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Brookler
Der Wanderer und der wahre Reichtum

Und wieder war es ein schöner Sommermorgen, als der Wanderer beschloss noch ein paar Täler zu durchwandern. Das Jahr neigte sich dem Ende zu und der Wanderer wollte noch ein paar Dörfer aufsuchen, ehe er sich über den Winter in den Fels zurückzog. Wie gesagt, es war ein schöner warmer Morgen und der Wanderer schnürte gut gelaunt sein Bündel. Etwas Brot und Käse wollte er auch nicht vergessen, lud sein Bündel, nahm seinen Hut und Wurzelstock und trat pfeifend aus dem Fels. Die Tiere des Waldes nutzten noch schnell den kühlen Morgen, ehe sie die heiße Sonne zwang, in den kühlen Wald zurück zu kehren.
Und so machte er sich auf den Weg ins Tal, vorbei an Wälder, Wiesen und Seen und kein Mensch weit und breit. So nach und nach zogen sich die Tiere des Waldes wieder zurück, da die Sonne an Kraft zugenommen hatte. Am frühem Nachmittag begegnete ihm auf seinem Weg zwei abgelegene Höfe noch weit oben im Fels. Der eine Hof war klein und sah schön und gepflegt aus, und der daneben liegende war ein wahres Prunkstück. Mann konnte sofort erkennen welch Reichtum dieser Hof barg. Verschwenderisch groß war er, und dennoch, hätte sich der Wanderer entscheiden müssen, er hätte sich für den kleineren Hof entschieden. Mit viel Liebe, so schien es dem Wanderer, wurde dieser Hof geführt. Schöne Rabatten und Beete waren gesetzt und man sah das dieser Hof von einer lieben Hand geführt wurde. Nun stand der Wanderer vor dem kleinen Hof, sah dem Bauern bei der Arbeit zu und beobachtete die flinken Hände der Bäuerin. Gott zum Gruße liebe Bäuerin, ich wünsche einen schönen Tag, begann er nun. Die Bäuerin drehte sich um, lächelte und sagte: Auch dir ein Gott zum Gruß lieber Fremdling. Wir haben hier oben selten Besuch, kommst du von weit her? Ich wohne über der Winterzeit dort oben im Fels und das restliche Jahr bin ich auf Wanderschaft, erwiderte der Wanderer. Bist du derjenige, von dem jeder seltsame Geschichten erzählt wurde sie nun sichtlich neugierig? Ach weißt du liebes Weib, die Menschen reden nun mal, beschwichtigte er das Gespräch. Und über den Winter so weit oben im Fels, fragte die Bäuerin? Wie kann man dort oben in der Einsamkeit leben? Wie . fragst du liebes Weib,,,,,?, in Bescheidenheit natürlich, strahlte er nun die Bäuerin an. Du bist schon seltsam sagte sie bevor sie den Wanderer hinein bat. Du bist sicherlich hungrig wenn du von so weit oben kommst? Ich hol noch schnell den Bauern und die Kinder und will als dann ein Mahl bereiten sagte die Bäuerin bevor sie sich umdrehte um den Bauer aus dem Stall zu holen. Die Kinder spielten unbeschwert mit den Hühnern, was die wiederum nicht so zu genießen schienen, da sie HI und da doch ein paar Federn ließen. Und da kam auch schon schwitzend aus dem Stall der Bauer dem Wanderer entgegen. Nicht alle Tage bekommen wir Besuch von einem Wanderer und deswegen möchte ich dich zum Mahl laden in unserem bescheidenem Heim, sagte der Bauer und ging mit dem Wanderer ins Haus.
Drinnen in der Stube war die Bäuerin beschäftigt, eiligst das Beste zu Tischen was der Hof von sich gab. Einen schönen Hof habt ihr hier und reichlich Speis und Trank, das sieht man gern, begann der Wanderer das Gespräch im Haus. Ja wir können Gott nur danken, das er uns dieses Leben beschert hat, erwiderte die Bäuerin. Ja aber, meldete sich nun der Bauer zu Wort. Schau unseren Nachbarn an, hat eine Magd, zwei Knechte und er tut schon lange nichts mehr, außer einmal im Monat ins nahe gelegene Dorf zu fahren um seinen Überschuss zu verkaufen. Und ich arbeite bis spät in die Nacht. Es langt gerade um meine Familie zu ernähren. Aber mein Nachbar, der wird von Jahr zu Jahr reicher. Auch kann ich mir keinen Wagen mit Pferde leisten. Was ist das für eine Ungerechtigkeit, beendete Der Bauer seinen Vortrag, da in diesem Augenlicht die Bäuerin kam und zu Tisch bat .Während des reichlichen Mahles wurde nicht gesprochen, denn das schickte sich nicht vor den Kindern. Auf dem Hof fehlte es an nichts, der Tisch war reichlich gedeckt und gesund waren auch alle . Das Mahl war köstlich und reichlich, ein dickes Lob an dich , Bäuerin, bedankte sich der Wanderer. Aber für mich wird es Zeit wieder aufzubrechen und so machte er sich auf den Hof zu verlassen.
Sehr viel weiter wollte der Wanderer nicht mehr gehen und suchte sich deswegen ganz in der Nähe einen Platz um sein Lager zu richten. Auf einer kleinen Lichtung wo er das ganze Tal überblicken konnte schlug er sein Lager auf. Der Wanderer ging in den nahe gelegenen Wald und sammelte Reisig und Holz für die kommende Nacht. Als die Arbeit verrichtet, setzte er sich auf die Lichtung und genoss das schöne Tal. Das Dorf von dem der Bauer sprach, lag noch eine halbe Tagesreise von hier entfernt.
Als die Nacht hereinbrach legte der Wanderer noch ein paar Scheite aufs Feuer und legte sich nieder. Als er zur Ruhe kam, viel ihm auch wieder der Bauer ein . Er fing an zu Gott zu beten. Der Wanderer bat den lieben Gott um seine Hilfe. Über sein Bitten schlief er tief und fest sein.
Die Turmglocken weit unten im Dorf läuteten die Mitternacht ein, als sich ganz leise und von weit oben kommend eine Lichtgestalt sich zu ihm gesellte. Ein großer weißer Engel erschien am Himmel und kam auf den Wanderer zu. Wanderer, lieber Wanderer blies eine weiche Stimme dem Wanderer ins Ohr. Wir haben vernommen, worum du uns gebeten hast. Wir wollen ihm seinen Reichtum geben, beendeten der Engel seinen Auftrag und legte eines von seinen schneeweißen Federn neben den schlafenden Wanderer und machte sich auf den Heimweg Gen Himmel. Der Wanderer indes schlief tief und fest, als zur gleichen Zeit sich ein anderer Engel bei dem Bauern einfand.
Bauer, lieber Bauer. Ich hörte deinen Wunsch nach Reichtum, und bin nun gekommen um dir Reichtum zu bringen. Komm lieber Bauer, nimm meine Hand und las uns fliegen. Als der Bauer erwachte und das Wort Reichtum hörte, überlegte er nicht lange und ging mit dem Engel mit. Und so flog der Engel mit dem Bauern über das weite Tal. Sie kamen an Dörfer Städte und Länder vorbei, als der Engel den Bauern plötzlich an einer alten Bank absetzte. Hier sollst du einen Tag verweilen und wir treffen uns hier wieder sagte der Engel und wart verschwunden. Da stand der Bauer nun da und wusste nicht recht was er machen sollte. Er schaute sich ein wenig um und erkannte viele Menschen. Ich muss wohl in einer großen Stadt sein von denen die Leute immer erzählen, dachte sich der Bauer. Als er auf die Leute zuging erkannte er, das die Menschen in Mülleimer wühlten um Essens Reste zu finden. Er war bei den ärmsten der Armen gelandet. Es roch nach Urin und billigen Fusel und es schüttelte den Bauern. Er lief die Gassen entlang, aber überall war die gleiche Armut zu finden. Nach einer ganzen Weile, der Bauer lief immer noch durch die Gassen, bekam er schrecklichen Hunger und schickte sich an ein Wirtshaus aufzusuchen um Speis und Trank zu sich zu nehmen. Erst da bemerkte er, das er nicht einen Kreuzer bei sich hatte. Er wurde sehr traurig und fragte sich, wie er um alles in der Welt hier an Reichtum kommen sollte, so wie es der Engel versprochen hatte. Mit gesengtem Haupte schritt er wieder durch die Gassen, als er von hinten angesprochen wurde. Du Fremder säuselte es hinter ihm. Bist du neu hier fuhr der schon etwas angetrunkene Mann fort? Komme mit mir, ich will dir etwas Speis und Trank geben. Da freute sich der Bauer und ging mit dem fremden Mann mit. Er hatte nur Lumpen an und keine Schuhe, dachte sich der Bauer noch und ging ihm hinterher. Der Bauer bekam ein Stück hartes Brot und reichlich Fusel zum runter spülen. So dauerte es auch nicht lange und unser Bauer schlief tief und fest ein.
Irgendwann in der Nacht wachte er in eine verschmutzten Gasse auf, und fand sich in Lumpen gekleidet wieder. Der so sehr nette Mann hatte ihm seine Kleider gestohlen. Jetzt hatte er nicht einmal mehr Schuhe an. Jetzt war er genauso dreckig und hat gestunken wie die Gassen um ihn herum. Soll das nun mein Reichtum sein, kam es ihm wieder in den Sinn und er schaute sich um, als hoffe er einen Schatz auf der Straße zu finden. Er setzte sich auf eine Bank und fing an zu weinen und zu weinen. Da war er auf der Suche nach Reichtum und was fand er vor? Nichts als Armut und stinkende Menschen. Hast du deinen Reichtum nun gefunden? Und was urteilst du so hart über die Menschen hier, unterbrach ihn eine weiche Stimme. Als der Bauer aufsah, erkannte er im weißen Licht den Engel wieder, der ihn an diesen Ort gebracht hatte. Komm, lieber Bauer, ich bringe dich wieder nach Hause. Noch immer weinend nahm er die Hand des Engels und ab ging es wieder über Länder, Städte, Dörfer und über das weite Tal vorbei zu seinem Hof. Der Engel setzte den Bauern auf seinem Hof ab und sagte bevor er wieder ging: Lieber Bauer, des nächsten Tages tief in der Nacht komme ich wieder um dich abzuholen. Dann wirst du sicherlich deinen Reichtum finden. Mit diesen Worten drehte sich der Engel um und flog zurück in den Himmel. Und der Bauer lag in seinem Bette und schlief tief und fest. Übermüdet und schlecht gelaunt wachte er am nächsten Tag auf und fand sich in seinem Bett wieder. Glücklich das er zu Hause war und alles nur ein Traum war, stand er auf und ging wie jeden Tag an seine Arbeit. Aber den Traum konnte er nicht vergessen.
Der morgen war noch recht jung, als der Wanderer aufwachte. Es war ein herrlicher morgen und er legte schnell noch ein paar Scheite in die Glut um sich einen Kaffee zu brühen. Jetzt sah er auch die weiße Feder im Gras liegen. Er nahm sie auf und auf einmal erinnerte er sich wieder an seinen Traum von letzter Nacht. So werde ich doch noch ein wenig bleiben, dachte er sich , Wenn es nur dem Bauern hilft so soll es auch mir Recht sein. Er nahm sich eine heiße Tasse Kaffee und genoss den jungen Morgen.
