Hallo lieber Beobachter,
super, vielen Dank, das hilft meinem Verständnis sehr auf die Sprünge .
Zitat von Beobachter:Wenn ich mit einer Lebensmittelverpackung konfrontiert bin, die sich nur
schwer vernünftig öffnen lässt, dann erlebe ich keinen Ärger über diese
Verpackung, sondern es laufen sofort komplexe Gedankengänge über das
Zustandekommen solcher industriellen Fehlleistungen ab (Warum kann ein
solcher Fehler zustandekommen? Warum wird er nicht sofort korregiert?
Welche arbeitsplatzpolitische und strukturelle Verhältnisse führen zu diesen
Fehlleistungen? etc. ...).
Ach, ich wünschte, es gäbe mehr Führungskräfte, die von solchen komplexen Gedankengängen geplagt werden.
Zitat von Beobachter:Umgang (angstfrei) mit Tieren fällt mir bedeutend leichter als wie mit Menschen.
Die Gründe dafür liegen heute aber auch zunehmend in der Achtung und Wert-
schätzung, die ich Tieren im allgemeinen entgegenbringe, was mir ebenfalls zu-
nehmend bei Menschen (nicht der Einzelne, aber als Art/Lebensform) immer
schwerer fällt.
Scheint mir sehr verständlich. Auch ich stelle häufig fest, dass die Menschheit bei längerem Hinsehen nicht unbedingt gewinnt und meine Sehnsucht nach einer besseren Welt (sowohl was moralische Qualitäten betrifft als auch nach einer "besser funktionierenden" Welt mit leicht zu öffnenden Verpackungen) mir manchmal schlechte Laune machen will. (Da solche komplexen Gedankengänge, wie du sie beschreibst, bei mir nicht automatisch ablaufen, beschränkt sich meine spontane Kritik meist auf ein ärgerliches oder trauriges Gefühl und höchstens noch ein bis zwei Verbesserungsvorschläge, die mir in den Sinn kommen.)
Weil ich aber nicht als verbitterte alte Krähe enden möchte, die an allem was zu meckern hat, bin ich stets bemüht, Perfektionismus-Wünschen gar nicht erst großen Raum zu geben. Meine beliebtesten Kurz-Argumente, um ihnen entgegenzuwirken:
1. Bin ja auch nicht perfekt und könnte dem Anspruch, es zu sein, gar nicht entsprechen. Wie gut, dass das in einer nicht perfekten Welt auch nicht von mir gefordert wird.
2. Wir haben auf diesem Planeten nur begrenzte geistige, moralische und materielle Ressourcen zur Verfügung und müssen eben das Beste daraus machen und uns mit der seltsamen und ambivalenten Wesensart, die uns als Menschheit eigen ist, so durchwurschteln. Dafür schlagen wir uns gar nicht sooooo schlecht.
Will damit nicht sagen, dass diese Argumention lückenlos logisch und unwiderlegbar ist, aber sie hilft mir, den perfektionistischen Ball flach zu halten und gelassener mit den Unvollkommenheiten in allen Bereichen umzugehen. (Etwas, das ich bei meiner gegenwärtigen Arbeit im Büro einer dem kapitalistischen Wertesystem zutiefst verschriebenen Versicherungsgesellschaft täglich üben darf.)
Zitat von Beobachter: "Zuneigung" von einem
anderen Menschen annehmen, oder gar jedweder körperlicher Kontakt, löst
nahezu Todesangst aus und macht mich damit absolut Handlungsunfähig.
DAS ist gruselig. - Und was sagten all deine (gewesenen) Therapeuten dazu? Ein paar vage Vermutungen zur Ursache und ein schlussendliches "Is eben so und liegt wohl am Asperger-Syndrom" kann doch wohl nicht alles gewesen sein, was ihnen dazu einfiel?
Wie ist es denn mit "professioneller" Berührung? Magst du, z.B., Mass.?
(Über eine im weitesten Sinne ähnliche Erfahrung, die ich in der Vergangenheit einmal machen musste, berichte ich ein andermal.)
Liebe Grüße
cbra