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Perle
Liebe Forengemeinde,

ich fühle mich teilweise überfordert mit meinen Eltern, insbesondere aber mit meiner Mutter.

Zum Hintergrund: Meine Eltern sind 79 und 80 Jahre alt und mein Vater baut in der letzten Zeit körperlich und geistig zunehmend ab. Er hatte / und hat teilweise immer noch verschiedene Erkrankungen; eine Pflegestufe wurde bisher vom MDK abgelehnt, ist aber nun erneut beantragt worden. Meine Mutter ist körperlich noch einigermaßen fit aber das Kümmern um den Ehemann strengt sie auch an. Beide wohnen noch seit über 50 Jahren in derselben Wohnung in der 2. Etage. 2x am Tag kommt ein Pflegedienst, reinigt den Katheder und gibt meinem Vater die Medikamente.

Meine Eltern leben von der Grundsicherung. Mein Vater hat seinerzeit hinter dem Rücken meiner Mutter zwei Lebensversicherungen aufgelöst und das Geld anderweitig ausgegeben; Rücklagen gibt es entsprechend also keine. Das mtl. Geld ist knapp und somit unterstützen mein Bruder und ich unsere Eltern finanziell auch etwas. Mein Vater hat fast sein ganzes Leben lang getrunken; meine Mutter war vom Leben enttäuscht, wurde depressiv und launisch. Das alles hat uns Kinder für unser Leben geprägt.

Was mich anstrengt ist, dass meine Mutter zunehmend an meinem Bruder und mir zerrt. Sie erwartet von uns, dass wir sofort angelaufen kommen, wenn sie ruft. Meist sind es dann gar keine Notsituationen, sondern die vermehrte Bitte, sich auch um sie zu kümmern. Sie benimmt sich sehr fordernd, weint uns auf die Mailbox, während wir bei der Arbeit sind und uns auf diese auch konzentrieren müssen. Bitte versteht mich nicht falsch; wenn eine echte Notsituation kommt, wäre ich sofort unterwegs dorthin. So aber werde ich (ebenso mein Bruder) dauernd unter Druck gesetzt. Das macht wütend und gleichzeitig macht es auch ein schlechtes Gewissen. Zum Schluss ärgere ich mich dann am meisten über mich selbst, dass ich immer wieder Probleme im Umgang mit meiner Mutter habe. Sie war eigentlich schon immer so gestrickt, nicht erst seit mein Vater erkrankt ist. Wir haben schon einiges an Vorschlägen gemacht, uns kleinere Wohnungen angeschaut, Infos über Alten- und Pflegeheime etc. geholt aber alles wird immer abgelehnt. Es wird immer nur gejammert und geweint.

Wir haben doch aber auch noch unser eigenes Leben. Mein Bruder ist beruflich viel unterwegs und hat selbst ein Alk., was er aber nicht zugibt. Ich habe meine Angststörung und Depression gut in den Griff bekommen, viel an mir gearbeitet und bin sogar seit einigen Tagen ohne AD! Das macht mich stolz!

Ich möchte endlich einmal ein unbeschwertes Leben leben aber immer ist irgendwas in meiner Familie los. Manchmal möchte ich in den Zug steigen, ganz weit weg fahren und nie mehr wiederkommen.

Ich musste mir das mal von der Seele schreiben, auch wenn es jetzt genauso eine Jammerei ist wie im Umkehrschluss bei meiner Mutter. Vielleicht habt Ihr Gedanken zu dem Thema, die Ihr mir mitteilen möchtet. Ich habe das Thema Abgrenzung in den vergangenen Monaten recht gut hinbekommen, was das Berufliche anbelangt. Jedoch gegen meine Mutter komme ich einfach nicht an. Ich finde einfach keinen goldenen Mittelweg.

Danke für Lesen! LG, Martina

01.05.2016 16:21 • 03.05.2016 x 1 #1


18 Antworten ↓


Vergissmeinicht
Liebe Martina,

erstmal Gratulation zu dem Ausschleichen der AD´s.