Der Bauer war schon fleißig an der Arbeit, aber sie wollte heute nicht so von der Hand gehen wie sonst. Auch kam noch der Nachbars Bauer wie jeden morgen auf seinem Spaziergang an seinem Hof vorbei und grüßte mit einem breiten Grinsen. Na warte dachte sich der Bauer, heute Nacht kommt der Engel wieder und dann finde ich meinen Reichtum. Dann werde ich ihm sein breites Grinsen schon heimzahlen. Solch schlechte Gedanken? Der Bauer wurde jäh aus seinen Gedanken gerissen. Da stand er, der Wanderer. Was ist los mit dir Bauer? Du siehst schlecht aus, kann ich dir helfen fragte er höflich? Nein, nein ,ich habe nur schlecht geschlafen antwortete der Bauer, und dann habe ich geträumt, dass mich ein Engel holte um mir Reichtum zu bringen. Was brachte er mir? Armut über Armut und man klaute mir auch noch meine Kleider und steckte mich in Lumpen. .Mit diesen Worten ging der Bauer an seine Tagearbeit zurück .
Den Tag über verbrachte der Wanderer auf der Lichtung und genoss den schönen Tag . Als die Nacht herein brach setzte er sich ans Feuer und nahm sein letztes Mahl zu sich. Wenig später schlief er tief und fest ein.
Als die Kirchenglocken im Tal die Mitternacht einläutete erschien von weit oben kommend der Engel bei dem Bauern, nahm ihn an die Hand. In dieser Nacht, so der Engel sollte der Bauer endlich seinen Reichtum finden. Und wieder flogen sie über Dörfer, Täler, Städte in ein fremdes Land. An einer Bank setzte der Engel den Bauern ab und trug ihm auf, sich am nächsten Tage an der Bank wieder einzufinden. Nach diesen Worten flog der Engel zurück ins Himmelreich. Erst jetzt schaute sich der Bauer um und er hatte Angst. Er sah eingestürzte Häuser, riesige Bombenkrater und das Geheule von vorüberfliegenden Bomben. instinktiv suchte und fand er einen offenen Keller. Eine Bombe hatte wohl die Tür weg gesprengt. Eine große Anzahl von Menschen kauerten mit angstverzerrten Gesichtern am Boden, viele betend auf ihren Knien. Er sah zerschossene Leiber und verstümmelte Gesichter. Große aufgerissene Kinderaugen schauten ihn verzweifelt an, nach der Frage des Warum und Wozu. Es waren weinende Kinder deren Kindheit von den Erwachsenen gestohlen wurden. Ungläubig verfolgte er die unwirkliche Realität und fing an zu weinen. Er sah die Kinder, die kaum geboren schon die Grausamkeit der Welt kannten und nun dem Tod entgegen vegetierten. Denn sie waren zum Tode verurteilt. Einen ganzen Tag musste er das Leid der anderen mit ansehen, dass nicht seines war, bevor der Engel ihn wieder abholte. Als es an der Zeit war verließ der Bauer die schrecklichen Gesichter und vorwurfsvollen Augen der Kinder, die ihm anklagend nachschauten, bis er den Kellerraum verlassen hatte. Und so nahm der Engel den Bauern an der Hand flog wie Tags zuvor zurück. Es ging aus dem fremden Land zurück über Länder, Städte Dörfer bis nach einer Weile er seinen Hof vor sich sah der friedlich im Schein des Mondes lag. und wenig später lag der Bauer mit noch Tränen in den Augen friedlich neben seiner Frau und schlief tief und fest dem nächsten Tag entgegen. Bevor der Engel den Bauern absetzte, versicherte er ihm ,am folgenden Abend noch einmal zu kommen und diesmal sei ihm sein Reichtum gewiss.
Noch immer mit Tränen in den Augen wachte er aus seinem Schlaf auf und ging seiner Tagearbeit entgegen. Doch seine Gedanken waren schwer und die Enttäuschung im Gesicht geschrieben, dass er seinen Reichtum immer noch nicht hatte. Der Morgen noch recht jung, erwachte der Wanderer aus einem tiefen Schlaf . Ein strahlend blauer Himmel, war das erste was er zu sehen bekam . Gut gelaunt legte er ein paar Scheite nach um sich einen Kaffee zu brühen . So will ich noch einmal des Bauern Hof aufsuchen um zu sehen wie es ihm wohl ergangen war , in der letzten Nacht , sinnierte er vor sich hin , während ihm der heiße Kaffee die Kehle runter rann . Wenig später , dass Bündel geschnürt Hut und Wurzelstock in der Hand machte er sich auf den Weg zum Bauern . Gott zum Gruß , lieber Bauer , grüßte eine vertraute raue Stimme . Mit bleichem Gesicht drehte sich der Bauer , dem die Arbeit heute nicht von der Hand gehen wollte dem Wanderer zu. Mir scheint , du hast deinen Reichtum noch immer nicht gefunden sagte der Wanderer. Mit zittriger Stimme erzählte der Bauer seinen Traum der letzten Nacht . Aber , so versicherte mir der Engel , würde ich heute Nacht meinen Reichtum bekommen . Nach diesen zwei schlimmen Nächten , habe ich mir den Reichtum auch redlich verdient fügte der Bauer noch schnell hinzu , ehe er sich seiner Arbeit wieder widmete . Wir werden sehen lieber Bauer , so werde ich dich des morgigen Tages noch einmal besuchen . Noch einen Gott zum Gruße und der Wanderer ging seines Weges .
Als die Nacht herein brach , legte sich der Bauer eiligst in sein Gemach um ja schnell an seinen Reichtum zu kommen . Und ehe man sich versah schlief der Bauer tief und fest seinem Reichtum entgegen . Und so ließ der Engel auch nicht lange auf sich warten und landete eiligst auf des Bauers Hof . Nahm ein drittes mal des Bauern Hand und flog mit ihm auf und davon über Berge Städte Länder weit in die Vergangenheit zurück . Und wie auch die Nächte davor , setzte der Engel den Bauern an einer Bank ab und trug ihm auf , am nächsten Tag sich wieder hier einzufinden , um ihn und seinen Reichtum wieder zurück auf seinen Hof zu bringen . Und wieder schaute der Bauer sich um , und stand vor einem kleinem Dorf .Darüber ragte eine riesige Burg . Das Dorf vor dem er sich befand stank erbärmlich . Ein großer Rinnsal mit Fäkalien zog sich durchs ganze Dorf. Die Einwohner sahen alle schmutzig und traurig aus. Als der Bauer durchs Dorf lief kam ihm eine vertraute Person entgegen . In Lumpen gehüllt das Haar voller Dreck stand jetzt seine Frau vor ihm . Auch in ihren Augen war die Trauer zu sehen . Hallo liebes Weib , was schaust du mich so traurig an fragte sie der Bauer . Weißt du nicht lieber Mann , dass der König heute wieder vorbei kommt um sich der Kinder unseres Dorfes zu bedienen. Einmal im Monat kam der König mit seinem Gefolge , ritt durchs Dorf und nahm wahllos Kinder mit auf die Burg . Keines der Kinder wurde jemals wieder im Dorf gesehen . Sie blieben verschwunden . Und weißt du , lieber Mann , sagte sie , heute könnten unsere Beiden dabei sein die er mitnimmt . Es gibt kaum noch Kinder hier in unserem Dorf . Jäh wurde des Bauern Weib unterbrochen . Der König mit seinem Gefolge ritt durchs Dorf . Mächtige Rittersleute ritten dem König voran und nahmen per Fingerzeig wahllos Kinder aus der Menge . Es geschah alles so schnell , dass der Bauer erst gar nicht verstand . Doch als die Ritter an ihm vorbei ritten und er in die angsterfüllten Augen seiner Kinder sah , wie sie mit dem Gefolge Richtung Burg verschwanden , wusste er , das seine Kinder verloren waren . Erst nachdem die Rittersleute verschwunden waren , sah er den leblosen Körper seiner Frau auf dem Boden liegen . Mit einem male wurde es ruhig um des Bauern Gedanken . Er nahm nichts mehr wahr nur die Trauer machte sich immer breiter in seinem Gemüt . Innerhalb von Sekunden hatte er das liebste auf der Welt verloren . Als dem Bauern bewusst wurde was er gerade verloren hatte, fiel er auf seine Knie und betete zu Gott. Er möge ihm das liebste und wertvollstes auf dieser Welt wieder zurück geben. Wie er so betete zu Gott, kehrte Ruhe in dem Dorf ein. Alle Bewohner des Dorfes fielen auf ihre Knie und fingen an zu beten. Mit einem male verschwand die Trauer aus den Gesichtern, der Gestank im Dorf war auch gewichen und es schien Frieden und Erkenntnis über dem Dorf zu liegen. Ein jeder hatte erkannt welch Reichtum er über die Jahre hinweg gehabt hatte. Nicht erkannt und somit verloren. Als die Erkenntnis des wahren Reichtum in jedem Bewohner des Dorfes war , sah der Bauer von weit oben kommend eine hünenhafte Gestalt die immer näher kam . Und auf einmal erkannte er ihn wieder . Es war der WANDERER. Mit einem male verstummten die Gebete und ein jeder schaute zu dem hünenhaften Mann . Er kam ins Dorf und brachte alle Kinder zurück die über die Jahre hinweg verschwunden waren . Und plötzlich verschwanden die dreckigen Häuser und die bedrohliche Burg war auch nicht mehr da . Als der Wanderer an den leblosen Körper der Frau angelangt war , nahm er sie auf und trug sie zu dem Bauern der noch immer kniete und legte sie vor seine Füße . nahm seine weiße Feder vom Hut die er von einem Engel bekommen hatte und berührte die zarte Stirn des Weibes . Mit einem mal verschwanden die Wunden von ihrem Körper und sie öffnete zaghaft ihre Augen . Als sie ihre Kinder und ihren Mann wieder sah , rannen Tränen über ihre zarten Wangen und sie nahmen sich voll Freude in den Arm und wollten sich nicht mehr loslassen . Ein jeder im Dorf hielt seine Familie fest im Arm , denn ihren größten Reichtum wollten sie nie wieder hergeben . So nach und nach löste sich das ganze Dorf auf und zum Schluss stand nur noch der Wanderer auf einer saftigen Wiese . Denn das Dorf konnte nur deshalb entstehen , weil so viele Menschen ihr ganzes Leben nach Reichtum suchen und den wahren Reichtum vor Augen nicht sehen . Als der Bauer am nächsten Morgen erwachte , nahm er seine Familie in den Arm als wollte er sie nie wieder loslassen . Als er seiner Tagearbeit wieder nachging , grüßte der Wanderer recht freundlich mit einem Gott zum Gruße schaute den Bauern wissend an und verschwand im Fels . Zurück blieb eine weiße Feder auf dem felsigen Boden . Wo wohnst du lieber Leser ? Bei deiner Familie oder . . . . . . . . . ?

