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Insorge
@ Dore,
wenn man jemanden ausbildet, wie Dieter Bohlen, ist das doch schon etwas anderes. Es ist sicherlich auch ein bisschen Vater-Sohn Verbindung, aber primär verdient Dieter Bohlen mit jungen Stars sein Geld und der Kontakt ist sicherlich hauptsächlich genau in dem Kontext (Musik produzieren, Videos drehen etc.). Dass sich die "Arbeitskollegen" freundschaftlich gut verstehen ist dann eher die Nebensache.

Es geht nicht darum, dass die Unterstützung von jungen Erwachsenen und ein freundschaftlicher Umgang problematisch sind. Es ist doch eher wo man als Erwachsener Single im Umgang mit noch Minderjährigen, die in einem engen Vertrauensverhältnis zu einem stehen, weil man sich ihrer Probleme annimmt, die Grenze ziehen sollte, um nicht in problematische Abhängigkeitsbeziehungen zu geraten. Das hat ja nichts mit "ganz oder gar nicht" zu tun. Es geht -auch wenn ich mich wiederhole- um die richtige Abgrenzung in der Freundschaft, die eben geprägt ist von den ungleichen Rollen "Helfer" und "Hilfesuchendem".

Ich finde es halt wichtig, dass man sich mit diesen Grenzen auseinandersetzt. Gerade, wenn man das Helfen möglicherweise für sich selbst braucht, um sich wertvoll zu fühlen. Es ist in solchen Beziehungen ganz wichtig immer wieder zu reflektieren, ob ein Kontakt nicht auch zu eng ist. Denn normalerweise lassen Eltern ihre pubertierenden Kinder ja nach und nach los, um sie damit in ihrer Eigenständigkeit zu unterstützen. Aber wie ist es mit Freundschaften, wo es eben diese Vater-Sohn Hierarchie gibt? Die Freundschaften müssen dann weg von der Hierarchie, heißt, NoName 2020 gibt die Rolle des väterlichen Helfers immer mehr zu Gunsten einer Freundschaft auf gleicher Augenhöhe auf. Wenn NoName aber zu gerne hilft, dann entwickeln sich die Freundschaften nicht in Richtung Autonomie für den Jugendlichen. Menschen mit Helfersyndrom halten ihren Schützling oft in Unselbständigkeit bzw. Abhängigkeit zu sich. Und hier muss sich NoName eben m.E. sehr intensiv mit seiner Intention zu helfen auseinandersetzen und immer wieder reflektieren, ob seine Hilfe nicht auch destruktiv für den Jugendlichen/ jungen Erwachsenen sein kann.

Ich kann das natürlich nur aus der Entfernung und auf Ebene der wenigen Informationen bewerten. Da ich aber grundsätzlich die Gefahr für gewisse Problematiken in solchen Freundschaften im Kontext mit NoNames Vergangenheit und seinem Bezug zu Hilfe sehe, möchte ich halt einfach ein paar Denkanstöße geben.

26.02.2020 15:43 • x 2 #21


Dore
Ich weiß, dass man nicht alles miteinander vergleich kann @Insorge . Aber wenn Pietro in einer Reportage erzählt, dass er fast täglich privat mit Dieter telefoniert, dann geht das über das berufliche hinaus. So war es damals auch mit Mark Medlock.

Es ist auch völlig in Ordnung, was du zu diesem Thema geschrieben hast (und andere). Ich wollte einfach auch eine andere Sichtweise vermitteln. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich keine psychische Erkrankung habe, und deswegen alles nicht "so eng" sehe. Bitte dieses "nicht so eng sehen" nicht falsch verstehen. Ich weiß gerade nicht, wie ich das erklären soll.

26.02.2020 15:54 • x 1 #22



Hallo NoName2020,

Jugendliche suchen meine Freundschaft und Rat / Grenze?

x 3#3


Insorge
@ Dore,
nein, ich verstehe es nicht falsch
Natürlich hat man einen anderen Blick darauf, wenn man solche Problematiken aus eigener Erfahrung kennt. Ich sehe das Ganze aber nicht allein aus Sicht einer psychisch Erkrankten, sondern auch aus der fachlichen Sicht einer studierten Sozialarbeiterin. Deshalb bin ich da einfach sensibel, wenn ich bestimmte Kombinationen lese (hier: traumatische Vergangenheit, Selbsttherapie durch Helfen, Helfen als Lebenssinn, Freundschaften zu deutlich jüngeren "emotional hilfebedürftigen" Menschen). Vielleicht hast du den Fokus mehr auf den Altersunterschied als solches in deine Bewertung gelegt und der allein ist sicher nicht problematisch. Ebenso ist das Bedürfnis eigene Erfahrungen weiterzugeben und damit anderen zu helfen nicht problematisch, sondern gesellschaftlich sehr wichtig.