Deine Eltern werden nicht jünger und somit die Probleme nicht besser. Denke, es ist ne zwiespältige Situataion. Ich wohne weiter weg, aber meiner Schwester geht es so wie Dir mit meiner Mutter. Sie war auch anfänglich so, das meine Schweter springen sollte. Dies hat nun meine Schwester geklärt und hat feste Tage eingeplant und Zeiten, auch wenn sie nicht immer einzuhalten sind.

Du hilfst nicht wirklich, wenn Du alles was mit Dir zusammenhängt hinten anstellst. Vereinbare feste Zeiten, lege Struktuen an und letztlich muss auch Deine Mutter sich dran halten, weil sie eben auf Euch/Dich angewiesen ist.

Soweit erstmal meine Gedanken dazu.

01.05.2016 16:49 • #2



Meine Mutter strengt mich so an

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Perle
Hallo Vergissmeinicht,

hab lieben Dank für Deine Zeilen. Ich habe noch eine Frage: Wenn Deine Schwester zu den vereinbarten Terminen geht, was genau macht sie dann vor Ort? Ich finde Deine Idee mit den festen Terminen (der Struktur) sehr gut, weiß aber nicht, womit ich diese Termine dann füllen soll. Wenn ich bei meinen Eltern bin, dann könnte ich z.B. die Wohnung reinigen, mal staubsaugen etc. Das alles möchte meine Mutter nicht. Vielmehr möchte sie mir dann noch Mittag kochen, Kuchen backen und sorgt so dafür, dass ich stundenlang dort bin. In diesen ganzen Stunden weint mein Vater dauert oder er legt sich hin und schläft und meine Mutter erzählt mir jammernd zum tausendsten Mal wie schrecklich alles ist, mit wie vielen Ärzten sie gesprochen hat, wie wenig Geld zur Verfügung ist. Verstehst Du? Wenn ich da weg gehe bin ich fix und fertig. Total ausgesaugt.

Ich bin der Typ Mensch, der gerne konkret hilft und ja auch schon einiges an Vorschlägen gemacht hat. Aber dieses ewige Wehklagen ... dafür habe ich keine Kraft mehr. Ich habe darüber letztens noch mit meinen Kollegen gesprochen: Diese Angststörung, die Therapien etc. haben mich in meiner Entwicklung absolut weiter gebracht aber ich habe auch bemerkt, dass ich seit dieser ganzen Zeit nicht mehr so belastbar bin wie vorher. Meine Eltern wissen genau wie schlimm das Alles für mich war. Aber irgendwie zählt das alles nicht mehr.

LG, Martina

01.05.2016 17:29 • #3


Vergissmeinicht
Liebe Martina,

ja, meine Mutter weiß es auch und es zählt nicht. Mein Verhältnis zu ihr ist alles andere als gut.

Nun, meine Schwester geht z.B. Montags immer mit ihr einkaufen; es sei denn, es regnet. Mittwochs geht es dann zum Arzt als Beispiel und 1 Tag macht sie die Wohnung und nimmt ihre Wäsche mit. Dafür bekommst sie allerdings Geld; Mutter hat Stufe 1.

Das mit dem Kochen und dem Backen würde ich beschränken und würde es nicht mitmachen, schon garnicht, wenn es eine einseitige Kiste ist.

Mache feste Termine. Liest sich blöd, aber letztlich ist sie auf Dich angewiesen.

Sei Dir selber es wert

01.05.2016 17:46 • x 2 #4


Icefalki
Liebe Martina, da hilft alles nichts und du überlegst nur mal für dich, was ok ist, und was nicht.

Und das setzt du dann durch. Ich weiß, wie schwer das ist, aber so geht das auf Dauer nicht gut.

Deine Mutter kann ja noch kochen und den Mann versorgen, hier geht es mehr um ihre Ablenkung.

Die Art und Weise, wie sie das ausdrückt ist das Problem. Ich kann dich sehr gut verstehen, das macht einen total irre und zornig. Gleichzeitig versteht man es und auch wieder nicht.

Vergissmeinnicht hat da schon gute Ideen, ich bin da noch deutlicher. Ich sag klipp und klar, was ok ist und was nicht. Und wer mich einsetzen will, der muss auch nach meinen Regeln spielen.