Mit freundlichen Grüße Ihr Autor

25.05.2020 21:52 • 26.05.2020 x 1 #1


6 Antworten ↓


A
Sehr schöne Geschichte....bitte mehr davon

25.05.2020 22:15 • x 1 #2


A


Eine Geschichte gegen die Einsamkeit

x 3


Brookler
Danke dir Akinom,
hab da noch eine Geschichte.....

25.05.2020 22:46 • x 1 #3


Brookler
Der Wanderer und der Bote Gottes ( Jüngling )
Die Jahre vergingen, und wenn man den kleinen Dörfern hier in den Bergen Glauben schenken wollte, so lebte irgendwo hoch oben im Fels ein hühnenhafter Mann, den alle nur den Wanderer nannten. Geheimnisvolle Geschichten rankten sich um den Mann aus den Bergen. Ein Bote Gottes, sogar einen Engel nannten ihn manche, aber dennoch wollten sie nichts mit ihm zu tun haben. Zu geheimnisvoll schien dieser Mensch. Schon eine ganze Weile wurde der Wanderer nicht mehr gesehen. Ein Bauer hoch oben im Fels sah ihn dort verschwinden. Zurück lies er nur eine große weiße Feder. Die Geschichten jedoch wollten nie verstummen. Die Eltern erzählten ihren Kindern, wenn sie nicht artig waren, dass der große schwarze Mann des Nachts aus den Bergen kommen würde um sie zu holen, wenn sie nicht artig wären. Ja, Schauermärchen erzählten sich die Leute.
Die warme Frühlingssonne wanderte schon eine ganze Weile am Himmel als von weit oben im Fels eine Gestalt zu sehen war, die sich anschickte, dass weite Tal zu erreichen. Schweres Schuhwerk stapfte den steilen Hang hinunter. Und da war er wieder. Eingehüllt in einen langen schwarzen Mantel und einen großen schwarzen Hut weit ins Gesicht gezogen, stützend auf einem riesigen Wurzelstock. Der Wanderer. Er kehrt aus dem kalten Fels zurück in die schon warmen Täler.
Lang ist es her, dass ich das letzte mal die Täler besuchte. Ein Bauer erkannte den wahren Reichtum des Lebens. Ja, das war auch die letzte Geschichte, die Dörfler sich in den langen Winternächten erzählten. Und seitdem war der Wanderer nicht mehr gesehen. Gute Laune war eigentlich sein ständiger Begleiter auf seinen langen Reisen. Sofern die Menschen ihm nicht übel mitspielten, so war er immer gut gelaunt und erfreute sich der schönen Berge.
Zu lange schon war er nicht mehr in den Tälern gewesen. Sein Proviant war mittlerweile verbraucht und so nahm er sein Werkzeug um alsdann in die Täler zu kehren um ein paar Taler zu verdienen, damit er wieder Speis und Trank erwerben konnte. Drei Winter war der Wanderer im Fels geblieben und so freute er sich wieder einmal ein Dorf aufzusuchen um mit den Menschen zu reden. Vor ihm, in weiter Ferne sah er ein kleines Dorf mit nur wenigen Häusern. Diesen Teil des Tales kannte er noch nicht, aber dass kleine Dorf lag gemütlich inmitten prächtiger Hänge und Schnee bedeckter Berge. Vor der Abendsonne wollte er das kleine Dorf noch erreichen um sich ein Lager vor dem Tore zu richten. Mit schweren großen Schritten richtete er seine Schritte gen Dorf. Noch eine Handbreit stand die Sonne am Horizont als er das Tal erreichte. Auf seinem Weg kreuzte eine junge Maid seinen Weg. Gott zum Gruße schöne Maid, waren die ersten Worte seit langem die er einem Menschen entgegnete. Auch dir ein Wort zum Gruß, fremder Mann. Was bewegt dich in unser Tal, wollte die junge Maid sogleich wissen. Lang lebte ich weit oben im Fels, erzählte der Wanderer. Jetzt suche ich ein Dorf und bitte um etwas Arbeit. Kennst du dieses Dorf, Maid, wollte der Wanderer wissen? Ja, Fremdling. In diesem Dorfe da, wohne ich. Meine Familie wohnt dort mit ein paar wenigen Nachbarn. Glaubst du, ich finde dort ein wenig Arbeit um ein paar Taler zu verdienen. Das will ich wohl meinen. Arbeit haben wir mehr als genug. Da man sich bei uns im Dorf nur wenig gegenseitig hilft, sind die meisten meiner Familie stark überfordert und kommen mit der Arbeit nicht mehr nach. Mein Bruder der seinen Hof gerade umbaut, wird deine Hilfe wohl zu schätzen wissen. Aber lieber Fremder, sei auf der Hut. Ein jeder in unserem Dorf ist nur auf seinen Vorteil bedacht. Kaum einer scheint dem anderen das zu gönnen was er selbst gerne hätte, aber alle, so denn sie sich gegenüberstehen, lächeln sich immer freundlich am. Aber wenn der eine dem anderen den Rücken zukehrt, kommt Finsternis über deren Seele und keiner weis ein gutes Wort über den anderen zu berichten, beendete die nun sichtlich bedrückte Maid. So las mich, liebe Maid sagte der Wanderer, doch versuchen denn Menschen aus eurem Dorf ein wenig Liebe und Gottesglaube zu geben. Als denn, wen wir Glück haben, werden sich ihre Herzen erweichen und sie können wieder zu einander finden, beendete der Wanderer das Gespräch und gemeinsam liefen sie ins Dorf.
Die Maid machte den Wanderer mit der großen Familie bekannt und als die Dämmerung hereinbrach kannte der Wanderer auch den letzten Nachbarn in diesem so sehr schönen Dorf. Auch hatte sich schnell herumgesprochen, das dieser Fremdling auf der suche nach etwas Arbeit war.
Am nächsten morgen, der Wanderer bekam ein Lager bei der jungen Maid am Hof, ging er zu dem Bauern der seinen Hof umbaute, und half ihm bei der Arbeit. Es dauerte auch nicht lange, als der Wanderer das Weib des Hauses kennen lernte. Selten sah der Wanderer soviel Härte in einem junge, hübschen Gesicht, wie bei dieser Frau. Nichts schien ihr Recht zu sein und alles ging viel, viel zu langsam. Der Bauer biss nur die Zähne zusammen und versuchte seine Arbeit zu verrichten. Der Wanderer hingegen versuchte dem Bauern zu helfen, wo es nur ging in der Hoffnung, dass die Härte irgendwann mal aus dem hübschen Gesicht der Bäuerin verfliegen würde. Aber es war vergebens. Die Bäuerin schenkte dem Wanderer bei einem jeden Blickkontakt ein liebes Lächeln und wenn sie sich unbeobachtet schien, sah man die Dunkelheit in ihrer Seele.
Die Tage und Wochen vergingen und eines Tages war die Arbeit vollbracht und der Wanderer schnürte sein Bündel mit Werkzeug und verließ den Hof. Taler bekam er keine, aber täglich reichlich Speis und Trank. Das soll mit nichts ausmachen, dachte sich der Wanderer. Der Bauer hat schon genug an seiner schweren Last zu tragen, also habe ich mich gefreut ihm ein wenig zu helfen. Und außerdem versprach die Bäuerin, ein großes Mahl zu richten in der nächsten Zeit. Nebenher half der Wanderer noch der schönen Maid auf ihrem kleinen Hof und leerte den Kindern in diesem Dorf, was sie in keinem Buch der Schule lernen konnten. Es ging um Liebe, Freundschaft und um das miteinander. Nicht gegeneinander. Hätten die Menschen doch nur auf ihre Kinder geschaut. Sie hätten viel, viel lernen können.
Um doch noch ein paar Taler zu verdienen ging er zum nächsten Bauern und half auch ihm bei seiner schweren Arbeit ein schöneres Heim für seine Familie zubauen. Der Wanderer fand fast das gleiche Bild. Eine Hübsche Bäuerin die mehr oder weniger den ganzen Tag damit beschäftigt war brüllend über den Hof zu wackeln. Und meistens blieb ein kleiner weinender Junge zurück und ein entnervter Bauer. Ich verstehe die Leute hier nicht, richtete er sein Wort an den Bauern. Dein Weib hat es so schön hier. Sie hat Speis und Trank im Überfluss, leidet keinen Hunger, hat keine Armut und dennoch leidet sie schlimmer als jemand der in Armut lebt und kaum Speis und Trank zum überleben hat. Der Bauer schaute den Wanderer an, senkte seinen Blick und ging ohne ein Wort seiner Arbeit nach.
Nach zwei Wintern war im Frühjahr des darauf folgende Jahres auch diese Arbeit vollbracht und der Wanderer schnürte sein Bündel und verließ den Hof. Überall wo er sonst noch arbeitete, versuchte der Wanderer den Menschen ein Stück von sich zu geben. Ihnen etwas zu geben, was man mit all den vielen Taler in diesem Dorf nicht kaufen konnte.
Ich werde nun mein Bündel richten sagte der Wanderer und euch verlassen. Meine Arbeit ist vollbracht und auch ihr seid fertig und so verabschiede ich mich von euch, und wünsche euch alles gute. Mit diesen Worten verließ er das Dorf und schickte sich an in den Fels zurück zu kehren. Als ihn die Müdigkeit beschlich richtete der Wanderer sich ein Lager, nahm das letzte Mahl zu sich und legte sich zu Ruhe. Spät in der Nacht, die Mittnacht wurde gerade eingeläutet, kam von weit oben kommend ein helles Licht auf des Wanderers Nachtlager zu. Wanderer lieber Wanderer versuchte die helle Stimme ihn aus seinem Schlaf zu holen. Höre, was wir dir zu sagen haben. Noch den Tiefschlaf um sich gehüllt, öffnete der Wanderer seine Augen und richtete sich schlaftrunken auf und lehnte sich gegen den *beep* Fels. Drei warm weiche Gestalten gesellten sich um des Wanderers Lager. Die eine weiße Gestalt fing an. Lieber Wanderer, ich bin der Geist der Liebe. Die zweite Gestalt meldete sich zu Wort und meinte: Ich bin der Geist der Zuversicht und die dritte weiße Gestalt sagte: Und ich bin der Geist des Miteinander. Wir sind gekommen um dir zu sagen was du erreicht hast in dem kleinem Dorf. Warum erreicht? Ich habe den lieben Menschen in dem Dorf gegeben was ich hatte. Ich behielt nichts für mich, sagte der nun zunehmend wache Wanderer. Das Gefühl der Zuversicht meldete sich als erste zu Wort. Seit Jahren hat der Neid, die Missgunst und die Gier Einzug in dieses Dorf gehalten. Seit du gegangen bist ( setzt Der Geist der liebe fort) bekam die Falschheit in diesem Dorf zu sehr viel Macht. Ich verstehe nicht was ihr meint, klang es ein wenig hilflos aus des Wanderers Kehle. Wir wollen, sprach nun der Geist des Miteinanders weiter, dich auf eine kleine Reise mitnehmen. Wir wollen mit dir in die Vergangenheit reisen und dir Zeigen. Und alsdann nahm sie den Wanderer aus seinen Körper und gingen auf die Reise in die Vergangenheit. Der Wanderer drehte sich noch einmal um, sah sich tief und fest schlafen und flog beruhigt mit den Geistern mit. Die Reise war nicht lang uns sie fanden sich bei den ersten Bauern ein bei dem der Wanderer am Anfang gearbeitet hatte. Er hörte und sah nun Dinge, die ihm damals verborgen schienen. Nun hörte er sie sprechen, wie sie lachten und sah eine Szene die ihn sehr traurig machte. Damals kam der Wanderer noch einmal auf Besuch als er dort schon nicht mehr arbeitete. Er hörte die Worte der Bäuerin, wie sie ihn abfällig beschimpfte. Und das entging mir damals, schüttelte er nun ungläubig den Kopf. Die nächste Szene kannte der Wanderer auch nicht. Sie saßen alle um einen großen Tisch und es gab ein großes Mahl. Es war das Mahl, dass ihm die Bäuerin versprach und es niemals einlöste. Jetzt bat der Wanderer um sofortige Rückkehr, denn mehr konnte und wollte er nicht mehr sehen. Die drei Engelsgleiche Wesen brachten den Wanderer zurück zu seinem Lager und versprachen in der Folgenacht noch einmal zu kommen, denn die Reise war noch nicht zu Ende.