Bei dem Vergleich mit Dieter Bohlen sehe ich auch noch zusätzlich zu den bereits genannten Unterschieden, dass Dieter Bohlen einen großen Bekanntenkreis mit Menschen in unterschiedlicher Stellung und unterschiedlichstem Alter haben dürfte. Wenn man einen größeren Bekanntenkreis hat in dem die Leute unterschiedlich alt sind, ist das nicht ungewöhnlich. Freundinnen meiner Mutter haben auch mit mir früher Sachen unternommen, weil sie einfach gerne auch was mit Kindern oder Jugendlichen gemacht haben. Die Freundschaft zu meiner Mutter hatte sich demnach auch auf die restliche Familie ausgeweitet, weil die Familie eben Teil der Lebenswelt meiner Mutter war. Ich verstehe die Situation bei NoName2020 aber so, dass er außer den emotional intensiven Freundschaften zu den Heranwachsenden keine weiteren Freundschaften hat.

Dennoch ist es gut und wichtig, dass auch Leute mit einer anderen Sichtweise ihre Ansichten mitteilen. Es wäre verkehrt Freundschaften zwischen Menschen unterschiedlicher Stellung und unterschiedlichen Alters grundsätzlich zu problematisieren, ebenso das Bedürfnis zu helfen. Es gibt ja ein Kontinuum zwischen förderlichem Altruismus und destruktivem Helfersyndrom, das heißt, dass die Grenzen zwischen Beidem fließend sind. Letztendlich ist es wichtig, wie sich die betreffenden Personen in der Freundschaft fühlen, wie sie es selbst erleben. Aber gerade bei emotional voneinander abhängigen Personen spüren die Betroffenen die Problematik oft erst, wenn es zu Interessenkonflikten kommt. Diese können dann nämlich nicht so harmonisch gelöst werden, wie es in Freundschaften ohne emotionale Abhängigkeit der Fall ist. Und deshalb finde ich es sehr wichtig, dass NoName sich mit dieser Problematik auseinandersetzt und darauf achtet, dass es nicht zu der von mir in mehreren Beiträgen dieses Threads umschriebenen emotionalen Abhängigkeit kommt.

26.02.2020 22:48 • x 2 #23


Hoffnungsblick
Zitat von Insorge:
Ich verstehe die Situation bei NoName2020 aber so, dass er außer den emotional intensiven Freundschaften zu den Heranwachsenden keine weiteren Freundschaften hat.


Zitat von NoName2020:
Ich muss aber auch dazu sagen ich habe auch gleichaltrige Freunde. und auch ältere Freunde. Ich sehe den Menschen, als Mensch und nicht nach dem Alter. Dadurch das ich mein Vertrauen schenken kann, bildet sich natürlich auch eine Freundschaft.


Wenn ich es richtig verstehe, hat NoName2020 auch Freundschaften zu Gleichaltrigen und älteren Menschen.

27.02.2020 21:47 • x 1 #24


Insorge
Danke Hoffnungsblick, dann habe ich diese Info leider nicht richtig rezipiert.

Wenn Freundschaften ausgewogen sind (mehrere Freunde und gleichaltrige Freunde bzw. gemischtes Alter der Freunde) macht dies das Ganze natürlich schon weniger anfällig für Abhängigkeitsbeziehungen.

Dennoch halte ich es wichtig, dass NoName die Freundschaften zu den emotional bedürftigen Minderjährigen immer wieder reflektiert und auf frühzeitige Abgrenzung achtet, wenn sich Tendenzen zur emotionalen Abhängigkeit zeigen. Menschen, die es brauchen zu helfen, sind immer gefährdet sich in Abhängigkeiten zu verwickeln.

