Liebe @Beebi siehst wie viele liebe Menschen mit Dir fühlen, mit Dir leiden!

.
Ja, der Tod eines Menschen ( um so jünger er ist) ist immer ein unglaublich schwerer Schritt. Jemanden los lassen zu müssen. Ein berühmter Philosoph ( hab den Namen vergessen) sagte einmal der Tod sei die grösste Katastrophe für uns Menschen. Eine unglaubliche Demütigung. Eine Ohrfeige.
Ok es gibt auch andere Philosophen , die die Meinung vertreten, wenn wir uns unseres Todes /Endlichkeit nicht bewusst wären, wir das Leben auch nicht so schätzen könnten. Nietzsche meinte sogar, "Solange wir leben sind wir nicht tot. Wenn wir tot sind leben wir nicht mehr. Genauso wenig wie es uns kratzt, dass wir vor unserer Geburt nichts von allem mitbekamen, wird es uns kratzen, wenn wir nicht mehr sind." Im Gegenteil, wenn man das Stadium erreicht, in dem man sein Ende akzeptieren kann ( keiner weiss was wirklich danach kommt oder auch nicht und in welcher Form), sind einige erleichtert. Das Leben ist ja auch nicht nur ein Zuckerschlecken.
Ja, es war traurig meine Mutter, meinen Freund Walti..und leider auch meinen Untermieter Fiat ( der zwei Jahre lang bei mir wohnte) wegen Krebs zu verlieren !
Inzwischen habe ich sie alle in guter Erinnerung, denn wenn Menschen realisieren, sie brauchen nicht mehr auf dieser Erde zu funktionieren , bzw. irgendeine Fassade weiterhin aufrecht zu erhalten, werden sie oftmals auf eine wunderbare Art altruistisch. Plötzlich war meine Mutter am Werdegang meines Lebens echt interessiert ( früher freute sie sich prinzipiell wenn es mir schlecht ging...) Das sind für mich kleine Wunder, und ich werde NIEMALS vergessen, wie sie in den letzten Tages ihres Lebens erkannte, dass sie mich gern hatte und wollte das es mir gut ging. Das habe ich ihrem Sterben zu verdanken !
In diesen Sterbephasen, die wie geschrieben nicht linear verlaufen ( wie z.B. bei Walti kam ganz zum Schluss noch ein riesiger Schub Wut...den er jedoch brauchte, um dann ganz zu akzeptieren, dass er nicht weiterleben kann..und will !, auch bei den Angehörigen nicht, sind sie sehr herausfordernd, ABER auch reifend.
Wer jemanden beim Sterben begleitete, ist nie mehr derselbe Mensch wie vorher. Er lebt ganz anders...und kann nach dem Trauern sein Leben weiter leben. Ohne diese Menschen zu vergessen, aber man kann irgendwie anders, reifer (?) weiterleben: mein Vater starb vor 21 Jahren, meine Mutter 10 Jahre ( einen Tag und fünf Minuten nach ihm). Natürlich kommen mir meine Eltern zuweilen noch in den Sinn ( Waldi und Fuat weniger)...im positiven aber auch negativen Sinn -
doch mein Leben ging weiter...es und ich bin anders ja, aber trotz meiner noch vielen Baustellen bin ich heute eine Erwachsene.
Bei meiner Mutter war es ein langer schmerzvoller Prozess ( weil sie sich sehr sehr lange gegen das Sterben wehrte...zuweilen auch mir gegenüber äusserst aggressiv wurde....diese Wut konnte sie nur bei mir artikulieren, weil sie von den Ärzten und dem Pflegepersonal abhängig war...da "musste" sie nett und brave Patientin sein...ich blieb immer bei ihr, ausser einer Woche Pause - als sie mich zu sehr als Abfallkübel ihrer verständlichen Aggressionen missbrauchte - blieb ich fern. ). Mutter konnte sich nicht mit Worten bei mir entschuldigen ( das Entschuldigen war ihr ein Leben lang fremd..), aber sie schenkte mir und meinem Bruder 10 000 Franken ! Das war ihre einzige Möglichkeit zu sagen, "es tut mir leid".
Oh danke @Beebi , dass Du durch das Sterben Deiner Mutter, das Du so vertrauenswürdig mit uns teilst, auch mir ermöglichst, all diese so wichtigen Prozesse in meinem Leben nochmals durch zu gehen!
🙏 Du wirst das schon machen, auch wenn Du ( wie wir alle) grad in diesen Zeiten auch Fehler machen dürfen und müssen. Sonst wären wir Roboter. Bist Du glücklicherweise nicht. Deshalb lass alle neuen Gefühle zu. Sie dürfen sein !