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M
Zitat von Lina60:
Habe mich auch schon gefragt, wieso Aussenstehende Selbstmitleid verpönen. Vielleicht erlauben sie bei sich selbst dieses Gefühl nicht. Vielleicht haben sie es noch nie erlebt, dass jemand mit ihnen Mitleid hat. Vielleicht mussten sie ( deshalb ) mit sich selbst "hart" sein....und vertragen es deshalb bei anderen - die sich dieses Gefühl gönnen - nicht ?

Was heißt hier gönnen?

Bringt es Dich weiter?
Nein.

Zitat von Lina60:
Vielleicht haben sie es noch nie erlebt, dass jemand mit ihnen Mitleid hat.


Ich hasse Mitleid und das ganz bestimmt nicht, weil ich es nicht schon erlebt habe.

Mitgefühl ist etwas anderes.

#21


Feuerschale
Mitleid von anderen drückt einen ja auch irgendwie in so eine Ecke rein. Als wäre man ein Opfer oder sie stellen sich so drüber.

#22


A


Warum verurteilen Menschen Selbstmitleid?

x 3


M
Zitat von Feuerschale:
Mitleid von anderen drückt einen ja auch irgendwie in so eine Ecke rein. Als wäre man ein Opfer oder sie stellen sich so drüber.

Vielleicht ist es das, aber ich kann damit auch nix anfangen.

x 1 #23


Feuerschale
Zitat von Moonlight_74:
Vielleicht ist es das, aber ich kann damit auch nix anfangen.

hmm nee, ich suche auch kein Mitleid. Das zementiert so fest.
Lieber ist mir, falls denn jemand in der Nähe ist, eine gewisse Offenheit, ein gewisser Draht, der andere braucht da keine Ratschläge, keine Verantwortung oder Lösung zu haben.
Und ich mags auch, wenn sich - in mir - die Perspektive wieder öffnet, wenn ich wieder Ideen bekomme oder Gefühle sich lösen. Das kann ich aber nicht jederzeit so beeinflussen, je nachdem wie schwer gerade der Zustand ist.
Ich mag es in mir zu ruhen und Optionen zu haben.
Nur wenn man sich mal (oder auch chronischer, bei Depression, Posttrauma ect) schwach und schlecht fühlt, heißt das ja nicht, dass man sich gerne darin suhlt oä.

x 1 #24


M
Ich finde die Frage sehr wichtig und gut gestellt. Für mich entsteht die Verurteilung von Selbstmitleid oft aus fehlender eigener Erfahrung – ähnlich wie bei psychischen Erkrankungen. Ich kann versuchen zu verstehen, aber mir kein Urteil über etwas anmaßen, das ich selbst nie durchlebt habe.

Selbstmitleid ist für mich meist kein Egoismus, sondern ein Zustand großer innerer Enge. Wenn Menschen lange allein mit ihrem Schmerz waren, richtet sich der Blick zwangsläufig nach innen. Das ist von außen leicht zu bewerten, von innen jedoch schwer auszuhalten.

Mir ist wichtig, Selbstmitleid nicht als bewusstes Verhalten oder Manipulation zu sehen, sondern als einen Zustand, in dem Gedanken, Gefühle und Handlungsmöglichkeiten stark verengt sind. Er fühlt sich nicht attraktiv an, sondern belastend – und ist deshalb aus meiner Sicht kaum moralisch zu bewerten.

Während meiner Depression habe ich erfahren, dass sich psychische Belastung auch körperlich zeigt, unter anderem durch anhaltende Rückenschmerzen, Druck- oder Engegefühle im Brustbereich, Schwindel sowie wiederkehrende Panikattacken. Diese Symptome waren nicht willentlich steuerbar und verdeutlichen für mich, dass es sich um einen ernstzunehmenden Zustand handelt, nicht um eine Frage von Einstellung oder Verhalten.

Die von @Sonnenzauber beschriebene eingeschränkte Handlungsfähigkeit macht deutlich, was dahinter oft steht: eine starke innere Verengung, die von außen kaum sichtbar ist. In solchen Phasen geht es zunächst um Stabilisierung, bevor wieder mehr Handlungsspielraum entstehen kann.

x 6 #25


Abendschein
Mitleid zu haben ist wieder etwas anderes, als Selbstmotleid. Mit Taten andere Menschen Leid. Ich hatte Mitleid mit ihnen.