27.02.2020 22:18 • x 1 #25


Hey Ihr Lieben
Ich glaube es gibt ein paar Missverständnisse.
Also ich habe Freunde die älter sind... genauso wie Freunde die so alt sind wie ich... und das auch sehr enge Freunde.

Weiterhin arbeite ich nicht mit hilfsbedürftigen Jugendlichen. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Meine Kunst die ich mache.. und genau da lerne ich immer wieder Jugendliche kennen. Aus gutem Hause usw. und durch diesen Beruf der rein nichts mit pädagogischer Arbeit zu tun hat, habe ich Kontakt zu Jugendlichen.
Und da kommt es halt ab und zu vor das mir der Mensch dahinter sehr ans Herz wächst. Mir wird schnell vertraut und ich werde oft als Vorbild angesehen. Was mich sehr ehrt und immer wieder bestätigt, doch kein schlechter Mensch zu sein. Durch das Vertrauen, welches mir geschenkt wird.. bekomme ich wohl die Bestätigung die ich früher nie hatte. Und hier beginne ich mich auch "emotional" zu binden. Aber alles auf einer freundschaftlichen Ebene...

Für mich ist halt die Frage... ist es so "komisch" wenn man Freundschaften pflegt zu jüngeren Menschen?

Ich habe vor 10 Jahren auch einen 13 Jährigen kennengelernt. Er ist nun 23 Jahre und ist für mich einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben geworden. Damals war ich Mitte 20. Hätte ich damals die Bindung nicht zugelassen... hätte ich diesen Menschen nicht an meiner Seite. Er ist für mich Familie. Wir feiern Weihnachten zusammen, fahren zusammen in den Urlaub usw.

Wie gesagt ich betrachte den Menschen hinter dem Wesen, nicht nach dem Alter. Und wenn die Chemie passt?!

28.02.2020 11:12 • #26


Dore
Ich finde es nicht "komisch", wenn man Freundschaften zu jüngeren Menschen pflegt. Ich selbst hatte in meinem Leben auch Kontakte zu jüngeren, aber auch zu älteren Menschen. Und Gleichaltrigen.

28.02.2020 15:13 • #27


Feuerschale
Zitat von NoName2020:
Hey Ihr Lieben
Ich glaube es gibt ein paar Missverständnisse.
Also ich habe Freunde die älter sind... genauso wie Freunde die so alt sind wie ich... und das auch sehr enge Freunde.

Weiterhin arbeite ich nicht mit hilfsbedürftigen Jugendlichen. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Meine Kunst die ich mache.. und genau da lerne ich immer wieder Jugendliche kennen. Aus gutem Hause usw. und durch diesen Beruf der rein nichts mit pädagogischer Arbeit zu tun hat, habe ich Kontakt zu Jugendlichen.
Und da kommt es halt ab und zu vor das mir der Mensch dahinter sehr ans Herz wächst. Mir wird schnell vertraut und ich werde oft als Vorbild angesehen. Was mich sehr ehrt und immer wieder bestätigt, doch kein schlechter Mensch zu sein. Durch das Vertrauen, welches mir geschenkt wird.. bekomme ich wohl die Bestätigung die ich früher nie hatte. Und hier beginne ich mich auch "emotional" zu binden. Aber alles auf einer freundschaftlichen Ebene...

Für mich ist halt die Frage... ist es so "komisch" wenn man Freundschaften pflegt zu jüngeren Menschen?

Ich habe vor 10 Jahren auch einen 13 Jährigen kennengelernt. Er ist nun 23 Jahre und ist für mich einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben geworden. Damals war ich Mitte 20. Hätte ich damals die Bindung nicht zugelassen... hätte ich diesen Menschen nicht an meiner Seite. Er ist für mich Familie. Wir feiern Weihnachten zusammen, fahren zusammen in den Urlaub usw.

Wie gesagt ich betrachte den Menschen hinter dem Wesen, nicht nach dem Alter. Und wenn die Chemie passt?!
Hallo NoName2020,
ich finde es gut, dass es sowas gibt und sich Freundschaften entwickeln können.
Ich denke auch, dass Jugendliche sich Ihre Vorbilder selber aussuchen und dass es doch gut ist, wenn
es überhaupt jemanden da gibt, der dafür taugt.

