Ich wollte heute gern mal wieder ein Update geben - für die, die es interessiert

Nach meinem positiven Durchbruch in der Therapie Ende letzten Jahres habe ich mich super stabilisiert. Mir ging es wirklich super - ich habe große Schritte in der Kommunikation mit meinem Mann gemacht, in das Somatisierungsfeld "Magen und Darm" kehrte nach und nach Ruhe ein, das "Pipiproblem" hatte sich so gut wie erledigt (der Kopf hat noch nicht verstanden, dass ich nicht mehr ständig auf Klo rennen muss), ich war ruhig und entspannt und hatte wieder Spaß am Leben.
Leider hat eine umfangreiche Zahnbehandlung im Januar (Erneuerung von 4 Kronen) ein neues Somatisierungsfeld aufgetan - wenn es mir jetzt schlechter geht, somatisiere ich über den Kopf (Kopfdruck, Ohrenschmerzen, Zahnschmerzen, verkrampfter Kiefer und Zunge, Prickeln und Taubheit der Haut etc.).
Trotzdem blieb die Grundtendenz bei mir ruhig und entspannt - daher habe ich mich entschlossen, jetzt ans Absetzen von Mirtazapin zu gehen.
Ich nehme das Medikament seit Dezember 2019. Am Anfang brachte es mir eine minimale Besserung, dafür auch 10 kg mehr auf der Wage. Dieses Gewicht belastet mich seitdem sehr und trägt nicht unbedingt zu einer positiven Grundstimmung bei. Es hat mich viel Arbeit gekostet, diese zusätzlichen 10 kg (vorübergehend) zu akzeptieren. Wenn ich in der Einnahme wenigstens einen Nutzen gesehen hätte - aber ich habe mit dem Medikament absolut schlechte Phasen und auch gute Phasen erlebt, wobei ich die guten immer direkt mit einem Weiterkommen in meiner Therapie in Verbindung bringen konnte. Selbst die angeblich schlafanstoßende Wirkung gab es bei mir nicht - ich habe in der Zeit, als ich es noch nicht genommen habe, wesentlich besser geschlafen als jetzt. Von daher will ich es einfach nur noch los werden.
Zwei Absetzversuche sind bereits gescheitert. Ich reagiere extrem sensibel auf diese Art der Medikamente und bei mir macht sich jede Reduzierung von nur ein paar mg mit extremen Absetzerscheinungen bemerkbar. Vor dem Mirtazapin hatte meine Hausärztin mal versucht, Escitalopram bei mir einzudosieren - mit dem Ergebnis, dass mir die empfohlene Anfangsdosis (genommen an nur 2 Tagen - also 2 x 1 Tablette) mir eine Überdosis beschert hat, die sich gewaschen hatte und für die ich 5 Wochen benötigte, bis ich wieder arbeitsfähig war!
Mein Therapeut sagte mir volle Unterstützung im Rahmen seiner Möglichkeiten zu (bevor jetzt einer schreit - nein, nicht zu der Reduktion oder Dosierung selber, sondern beim Auffangen der Absetzerscheinungen). Am 11. März startete ich mit der ersten Reduktion von 22,5 auf 20,6 mg (1/8 Tablette weniger). 14 Tage lief alles super, dann fingen langsam die Absetzerscheinungen an. Darauf folgten 14 Tage Hölle. Am schlimmsten auszuhalten ist dieses Gefühl, von dem es mir ganz schwer fällt, es zu benennen. Ich habe es "Vernichtungsgefühl" genannt. Es fühlt sich alles nur noch schrecklich, hoffnungslos, unaushaltbar an. Begleitet von einem unglaublichen Druck und Brennen in Armen und Beinen, Jucken der Haut am Hals, Kopfschmerzen, Brain Fog, Konzentrationsprobleme, Übelkeit, Magenproblemen, Kopfschmerzen.
Mich hielt nur noch der pure Trotz aufrecht, ich wollte das Medikament einfach nicht gewinnen lassen. Ich hatte ein paar Wochen vorher schon angefangen, die kohärente Herzatmung zu üben. Die hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon so weit drin, dass ich sie 3 x am Tag nutzen konnte, wenigstens für einen kleinen Moment (so 15 bis 20 Minuten) Ruhe ins System zu bringen. Geschlafen habe ich in diesen 14 Tagen nur stundenweise - ich bin jede Stunde hochgeschreckt und war dann so unruhig, dass ich aufstehen und umherlaufen musste.
Nach 10 Tagen legte sich plötzlich ein Schalter um und das "Vernichtungsgefühl" war auf einmal verschwunden. Es kam dann immer noch mal wieder, aber es gab zwischendurch Erholungsphasen.
Letzen Montag dann hat mein Therapeut mich gefragt, ob ich es mal mit einer Energie-Übung aus dem Chi Gong versuchen möchte. Dort geht es ja darum, die Lebensenergie, das Chi, zu spüren. Meine Achtsamkeit habe ich die letzten Monate schon gut geschult, von daher wollte er es mal probieren. Ich sollte durch Reibung der Hände und Finger erst einmal meine Aufmerksamkeit dort hin lenken. Danach sollte ich probieren, die Energie zwischen meinen Handflächen zu erspüren. Das hat gleich im zweiten Versuch geklappt! Es fühlt sich warm und weich an, als ob man Magneten in der Hand hat, die sich gegenseitig abstoßen. Nach einiger Zeit fingen meine Handflächen und Fußsohlen an zu kribbeln, mir wurde warm. Alles war auf die Energie fokussiert. Das war ein wirklich krasses Erlebnis.
Schon auf der Fahrt nach Hause wunderte ich mich, dass mein Kopf frei und klar war, die Welt war plötzlich komplett bunt. Ich hatte einen unglaublichen Energie-Level, ich hätte im Wald Bäume fällen können. Es brauchte abends einige Zeit, bis ich runterfahren konnte - und dann habe ich in der Nacht wie ein Stein geschlafen. Ich konnte die Energie in den Handflächen noch am nächsten Tag spüren.
Seitdem steht diese Übung jeden Tag auf meinem Plan und ich bin guten Mutes, dass ich damit meine Psyche in den nächsten Absetzschritten unterstützen kann, damit ich etwas leichter da durch komme. Nachdem ich es einmal durchgestanden habe weiß ich jetzt, dass die Absetzsymptome temporär sind und auch wieder vergehen. Das wird mir das Durchhalten in den nächsten Schritten erleichtern. Für mich mal wieder der Beweis, dass in Atem- und Achtsamkeitsübungen große Kräfte stecken, die unsere Psyche unglaublich stärken können.
Ich werde die aktuelle Dosis jetzt erst einmal bis Ende Mai halten, da wir Mitte Mai in Urlaub fahren und ich nicht riskieren möchte, dass es mir während des Urlaubs so schlecht geht. Anfang Juni starte ich dann die nächste Absetzstufe. Alles in allem wird das eine langwierige Angelegenheit, aber ich habe Zeit

... to be continued.