Am folgenden morgen erwachte der Wanderer stark mit genommen aus dem Schlaf, setzte sich dar hin und grübelte über seinen Traum nach. Je mehr er darüber nachdachte, desto trauriger wurde ihm ums Herz. Er wollte nicht glauben, was er geträumt hatte. Und so beschloss er noch einmal das Dorf zu besuchen um die Menschen genau zu beobachten. Können Menschen wirklich so falsch sein, sinniert er vor sich hin. Viele male wurde der Wanderer schon abgewiesen, beschimpft und vertrieben. Aber da sagte man es ihm ins Gesicht. Nur in diesem Dorf, waren sie doch alle lieb und nett. Das schlimme daran, dachte sich der Wanderer, sei die Falschheit. Das ist wohl die schlimmste Form der Menschenverachtung. Und nur weil ich ihnen freundlich gesinnt war und meine Arbeit für wenig Taler anbot, beendete der Wanderer seine Traurigen Gedanken.
Ich habe schon viele Eigenarten der Menschen kennen gelernt, machte er sich nun Mut, und ich werde stärker dabei, nicht schwächer. Also werde ich nun noch einmal das Dorf aufsuchen und diesmal mit anderen Augen den Menschen in die Seele schauen.
Da der Wanderer des gestrigen Tages nicht mehr weit in den Fels ging, hatte er es nicht weit um zurück zukehren. Er legte ein paar Scheite auf nahm sein erstes Mahl des Tages zu sich und genoss den frühen morgen. Dir Morgensonne streifte schon knapp den Horizont und der Wanderer konnte den Tieren des Waldes zuschauen wie sie den noch kühlen Morgen nutzten um an das saftige Gras zu gelangen. Auch will ich, sagte sich der Wanderer nun halblaut in seinen Bart, den Menschen nicht böse gesinnt sein, sondern ich will mit Gott sprechen und um Vergebung bitten, für die Menschen in diesem Dorf.
Während der Wanderer sich Gedanken machte und mit Gott sprach, wurde es hell und so entschloss er sich sein Bündel zu schnüren, das Feuer zu löschen und sich auf den Weg zu machen. Eine Stunde später stand er wie gestern vor dem Tore des keinen Dorfes, dass so schön zwischen den saftigen Wiesen lag. Das Dorf war auch schon wach und emsig dabei die Tagesarbeit zu verrichten. Der Wanderer machte bei jedem Bauern einmal halt um ein kleines Schwätzchen zu halten. Aber irgendwas war anders. In der Zeit als er noch arbeitete bei den Menschen, hatte er das Gefühl, die Menschen hätten ihn aufgenommen. Und jetzt war er wieder der Fremde den keiner kannte.
Den Tag über genoss der Wanderer die schöne Gegend und ließ das Dorf hinter sich. Es hatte wohl niemand bemerkt, das er ging.
Als die Nacht hereinbrach, richtete sich der Wanderer ein Lager und nahm sein letztes Mahl. Wenig später schlief er ein. Noch einmal bat er Gott, den Menschen doch zu helfen, ihnen die Augen zu öffnen. Über das Gespräch mit Gott, ging er über in einen tiefen, tiefen Schlaf.
Wie in der letzten Nacht, kehrten die drei Gefühle der Liebe, der Zuversicht und des Miteinander zurück zu dem Wanderer. Und wieder nahmen sie ihn aus seinen Körper und besuchten das Dorf ein zweites mal. Diesmal landeten sie bei den Kindern. Auch sie hatten nicht unbedingt die Dankbarkeit in sich. Der zweite Besuch ging zu dem Bauern den der Wanderer am meisten ins Herz geschlossen hatte. Er hörte ein Gespräch mit, das der Bauer mit der schönen Maid führte, die der Wanderer als erstes kennen lernte. Der Bauer meinte, wenn der Fremde so blöd war so viel zu arbeiten, sei es des Wanderers eigene Schuld. Das schmerzte ihm am meisten, das auch dieser Bauer keine Dankbarkeit kannte. Und wieder bat der Wanderer zurück zukehren. Mehr wollte er nicht mehr hören. Und wieder brachten ihn die Gefühle zurück und der Wanderer schlief tief und fest.
Noch in der selben Nacht gesellte sich ein Traum zu ihm. Einer von Gottes Boten kam umhüllt in einem weißen, weichen Licht an des Wanderers Lager. Lieber Wanderer, wir hörten den Bitten an Gott. Wir werden den Menschen in diesem Dorf einen Jüngling schicken, der die gleiche Arbeit verrichten soll, die du den Menschen getan hast. Wir werden sehen und bei Zeiten dann ein Zeichen setzen, so denn es Gottes Wille sei. Du lieber Wanderer hast die Aufgabe, dass Treiben zu beobachten und bei gegebener Zeit, den Leuten in diesem Dorf das Zeichen das wir senden werden zu deuten, sollten sie nicht selbst begreifen. Aber....... wollte der Wanderer einwerfen. Wie soll ich das Zeichen erkennen. Gottes Bote unterbrach die Gedanken des schlafenden Wanderers. Bewahre dir den Glauben zu unserem Vater und er wird dir ein Zeichen setzen. Mit diesen Worten verabschiedete sich der Bote Gottes und kehrte in das Himmelreich zurück, von wo er kurze Zeit zuvor kam um den Wanderer zu besuchen.
Die Nacht schickte sich an, sich zu verabschieden um den Tag Einzug halten zu lassen, als der Wanderer wohl geruht aufwachte. Welch seltsame Träume beschlichen mich in der vergangenen Nacht, waren die ersten Gedanken als der Wanderer erwachte. Ein Jüngling soll kommen und richten was mir nicht gelang. Ich werde also noch einmal Einzug in dieses Dorf halten und wenn die Zeit gekommen, den Menschen das Zeichen setzen, wie mir aufgetragen wurde beendete er seine Gedanken und machte Platz um den noch jungen Morgen zu genießen.
Der Wanderer legte ein paar Scheite auf und nahm das erste Mahl des Tages zu sich.
Gott zum Gruße lieber Wanderer wurde er nun von seinem Mahl unterbrochen. Auch dir ein Wort zum Gruß, lieber Jüngling. Wer bist du? Man schickt mich in diesem Teil des Landes fuhr der Jüngling fort um den Menschen ein Zeichen zu setzen. Ich hörte schon viel von dir. Die Menschen reden viel über dich, lieber Wanderer. Die eigenartigsten Geschichten ranken sich um deine Person beendete nun der Jüngling seine Gedanken. Du sollst der Jüngling sein? Fragte der Wanderer erstaunt. Ja, so wurde mir aufgetragen. Noch nie stand der Wanderer vor einem Boten Gottes und so war er leicht verunsichert. In seiner jugendlichen Unbeschwertheit, bat er den Wanderer nun aufzubrechen um das Dorf auch ja rechtzeitig zu erreichen. Denn es soll mein letzter Auftrag sein, den ich zu verrichten habe. Der Wanderer verstand nicht, dennoch schnürte er sein Bündel, löschte das Feuer und nahm seinen Wurzelstock. So denn, Jüngling, las uns ziehen, dass Dorf noch einmal auf zu suchen. Und so schickten sich zwei Menschen auf in das nahe gelegen Dorf.
Und so trug es sich an, dass ein Jüngling sich im Dorfe einfand um sich ein paar Taler für Speis und Trank zu verdienen. Auch hatte er keine Mühe einen Bauern zu finden der sich anschickte seinen Hof umzubauen um seiner Familie ein schöneres Heim zu schaffen. Was der Wanderer nicht wusste, dass nur der Jüngling ihn schon kannte. Für die Bewohner des Dorfes blieb er nicht sichtbar und so schien es dem Wanderer als sei die Zeit zurückgegangen. Denn alles war so wie vor vielen Wintern, bevor der Wanderer das Dorf besuchte. Und so war es denn auch. Keiner im Dorfe kannte den Wanderer. Ja, Viele Geschichten rankten sich um ihn, aber gesehen das hatte ihn noch keiner, war die Antwort der Leute, denen der Jüngling die Frage stellte ob sie denn je des Wanderers Gesicht gesehen hätten. Und so wiederholte sich alles noch einmal. Nur diesmal war es nicht der Wanderer deren flinke und geschickte Hände die Arbeit verrichtete, sondern an seiner Stelle war nun der Jüngling. Und so ergab es sich, dass der Wanderer alles mit hören konnte, was die Leute hinter dem Rücken des Jüngling sprachen. Wie sie ihn ausnutzten und verhöhnten. Als die Arbeit bei dem einen Bauern beendet war, kam auch hier das Versprechen der Bäuerin ein Mahl zu richten um deren Dankbarkeit Ausdruck zu verleiten. Das Mahl wurde auch gerichtet. Der Jüngling mit seinen flinken Händen. Ihm verweigerte die Bäuerin die Einladung. Da er von dem Mahl das gereicht wurde nichts wusste. Ging er weiter unbekümmert seine Arbeit bei einem anderem Bauer, der einen Hof erwarb und ihn umbaute nach. Nur der Wanderer blieb noch ein wenig, um zu lauschen was die Freunde und Bekannten denn so wussten. Man zeigte voller Stolz den neuen Besitz und ein jeder wusste das es schlussendlich die flinken Hände des Jüngling waren die diesen Besitz in neuem Glanz erstrahlen ließ, nur der Name des Jungen wurde nicht einmal erwähnt. Man lobte den Bauern auch noch, für die viele Arbeit die er in diesen Hof gesteckt hat um seiner Familie ein schönes Leben zu bescheren.
Viel Zeit war schon vergangen und die Bewohner hatten mittlerweile verstanden sich den Jüngling zu nutze zu machen. Auch schien es, dass er die Weisheit und Lebenserfahrung eines Tausendjährigen hatte. Für einen jeden stand er mit Rat und Tat zur Seite. Die Kinder im Dorfe liebten ihn, denn mit seiner Art die er hatte war er einer von ihnen. Alle die ganzen Schulbücher konnten den Kindern nicht das lehren was der Jüngling ihnen lehrte. Er lehrte das Miteinander nicht das gegeneinander. Und alles geschah noch einmal, wie damals. Auch die Kinder vergaßen. Auch hier suchte man die Dankbarkeit vergebens. Aber der Jüngling wusste ja nicht! Und des Wanderers Herz wurde immer schwerer. Auch bei dem letzten Bauern, die Arbeit war getan erging es dem Jüngling nicht anders. Hier hörte der Wanderer noch einmal das Gespräch des Bauern mit der schönen Maid. Und er musste sich eingestehen, in diesem Dorf nichts verändert zu haben. Traurig zog er sich zurück und er wartete das zweite Geschehen. Und so trug es sich zu, dass die Maid dem Jüngling berichtete was die Bewohner dieses schönen Dorfes über den Jüngling dachten, auch das Mahl welches die Bäuerin versprach ihm zu Ehren geben zu wollen das dann ohne ihn ablief wurde dem Jüngling zugetragen. Nichts aber auch gar nichts ließ die Magd aus. Und es wurde still in seinem Herzen. Nur das Pochen seines Herzen war zu hören ehe, auch das in seiner Trauer unter ging. Wochen später fanden die Bewohner außerhalb des Dorfes wo er seit vielen Wintern wohnte den leblosen Körper des Jüngling. Einsam und verlassen ist er seinen letzten Weg gegangen. Denn sie hatten ihn vergessen. Seine flinken Hände bei der Arbeit. Der Wanderer kam ins Dorf um sich des Jünglings leblosen Körper an zunehmen. Mit schweren Schritten ging er zum Dorfbrunnen, wo man ihn nieder gelegt hatte. Als die Menschen in die Augen des Wanderers schauten, wusste jeder warum der Jüngling sein Leben ließ. Mit Blumen und Gebinden nahmen Alle Abschied. Der Wanderer nahm den Jüngling auf und trug ihn in den Fels. Noch Stunden später drang es mit rauer Stimme aus den Bergen. Hättet ihr zu Lebzeiten des Jünglings ihm die Blumen doch gereicht, wäre er heute noch am Leben. Und die Bewohner schauten zum Fels bis sie den Wanderer in den Bergen verschwinden sahen. Doch schien es ihnen, dass Gesicht des Wanderers schon einmal gesehen zu haben.
Zweimal hatten sie die Chance zu erkennen und dennoch ging ihr Leben weiter und bis heute hat sich nicht geändert. Nur die Träne im Herzen der schönen Maid blieb.
Noch heute halt es vom Fels Hättet ihr die Blumen zu Lebzeiten................

