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S
Hallo,

ich, 26 Jahre und weiblich, fühle mich momentan wirklich schlecht und habe das Gefühl, dass mich niemand versteht. Seit meinem 18. Lebensjahr wohne ich alleine und habe mich finanziell immer selbst über die Runden gebracht. Dementsprechend kriege ich schnell Panik, wenn in meinem Leben etwas nicht funktioniert, weil ich ja selber alles wieder mit voller Kraft (v.a. finanziell) stemmen muss.

Zu meiner Problematik: In letzter Zeit (seit Ende 2014) ist einfach Vieles auf einmal gekommen. Erst hat mich mein Freund verlassen, womit ich 3 Monate lang emotional zu kämpfen hatte... Dann musste ich meinen Job kündigen wegen Mobbings. Ich habe anschließend sofort eine neue Stelle gefunden. Aber der erste Lohn kommt wahrscheinlich erst so spät, dass ich ein Monat ohne Geld da stehe... Meine Eltern sind arm und können mich auch nicht finanziell unterstützen. Hinzu kommt es, dass ich immer anderen helfen muss... Da ich angehende Sozialpädagogin bin, fragen mich alle nach Hilfe, weil sie spüren, dass ich sie vertreten oder Ihnen Tipps geben kann. Das fängt bei meiner Mutter an, die krank ist und 100 km von mir entfernt wohnt und hört bei meinen Kommilitonnen auf, die jeden Mumpitz bei mir nachfragen, weil ich den besten Überblick in der Uni zu haben scheine. Wenn ich meinen Kommilitonnen dann Tipps gebe, finden sie diese Tipps nicht gut und machen ihre Arbeiten einfach falsch. Das merken sie dann spätestens, wenn sie irgendwo durchfallen. Sehen es aber nicht ein, dass ich Recht hatte. In den Gruppenarbeiten werde ich in Stich gelassen und die Uni hilft mir da auch nicht mehr weiter, weil ich es ja selber lernen müsse, in Gruppen zu agieren...

In letzter Zeit weine ich nur noch... Denn jetzt kommt das Schärfste: Meine beste Freundin sagt, ich wäre ja depressiv, weil ich weinen würde und meine Probleme ja gaaar nicht so schlimm wären. Sie ist nämlich auf einem spirituellen Trip und meint, dass man sich von seinen weltlichen Problem losreißen sollte. Ich wäre in ihren Augen schwach und nicht resilient. Ich sollte meditieren und die Welt aus einer anderen Perspektive sehen... Da pack ich mir an den Kopf... Ich habe das Gefühl, dass sie mich überhaupt nicht versteht... Ich glaube nicht, dass ich durch meditieren meinen Lohn früher bekomme oder die Leute einfach anfangen, auf mich zu hören... Und mein Ex kommt dadurch auch nicht zurück... Sie hört mir auch nicht mehr zu, weil sie meine Probleme als Quatsch ansieht. Auch mein Ex hat mich verlassen, weil ich mir zu viel Kopf um alles machen würde. Aber er selbst hat auch immer alles von seinen Eltern in den Hintern gesteckt gekriegt und weiss gar nicht, wie wichtig und schwer es ist, seine eigene Wohnung zu unterhalten und sein Geld selbst zu verdienen, bzw. welche Gedanken man sich machen muss. Die Einzige, die sich meine Probleme anhört, ist meine Mutter, die mir aber nicht helfen kann, weil sie selbst krank ist...

Dementsprechend fühle ich mich einfach nur noch allein... Ich hoffe eigentlich nur, dass der ganze Schmerz irgendwann mal vorbei ist und warte ab... Aber was kann man denn noch so machen? Muss ich ernsthaft zum Psychologen gehen?

29.03.2015 12:07 • 30.03.2015 #1


6 Antworten ↓


HeikoEN
So hart es klingt und ohne das ich Dir zu Nahe treten möchte, aber die Außenwelt (Job, Ex-Freund, beste Freundin, Eltern usw.) sind nicht (!) verantwortlich für Dein Glück.