Selbstmitleid ist eine Art Aufmerksamkeit, die ich so nicht kenne, aber oft treten dann Ängste ein die auch nach Aufmerksamkeit suchen.

Keineswegs Negativ. Gehört sein wollen die Menschen und die Seele sucht sich ihren Weg. 💕

x 3 #26

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Schlaflose
Zitat von Aponi:
Selbstmitleid hat man doch oft im Stillen, somit „belästige“ ich doch niemanden. Das ist doch wohl erlaubt…

Wenn es so ist, hat wahrscheinlich niemand etwas dagegen, aber in den meisten Fällen wird gejammert und die Mitmenschen dazu gebracht, sich schuldig zu fühlen, weil es ihnen gut geht.
Zitat von Sonnenzauber:
Schwieriges Thema in einer Depression ist dieses „Jammern“ ja Teil des Krankheits Bildes.

Echt? Das war bei mir nie so. Ich wollte nie über meinen Zustand reden, geschweige denn jammern. Ich wollte einfach nur in Ruhe gelassen werden.

x 2 #27


Abendschein
Jeder Mensch ist anders, jeder fühlt anders und alles darf sein. 💕

x 4 #28


Burn
Zitat:
Mir kam die Frage auf, ob es vielleicht damit zu tun hat, wie Menschen selbst gelitten haben. Könnte es sein, dass Selbstmitleid oft aus einer Art Not entsteht? also aus Momenten, in denen jemand sehr viel alleine gelitten hat, ohne dass es jemand gesehen oder gehalten hat? Dass es quasi eine Reaktion darauf ist, dass niemand da war, um den Schmerz mitzuertragen?


Es wurde schon sehr viel wertvolles zum Thema Selbstmitleid gesagt. Ich möchte noch einmal hierauf eingehen.

glaube es ist eine Mischung. Was Menschen eher quält, ist wenn sie der betroffenen Person einfach nicht „helfen „ können.es ist dann weniger das Thema Selbstmitleid sondern die Ohnmacht den anderen nicht zu erreichen.

natürlich gibt es Situationen da wäre es evtl. nie so weit gekommen, wenn die richtige Hilfe zur richtigen Zeit gekommen wäre aber das ist im Leben einfach nicht immer so und da ist dann Akzeptanz angesagt und Dinge in sich befrieden.

es ist gut wenn man Menschen hat die einfach trotzdem da sind und dabei helfen, dass jemand wieder handlungsfähig wird aber es gibt keine Garantie darauf.
Der Antrieb bzw. der Wille zum ändern muss aus der Person selbst kommen, die sich selbst bemitleidet

x 3 #29


A
Zitat von Hope25:
Selbstmitleid

Meinst du "Selbstmitleid" oder "Mitgefühl mit sich selbst"?

#30


Icefalki
Zitat von Hope25:
und warum manche es so stark verurteilen. Ich frage mich oft, woher dieses Urteil kommt.


Ich denke, wir reden hier von Menschen, die sich nach aussen hin stark wegen irgendetwas bemitleiden, aber nichts ändern wollen.

Und wir reden hier von längeren Zeitspannen, die auf Dauer unattraktiv machen.

Und wahrscheinlich kommt dann irgendwann der Zeitpunkt, wo einem das Ganze dann auf den Geist geht.

Aber ich muss euch jetzt meine Lieblingsantwort auf oberflächliches Selbstmitleid zeigen, an die ich auch denke, wenn ich selbst in unattraktives Selbstmitleid zu verfallen drohe- ich find es immer wieder zum Wegschmeissen:

https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q...i=89978449

Wichtig: Darunter verstehe ich jetzt aber keine Depression oder ein sonstiges Krankheitsbild, das Selbstmitleid im Programm hat.

x 3 #31


N
Zitat von Hope25:
In letzter Zeit habe ich viel darüber nachgedacht, wie andere Menschen auf Selbstmitleid reagieren – und warum manche es so stark verurteilen. Ich frage mich oft, woher dieses Urteil kommt. Mir kam die Frage auf, ob es vielleicht damit zu tun hat, wie Menschen selbst gelitten haben. Könnte es sein, dass ...