25.05.2020 22:47 • #4


Brookler
so habe ich viele Erlebnisse die mich belastet haben, in eine Geschichte verpackt. Und schon war es halb so schlimm. Gruß Brookler

25.05.2020 23:12 • x 1 #5


Brookler
Der Wanderer und hätte ich das schon früher gewusst

Wie schon so oft in den letzten Jahren, beschloss der Wanderer noch kurz vor der Heiligen Nacht ein Dorf aufzusuchen. Er liebte das emsige Treiben der Menschen in den Dörfern, die schön geschmückten Häuser und die Kinder in fröhlicher Erwartung.
Lodon von Egla, sein weißer Wolf und zuverlässiger Begleiter, war schon Tage vorher ganz aufgeregt. Er spürte, dass etwas geschehen würde.
Der Wanderer war schon Tage vorher damit beschäftigt, sein Lager hoch oben im Fels zu räumen, um sich auf eine Wanderschaft vorzubereiten. Die kleinen Grippefiguren, an denen er schon seit dem Sommer schnitzte, fanden ebenso Platz in seinem Rucksack, wie die Holzspielzeuge für die Kinder. Jahr für Jahr, wenn der Wanderer noch kurz vor der Heiligen Nacht ein Dorf aufsuchte, verdiente er sich immer noch ein paar Kreuzer dazu, denn sein Spielzeug war in den Dörfern sehr begehrt. Brot und Käse fanden auch noch Platz in seinem Rucksack und schon war alles verschnürt. Während Lodon von Egla draußen vor dem Fels noch den Schneeflocken hinterher sprang, nahm der Wanderer seinen schweren Mantel, Hut und Wurzelstock und verließ die Höhle hinaus in den tiefen Schnee. Viele Wochen hatte es schon nicht mehr aufgehört zu schneien und so lag das Stückchen Welt vor ihm, in einem tiefen weißem Schlaf.
Ein kurzer Pfiff und Loden von Egla stand an des Wanderers Seite, bereit für ein neues Abenteuer.
Die Nacht brach gerade herein, als sie sich aufmachten den Fels zu verlassen. Sie liefen in Richtung eines Waldes, denn sie mussten noch Futterkrippen für die Tiere der Umgebung füllen, damit auch sie genügend Nahrung hatten für den harten Winter. Schnell war auch das erledigt und so konnten sie endlich aufbrechen, ihren eigentlichen Weg einzuschlagen. Er führte sie geradewegs in das weite Tal hinab.
Auch der liebe Gott schien es gut mit Ihnen zu meinen, denn nur kurze Zeit später öffneten sich die Wolken und der Mond in seiner vollen Pracht konnte den beiden nun den Weg in das riesige Tal weisen. Bis tief in die kalte Nacht hinein mussten die Beiden gehen, ehe sie noch weit entfernt die ersten Höfe sahen. Besser gesagt ein kleines Lichtlein sie in der Ferne darauf hin wies, dass hier ein Hof lag. Um verirrte Reisende eine Möglichkeit zu geben, Zuflucht vor der Kälte zufinden, ließen die Bauern in den Bergen in der Winterzeit immer eine Kerze am Fenster brennen, die man schon von weitem sehen konnte. Schon vielen verirrten Menschen konnten so schon einmal das Leben gerettet werden. Für den Wanderer war es aber nur ein Hinweis darauf, dass in naher Zukunft ein Dorf sein musste. Die Bauern siedelten sich bis auf ein paar wenige meist in der Nähe eines Dorfes an, um so ihre Ware schnell verkaufen zu können.
So Loden von Egla, es wird Zeit uns ein Lager zu richten, sagte er in einem ruhigen Ton. Und während der Wanderer Holz sammeln ging, machte sich der weiße Wolf auf, die Umgebung auszukundschaften.
Nach kurzer Suche hatte der Wanderer sich unter einem hervorstehenden Fels ein wärmendes Feuer gemacht. Nach einer kurzen Unterredung mit Gott, nahm er sein letztes Mahl zu sich.
Hie und da erwischte auch Lodon von Egla einen Kanten Brot. Als so langsam die Morgendämmerung hereinbrach, legten sich beide nahe des Feuers hin und schliefen erschöpft ein.
Erst die dicken Schneeflocken vermochten den Wanderer aus seinem Schlaf zu holen. Loden von Egla war schon längst auf den Beinen und tollte im Schnee herum. Nur der Wanderer saß noch schlaftrunken am Feuer und genoss mehr Recht als schlecht den gebrühten Kaffee. Mit unverständlichen Blicken verfolgte er seinen weißen Wolf, wie er schon wieder ausgeruht das Spiel mit den Schneeflocken suchte. Zu müde um sein erstes Mahl einzunehmen, beließ er es heute bei einer Unterredung mit Gott und einer erneuten Tasse Kaffee. Seinen schwarzen Filzhut noch ein wenig tiefer ins Gesicht gezogen, döste er noch einmal ein wenig ein, ehe er sich aufmachte sein Lager zu räumen und das Feuer zu löschen. Auch Lodon von Egla drängte zum Aufbruch und sprang aufgeregt umher.
Den ganzen Tag waren sie noch unterwegs, weit ins Tal hinein, ehe sie in weiter Ferne ein Dorf erblickten. Es war ein kleines Dorf umgeben von einem ebenso kleinem Wäldchen, lag es da wie in Watte gehüllt. Noch bis zum Rande des Dorfes wollen wir gehen, sagte er zu Lodon von Egla, um dann unser Lager für die Nacht zu richten, beendete der Wanderer den Satz.
Am späten Nachmittag standen nun beide vor dem kleinen Dorf, erschöpft von der langen Reise, aber glücklich, endlich einmal wieder Menschen zu sehen. Der Wanderer liebte die Einsamkeit zwar, aber ganz ohne die Menschen in den Bergen konnte auch er nicht leben. Obwohl es schon sehr spät am Nachmittag war, standen noch viele Menschen an den Ständen, die rund um den Dorfbrunnen aufgebaut waren. Zielstrebig liefen beide zum Brunnen, um sich dort niederzulassen. Lodon von Egla wich keine Sekunde von des Wanderers Seite, denn die vielen Menschen um ihn herum war er nicht gewöhnt und sie ängstigten ihn ein wenig. Angekommen öffnete der Wanderer seinen Rucksack und holte ein Holzspielzeug nach dem anderen hervor und baute sie geschickt vor sich auf. Nicht lange ließen die Menschen aus dem Dorf auf sich warten und schnell hatten sich eine Menge Leute eingefunden und bestaunten die Figuren und das verschiedene Spielzeug für die Kinder.
Vor allem die älteren Menschen bestaunten die kleinen Krippefiguren, die so klein richtig lebensecht aussahen. Die Gesichter sahen aus, als hätten sie sich noch kurz zuvor angeregt unterhalten. Nicht lange dauerte es, bis auch das letzte Kunstwerk verkauft war und diesmal waren im Beutel nicht nur ein paar Kreuzer, - nein, diesmal waren Taler darin zu finden. Selten dass der Wanderer so viel in seinem Beutel hatte.
So wird auch ein großes Stück Fleisch für dich abfallen, mein treuer Freund, sagte es und schaute zur Seite, wo Lodon von Egla saß. Und der weiße Wolf schien zu verstehen. Ganz aufgeregt war er nun und konnte es kaum erwarten, bis der Wanderer endlich bereit war, aufzubrechen.
Das Bündel wieder geschnürt, richteten sich beide auf, um ein wenig unters Volk zugehen.
Die Häuser waren schön geschmückt und ein jedes zeigte auf die eine oder andere Art, die Ankunft Jesus Christus. Trotz der ganzen Schönheit, hier in diesem Dorf, waren doch alle irgendwie abgehetzt. In einer Zeit der Besinnung, des in sich gehen, war in den Gesichtern nicht zu erkennen. Nur die Kinder mit ihren großen Augen, standen ganz andächtig vor den geschmückten Häusern. Obwohl deren Andächtigkeit eher auf die Vorfreude der zu erwarteten Geschenke zurück zu führen war. Ja, sie lernten schnell von den Alten. Noch ehe der Wanderer beim Fleischer angekommen war, saß Lodon von Egla vor dem Laden des Fleischers und ließ sich argwöhnisch beobachten, - aber nicht vertreiben. Erst als der Wanderer seinen Begleiter zu sich nahm, kam Freundlichkeit in das Gesicht des Fleischers. Und das so kurz vor der Heiligen Nacht, begann der Wanderer sich mit dem Fleischer zu unterhalten. Ach, lieber Wandersmann, was weißt du schon von meinen Sorgen, noch immer argwöhnisch.
Mein Weib sitzt mir im Nacken, meint, wir haben nicht genügend, um über die Runden zukommen und ich dachte, dein Wolf wollte mir ein Stück Fleisch stehlen. Durch die Unterhaltung angelockt, kam die Frau des Fleischers in den Verkaufsraum und wollte nun auch wissen, was der Grund sei für dieses Gespräch. Gott zum Gruße, liebes Weib, sprach der Wanderer, mit ruhiger, aber bestimmter Stimme. Ein kleines Missverständnis war der Grund für dieses Gespräch. Dein lieber Mann dachte, mein Wolf wolle ein Stück Fleisch stehlen. Das stimmt aber nicht. Er lief nur schon voraus, weil ich ihm ein Stück Fleisch versprochen habe, das er jetzt auch bekommen soll. Sei so lieb und packe mir ein großes Stück Fleisch für meinen Wolf ein. Kannst du denn auch bezahlen, so wie du aussiehst, fauchte sie zurück. Nicht an Hand meiner Kleidung sollst du mich bewerten, wer ich wohl bin. Ich bezahle, wie jeder andere, der deinen Laden betritt, sagte der Wanderer mit rauer Stimme. Ach, bei meinem Unnützen Manne weiß man nie was er wieder treibt. Gestern noch ertappte ich ihn dabei, wie er ein gutes Stück Fleisch einem zerlumpten, seltsamen Reisenden zustecken wollte. Vertrieben habe ich ihn, mit dem Besen, brüstete sich die Alte. Wenn ich das früher schon alles gewusst hätte, was für ein Taugenichts mein Alter ist, - nie hätte ich ihn geehelicht. Besser würde es mir heute gehen, aber nein, ich muss mir so einen nehmen.
Den Großbauern hätte ich mir angeln sollen, als er mich fragte, aber ich musste ja auf ihn herein fallen. Ausgesorgt hätte ich heute. Wenn ich es nur getan hätte, vor Jahren. Mit diesen unbedachten Worten ging sie in einen anderen Raum, nahm ein Stück Fleisch und packte es in ein Papier ein, um es dem Wanderer zu geben. Der Wanderer bezahlte seine Schuld, grüßte noch recht nett und verließ eiligst den Laden. Kopfschüttelnd ging er mit Lodon von Egla seines Weges und ärgerte sich über das schreckliche Weib. Und das kurz vor der Heiligen Nacht, krächzte eine alt bekannte Stimme hinter dem Wanderer. Als der Wanderer sich umdrehte, erkannte er den seltsam Bekleideten wieder. Du hier, fragte der Wanderer. Zu viele Winter sind vergangen, seit unserem letzten Aufeinandertreffen. Ja, schon 4 oder 5 Jahre
ist es wohl her. Was machst du in diesem abgelegenen Bergdorf, fragte er den Wanderer. Mal wieder die Menschen besuchen und etwas Fleisch und Brot und Käse für den Winter kaufen. Während sich die Beiden unterhielten, liefen sie schon aus dem Dorf hinaus, um sich für die kommende Nacht ein Lager zu richten. Gemeinsam sammelten sie Holz für die Nacht.
Noch ehe der Wanderer mit seinem gesammelten Holz an das Lager kam, brannte schon ein wärmendes Feuer. Noch einmal, wie damals will ich mein Brot mit dir brechen, sagte der freundliche Begleiter. Ich sehe, er gab dir einen Begleiter an die Seite; einen schönen Wolf hast du da. Der Wanderer erzählte seinem Gast, wie er zu Lodon von Egla kam, ehe der Schlaf über sie kam und sie sich beide nahe des Feuers niederließen, um sich in die Obhut Gottes zu begeben. Nicht einmal Lodon von Egla hatte gemerkt, wie in der Nacht ein Engel am Feuer saß und Holz nachlegte.

