft. Das Verfahren wurde aufgrund der Aussage-gegen-Aussage Situation und weil es keine weiteren Zeugen gibt, eingestellt. Der Mann kommt einfach so davon. Er hat mein Leben, meine Seele zerstört.
Ich bin traurig, entsetzt und fühle mich von der Justiz im Stich gelassen.
Alles mein Problem? Wie ich weiter damit leben soll, mit den Erinnerungen, der Angst, der PTBS, der Ungerechtigkeit und Ohnmacht? Krone richten, egal?

18.05.2026 x 4 #1


9 Antworten ↓

NeonPixie
Zitat von AbwegICH:
Hallo Zusammen, ich muss mir das mal von der Seele schreiben. Vor 2,5 Jahren und mit Unterstützung einer Beratungsstelle für von sexualisierter ...

Hey…

Das ist eine sehr schwere Nachricht nach 2,5 Jahren Kampf, der alles von dir gefordert hat. Drei Vernehmungen, alles noch einmal durchleben und dann das.

Dass das Verfahren eingestellt wurde bedeutet nicht dass dir nicht geglaubt wird. Aussage gegen Aussage ist juristisch kein hinreichender Beweis. Das ist ein strukturelles Problem des Strafrechts, keine Aussage über die Wahrheit dessen was dir passiert ist.

Du hast nicht umsonst gekämpft. Du hast getan was möglich war.

Bist du noch in Kontakt mit der Beratungsstelle oder der Anwältin? Das wäre jetzt ein wichtiger Moment um nicht alleine damit zu sein.

x 1 #2


A


Verfahren 177 StGB nach 2,5 Jahren Kampf eingestellt

x 3


Butterfly-8539
Zitat von AbwegICH:
Hallo Zusammen, ich muss mir das mal von der Seele schreiben. Vor 2,5 Jahren und mit Unterstützung einer Beratungsstelle für von sexualisierter Gewalt betroffene Frauen und einer Opferanwältin, habe ich Anzeige gegen den Täter gestellt. Es folgten insgesamt drei sehr schwere, sehr intime und zugleich auch ...

Hallo, das tut mir sehr leid das du sowas durchmachen mußtest. Es geht oft dermaßen ungerecht zu auf der Welt, das man sich nur noch ärgern könnte. Sehr erniedrigend, wenn man solches Leid miterleben mußte und dann zusehen muß das der Täter freigesprochen wird. Für mich ist das absolut unverständlich. Leider hört man oft von solchen Ungerechtigkeiten, die einem an der Rechtssprechung zweifeln lassen. Man hat manchmal das Gefühl das Täter zu Opfern werden und mehr geschützt, als das wirkliche Opfer.
Du hast hier viele Mitleser die sicher noch mit dir Kontakt aufnehmen. Laß deinen Sorgen freien Lauf, das wird dir helfen wenigstens seelisch Unterstützung zu bekommen. Man kann dich doch mit diesem Erlebnis nicht einfach so alleine lassen.
Kannst du nicht dagegen vorgehen?
Willst du genauer darüber berichten?
Drücke dich mal ganz lieb.

#3


NeonPixie
Zur Frage ob man dagegen vorgehen kann: E Beschwerde gegen die Einstellung bei der Generalstaatsanwaltschaft ist vermutlich möglich. Die Opferanwältin kennt diesen Weg, wenn du noch Kraft dafür hast und willst, lohnt es sich das anzufragen.

#4


AbwegICH
Die Staatsanwaltschaft schrieb selbst: "ich stelle unmittelbar klar, dass dies nicht bedeutet, dass die Angaben Ihrer Mandantin in Zweifel gezogen werden oder in Abrede gestellt würde, dass es zum angegebenen Tatzeitpunkt zu einem von Ihrer Mandantin nicht erwünschten und traumatisch empfundenen Sexualkontakt mit dem Beschuldigten kam" ABER... Und dann wird auf die schwierige Beweissituation eingegangen und dass es sehr hohe Anforderungen bei Aussage-gegen-Aussage gibt...

Ja, ich stehe nach wie vor mit meiner Anwältin und der Beratungsstelle in Kontakt und mir wurde dort auch erklärt, dass es eben aus juristischer Sicht nicht für eine Anklage reicht, das aber nicht bedeutet, dass es nicht passiert ist...

x 1 #5


AbwegICH
@NeonPixie
Ja, das wäre möglich. Aber das ändert ja nichts an der Beweissituation. Der Täter darf ja lügen, dass sich die Balken biegen, die Staatsanwaltschaft muss beweisen, dass es nicht so war, wie er es darstellt. Das schlimme daran: die Aussage des Täters wird in keinster Weise in der Akribik hinterfragt, wie die Aussage des Opfers... Was da in der Einstellungsverfügung drin steht... Es ist ein richtig schlechter Witz.