Ich denke, die Jugendlichen die du hier beschreibst von Background und Alter, würden sich eher nicht von
irgendjemanden reinreden lassen, dass er keine Dro. nehmen soll ect, wenn da nicht eine ganz gute Ebene da ist und man das nicht selber eigentlich auch will, und hier Unterstützung gefunden hat.

Darf ich fragen was du machst? Ich denke da so an Graffities an Häuserwänden und Brücken, haha, aber nur
weil ich das selber so cool finde

Ich habe einen Bekannten, der auch immer wieder Bindungen zu Menschen aufgebaut hat, entweder Süchtigen
(nachdem er selber clean war) und er hatte auch mit dem Weißen Ring mit gearbeitet, aber als
"Außenstehender" Menschen begleitet, einfach als Mensch.
Und die Menschen sind in seiner Begleitung "flügge" geworden, es gab Nähe und es gab nächste Schritte in ihrem
Leben wo sie sich dann später nur noch alle paar Monate gemeldet haben.

Ich persönlich mag es viel lieber, wenn jemand so natürlich zugewandt ist, als pädagogische oder psychologische Menschen zu haben, die in Konzepten, in einem Rahmen, bezahlt arbeiten.

Ich kann dies auch wertschätzen, da gibt es sehr engagierte Menschen und man kann da auch ein Stück weit
mitnehmen. Und Grenzen sind in dieser Art von Organisation wichtig.

Aber eine echte Bindung, ein Mensch der nicht "nach Plan" da ist, hat auch eine Qualität.
Eine Freundschaft kann viel bewirken, und ich denke auch, dass da Alter keine Rolle spielt.
Klar könnte man das missbräuchlich ausleben, aber man kann auch eine professionelle Beziehung
missbräuchlich ausleben, Generalverdacht hilft halt erstmal nichts.

Die skeptischen und kritischen Stimmen, die man in sich selber hat und die von außen kommen,
kann man ja trotzdem im Auge behalten "was ist das denn nur,ist das Murks, wird das was übles ect".
Dass man sich selber reflektiert, mit dem Jugendlichen und auch mit dem skeptischen Umfeld im Gespräch bleibt.

Schön, dass das mit den Eltern da geklappt hat und ihr da eine Basis gefunden habt.
Ich glaub, das war auch so deine Hauptsorge, die Skepsis, die dir da entgegenschlug, oder?

28.02.2020 17:35 • #28


Insorge
Hallo NoName2010,
gut, dass du nochmal auf die Punkte eingegangen bist, um klarzustellen, dass du auch enge Freundschaften zu Gleichaltrigen hast und nicht mehr als Pädagoge arbeitest, sondern als Künstler und dort die Jugendlichen kennen lernst.
Beides entschärft das ganze natürlich, aber dennoch mein Rat zur regelmäßigen Reflexion. Bin ja auf die Gründe schon eingegangen, nämlich die Kombination aus: 1. Erfahrungshierarchie + 2.unaufgearbeitete traumatische Vergangenheit ( zumindest liest sich das so in deinem ersten Beitrag, dass du deine Vergangenheit nicht aufgearbeitet hast) + 3. schon früh die Erfahrung gemacht, dass anderen zu helfen dir ein gutes Gefühl gibt, so dass es wahrscheinlich ist, dass du das Helfen in irgendeiner Form für dein Selbstwertgefühl brauchst.

Alles drei ist nicht schlimm. Man kann auch oder vielleicht gerade auf Grund negativer Erfahrungen in der Kindheit ein guter Helfer sein. Oft haben sich solche Helfer sehr intensiv mit ihrer eigenen Geschichte auseinandergesetzt. Vielleicht hast du das ja auch, ohne Therapie?

Altruismus ist für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sehr wichtig. Aber Hilfe ist nicht immer nur positiv. Wenn Hilfe narzisstische Tendenzen hat, dann ist sie problematisch (z.B. Helfen, um sich dadurch moralisch besser als andere zu fühlen. Helfen in Erwartung einer Gegenleistung (z.B. Dankbarkeit, Loyalität, Ergebenheit, Gefälligkeiten, Verfügbarkeit).