Hallo Hope,

Selbstmittleid bedeutet man begibt sich in die Position des kleinen hilflosen Kindes.
Man hofft das jemand kommt, einem da raus hilft und Sicherheit + Geborgenheit spendet.

Das kleine hilflose innere Kind durfte ggf. in seiner Kindheit nie wirkliche Geborgenheit erfahren.
Es ist eig. mehr ein Hilferuf würde ich behaupten ohne es genauer zu wissen.

LG Nick

x 3 #32


Hope25
@annielea Selbstmitleid

#33


A
@Hope25

Ich habe dieselbe Erfahrung auch gemacht. Es haben sich auch deshalb schon Menschen von mir abgewandt,weil ich ja ständig nur "jammere".

Was ja gar nicht stimmte aber das "Gute" wurde gar nicht wahr genommen aber wenn ich sagte dass es mir nicht gut geht, kam nie sowas wie Anteilnahme nur lapidare Sprüche.

Ich habe eher das Gefühl die Leute wollen sich dann ihre supertolle Laune und ihr perfektes Leben nicht mit ernsten Problemen verderben.

x 2 #34


Darkshadow
Ich finde dieses Thema sehr interessant und auch sehr therapierelevant.

Ich habe über die Jahre viele Erfahrungen damit gemacht, sowohl persönlich als auch mit vielen Mitpatienten.

Ich glaube, dass es hierbei zwei wesentliche Komponenten gibt: das Ausmaß und die jeweilige Phase, in der man gerade steckt.

Es ist mMn ganz wichtig, zu lernen, mit sich selber Mitgefühl und auch mal Selbstmitleid zu haben.
Für viele Menschen ist es ein wichtiger Entwicklungsschritt, da überhaupt erstmal hinzukommen.

Für mich spielt sich das in 3 Phasen ab:
- die Realisierung und Erkenntnis, was einem in der Vergangenheit Negatives passiert ist, zu verstehen, dass man keine Schuld hatte, dass es schwierig war, dass vielleicht niemand da war, der einen damals unterstützt oder getröstet hat
- sich selber gegenüber eine freundliche und fürsorgliche Haltung zu entwickeln, sich nicht zu verurteilen oder sich selber abzuwerten, und dann zu betrauern, was passiert ist und was gefehlt hat
- aber sich dann auch wieder auf die Gegenwart und Zukunft ausrichten, nach konstruktiven Lösungswegen und Entwicklungsaufgaben suchen; zu akzeptieren, dass das „Hier und Jetzt“ nicht das „Dort und Damals“ ist, dass man jetzt erwachsen ist, dass man heute ganz andere Handlungsmöglichkeiten hat und dass man jetzt für sich selbst verantwortlich ist.

Ganz oft habe ich erlebt, dass Patienten die ersten zwei Phasen durchaus gut hinbekommen, aber dann beim Übergang zur dritten Phase Probleme haben.
Und da reagiert das soziale Umfeld dann nicht selten irgendwann genervt, wenn das Selbstmitleid wiederholt den Appell nach außen hat: Kümmer‘ dich um mich.

Ganz oft ist es für Patienten im Leben oder in der Therapie schwierig und auch emotional überwältigend, wenn da vielleicht zum ersten Mal jemand ist, der einem zuhört, der einen versteht und der einem Mitgefühl zeigt. Manchmal sind das Freunde oder Familie, ganz oft sind das aber auch Therapeuten.

Und wenn dann erstmal das Gefühl da ist, wie gut sich das anfühlt, wenn sich jemand interessiert und kümmert, fangen nicht selten die Probleme an.

Viele Patienten bleiben dann im Selbstmitleid förmlich stecken und wollen da (unbewusst) nicht mehr wirklich heraus, weil es sich gut anfühlt, von außen Trost und Mitgefühl zu bekommen, weil man das früher vielleicht nie bekommen hat.

Dann wird das Selbstmitleid oftmals stark nach außen getragen, immer in der Hoffnung, dass jemand von außen Trost spendet.