Nur Du kannst neue Perspektiven gewinnen und Veränderungen in Deinem Leben vollziehen.

Ich finde es sehr gut und es zeigt eigentlich, wie stabil Du für dich selber bist, wenn Du die Aussagen z.B. von deiner Freundin kritisch siehst.

Und ob Du schlussendlich zu einem Psychologen gehen musst, kannst auch nur Du alleine beantworten. Es kommt auf den Leidesdruck an und ob Du der Überzeugung bist, ein Psychologe könnte Dir helfen. Ein paar Stunden, Tage, selbst Wochen ein wenig verstimmt sein, ist normal und hat ja auch einen Sinn.

Den Rückzug brauchst Du vielleicht auch einfach, um Dich selber neu auszurichten, um selber Ruhe zu gewinnen und neue Perspektiven (Lebenseinstellungen etc.) für Dich zu bekommen.

Deine Empfindungen sind alle richtig und stimmig (z.B. in Sachen Uni), aber auch nur Du kannst die Grenzen für die anderen Menschen ziehen.

29.03.2015 18:43 • #2


A


Ich fühle mich nur noch allein gelassen , was tun?

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H
Hi Sepia

Selbst wenn Du depressiv bist / wärest, ist es nicht das Ende Deines Ichs.
Da Du derzeit viel durchgemacht hast, ist es vollkommen logisch, dass Du derzeit kaputt bist bzw. emotional empfindlich(er) bist als Du es sonst vielleicht warst.
Deine Freundin hat sicherlich Recht, aber auch nicht Recht. Wenn Du gemobbt wurdest (ich habe das aktuell auch durch), dann ist das kein kleines Übel, sondern ein ernstzunehmendes Problem, was gelöst werden muss. Die Geldsorgen sind nicht minder problematisch, lassen sich sicherlich aber irgendwie regeln (Dispo / Kredit etc. pp.). Wo Deine Freundin durchaus Recht haben könnte ist die Einstellung, die Du zum Leben hast / oder auch nicht hast. Mag sein, dass sich meditieren zunächst albern anhört, aber autogenes Training z.B. kann durchaus nützlich sein, um seinen Geist und somit seine Gesundheit zu regenerieren. Davon kommt kein Geld auf die Bank, das ist richtig. Aber Du kannst ggf. wieder etwas klarer denken und mit neuer Kraft anfangen das Leben zu meistern.

Was evtl. helfen kann, dass Du Dein Ich, also Dein Selbstwertgefühl und somit Dein Selbstbewusstsein aufbauen solltest. Meditation kann da durchaus ein 1. Schritt sein. Als Mumpitz direkt würde ich es nicht abstempeln, allerdings würde ich Deine Probleme auch nicht als Quatsch abtun.

Ich denke, ein Mittelweg würde Dir sicherlich gut tun. Die konkreten Probleme angehen, aber auch Dich mehr pflegen, also Dein Umgang mit Dir selber, dazu zählt auch ein Nein!, wenn Du wieder mal Tipps geben sollst oder eben ein Ich brauche konkrete Hilfe, wenn Du diese benötigst.

Momentan wirst Du Dich wohl auf Dich und Deine Stärken verlassen müssen, um das aktuelle Leben zu meistern. Heiko hat es ja schon geschrieben, dass es letztendlich in Deinen Händen liegt, was Du daraus machst.

29.03.2015 18:54 • #3


S
Danke euch. ich gebe euch da auch Recht. Was aber den Dispo betrifft, @holger014... Da ist es nicht so einfach. Dadurch, dass ich einen Schufaeintrag habe, deren Schulden ich aber bezahlt habe, ist es überall schier unmöglich, ein Dispo zu bekommen... Ich habe es schon versucht. Aber die Bankleute lachen mich aus... Nun ja... Ich denke, ich muss meine Schulden verschieden oder ähnliches... Da muss es einen Weg geben.

