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Hallo lieber Beobachter,
Ein psychiatrisch-medizinisches Gutachten, welches zukünftige Aus-
fallerscheinungen ausschliessen soll, hat man bei mir noch nicht ver-
langt.
Das könnte daran liegen, dass es, nach Aussage der Psychiaterin, ein solches Gutachten nicht gibt. Jedenfalls war ihr niemand bekannt, der sich dazu hinreißen lassen würde, so etwas zu attestieren. Was von meinem Chef schließlich zähneknirschend akzeptiert wurde, und ich durfte mein Glück bei ihm nochmal versuchen. Aber das Vertrauensverhältnis war gestört, wie es so schön heißt: Mein Chef kannte eine fleißige, ausgeglichene und selbstbewusste Mitarbeiterin, und das Bild war unwiederbringlich zerbröselt. Er konnte offenbar nicht dagegen an, mich nicht mehr so recht „für voll“ zu nehmen. Ich hingegen kannte einen Chef, der mir vertraute, meine Ansichten respektierte, meine Beiträge wertschätzte und sich nicht in meine persönlichen Belange mischte - und ich konnte ihm die Nötigung „Gutachten oder Kündigung“ nicht so ganz von Herzen verzeihen. Wir gerieten immer öfter aneinander, und nach wenigen Monaten endete das Arbeitsverhältnis mit einem großen Krach und einer „ordentlichen Kündigung“.
Gelernt habe ich daraus (unter anderem, natürlich): Der Gesetzgeber hatte seine Gründe dafür, mich als Arbeitnehmer davor zu schützen, dem Arbeitgeber über die Natur meiner Krankheiten Rechenschaft geben zu müssen. Ehrlich währt eben doch nicht immer am längsten.
C’est la vie...
In einigen Firmen habe ich sogar nach wenigen Monaten relativ hohe,
gesetzlich nicht vorgeschriebene Abfindungen bekommen, wenn ich da-
für die (arbeits- oder betriebsbedingt nicht erklärbare) Kündigung akzep-
tiert habe.
Das ist das Schöne am kapitalistischen Wertesystem: Manchmal bekommt man die Grausamkeiten, die man erleiden muss, wenigstens gut bezahlt. Trotzdem würde ich mir eine Welt wünschen, in der nicht diejenigen den Kopf gewaschen bekommen, die – auf gewaltfreie Art - ein bisschen anders sind, sondern diejenigen, die dafür sorgen, dass man deshalb keinen Fuß auf den Boden bekommt.
da ich natürlich Strafanzeige gestellt habe
Lass mich raten: Das Verfahren wurde eingestellt? Oder gab es wenigstens eine kleine Genugtuung?
Bei Mr. Monk hat sich die Symptomatik durch den Tod seiner Frau (Atten-
tat welches er nicht verhindern konnte) erst später (reaktiv) entwickelt.
Bist du sicher? Ich dachte, er hat Trudy gerade deshalb besonders geschätzt, weil sie mit seiner Symptomatik so elegant umgehen konnte... Kann aber sein, dass ich mich falsch erinnere.
Missbrauchserlebnis...
Man kann wohl nur annehmen, dass solche Menschen so sehr im eigenen Käfig eingesperrt sind, dass sie einfach nicht mehr merken, was sie anderen antun. Scheint mir mehr als Grund genug für eine nachhaltige „reaktive Symptomatik“.
Ich freue mich für dich, dass du deine (wahrscheinlich reaktiven) Berührungsängste erfolgreich aufgearbeitet und besiegt hast.
Danke. Ja, ich kann nicht klagen, so insgesamt. Angst- und Verwirrungszustände begannen bei mir erst im Alter von 27 und sind in den letzten 3 Jahren nicht mehr aufgetaucht. Ich hatte Glück in mehrfacher Hinsicht: Zum einen war ich, als es begann, schon so erwachsen, dass ich nicht völlig hilflos ausgeliefert war, sondern mit „Eigentherapie“ viel erreichen konnte, auch wenn ich mich damit manchmal in der Hölle fühlte. Zum anderen habe ich vor 6 Jahren, gerade, als ich fand, dass mich allmählich die Kraft verlässt, solchen früher oder später immer wiederkehrenden Zuständen entgegenzutreten, doch noch mein „therapeutisches Zuhause“ in der alternativen Medizin gefunden. Das war ein ordentlicher Schub nach vorne – zum einen durch Behandlungen, die mir im akuten Notfall Linderung verschafften und langfristig Kraft, Unterstützung und neue Anregungen für die Selbstheilung gaben. Zum anderen aber auch einfach dadurch, dass ich jetzt weiß, wo ich vertrauensvoll hingehen kann, wenn meine „Hütte brennt“ – eine nicht zu unterschätzende Beruhigung, denn die Angst vor der Angst und der damit verbundenen Hilflosigkeit („Was ist, wenn es so schlimm wird, dass mir nix mehr dazu einfällt?“) hatte einen ganz erheblichen Anteil am Leidensdruck.
Also: Lass dich nicht unterkriegen, lieber Beobachter! Und deiner Mutti muss ich doch an dieser Stelle mal ganz entschieden widersprechen: Sex kann eine sehr schöne Sache sein!
Liebe Grüße und auch dir und allen Mitlesern ein schönes Wochenende
cbra
07.01.2012 18:35 •
#29
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