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KARO48


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Hallo Flame,

was nimmst du denn für ein Medikament, was dir so gut geholfen hat?

Ich habe wider mit Sertralin 25mg angefangen, mal sehen wie es damit geht.

23.01.2019 10:47 • #341


Käfer79


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Hallo,
Ich habe auch das Buch gelesen. Ich fand es sehr aufschlussreich. Man hat sehr oft einen Aha-Moment.
Trotzdem hat es bei mir nicht funktioniert. Mir geht es noch immer schlecht, auch wenn die richtigen Panikattacken nachgelassen haben. Allerdings nehme ich auch seit 10 Wochen das Medikament Sertralin, und ich bin 1x pro Woche bei einer Therapeutin.
Die Frage, ob man Medikamente nimmt, wird (auch hier im Forum) oft als negativ aufgefasst. Natürlich nehme ich diese Tabletten nicht gerne (wer tut das schon!), aber ich glaube, wenn es einem richtig richtig schlecht geht versucht man doch ALLES! Wieso ist es in unserer Gesellschaft so verpönt Hilfe in Form von Medikamenten anzunehmen. Selbst bei der Geburt gilt es als schwach wenn man eine PDA nimmt. Ich hatte beides, einmal eine PDA beim ersten Kind und einmal ohne beim zweiten, und ich kann sagen, dass die erste Geburt viel stressfreier war, auch für mein Kind (Geburt dauerte beim 1.Mal 10Stunden, beim 2.Mal 26 Stunden!). Es mag stimmen, dass man in erster Linie auf seinen Körper hören soll, und Medikamente eine Art letzter Ausweg sein sollen, aber bitte bitte verurteilt doch nicht, dass es Menschen gibt, die diesen Weg gehen.
Wie gesagt, ich nehme seit 10 Wichen Sertralin, und es geht mir noch immer nicht gut. Aber das Medikament ist ja auch keine Wunderpille, es ist begleitend zur Therapie.
Und ja, es gibt Menschen, bei denen es ein Ungleichgewicht im Kopf gibt und denen es hilft dauerhaft ein Medikament zu nehmen. Ich habe seit der Geburt meines 2. Kindes Probleme mit Ängsten und Depressionen. Seit damals (vor 9 Jahren) nehme ich Citalopram, bzw. Sertralin. Ich habe es 5x (!) abgesetzt, vor allem weil ich mir selbst gesagt hatte es geht dir wieder gut, du brauchst das nicht, aber jedes Mal kam nach etwa 1/2 Jahr die Angst zurück. Ganz ehrlich, ich kann nicht mehr! Dieses Mal werde ich, sobald ich stabil bin, das Medikament nicht mehr absetzen, ich will da nicht immer und immer wieder durch. Mein Arzt meinte auch, ich solle mir diese Tiefs ersparen und bei einer prophylaktischen Dauermedikation von 50mg bleiben.
Glaubt mir, ich mache es mir sicher nicht leicht! Und wenn ich dann höre, wie manch einer sagt, er hätte während seiner Depression keine ADs genommen (nein, solche Leute nennen es nicht Depression sondern Burnout, klingt ja viel besser) ich aber zufällig weiß, dass sie dich welche genommen haben (ich arbeite in einer Apotheke) könnte ich grad kotzen!
Es ist schön, wenn man es ohne schafft, aber bitte bitte macht uns kein schlechtes Gewissen!

23.01.2019 14:58 • x 2 #342


KARO48


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Hallo Käfer,

mir geht es wie dir.Habe in den letzten 18 Jahren auch immer versucht ohne Sertralin auszukommen. Auch auf anraten meiner Psychaterin, die sagt wenn es ihnen gut geht. Aber so blieb es dann leider nicht. Die Ängste kamen zurück. Ich bin auch kein Freund von Tabletten, hat damals schon gedauert bis ich die erste Tabl. genommen hatte.Da ich auch Angst hatte vor den Nebenwirkungen. Bekommt man denn den "Mist" nie los, ich glaube nicht mehr dran, bin schon am verzweifeln!