29.03.2015 19:05 • #4


M
Hallo Sepia09.Im Grunde möchte ich dir nur eins sagen,in der Hoffnung,du beherzigst es und es hilft dir ein wenig!Vergiss bitte ganz schnell,was HeikoEN dir eingeredet hat,von wegen andere sind nicht für deine Probleme verantwortlich!Das ist eine unfaire Verallgemeinerung!Ich weiß nur zu gut aus eigener erfahrung,dass es Dinge gibt,für die man selbst NICHTS kann!Ich wurde z.b. wie du auch im Job gemobbt(als ich meine Lehre machte).Und ich war defintiv NICHT schuld,da ich KEINEM was getan hab!auch in anderen Lebensbereichen hatte ich Pech,auch in beziehungen.Nein,ich behaupte nicht,dass grunsätzlich immer nur die anderen schuld haben.Das wäre zu einfach und stimmt nicht!JEDER macht Fehler,aber das gilt sowohl für einen selbst,als auch für andere!Und es regt mich immer auf,wenn uns psychischkranken sugeriert wird,WIR wären grundsätzlich allein an unsrem, Kummer schuld-völliger Quatsch!Das ist dieselbe dumme Philosophie,die einme auch in manchen Religionen(z.B. Buddhismus)aufgezwungen wird!Man muss immer erst die Geschichte,bzw. Biografie des einzelnen betrachten,ehe man urteilt!Manche leute sind hier damit zu schnell für meinen Geschmack.sie urteilen über andere negativ,um ihre eigenen Unzulänglichkeiten zu vertuschen.JEDER sollte erstmal vor seiner eiegen Tür kehren!achja,eines noch:wegen deiner Freundin,die meinte,du hättest garkeine Probleme.Dasselbe sagte mal ein langjähriger Kumpel zu mir.Aber aus dem Grunde,weil er sehr behütet aufwuchs und keinen bock hatte,sich in meine welt hinein zu denken.

30.03.2015 12:39 • #5


HeikoEN
Starke Meinung und Worte Mysterion und vielleicht kann daraus eine gute Diskussion entstehen...darüber hinaus glaube ich, dass Du insb. meine Aussage(n) falsch interpretierst.

Die Frage, die sich bei mir bei Deinen Schilderungen stellt ist, ob es wirklich um Schuld geht?

Bei Deinen angeführten Beispielen wie Mobbing im Job, Beziehungen usw. ist doch die Frage, warum Du es soweit kommen lässt? Und genau darum geht es bzw. auch genau dort liegt das Problem.

Die Schuldfrage bringt Dich nicht weiter, in Deinem eigenen Gefühl, welches genau in solchen Situationen aufkommt.

Ebenso nicht darum, ob Dir jemand etwas aufzwingen will. Das tut niemand hier...

Du solltest vielleicht verstehen, dass es oft nur um Perspektiven und Sichtweisen geht, die man durchaus einmal für sich (wenn auch nur kurz) einnehmen kann. Damit verändert sich u.U. auch das Problem.

Von dummer Philosophie würde ich da nicht sprechen, sondern wie o.g. von Austausch, Erfahrung und Meinungen, die man aber sehrwohl und problemlos dort stehen lassen kann, wo sie stehen und niemand gezwungen wird, diese anzunehmen.

30.03.2015 13:14 • #6


H
Zitat von Mysterion:
,dass es Dinge gibt,für die man selbst NICHTS kann!Ich wurde z.b. wie du auch im Job gemobbt(als ich meine Lehre machte).Und ich war defintiv NICHT schuld,da ich KEINEM was getan hab!auch in anderen Lebensbereichen hatte ich Pech,auch in beziehungen..

Das ist nicht ganz richtig. Es gibt immer mind. 2 Parteien beim Mobbing. Aggressor und jemand, der es mit sich machen lässt. Man kann also durchaus etwas dafür... in dem man solche Dinge mitmacht und diesem nicht gewachsen ist. Heisst, da muss man aufbauen, um in Zukunft gerüstet zu sein gegen Angriffe dieser Art. Das kann man aber nur selber machen, in dem man sich von der Opferrolle löst und aktiv etwas dagegen unternimmt.

30.03.2015 17:14 • #7