Meine Kritik soll keinesfalls dahin gehen, dass ich dein Verhalten bzw. deinen Umgang mit den Jugendlichen als falsch beurteile, ich finde nur, dass du auf Abgrenzung achten solltest. Es geht um ein poten zielles Risiko für Abhängigkeitsbeziehungen auf welches du acht geben solltest. Ich kann die Qualität der Freundschaften ja nicht beurteilen, vielleicht achtest du ja auch sehr auf Grenzen, förderst die Autonomie und Eigenständigkeit der Jugendlichen. Aber dazu hast du halt nichts gesagt.

Hast du denn auch Freundschaften, wo die Personen nicht hilfebedürftig in irgendeiner Form sind, also wo du nicht in erster Linie "Helfer" bist?

Versuchst du bei den Jugendlichen dich in der Rolle des Helfers nach und nach überflüssig zu machen, weil du den Jugendlichen beibringst sich selbst zu helfen und ihrem eigenen Gefühl und ihren eigenen Gedanken zu vertrauen?

28.02.2020 17:38 • #29


Vielen Dank für eure Antworten Gehe gern auf eure Beiträge ein - mir tut es wirklich unheimlich gut das jemand zuhört. Ihr seid echt tolle Menschen - die sich Zeit nehmen für jemanden. Danke dafür!

@Dore - Danke sehr

@Feuerschale - Leider kann ich nicht verraten was ich mache. Ist aber nichts mit Graffiti. Es geht hierbei eher um meinen eigenen Schutz. Hoffe du kannst es verstehen. Ich bin in meiner Szene doch ein Stück bekannt... =/
Die Hauptsorge hast du genau erfasst. Es war für mich mega befremdlich - das Erwachsene Menschen meinen, ich wäre komisch, dass ich diese Zeit zulasse. Dabei habe ich mir früher nichts anderes gewünscht. Das Wort komisch, klang für mich einfach mega negativ und ich wollte ja nie in irgendeine merkwürdige Richtung gesteckt werden. Normalerweise möchte ich mich auch nicht mehr emotional binden... aber manchmal kommt eben ein Mensch um die Ecke, der irgendwie die gleiche Sprache spricht.

@Insorge - Danke auch für deine Zeilen. Ich bin ein sehr reflektierender Mensch und genau das versuche ich auch weiterzugeben. Sich zu hinterfragen. Ich denke daher auch - das ich mich sehr mit meiner Kindheit auseinander gesetzt habe.. ich litt als Kind an Panikattacken und Zwänge. Alles das ist mittlerweile verschwunden.
Deine Kritik kann ich absolut nachvollziehen. Wenn ich pädagogisch in Projekten arbeite ist das in der Regel auch kein Problem. Dann habe ich meine Aufgabe. Hier in dem Beispiel geht es um private Zeit.
Ich möchte in der Regel einfach nur begleiten. Manchmal entstehen dadurch Freundschaften.. ich habe in meinem Leben schon sehr viele Menschen begleitet. Zu vielen habe ich noch Kontakt, bei anderen ist es irgendwann ausgelaufen. Was völlig okay ist.

Ja ich habe Freundschaften wo ich nicht nur Helfer bin

Und ja das versuche ich. Ich stehe nur mit Rat zur Seite und gebe gern ein offenes Ohr. Meine wichtigste Aufgabe ist das Selbstwertgefühl zu fördern. Ich mache eigentlich jedem Menschen klar das er gut ist, wie er ist...

Wie gesagt - ich fühle mich absolut wohl und habe für mich eine kleine Aufgabe. Es ist für mich toll zu sehen wie Menschen sich entwickeln und irgendwie ist es ein schönes Gefühl.. wenn ich dadurch bei dem einen oder anderen in Erinnerung bleibe. Es ist irgendwie schön zu wissen das die Jugend von heute, vielleicht Ihren Kindern irgendwann von mir erzählen...
Dieser Gedanke ist für mich sehr schön.

28.02.2020 19:05 • #30


Insorge
Hallo NoName2020,
Zitat von NoName2020:
Wie gesagt - ich fühle mich absolut wohl und habe für mich eine kleine Aufgabe

Also fühlst du dich auch wohl und wertvoll ohne anderen zu helfen? Ich denke das ist halt wichtig.

Zitat von NoName2020:
Das Wort komisch, klang für mich einfach mega negativ und ich wollte ja nie in irgendeine merkwürdige Richtung gesteckt werden.