Mein Freund, mein Freund, sprach der Engel den Wanderer an, so wach auf und höre meine Botschaft an dich. Noch etwas schlaftrunken saß der Wanderer wenig später am Feuer und horchte auf die Worte des Himmelsboten. Und wie schon so oft, wurde der Wanderer auch heute wieder gebeten, ein Dorf ein zweites mal aufzusuchen. Gehe hin, an den Laden des Fleischers und lass geschehen, worum sie so eindringlich bat. Sie soll Ihre Chance bekommen und noch einmal sich entscheiden dürfen, zwischen den Großbauern und dem Fleischer. Sehen wir, was geschehen wird, beendete der etwas fremdlich Bekleidete, seinen Auftrag, erhob sich und schwang mit seinen riesigen Flügeln gen Himmel. Lodon von Egla merkte von all dem nichts. Zurück blieb eine schneeweiße Feder neben dem schlafenden Wanderer. Und wie in jeder Nacht, wenn der Wanderer auf Reisen war, wollte das Feuer nicht erlöschen, so als wenn Gott persönlich ein paar Scheite nachlegte. Noch immer war des Fleischers Weibe am keifen, obwohl der Wanderer mit seinem Wolf schon lange das Dorf verlassen hatte. Wäre ich nicht dazu gekommen, hättest du wieder ein Stück unseres Fleisches an einen Dahergelaufenen gegeben. Aber diesmal soll es den Beiden nicht munden, gab die Alte von sich. Das älteste Stück Fleisch hab ich denen gegeben. Die kommen nicht mehr bettelnd an unsere Tür. Während sie weiter redete, wurde der Mann des Hauses immer blasser im Gesicht. Du hast ein Stück altes Fleisch ausgegeben, unterbrach er sein Weib in ihrem Redefluss? Das hast du getan?
Mit Sorge im Herzen bat er an diesem Abend Gott darum, dass der Fremde das Fleisch nicht essen möge, auch solle er seinen Begleiter davon abhalten auch nur einen Bissen zu fressen.
Über sein Gespräch mit Gott fiel der Fleischer in einen unruhigen Schlaf. Auch die Frau legte sich ohne ein liebes Wort an ihren Mann, neben ihn und schlief sogleich ein.
Und spät in der Nacht machte sich von dem Lager des Wanderers kommend, ein Engel auf den Weg, um des Fleischers Weib zu holen. Im gleißendem Licht erschien er vor dem Weib und bat sie doch mit ihm zu kommen. Was willst du von mir, fragte sie ängstlich den Engel? Wir wollen gehen, um deine Entscheidung rückgängig zu machen, die du vor Jahren getroffen hast, als du Deinem Manne das Ja-Wort gegeben hast. Du sollst noch einmal entscheiden, zwischen dem Grossbauern und dem Fleischer. Kaum hatte das der Bote Gottes ihr seinen Auftrag genannt, drängte das Weib doch endlich aufzubrechen. Sie konnte es nicht erwarten, ihren zukünftigen Reichtum entgegen zutreten. Und so nahm der Engel sie an der Hand und nahm sie mit auf eine lange, lange Reise. Es ging über Täler und Berge, Seen und Flüsse, immer weiter in die Vergangenheit zurück. Erst war es Winter, dann goldener Herbst und dann wieder Sommer und Frühling. Viele Male ging das noch so, ehe sie auf einmal in ihrem Bett in der Küche lag. Ihre Eltern lagen da und ihr kleiner Bruder lag neben ihr. Anfänglich wusste sie gar nicht, was geschehen war, aber so nach und nach kam die Erinnerung zurück. Sie hob die Decke hoch und schaute an ihrem jungen hübschen Körper hinunter. Sie hatte ihre Jugend wieder. Alles vorbei, vergessen und niemals geschehen, dachte sie sich und freute sich auf den kommenden Morgen. Der Blick auf ihre linke Hand verriet ihr, dass sie noch nicht verheiratet war. Erleichtert sank sie in ihr Kissen zurück und schaute ganz ungeduldig dem neuen Tag entgegen.
Der Bauer war schon in den Hängen bei seinen Kühen und die Mutter war mitten in der Hausarbeit, als die junge Helen aufwachte. Es war also kein Traum, dachte sie sich und stand vergnügt auf und setze sich an den Tisch. Als die Mutter hereinkam erschrak sie sehr. Was, du sitzt noch hier, dein Bräutigam, der Joseph kommt doch gleich. Wir wollen doch die Hochzeit durchsprechen. Sein Vater bringt uns heute ein großes Stück Fleisch und wir wollen über die Mitgift sprechen. Zornesröte stieg in der hübschen Helen auf und sie schrie ihre Mutter an: Diesen Nichtsnutz und alten Wegelagerer soll ich heiraten und mein ganzes Leben dafür buckeln? Nein, niemals, schnaubte sie. Meine kleine Helen, meinte die Mutter. Seine Eltern haben doch einen schönen Fleischerladen. Ihr werdet nie Hunger leiden, wollte sie ihre Tochter beruhigen. Doch Helen sah genau die Bilder vor sich, was sie in ferner Zukunft vor sich hatte. Sie zog sich an und verließ wütend den kleinen Hof, um an den Treffpunkt der jungen Leute zugehen, am Dorfbrunnen, wo sie sich alle einfanden. Am Brunnen angekommen, saß nur ein fremder Wandersmann mit seinem Wolf und nahm sein Mahl zu sich. Gott zum Gruße, liebe Helen, wie geht es dir, sprach er das junge Mädchen an. Schleich dich fort von diesem Ort, fauchte sie und sah schon dem jungen Burschen entgegen, der da des Weges kam. Es war der Sohn vom Großgrundbesitzer Alois. Sollst du nicht deine Mitgift besprechen, heute mit deinem Joseph und den Seinen? Nein, mein lieber, ich habe es mir anders überlegt, dein Angebot im letzten Sommer hätte ich nicht ablehnen sollen. Eigentlich mag ich ja lieber dich. Weiß es denn dein Joseph schon, dass du nicht mehr heiraten magst, fragte der zukünftige Großgrundbesitzer? Und so unterhielten sich die Beiden noch eine ganze Weile, ehe sie sich aufmachten wieder nach Hause zu gehen, aber nicht ohne sich für den kommenden Tag zu verabreden.
Die Mutter saß während dessen auf ihrem kleinen Hof und weinte bitterlich. Als Joseph mit seinem Vater die Küche betrat, fragte er voller Bestürzung nach dem Umstand, der sie veranlasste, so zu weinen. Kurz war alles erzählt und die Vermählung abgesagt. Weißt du liebe Bäuerin, weine nicht mehr. Wir können nur schlecht nachvollziehen, was in den Köpfen unserer Kinder so vor sich geht. Nehme zumindest mein Stück Fleisch und lasst es euch gut schmecken. Mein Sohn wird über den Schmerz hinweg kommen und jeder von beiden wird sein Glück schon finden. Und so verließen die beiden den Hof und die Vermählung war abgesagt.
Erst am Abend kam Helen freudig nach Hause, um ihren Eltern kund zu tun, dass sie sich am morgigen Abend mit dem Jungen des Großgrundbesitzers treffen wolle. Beschämt über das Tun ihrer Tochter, gingen alle zu Bett.
Am nächsten Morgen wachte der Fleischer auf und ging seiner Arbeit nach. Selten hatte er sein Weib so glücklich gesehen, wie an diesem Tag. Aber sie schwieg sich aus und lächelte nur. So wirklich war alles gewesen, in diesem Traum. Ihre längst verstorbenen Eltern wieder zu sehen, der kleine Bruder, der Jahre später auf Wanderschaft ging und nie mehr zurück kam. Alles war wie damals, als sie noch jung war. Und als am Abend der Engel kam, um sie wieder zurück zu holen, musste er hoch und heilig versprechen, in der kommenden Nacht wieder zu kommen. Als Pfand ließ der Engel eine kleine weiße Feder aus seinem Kleide zurück, die sie nun verborgen in der Hand hielt. Auch der Reisende am Dorfbrunnen erinnerte sie an jemanden. Nur wusste sie nicht an wen. Auf jeden Fall wollte sie heute gutgelaunt ihrer Hausarbeit nachkommen und recht früh zu Bett gehen.