Hatte selbst ein weniger schlimmes Ausnutzzenario diese Woche erlebt, aber anschließend deutliche Worte mit meiner Schwiegermutter gewechselt.

Insgesamt weiß ich, dass alte Menschen, Familienangehörige sehr schwierig sein können, aber letztendlich nützt es niemandem, wenn man daran wieder zerbricht.

Wie wäre es, wenn du deine Mutter mal für eine Stunde da rausholen kannst. Auf neutralen Boden mal einen Kaffee trinken? Etwas in diese Richtung?

Sie klammert sich an dir fest, weil sie auch überfordert ist und überfordert dich damit. Diesen Kreislauf solltet ihr durchbrechen.

01.05.2016 21:29 • x 2 #5


Perle
Hallo Icefalki,

Danke, dass Du mir Deine Gedanken dazu mitteilst.

Ich weiß, dass ich konsequent sein muss, um nicht selber wieder unterzugehen.

Natürlich kann ich mir ihr einen Kaffee trinken gehen, das und Ähnliches machen wir auch mitunter. Aber auch in solchen Momenten jammert sie oft - zu oft. Sie dreht sich praktisch immer um sich selbst und ihr leidvolles Schicksal. Sie übersieht dabei aber, dass auch andere Menschen ihr Leben zu regeln und mit ihren Sorgen irgendwie klar kommen müssen. So etwas ignoriert sie gerne und da kommt dann natürlich keine ausgewogene Unterhaltung zustande.

Sie hat auch dauernd ein schlechtes Gewissen, wenn Sie mal für 1-2 Stunden das Haus verlässt, um Besorgungen etc. zu machen. Ich versuche dann ihr klarzumachen, dass sie keine Verantwortung dafür trägt, wenn genau in diesem Moment dann mit meinem Vater etwas passieren sollte. Das ist das Leben!

Sie muss sich frei schwimmen und ihr Lebensglück (oder zumindest Zufriedenheit) auch mal selbst suchen gehen, auch in ihrem Alter funktioniert das noch und sie ist ja auch gut zu Fuß. Ich kann ihr das nicht immer frei Haus liefern und mich macht das einfach wütend. Ich sagte ihr letztens ziemlich deutlich sie solle aufhalten, sich an ihren Kindern fest zu krallen. Das schmiert sie mir nun bei jeder Gelegenheit aufs Brot. Meine Mutter hatte ihr Leben lang immer die Vorstellung, dass das Leben ihr Alles auf dem Silbertablett serviert - und das ist ein ewige Traumtanz.

Es tut gut, mal alles hier aufzuschreiben. Und Danke an alle die mitlesen und sich Gedanken machen.

LG, Martina

01.05.2016 21:57 • x 1 #6


Vergissmeinicht
Liebe Perle,

wie schon geschrieben; setze feste Zeiten an und die WE gehören Dir!

Es war richtig ihr das auf das Butterbrot zu schmieren und lass Dir kein schlechtes Gewissen einreden. Ohne den Guru zu spielen; es ist auch Dein Leben und dies kann so nicht noch 10 Jahre so weitergehen; mache ihr das klar und es muss ihr bewusst werden, das sie niemanden außer Dir hat. Meine Mutter ist nach der Aussprache mit meiner Schwester auch in sich gegangen und es gibt, wie geschrieben, feste Zeiten etc.

02.05.2016 06:23 • #7


Luna70
Ich kann das gut verstehen, dass du ein unbeschwertes Leben möchtest. Gerade wenn du ohnehin kein gutes Verhältnis zu deinen Eltern hast. Ich kümmere mich auch seit dem Tod meiner Mutter vor fünf Jahren um meinen Vater. Er ist 79 Jahre alt und schon lange nicht mehr richtig fit. Wir wohnen allerdings in einem Haus, das macht vieles einfacher.