Komisch im Sinne "nicht ganz normal" ist es nicht, wenn es auch eher ungewöhnlich ist. Es gibt zwar schon eine Reihe Menschen die gerne helfen bzw. einen gesellschaftlich Beitrag leisten wollen, aber dann ist das meist eher institutionalisiert z.B. als Ehrenamt. Die Kombination aus einseitiger Hilfe und Freundschaft ist vielleicht das Irritierende. Freundschaften bestehen natürlich daraus, dass man für einander einsteht, sich gegenseitig hilft. Ist aber scheinbar nur eine Person in der Freundschaft der Helfer, dann ist das eher ungewöhnlich.
Ich denke, weil es eher selten in dieser Form ist, wirst du auch einfach immer mal auf Skepsis treffen. Gerade Eltern sollen ja unbedingt einen Blick darauf haben mit wem ihr Kind zu tun hat, selbst wenn es fast schon volljährig ist. Und wenn dann eben eine eher ungewöhnliche Konstellation (Alter, Erfahrung) gegeben ist, dann ist der Blick im Idealfall noch um so genauer.

Ich denke du wirst nicht drumrum kommen, dich immer auch mal erklären zu müssen. Aber wenn du verstehst, warum Leute es komisch finden könnten, welche Bedenken sie haben und du Verständnis für deren Sichtweise hast und dann so weit reflektiert und klar in dir bist, dass du die Zweifel ausräumen kannst, dann ist ja schon viel für dich selbst gewonnen. Auch wenn es vielleicht nervig ist, wenn du dich auch hier erklären sollst, so ist es doch ein gutes Übungsfeld für dich, dich mit eben solchen Fragen und Gedanken auseinanderzusetzen um für dich selbst Klarheit zu gewinnen. Wenn du für dich selbst dann mit dem Gefühl rausgehen kannst "es ist alles ok so wie es ist, ich bin ok wie ich bin und ich kann mich kritischen Menschen ohne scheu stellen" wird es dich nicht mehr so irritieren, wenn Leute es "komisch" finden, d.h. du wirst dann die Freundschaften als solches nicht dadurch in Frage stellen oder an dir selbst zweifeln.

28.02.2020 23:22 • x 1 #31


Feuerschale
Zitat von NoName2020:
- Leider kann ich nicht verraten was ich mache. Ist aber nichts mit Graffiti. Es geht hierbei eher um meinen eigenen Schutz.
Klar verstehe ich das, Anonymität ist wichtig, wenn man sich auch mit sehr persönlichen Themen
hier outet.

Schade nur, jetzt ist mein Bild mit dem Graffiti zerstört
Zitat von NoName2020:
Die Hauptsorge hast du genau erfasst. Es war für mich mega befremdlich - das Erwachsene Menschen meinen, ich wäre komisch, dass ich diese Zeit zulasse. Dabei habe ich mir früher nichts anderes gewünscht. Das Wort komisch, klang für mich einfach mega negativ und ich wollte ja nie in irgendeine merkwürdige Richtung gesteckt werden.
Hier finde ich das Thema Selbstwert, Bewertung und Kritik ganz interessant.

Was ist für dich Selbstwert? Wie hängt es mit Kritik zusammen?

Ich selber bin da unschlüssig und versuche es mal auseinanderzuklabüsern.

Man kann ja Selbstwert auch darüber definieren, ich schaffe was, ich mache was, ich bin in selbstwirksamen
Prozessen, ich bin in authentischen Beziehungen ect.

Ich denke Feedback hängt schon ein Stück weit zusammen mit Selbstwert.
Was man gespiegelt bekommt, was man so aufbaut und bewirkt und wie andere da auch wachsen und was aufbauen.

Wobei eine andere Stimme mir auch sagt "man muss auch mal ganz unabhängig sein können".
Was die anderen denken, muss einem auch egal sein können.

Wenn man was macht, z B 1 Video auf Youtube, dann folgt
- 100 mal emotionales Lob mit Smilies und Ausrufezeichen,
- 30 mal blöde Bemerkungen unter der Gürtellinie oder "Hater"
- 50 mal Interesse an der Sache und hier Respekt für die Arbeit und Sympathie oder eben auch sachliche
Kritik, finde ich nicht so gut, weil...