Es war noch früh am Morgen, als der Wanderer schon am Feuer saß und einen Kaffee trank. Ein großes Stück Fleisch hatte er auch schon für Lodon von Egla abgeschnitten, aber er wollte es nicht fressen. Der etwas fremdlich Bekleidete war auch nicht mehr da, nur die weiße Feder, die er zurückließ, hielt der Wanderer in der Hand. So werden wir noch einmal in das Dorf gehen, Lodon und schauen wie es dem Weibe wohl ergangen war,, nachdem sie sich mit dem Jungen des Großgrundbesitzers am Dorfbrunnen getroffen hat, ganz weit in der Vergangenheit. Nachdem Lodon von Egla immer wieder das Fleisch mit der Nase anstupste, nahm der Wanderer das Stück Fleisch in die Hand und roch daran. Es war schon leicht verdorben und deshalb aß es Lodon von Egla nicht. Lass uns aufbrechen, mein Freund und zurückgehen ins Dorf, um höflich um ein neues Stück Fleisch bitten. Vielleicht war es nur ein Versehen. Das Feuer war schnell gelöscht, der Proviant verpackt und so konnten sie Beide aufbrechen, das Dorf ein zweites Mal aufzusuchen. Dass der fremdlich Gekleidete jedes mal so verschwinden muss, dachte er sich. Aber er war ein guter alter Freund. So mit seinen Gedanken und mit sich alleine, bemerkte er gar nicht, wie weit sie schon gegangen waren. Erst das böse Knurren seines Wolfes hatte ihn wieder aus seinen Gedanken zurück geholt. Sie waren vor dem Haus des Fleischers hinten am Gartenzaun angekommen. Die Bäuerin war gerade dabei die Wäsche auf zuhängen. Der Wanderer wusste warum Lodon knurrte. Er hatte das schlechte Fleisch noch nicht vergessen. Friedlich mein Freund, wir wollen sie nicht erschrecken, beruhigte er Lodon von Egla. Gott zum Gruße liebe Frau, begrüßte er die Frau des Hauses. Der Schreck saß tief, als die Alte aufblickte und den Wanderer mit seinem Wolf sah. In Ihrem Traum sah sie ihn. Schleich dich fort, von diesem Ort, kam es ihr wieder in den Sinn. Das waren die Worte, die sie für den Fremden aufbrachte, der da an dem Brunnen saß, in ihrem Traum, der letzten Nacht.
Gekommen bin ich noch einmal, sprach der Wanderer, um ein neues Stück Fleisch zu bitten, da Du mir gestern aus versehen ein schlechtes Stück gegeben hast. Noch immer recht ungläubig stand sie da, mit ihrem Wäschestück in der Hand. Schleich dich fort, von diesem Ort, schoss es ihr aus dem Munde, nur um zu sehen, was der Wandersmann wohl darauf sagen würde. Das war schon das zweite mal, dass Du mich so unfreundlich begrüßt, liebes Weib. Was hab ich Dir getan? Er war es tatsächlich, kam es ihr in den Sinn. Wie war das möglich? Mit einem gezwungen Lächeln, bat sie ihn und seinen Begleiter in den Verkaufsraum.
An diesem morgen ging es dem Fleischer gar nicht gut. Immer wieder musste er an den Fremden denken, der das schlechte Stück Fleisch von seiner Frau bekam. Als er am gestrigen Abend zu Gott sprach, schlief er leider während dessen ein. Nun konnte er nur hoffen, den Fremden noch einmal zu sehen, um das Unrecht, das ihm angetan wurde, wieder gut zu machen. In seinen Gedanken vertieft, merkte der Fleischer gar nicht, wie jemand den Verkaufsraum betrat. Mit sorgenvoller Miene wischte er die Theke. Gott zum Gruß, lieber Fleischer. Dein Weib schickt mich, um mir ein neues Stück Fleisch von dir zuholen, sprach er den Mann mit der sorgenvoller Miene an. Als der Fleischer den Wanderer sah, kam Freude auf, in seinem Herzen. Lieber Fremde, sprudelte es aus dem Munde des Fleischers, gebetet habe ich zum Herrgott, dass Du wieder kommst. Ich danke ihm dafür, dass er dich noch einmal zu mir schickt. Geben will ich dir das beste Stück Fleisch, das ich habe. Auch sollst du Brot und Käse und vielerlei Gemüse aus diesem Hause tragen, denn es kommt von Herzen, lieber Reisender. Recht bedanken will ich mich bei dir. Aber du gabst mir nicht das verdorbene Fleisch, es war dein Weib. Sei ihr nicht böse, sie leidet halt. Besser wollt sie es immer haben und schau wie unglücklich sie ist, aber sie sonst ein gutes Weib. Ich hoffe halt noch, dass der liebe Gott ihr hilft, versuchte er seine Frau in Schutz zu nehmen. Oh, ja, lieber Fleischer, das wird er wohl tun. Verlass dich darauf! Mit einem Augenzwinkern verließ der Wanderer des Fleischers Laden, vollgepackt mit allerlei Köstlichkeiten in seinem Beutel. Auch Loden von Egla ging erhobenen Hauptes die Strasse entlang, mit einem riesigen Knochen im Maul.
Eiligst kam der Fleischer hinter seiner Theke hervor und rannte dem Wanderer nach. So warte doch und lauf nicht so schnell, bat er höflich. Ein Nachtlager will ich dir anbieten, für die kommende Nacht. Im Nebenraum ist Platz, da wohnte mein Geselle, der aber fortzog in die Ferne. Es ist sauber und warm. Selten hatte der Wanderer Gelegenheit gehabt, in einem Hause zu schlafen. Und da es auch noch warm war, wollte er nicht ablehnen und nahm das Angebot gerne an. Es war ein kleines Häuschen, mit nur einem Zimmer darin. Durch den Räucherofen nebenan war es wohlig warm. Ein Bett, ein Stuhl und ein Tisch waren darin zu finden. Hinten am Fenster stand noch ein Stück Möbel mit einer Waschschüssel darauf. Nur Lodon von Egla war noch nicht ganz überzeugt, von so viel Wänden um sich herum. Auch war der Weg zum Himmel verdeckt. Aber an der Seite des Wanderers konnte wohl nichts passieren und so legte er sich an den wärmenden Ofen.

Was für ein wundersamer Mensch ist da nur, sprach er mit sich selbst. Obwohl sein Weib so gemein zu ihm war, hat er noch immer ein freundliches Wort übrig. Und kaum dachte er wieder an das verdorbene Fleisch, beschlich ihn das schlechte Gewissen wieder. Und das so kurz vor der Heiligen Nacht, solch traurige Gedanken, sprach ein etwas seltsam gekleideter Mann, den Fleischer an. Zutiefst erschrocken, riss es den Fleischer aus seinen Gedanken. Woher kommst du so geschwind, ich habe dich gar nicht kommen hören, sprach er nun den Fremden an. Aber sogleich erkannte er den Mann wieder. Sein Weib vertrieb ihn vor Tagen. Auch bei dir möchte ich mich entschuldigen, lieber Fremder. Kein Mensch ob arm oder reich, sollte so behandelt werden, wie du vor Tagen und das Fleisch sollst du auch bekommen, das ich dir versprochen habe. Lass es gut sein, lieber Fleischer. Gebe dem Wandersmann mit seinem Begleiter einen Tag Ruhe und Wärme, in der Kammer neben dem Räucherhaus und ich bin zufrieden. Auf einmal strahlte wieder das Gesicht des armen Mannes, doch zum Dank kam er nicht mehr. Denn als er sich kurz umdrehte, um doch noch ein Stück Fleisch zu geben, war er alleine im Verkaufsraum. Als wäre niemand da gewesen. Doch gleich besann er sich auf die Worte des seltsam Gekleideten.