Er ist zum Glück im Großen und Ganzen ganz verträglich. Mich strengt aber das Verpflichtet-Sein schon sehr an. Meine Kinder sind jetzt erwachsen, dafür habe ich nun habe diese Verpflichtung. In Urlaub fahren ist schwierig bis unmöglich. Wir waren vor zwei Jahren mal ein paar Tage weg, allerdings mit ungutem Gefühl und viel Organisation vorher. Abends koche ich für ihn mit, das ist eigentlich kein großes Ding, ich koche ja ohnehin. Aber spontan abends mal Essen gehen ist nicht drin, dann muss ich vorher extra was für ihn richten. Am Wochenende putze ich seine Wohnung und bügele seine Wäsche. Und so weiter und so fort.

Ich merke gerade, das hört sich ganz schon nach Jammern an, so meine ich es eigentlich gar nicht. Eigentlich wollte ich eher sagen, dass ich deinen Frust nachvollziehen kann.

Mal ganz pragmatisch gedacht, selbst wenn sich das jetzt böse und berechnend anhört, das Problem mit deiner Mutter wird dir ja vermutlich/womöglich noch jahrelang erhalten bleiben. Sollte dein Vater vor ihr sterben, wird sie vermutlich weiter jammern, dann eben weil sie alleine ist. Von daher würde ich auch dafür plädieren, dich so gut es geht ein bisschen abzugrenzen. Du hast ja scheinbar das Glück, dass dein Bruder auch mit hilft. Vielleicht könnt ihr euch das untereinander aufteilen, dass jeder auch mal frei hat. Also vorher ankündigen dieses Wochenende bin ich nicht erreichbar, sollte etwas sein ruft bitte euren Sohn an und umgekehrt und dann auch das Handy wirklich ausschalten. Untereinander könnt ihr ja dann irgendeinen Kontaktweg ausmachen, sollte wirklich ein Notfall eintreten. Das mit den festen Tagen finde ich auch eine gute Idee. Dann kann sie sich darauf einstellen und es ist vorher klar, da hast du Zeit und sonst eben nicht. Die gemeinsame Zeit dann vielleicht auch wirklich schön gestalten und nicht nur die Zeit absitzen. Vielleicht mal gemeinsam Kuchen backen, irgendwas basteln oder so was.

Wenn du selbst irgendwann zusammenklappst, hat keiner was davon. Deine Eltern schon mal gar nicht. Deine Mutter ist ja offenbar noch so fit, dass sie den Haushalt versorgen kann und es kommt ein Pflegedienst ins Haus. Also musst du auch kein schlechtes Gewissen haben, wenn du dich nicht rund um die Uhr kümmerst.

02.05.2016 08:49 • x 1 #8


Hallo Perle,

ich kann mich sehr gut (obwohl ich selbst nicht betroffen bin) in deine Situation hineindenken.

Es tut mir wirklich leid für dich, dass deine Mutter hier - ob bewusst oder unbewusst- eine Art Abhängigkeitsverhältnis zu dir aufbaut.
Und dich im Prinzip mit ihrer Weinerei und ihrer Anspruchshaltung in eine Ecke drängt, aus der du dich nur schwer befreien kannst. Zumindest nicht ohne schlechtes Gewissen.

Es wurde dir hier schon verschiedentlich geraten und ich muss das nochmal bekräftigen: du musst unbedingt lernen, dich gegen deine Mutter abzugrenzen. Zu Gunsten deiner eigenen Bedürfnisse.
Die gesundheitliche und sozial Situation deiner Eltern wird sich, je älter sie werden, sicher weiter verschärfen und wenn du jetzt nichts tust, dann wirst du dich in dieser Situation sicher völlig aufreiben.

Du solltest mit deiner Mutter evtl. einmal, auch wenn es schwer fällt, ein sehr offenes Gespräch suchen.
In dem du ihr schilderst, dass du natürlich für sie da bist, wenn sie dich wirklich braucht, aber dass du auch dein eigenes Leben, deine eigenen Bedürfnisse, deinen eigenen Anspruch auf Freiraum hast.
Und dass sie als deine Mutter auch die Verplichtung hat, dich dein eigenes Leben führen zu lassen.

Kann man mit offenen Worten und dem Appell an ihre Verpflichtung als deine Mutter bei ihr druchdringen ? Oder ist sie zu sehr auf sich selbst fixiert ?
In letzterem Fall müsstest du als Kosequenz dann eben etwas deutlicher werden und dich - in Absprache mit deinem Bruder - in der einen oder anderen Situation bewusst entziehen.
So wie Luna es dir auch geraten hat.