#6


NeonPixie
Zitat von AbwegICH:
@NeonPixie Ja, das wäre möglich. Aber das ändert ja nichts an der Beweissituation. Der Täter darf ja lügen, dass sich die Balken biegen, die ...

Was die Staatsanwaltschaft dir schickt ist im Kern ein juristisches Dokument das sagt dass sie dir glauben, aber wir können es nicht beweisen. Damit ist es ein Satz der dich gleichzeitig bestätigt und alleine lässt. Das ist juristisch zwar wohl sauber aber psychisch schwer zu ertragen.

Das Zynische daran ist, dass das System so isr gebaut dass Vergewaltigung fast nie beweisbar ist. Kein Zeuge, keine nachweisbaren Verletzungen und widersprechende Aussagen. Dann wird von “hohen Anforderungen” gesprochen als wäre das eine neutrale technische Frage und nicht eine politische Entscheidung darüber wen das Recht schützt.

Du hast dir zugemutet was das System von dir verlangt hat. Die Vernehmungen, das Wiedererleben, das Warten.

#7


AbwegICH
Zugemutet trifft es wohl gut. Als ich nach der dritten Vernehmung fast einen Nervenzusammenbruch hatte und ich aus dem Raum mit der Videovernehmung kam, hing da ein ganz großes Plakat einer Kampagne für eben diese Art der Gewalt, von Dunkelfeld und dass man anzeigen soll... Ich hätte es in diesem Moment am liebsten von der Wand gerissen.

x 1 #8


Feuerschale
Zitat von AbwegICH:
Zugemutet trifft es wohl gut. Als ich nach der dritten Vernehmung fast einen Nervenzusammenbruch hatte und ich aus dem Raum mit der Videovernehmung kam, ging da ein ganz großes Plakat einer Kampagne für eben diese Art der Gewalt, von Dunkelfeld und dass man anzeigen soll... Ich hätte es in diesem Moment am liebsten von der Wand gerissen.

Hab ich auch schon von anderen gehört, dass das ein sehr schwerer Weg ist, in die Anzeige und Verfahren zu gehen,
eben durch diese belastenden Vernehmungen und weil das "Recht bekommen" so schwierig ist und man aber diesen langen belastenden Weg geht.

Leute vom weißen Ring z B sagen tw auch, dass es ein harter Weg ist, vor Gericht zu gehen wegen dem Wiedererleben, dem angezweifelt werden, dem Warten ect.

Aber du bist für dich eingestanden und hast es aktenkundig gemacht. Du kannst da für dich selbst stolz sein, und auch traurig und wütend ect.

Auch wenn der Täter jetzt nicht verurteilt wird, ist zumindest schon mal etwas dokumentiert.
Informell durch deine Anwältin, durch den Nebensatz der Staatsanwaltschaft hast du zumindest ein ganz klein bisschen Zuspruch und gesehen werden.

Trotzdem ist es bitter, diesen Weg zu gehen und am Ende kommt der Täter mehr oder weniger davon. Außer dass er eben auch Vernehmungen hatte und Polizei und Staatsanwalt sich damit beschäftigen.

Das mit dem Plakat und wie sehr einem das wie ein Hohn vorkommt und mehr als zynisch, wenn man alles durchlebt und am Ende gar keinen Beistand bekommt, zumindest in der letzten Rechtsprechung, kann ich total verstehen.

Einfach vergessen und Krone richten geht sicher nicht.
Es ist sicherlich einiges weiter zu verarbeiten und du benötigst sicherlich auch Räume, wo du Unterstützung und Stärkung bekommst.

#9


AbwegICH
Er war mein Trainer. Ich konnte immerhin erreichen dass er als solcher suspendiert wurde und andere Frauen das nicht dadurch erfahren müssen. Und meine Anwältin hat mich wissen lassen, dass ihn das Verfahren sehr wahrscheinlich sehr viel Geld gekostet hat, während meine Anwältin schon im Ermittlungsverfahren eine Beiordnung erreichen konnte. Sie hat gekämpft wie eine Löwin für mich. Immerhin.

#10


A


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