Einen Unterschied sehe ich auch darin, in welcher Beziehung jemand steht, der kritisiert.
Es gibt Leute, die einen nicht oder kaum kennen, die urteilen nach dem ersten Eindruck, mit 1000en ihrer eigenen Assoziationen.
Und es gibt Feedback von Leuten, die begleiten einen durchs Leben und kennen einen richtig gut, und können auch fundiert Feedback geben.

Muss man glaub ich echt schauen, was nimmt man wie an, was wirkt wie auf einen.

Ich glaub, eine Form von Feedback kann sehr auf den Selbstwert drücken, nämlich da wo etwas übermäßig
und fast ohne eigenen Anlass ins negative gezerrt wird, wo immens viel Angst, Misstrauen und Vorurteile eine
Rolle spielen.
Also z B die Hater im Beispiel Youtube Video, aber auch Kontakt mit Narzissten kann das gut
zeigen, wie man schön regelmäßig durch Misstrauen, Angst, Skepsis, negative Annahmen gezogen wird.
.
Es gibt ja auch Kritik, die mehr über die andere Person des Kritisierenden zeigt, ihre eigenen Ängste,
ihr eigenes Misstrauen,die Welt und Menschen gefährlich sehen und alles steht dann auf dem Prüfstand. Und es
ist dann auch eigentlich nie gut. Sowas ist für einen Selbstwert bestimmt nicht gut.

Aber in dem Fall bei den Eltern, die dann doch noch offen in Kontakt gingen, da konntest du es durch
Gespräch und kennenlernen ausräumen.

Vielleicht müsste es da so einen Mechanismus geben, wo man sich selber hinterfragen kann und prüfen kann,
die Kritik kurz annehmen, prüfen, und dann sagen "ok, für mich ist jetzt gut".

Fänd ich interessant wie du damit umgehst, wie baust du dir deinen Selbstwert auf und wie fließt da
die verschiedene Art von Kritik, die überschwänglich nette, die eher neutral sympathische und die kritisch
ängstlich abwehrende mit ein.

Aber da das hier öffentlich ist, musst du natürlich nicht drauf antworten.
Vielleicht wäre es einfach mal so ein Anstoß.
Zitat von NoName2020:
Es ist für mich toll zu sehen wie Menschen sich entwickeln und irgendwie ist es ein schönes Gefühl.. wenn ich dadurch bei dem einen oder anderen in Erinnerung bleibe. Es ist irgendwie schön zu wissen das die Jugend von heute, vielleicht Ihren Kindern irgendwann von mir erzählen...
Dieser Gedanke ist für mich sehr schön.
Ja, ich finde , das sind schöne Früchte aus einem Beruf, wenn man da so gut wirken kann und konnte.

Erst dachte ich, das klingt auch ein bisschen traurig, weil die anderen dann ihre Familie ect haben und du bist dann eher
von außen noch da so als Erinnerung.

Aber dann hätte ich ja mit dazu unterstellt, dass das jetzt deine einzigen Freunde sind, die nachher alle
weg sind in "ihrem Leben".

Und hätte nicht gesehen, dass du ja viele andere aktuelle Leute auch noch hast, wenn du dann zurückschaust,
aber eben auch viele Leute, die sich weiterentwickeln, und wo du ein Teil warst.

29.02.2020 09:56 • x 1 #32


Hoffnungsblick
Zitat von NoName2020:
Es ist für mich toll zu sehen wie Menschen sich entwickeln


Das kann ich dir nachfühlen, denn das habe ich auch erlebt im Rahmen einer künstlerischen Arbeit.
Habe festgestellt, wenn man künstlerisch ehrlich und intensiv gemeinsam arbeitet, um einer Sache "auf den Grund" zu gehen, dass dabei sehr viel menschliche Nähe entstehen kann. Man muss sich so zeigen, wie man ist, ohne Maske und Scharade. Sonst kann die Arbeit nicht gut sein. Diese erforderliche Offenheit und Ehrlichkeit kann Vertrauen ermöglichen. Es kann ein Raum entstehen, in dem man sich so zeigen kann, wie man ist. Das kann die Grundlage für gute Freundschaften sein. Andererseits habe i ch auch festgestellt, dass in einer solchen Vertrauenssituation auch in der Lage sein muss, sich abzugrenzen. Wenn das alle Beteiligten können, kann in einer solchen künstlerischen Arbeitssituation viel Nähe und auch Weite und Freiheit entstehen.

29.02.2020 15:25 • x 1 #33




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