Vielleicht habe ich es überlesen, aber hast du einen Partner, der dich in dieser Situation unterstützen und beraten kann ?

02.05.2016 12:48 • x 1 #9


Hallo Martina,
ich kann sehr gut nachvollziehen wie es dir geht.
Mein Vater ist 86 und auch sehr krank. Er kann zwar noch alleine aufstehen und macht sich das frühstück noch selber, aber morgens und abends kommt ein Pflegedienst für die Medikamente, Zuckerwerte bestimmen usw.
Mein Bruder kümmert sich am meisten um ihn, da es bei Übergabe der Landwirtschaft damals so beurkundet wurde.
Ich versuche ihn jeden 2. Tag zu besuchen und besorge ihm zwischendurch was vom Supermarkt.
Er bekommt mittags Essen auf Rädern geliefert, was eine große Erleichterung ist. Die Küche des Altenheims kocht sehr altersgerecht. Also nicht zu hart und gut bekömlich.
Wäre das was für deine Eltern? Du müsstest dich erkundigen ob dafür dann nicht die Grundsicherung gekürzt wird.
Schlechtes Gewissen brauchst du sicher nicht zu haben. Deine Eltern haben ihr Leben gelebt und was daraus geworden oder nicht geworden ist, das ist alleine deren Versäumnis.
Du tust was du kannst und feste Zeiten für Besuche und Dienstleistungen sind schon mal ein sehr guter Ansatz.
Mein eigener Vater hat laut Ärzten nur noch wenige Monate zu leben, aber ich kann deswegen auch nicht täglich zu ihm fahren und ihn unterhalten, was wegen seiner massiven Schwerhörigkeit sowieso nicht sehr einfach ist.
Wir wechseln uns alle in der Familie ab (Kinder, Enkel usw) und so hat er nie das Gefühl alleine zu sein.
Bei uns geht das wegen der Ortsnähe auch ganz gut.
Lass dir das alles nicht über den KOpf wachsen und vor allem mach dir kein schlechtes Gewissen.
LG

02.05.2016 13:07 • x 1 #10


Perle
Hallo Ihr Lieben,

ich finde es ganz toll von Euch wie viele Gedanken Ihr Euch gemacht und wie viel Mühe Ihr Euch mit Euren Antworten gegeben habt. Dankeschön dafür!

Ja, ich weiß es und doch ist es total schwierig, sich ohne schlechtes Gewissen von den Eltern abzugrenzen. Ich bin von je her ein sehr verantwortungsbewusster Mensch; vielleicht etwas zu viel.

Leider können mein Bruder und ich uns zeitlich nicht aufteilen, weil er beruflich ständig für mehrere Wochen am Stück in einem anderen Teil Deutschlands arbeitet und immer nur sporadisch in der alten Heimat auftaucht. Sein Kontakt mit den Eltern läuft also hauptsächlich übers Telefon ab. Wenn er dann mal in Hamburg ist, geht er aber schon zu unseren Eltern, nur ist das eben nicht regelmäßig und auch nicht besonders häufig.

Um auch die Frage nach einem Partner zu beantworten, tanilein: Nein, ich habe keinen Partner, der mich unterstützt oder bei dem ich mich mal anlehnen könnte. Ich war schon immer auf mich alleine gestellt und bin an sich auch ein Steh-auf-Männchen. Nur ist dieses Männchen (Weibchen!) auch irgendwann mal müde und wird ja auch nicht jünger, seufz.

Tja, und dann gibt's da auch noch einen weiteren Bruder, der hat sich aber vor 10 Jahren von der Familie verabschiedet und lebt sein eigenes Leben. Auch das ist wieder ein Thema, das wütend und traurig zugleich macht - vor Allem meine Eltern. Und schwubs fühle ich mich wieder verantwortlich.

Nun macht´s mal gut Ihr da draußen! Bis bald und nochmals Danke!