Und an der Stelle wird es für das soziale Umfeld (und auch für Therapeuten) nicht selten anstrengend.
Der Patient müsste dann eigentlich irgendwann den nächsten Schritt gehen, sich selber emotional zu versorgen (was fast immer das Ziel von Therapie ist), aber manche Patienten weigern sich (unbewusst), diesen nächsten Schritt zu gehen, weil das Mitgefühl von außen sich so gut anfühlt. Sie ziehen es vor, von außen getröstet zu werden, weil sich das irgendwie „besser“ anfühlt, als wenn man sich selber tröstet, denn dann ist man ja (gefühlt) irgendwie wieder allein mit seinen Problemen.

Es ist ja durchaus wichtig und auch angebracht, mit sich selber Mitgefühl zu haben. Nur wenn man davon gar nicht mehr loskommt und vielleicht sogar immer wieder möchte, dass dieses Gefühl von außen (also von anderen Personen) versorgt wird, dann wird es dysfunktional und löst nicht selten Abwehrreaktionen im Gegenüber aus.

Therapeuten sollen ja zu Beginn sogar Mitgefühl zeigen und dementsprechend reagieren, nur ist es nur ein erster Schritt auf der Entwicklungsreise des Patienten, sich irgendwann selber emotional zu versorgen und sich selber selbstfürsorglich zu behandeln.

Und da unterscheidet sich dann mMn das funktionale vom dysfunktionalen Selbstmitleid:
Gerade zu Beginn der Therapie in Maßen ist es absolut angebracht und funktional.
Nur wenn man nicht mehr aufhören kann und konstant von anderen Personen (auch unbewusst) Trost einfordert, wird es dysfunktional.

Und viele Menschen reagieren mit Abwehr, wenn sie spüren, dass ein Mensch wiederholt und ständig um Trost und Mitleid von außen einfordert, indem er/sie ständig Selbstmitleid nach außen kommuniziert, entweder durch Worte oder durch Handlungen (immer mit dem Wunsch : Tröste mich“)
und gleichzeitig keine Initiative erkennen lässt, an sich selber zu arbeiten.
Wenn Mitmenschen oder Therapeuten spüren, dass eine Person sich weigert, diese Selbstverantwortung und Selbstfürsorge zu übernehmen, ruft das oftmals Abwehrreaktionen hervor, weil man unbewusst spürt, dass dieser Mensch die Verantwortung für sich selber nicht übernehmen will und diese stattdessen auf andere Personen überträgt.

Patienten, die an diesem Punkt „hängenbleiben“, reagieren oft auch sehr gekränkt und enttäuscht, wenn ein Therapeut oder das soziale Umfeld diese emotionale Versorgung dann mal nicht leisten möchten und den Patienten stattdessen zur Eigenverantwortung und Eigenversorgung auffordern.

Und da liegt mMn der große Unterschied:

1) Mit sich selber eigenverantwortlich umzugehen, Selbstmitgefühl und Selbstmitleid zu haben, grundsätzlich aber bereit zu sein, an sich zu arbeiten, aber zwischendurch einfach mal Unterstützung und Trost zu brauchen
ist etwas ganz anderes als
2) sehr, sehr oft in einer Haltung von „Kümmer‘ dich um mich und tröste mich“ zu verharren und von außen Trost und emotional Regulierung einzufordern.

Wenn man dies also mal tut und gerade zu Beginn der Therapie mit dem richtigen Maß noch Probleme hat, ist das etwas ganz anderes, als wenn man dies ständig tut und auch nach Jahren damit nicht aufhört.

Wenn also mit dem Selbstmitleid ein starker Appell nach außen gerichtet wird („Kümmer‘ dich um mich“) und gleichzeitig nicht erkennbar ist, dass die Person an sich arbeitet und nach konstruktiven Lösungen sucht, reagiert das soziale Umfeld meiner Erfahrung nach irgendwann genervt, und da kommt dann die Abwehr her.

x 7 #35


Hope25
@darkshadow
Danke für deinen ausführlichen Beitrag! Ich finde es sehr wertvoll, wie du die Phasen des Selbstmitleids beschreibst und den Unterschied zwischen funktional und dysfunktional erläuterst – das gibt mir echt neue Perspektiven. 🙏🏼

x 1 #36


A
@darkshadow


Das hast du sehr gut erklärt und formuliert. Das hilft mir zu lesen!

x 1 #37


A


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