Im Hintergrund wollte sie bleiben und den Fremden nie mehr wieder sehen. Aber alles konnte sie in sicherer Entfernung sehen und hören. Und so musste sie missmutig mit ansehen, was ihr nichtsnutziger Mann so alles in des Wanderers Rucksack packte. Nicht einmal von dem Gemüse ließ er ab. Obwohl doch jeder weiß, wie schwierig es war, im Winter an Gemüse zu kommen. Nur warum er hinter der Theke hervor kam und dem Wanderer hinterherlief, das blieb ihr verborgen. Aber als der Fremde endlich weg war, wurde ihre Laune sofort wieder besser und sie konnte sich auf die kommende Nacht freuen. In Windeseile hatte sie ihre Hausarbeit erledigt. Auch das letzte Mahl für diesen Tag nahm sie ohne ihren Angetrauten zu sich. Und wie seid Jahren, ging sie ohne ein liebes Wort ins Bett, drehte ihm den Rücken zu und war voller Erwartung auf das, was nun kommen sollte.
Noch während der Fleischer seinem Weib erzählte, was er dem Wandersmann mitgegeben hat und dass er ihm ein Lager angeboten hatte schlief sie schon tief und fest. Noch ein letztes Dankesgebet und der Fleischer begab sich in Gottes Obhut.
Ein wenig unruhig lief Lodon von Egla den Raum ab. Noch nie war er so eingesperrt gewesen, auch gab es kein Lagerfeuer, nur eine kleine Kerze beleuchtete den Raum spärlich. Und sein Herrchen lag eingehüllt in einer dicken Decke und war nicht zu sehen. Nur sein schwerer Mantel lag ausgebreitet auf dem Boden, so dass die Anwesenheit des Wanderers nur zu erahnen war. Doch als Lodon auch endlich müde war, legte er sich winselnd auf den schweren Mantel und schlief ein. Endlich konnte auch der Wanderer seine Augen schließen und sich in die Obhut Gottes begeben.
Spät in der Nacht, alle Menschen des kleinen Dorfes schliefen tief und fest, machte sich ein Himmelsbote auf, sein Versprechen einzulösen. Im gleißendem Licht kündigte es sich an des Weibes Bett an, nahm sie an der Hand, stieg in den Himmel empor und begleitete sie auf einer langen Reise. Und wie in der vorigen Nacht ging es über Täler und Berge, Seen und Flüsse, immer weiter in die Vergangenheit zurück. Erst war es Winter, dann der Herbst und anschließend der Sommer und der Frühling. Viele male kam der Winter, Herbst, Sommer und der Frühling, ehe sie sich in einem fremden Bett, in einem fremden Zimmer wiederfand. Und wie in der vorigen Nacht, hob sie die Decke, schaute auf ihren jungen Körper herunter und besah sich ihrer Jugend, die sie wieder hatte. Nur fand sie ihren Bruder nicht, auch waren die Eltern nicht da und als sie auf ihre Hände schaute, fand sie einen großen, goldenen Ring an ihrem Finger. Erleichtert sank sie in ihr Kissen zurück und schaute ihrem Gemahl ins Gesicht.
Endlich dachte sie sich, habe ich es geschafft. Nun war es vorbei, das schwere arbeiten bis spät in den Abend hinein. In Gedanken schmückte sich die junge Maid mit den schönsten Stoffen aus aller Welt. Besah sich ihren Schmuck, den sie bald in den Händen halten würde und war überglücklich. Zufrieden, das erreicht zu haben, was sie schon immer wollte, blieb sie in ihrem flauschigen Kissen liegen und schlief friedlich ein.
Ihr nun neu angetrauter Ehemann wurde von einem Bediensteten vorsichtig geweckt. Denn seit der Sohn geheiratet hatte, die Tochter eines Bauern, war es vorbei mit der Ruhe im neuen Heim. Die noch vor einem Monat fleißige Bauerntochter wollte nun von Arbeit nichts mehr wissen. Sie kommandierte die Bediensteten herum, beleidigte sie und war nie mit etwas zufrieden. Das Geld das der Sohn des Großgrundbesitzers durch fleißige Arbeit mit nach Hause bracht, brachte sie mit vollen Händen unters Volk. Neue Kleider, Schmuck und die schönsten Hüte und Schuhe aus fernen Ländern vermochten ihre Gier nach Schönem nicht zu stillen. Mit Eltern, Freunden und Bekannte hatte sie gleich nach der Hochzeit gebrochen. Viel zu arm waren sie doch alle. Geschwind stieg ihr Ehegatte in den Morgenrock und verließ das eheliche Schlafgemach auf leisen Sohlen. Nur nicht wecken, die Frau des Hauses, war das oberste Gebot, im neuen Heim der jungen Maid. Denn sonst musste ein jeder mit wüsten Beschimpfungen rechnen. Drei fleißige Mädchen mussten schon das Haus verlassen, weil sie einfach vom Hof verwiesen hatte. Traurig über die Veränderungen seiner Frau ging ihr Angetrauter Tag ein Tag aus schwer arbeiten und kam immer später nach Hause. Zu sehr damit beschäftigt, Schönes in ihren Besitz zu bekommen, merkte die junge Frau gar nicht, was um sie herum geschah.
Eines nachts kam der Engel an ihr Bett, um sie wieder mit sich zu nehmen. Folgsam nahm sie seine Hand und ging über Berge und Täler, Flüsse und Seen, vorbei an Frühling, Sommer, Herbst und Winter, direkt in ihr Bett, an den Fleischer sein Gemach. Noch ein Mal so sprach der Engel, werde ich kommen um dich zu holen. Dann musst du entscheiden wohin du gehörst. Überlege gut was du tust, denn dann sei es entgültig, beendete der Engel seinen Auftrag, breitete seine Schwingen aus und erhob sich in den Himmel.
Da lag sie nun, hob die Decke und schaute auf ihren nun nicht mehr jungen Körper hinunter, schaute auf ihre Hand und sah den kleinen Ring an ihrem Finger. Entscheiden soll ich mich, kam es spontan aus ihrem Mund; das hab ich schon lange, wurde sie nun wütend. Erschreckt drehte sich der Fleischer um und wollte seine Frau in den Arm nehmen, da er dachte, sie habe schlecht geträumt. Mit einer wirschen Handbewegung befreite sie sich, stand auf und ging ihrer Tagesarbeit nach.
Wohlig warm erwachte der Wanderer in seiner Kammer. Lodon von Egla war schon ganz aufgeregt. Er wollte endlich diese Enge verlassen und scharrte an der Tür. Hab doch Geduld, mein Freund, sagte der Wanderer und kleidete sich an. Vor dem Haus trafen sie prompt auf die Frau des Hauses, die sichtlich schlecht gelaunt schien. Gott zum Gruße, liebe Frau, grüßte der Wanderer höflich und fügte noch hinzu: überlege gut was du tust, denn dann ist es endgültig. Ohne auch nur den Blick zu heben ging sie weiter ihrer Tagesarbeit nach. Und so bedankte er sich noch recht herzlich bei dem Fleischer und ging mit Lodon von Egla Richtung Dorfbrunnen, um dem Treiben der Menschen beizuwohnen. Lodon von Egla war sichtlich erleichtert, als die Natur sie wieder hatte. Mann sprach über die kommende Weihnacht, sah in die erwartungsvollen Augen der Kinder und so ging der Tag langsam dem Ende zu. Der Marktplatz wurde langsam leerer und leerer und zum Schluss war nur noch ein hünenhafter Mann mit seinem Wolf auf dem Weg, das Dorf zu verlassen. Es wurde eine sternenklare Nacht und der Wanderer suchte für sich und Lodon von Egla nahe des Dorfes einen Platz für die Nacht. Unter einer Felsengruppe nahe des kleinen Wäldchens, dass das Dorf umgab, fand der Wanderer ein gutes Lager und genug Holz für die Nacht. Als der Wanderer wenig später vor seinem Feuer saß, den Tanz der Flammen sehen konnte und diesen sternenklaren Himmel über sich, konnte er nicht verstehen, wie die Menschen sich ein Dach über den Kopf bauen konnten. Sie nahmen sich doch die ganze Sicht auf den schönen Himmel, mit seinen tausend von Sternen. Froh war er wieder hier zu sein, obwohl auch er einmal vor langer, langer Zeit ein Dach über dem Kopf hatte. Aber das war schon sehr lange her. Ganz in seinen Gedanken versunken, wurde es spät in der Nacht, als er sich niederlegte, um zu schlafen. Aber da waren die Gedanken an den Fleischer und seiner Frau. Vorsichtig sollte man sein, mit seinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen, sagte er zu seinem Begleiter, der aber schon lang schlief. Nach einer kurzen Unterredung mit Gott, begab auch er sich in Gottes Obhut und schlief ein.
Der Laden war schon lange geschlossen, die Frau mit ihrer Tagesarbeit gerade fertig geworden, freute sie sich auf die kommende Nacht. Es soll meine letzte Nacht in Armut sein, sagte sie zu sich selbst. Denn entschieden hatte sie sich schon längst. Endlich sollte auch ihr das Glück wiederfahren, reich zu werden und nicht mehr arbeiten zu müssen. Eiligst noch das Gesicht und die Hände gewaschen, machte sie sich auf, zu ihrer letzten Nacht in Armut.
Und wie schon die zwei Nächte davor, machte sich ein Bote Gottes auf, den Himmel zu verlassen, um ein letztes mal die Frau des Fleischers zu holen, um ihr zu ihrem vermeintlichem Glück zu verhelfen.
Tief und fest war ihr Schlaf, als der Engel an ihr Bett kam, um zu erfahren wie sie nun entschieden hatte. Aber ohne ein Wort zu sagen, als sie erwachte, nahm sie die Hand des Engels und deutete an zu gehen. Und ein drittes mal ging es über Flüsse und Seen, Täler und Berge vorbei an Winter, Herbst, Sommer und den Frühling und das viele Male, bis sie sich wieder in einem Bett liegen sah. Nun hast du deine Entscheidung getroffen und so soll es sein, sprach der Engel und stieg hinauf in den Himmel. Vorsichtig hob sie die Decke und schaute auf ihren schlanken Körper hinab, besah den schweren Ring an ihrem Finger und legte sich zufrieden in ihr Kissen zurück. Selbst als die Tür aufging und ihr angetrauter Mann ganz in schwarz gekleidet vor ihr stand, hatte sie noch ein Lächeln im Gesicht. Willst du dich nicht ankleiden, sprach er traurig zu seinem Weib. Meine Eltern werden gleich zu Grabe getragen.
Eiligst nahm sie die Kleider vom Stuhl, schlüpfte in ein wunderschönes Kleid und trat aus der Gemeinsamen Schlafkammer. Alle Verwandten und Anverwandten waren im Empfangszimmer versammelt und jeder sprach über den schrecklichen Unfall, bei dem die Eltern ums Leben kamen. Auch hörte sie zu einem unbemerkten Augenblick, wie schade es doch sei, dass ausgerechnet jetzt, die Bediensteten das Haus verlassen hätten. Stimmt, dachte sie, wo sind denn alle hingegangen? Und so hörte sie weiter zu. Eine etwas ältere Dame in Begleitung, fügte noch hinzu, dass es wohl nicht so gut war, mit der Heirat des Jungen vom Großgrundbesitzers. Weggelaufen sind die armen Mädchen, seit die Frau ins Haus gezogen war. Auch fügte sie noch schnell hinzu, sei der Mann des Hauses wohl auch nicht so glücklich darüber gewesen, dass niemand mehr für sie arbeiten wollte. Egal wo sie sich auch unbemerkt hinstellte, es war nichts schönes über sie zu hören. Ach was soll mich das Geschwätz vom Volk schon kümmern, sagte sie leise vor sich hin und begab sich zu ihrem Angetrauten. Die Heimführung war vorbei und Ruhe trat wieder in das Leben des nun neuen Großgrundbesitzers. Bis auf die Verschwendungssucht seiner Frau. Je mehr er auch arbeiten konnte, sie gab immer mehr für ihre Kleider, Schuhe und Schmuck aus. Und immer später kam er nach Hause, schlief in seinem Arbeitszimmer und eh sie morgens aus dem Bett kam, war ihr Mann schon wieder weg.
Das ging so lange, bis er eines Tages gar nicht mehr nach Hause kam. Alles suchen und fragen half nichts, er war verschwunden. Vereinzelt berichtete man ihr, dass er gesehen worden sei. Mit einem schweren Mantel gekleidet und mit schwarzem Hut, sein Gesicht verhüllt, ging er Richtung Fels und hie und da tauchte er mal wieder auf. Mann sagte, er würde mit einem schweren Wurzelstock das Land durchwandern und ab und zu ein Dorf aufsuchen.
So verging die Zeit, Jahr für Jahr. Der einst prächtige Grund und Boden des Großgrundbesitzers war verwuchert, die Anwesen verfallen und in eines dieser verfallenen Häuser lebte ein altes Weib, ganz alleine und zurückgezogen. Im Dorf tuschelte man nur ganz leise über sie. Auf einen Engel wird sie warten, der sie vor Jahren hier abgesetzt hätte und nicht wiedergekommen sei. Auch den Großgrundbesitzer wollte niemand mehr kennen. Zuviel Zeit war schon vergangen, die Alten verstorben und von den jungen Leuten war nur zu erfahren, dass schon immer, seit sie denken konnten, ein altes Weib dort oben auf dem zerfallenen Anwesen hauste. Keiner traute sich je wieder zu der Alten hinauf und geriet sie in Vergessenheit.

Obwohl, - nicht ganz vergessen war sie. Denn eines Tages, so sagten die Dorfbewohner, kam ein großer Mann mit schwerem Mantel, Hut und Wurzelstock ins Dorf in Begleitung eines weißen Wolfes. Er war der erste, der sich nach dem alten Weib erkundigte und an ihre Tür klopfte.

Als die Alte endlich das schwere Tor geöffnet hatte, erschrak sie und hatte Mühe auf den Beinen zu bleiben. Gott zum Gruße, liebes Weib. Wie ist es dir ergangen? Tränen traten in das alte Gesicht, als sie den Wanderer sah. Wortlos ließ sie ihn eintreten und beide nahmen an einem alten Tisch Platz, an dem vor vielen Jahren noch größte Feste wohl gefeiert wurden. Traurig sah es hier aus, dachte er sich. Wo warst du die ganzen Jahre nur gewesen, sprach sie mit zittriger Stimme. Jeden Tag habe ich Ausschau nach dir gehalten. Mein liebes Weib, Reichtum wolltest du haben, du hast ihn bekommen.
Mit verweinten Augen bat sie inständig um den Engel, damit er sie wieder mitnehmen komme, zu ihrem Fleischer, in das kleine beschauliche Dorf. Ihr habe der Reichtum nur Unglück gebracht. Verdorben wurde ihr Charakter und Dunkelheit war ihr ständiger Begleiter.
Sehen will ich, sprach der Wanderer, was ich für dich tun kann, aber versprechen kann ich nichts, sagte er und verließ das traurige Anwesen mit seinem Begleiter.

Als das alte Weib des Abends zu Bett ging, betete sie zu Gott. Das letzte Gespräch mit Gott hatte sie in jungen Jahren einmal gehabt. Aber an diesem Abend betete sie so voll Inbrunst, dass sie darüber einschlief.
Selten hatte sie so viel geträumt, wie in jener Nacht, dachte sich die Alte, als sie am nächsten morgen auf wachte. Ein Engel, nein mehrere Engel waren da, ein Wanderer mit seinem Wolf, Vergangenheit und Zukunft. Sie konnte gar nicht alles fassen, was sie geträumt hatte, drehte sich um und gab ihrem Fleischer einen dicken Kuss. Fröhliche Weihnachten mein lieber Mann, sagte sie und schlief in seinem Arm weiter.
Traum?
Hätte ich das schon alles vorher gewusst, dann hätten ich,wir, du was gemacht?

26.05.2020 09:46 • #6


Brookler
Einsamkeit halt.........................

26.05.2020 09:50 • #7





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