LG, Martina

02.05.2016 18:00 • #11


Zitat von Perle:
Tja, und dann gibt's da auch noch einen weiteren Bruder, der hat sich aber vor 10 Jahren von der Familie verabschiedet und lebt sein eigenes Leben. Auch das ist wieder ein Thema, das wütend und traurig zugleich macht - vor Allem meine Eltern. Und schwubs fühle ich mich wieder verantwortlich.


warum fühlst Du Dich verantwortlich ? er hat das einzig richtige gemacht. Du und der andere Bruder seid die jenigen die sich von den Eltern schubsen lassen und es nicht schaffen eigene Wege zu gehen. das Leben ist zu kurz um es so zu leben wie es anderen gefallen würde!

02.05.2016 18:12 • x 1 #12


Perle
Hallo Painfull,

naja, nicht schaffen eigene Wege zu gehen ist etwas pauschal ausgedrückt. Wenn dem so wäre, wäre ich schon lange nicht mehr auf der Welt. Aber das ist ein anderes Thema.

Und ob der andere Bruder tatsächlich richtig gehandelt hat? Vielleicht ist er ja auch einfach nur weggelaufen? Das Schwierige ist, dass man vor seinem Leben nicht weglaufen kann, es holt einen doch immer wieder ein. Also muss man daran gehen und Lösungen suchen, ohne dabei selbst auf der Strecke zu bleiben. Und genau das mache ich, daher mein thread hier.

LG, Martina

02.05.2016 18:28 • #13


sicherlich ist weglaufen dauerhaft keine Lösung. aber was spricht denn dagegen sich von den Dingen, die einen balsten, zu trennen ? wenn der Job mich krank macht such ich mir einen anderen und wenn ich unglücklich bin in einer Beziehung ziehe ichdie Konsequenzen daraus und vollziehe die Trennung. mit Familie ist es doch genau so. meist zieht man nach dem Abi doch eh weg wegen Ausbildung oder Studium oder man lernt einen Lebenspartner kennen der woanders lebt. in der Regel akzeptieren Eltern dass das erwachsene Kinder eigene Wege gehen. ich hab seit knapp 20 Jahren kaum noch Kontakt zu meiner Familie weil die der Auslöser waren für meine Depression. deswegen geht es mir heute sehr gut, und das hat nix mit weglaufen zu tun. ich bin damals viele 100km weg von zuhause als ich 19 war und es war die beste Entscheidung meines Lebens, ein Sprung in meine Zukunft. wenn Dich Deine Eltern belasten musst Du fü Entlastung sorgen, denn ändern werden Deine Eltern sich sicherlich in diesem Leben nicht mehr.

02.05.2016 18:34 • x 1 #14


Icefalki
Ich bin zwar eher Typ Painfull, aber dein Problem liebe Martina ist, so denke ich, etwas anderes.

Du liebst deine Eltern, und bist hin- und hergerissen zwischen Tochterpflichten und dem Ausnutzen.

Was ich immer am besten finde, ist deutliche Ansage. Liebe Mutter, du bringst es fertig, dass ich bei deiner ganzen Nörgelei kaputt gehe. Entweder wir kriegen das zusammen hin, oder ich muss mich leider etwas deutlicher abgrenzen. Ich bin gerne bereit, euch zu unterstützen, aber das muss anders werden. Blahblahblah....... Usw, oder so ähnlich.

Nochmals, wir Menschen mit einer Angsterkrankung haben Probleme damit, 1. überhaupt anständig zu argumentieren, 2. neigen wir extrem dazu, den Mund zu halten und zu funktionieren.

Ich verstehe dich absolut, und fühle quasi dein Dilemma. ABER! Du allein musst mit deiner Erkrankung umgehen, wie auch deine Mutter allein ihr Leben leben muss. Genau das solltest ihr zusammenbringen, und euch gegenseitig stützen können, das wäre dann das schöne Ergebnis dabei.

02.05.2016 18:49 • x 1 #15


Perle
Ja Icefalki,

Du hast das richtig ausgedrückt. Genau das ist tatsächlich mein Dilemma. Ihr müsst Euch aber nicht vorstellen, dass ich destruktiv in der Ecke stehe und mich nicht traue Contra zu geben und meiner Mutter zu sagen, was ich denke und fühle. Sie versteht es am Montag und am Mittwoch ist das alte Drama wieder da. Und ich frage mich: Habe ich am Montag mit der Wand geredet - oder was?

02.05.2016 19:05 • #16


Vergissmeinicht
Liebe Martina,

dann schreib ihr einen Brief; was denkst Du?

02.05.2016 19:08 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

Zitat von Vergissmeinicht:
Liebe Martina,

dann schreib ihr einen Brief; was denkst Du?


Das würde ich auch als gute Idee ansehen.

Vor allem kann man bei der Schriftform besser abwägen, was man sagt und haut nicht im Affekt Dinge raus, die einem später evtl. leid tun...

02.05.2016 21:40 • #18


Hallo Martina,

zuerst einmal möchte ich dir sagen, dass ich dich und deine momentane Situation sehr gut verstehen kann. Denn, wenn ich bei meiner Mutter es so angefangen hätte, wie du, wäre ich in der gleichen Phase.

Es fing an mit, kannst du mich zum Friseur fahren, kannst du mich mit zum einkaufen nehmen, kannst du mich zum Arzt fahren etc. Dazu muss ich sagen, meine Mutter ist 63, kerngesund, stinkenfaul, egoman und schiebt ne Murmel vor sich her, da wird jeder Bierbauch neidisch, aber nur vom essen.

Sie hat sich geweigert, wieder Auto zu fahren, ohne Grund. Hat das Auto lieber verschenkt. Wollt ihr wissen, an wen? Ich sags euch.
An die Geliebte meines Vaters. Als er verstorben war 2007, hat sie sich von der Dame chauffieren lassen. Krank oder?

Naja, worauf ich hinaus wollte ist, ich hab ihr damals gesagt, pass auf Mutter, ich kann dich gerne mitnehmen, wenn ich in die Stadt fahre, aber zu meinen Bedingungen. Ich sage, wann es losgeht und wie lange es dauert.
Sie hat nämlich auch die nette Art an sich, dann zu draengeln und mit den Augen zu rollen, wenn sie mal warten muss. Na auf jeden Fall war das damit erledigt. Da ich eher spontan innerhalb kurzer Zeit beschliesse, ich fahre jetzt mal da und da hin. Damit kommt sie nicht klar, sie möchte einen Tag vorher wissen, wann es losgeht.

Aber nicht mit mir! Und glaub mir, ich bin im Normalfall der friedlichste Mensch auf Erden. Aber diese eine Frau bringt mich zur Weissglut, immer und immer wieder!

Sie wohnt einen Eingang neben mir, wir haben uns vor paar Monaten zuletzt gesehen und ich habe keine Sehnsucht nach ihr. Sicher ist sie auch beleidigt, weil mein Freund nicht sofort gesprungen ist, als sie was wollte.
Aber es war keine Zeit, da er nur alle 3/4 Wochen hier ist am WE.

Und wenn man dann mal hingeht, blafft sie nur rum und motzt. Ich könnte noch Sachen erzählen, die glaubt keiner.

Sry Martina, soviel sollte es nicht werden, ich merke, ich hab da ganz schön was aufzuarbeiten, ich bloeder Zeltunfall! Ja richtig gelesen.

Fazit : Ich schliesse mich Icefalki und Paintfull an. Du sagst, wo und wann es lang geht und auch mal ein deutliches Nein muss erlaubt sein. Sonst bist ein Wrack und eher am Ende als deine Mutter. Und damit ist auch niemandem geholfen.

Ob ein Brief sinnvoll wäre, gute Frage.

Alternative : Vielleicht ein Kalender, in den du deine freien Temine schreibst. Alle anderen Tage sind nur für dich.

So brauchst du nicht immer zu sagen, wann du Zeit und auch Lust ( muss auch erlaubt sein ) hast und welcher Tag in der Woche z.B. für deine Mutter ist. Dann kann sie sich drauf einrichten. Und die Tage, die für dich sind, denn die Frage könnte kommen, geht niemanden was an! Punkt!

LG und es sind nur Ratschläge.

02.05.2016 23:40 • x 2 #19



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