Ich wünsche hier allen noch einen schönen,angstfreien Tag.


Tschüß
KARO

24.01.2019 11:03 • x 1 #343


Flame


Zitat von KARO48:
Hallo Flame,

was nimmst du denn für ein Medikament, was dir so gut geholfen hat?

Ich habe wider mit Sertralin 25mg angefangen, mal sehen wie es damit geht.


Ich bekomme Lyrica,300 mg /Tag.

Habe viele Medikamente ausprobiert,bis ich meins gefunden habe.
Es ist halt kein Antidepressivum sondern ein Antikonvulsivum,hat also einen ganz anderen Wirkmechanismus.
Antidepressiva (ausser Amitriptylin) haben mir leider nicht geholfen und das Amitriptylin musste ich wegen zu starker Gewichtszunahme wieder absetzen und nehme es jetzt nurnoch als Bedarf.

Es ist keine Schande,ein Medikament zu nehmen und bedeutet auch nicht,dass man nicht bereit ist,sich anzustrengen oder was auszuhalten.
Es ist im Gegenteil eine Stärke,wenn man erkennt,was man braucht um stabil zu bleiben (Selbstürsorge) und den Mut aufbringt,mehrere Medikamente zu probieren.

Freue mich für jeden ,der auf Medikamente verzichten kann aber auch für jeden,der sich nicht noch obendrein mit Selbstvorwürfen zermartert,weil es ohne Medikament nunmal nicht geht.
Wir haben auch so schon genug auszuhalten.

27.01.2019 11:28 • x 3 #344


Fakten checker


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Ich habe mir das Buch gekauft. Ich habe sehr fleißig und lange geübt. Am Anfang hat es sich gut angefühlt und ich habe den Eindruck gehabt dass es hilft. aber langfristig hat es überhaupt nichts geholfen. Mir ging es sogar teilweise schlechter.. Dann habe ich ein bisschen recherchiert:

Klaus Bernhardt präsentiert sich als hochklassiger und mit vielen Wissenschaftlern vernetzter Psychotherapeut, der angeblich die neuesten Studienergebnisse zum Thema "Angsttherapie" ausgewertet hat. Leider ist nichts von all dem wahr.

Klaus Bernhardt hat noch nicht mal Psychologie studiert. Er ist "nur" Heilpraktiker (und das noch nicht mal allzu lange, da er zuvor angeblich Journalist war). Dies ist prinzipiell kein KO-Kriterium um Menschen helfen zu können (Es gibt auch gute Heilpraktiker).

Leider ist es im Falle von Herrn Bernhardt tatsächlich so, dass er offensichtlich keine Ahnung von Forschung hat. Schaut man ins Quellenverzeichnis seines Buches, so finden sich dort nur fünf Literaturnachweise! Einer davon bezieht sich auf die "Power Posing" Studien von Amy Cuddy. Diese Studie wurde jedoch sogar von der ursprünglichen Koautoren (Dana Carney) mittlerweile als völlig haltlos zurückgezogen, da massive methodische Fehler durchgeführt wurden (googeln Sie einfach nach: "Dana Carney letter Power posing"). Jeder, der sich ein bisschen mit Wissenschaft auskennt, weiß um diesen Wissenschafts-Skandal.
Noch schlimmer wird es jedoch, wenn man auf der Webseite von Klaus Bernhardt nach den Studien sucht, auf denen seine so angeblich revolutionäre 10 Satz Methode aufbaut. Denn dort werden einfach einige Studien aufgelistet, um den Schein von Wissenschaftlichkeit zu erzeugen.

So zitiert er beispielsweise die folgende Studie "Less is more: Neural activity during very brief and clearly visible exposure to phobic stimuli."
Als Überschrift schreibt er hinzu, dass diese Studie zeigen würde, dass "sich mit Bildern im Kopf zu beschäftigen" effektiver sei, als "die klassische Konfrontation in vivo". Leider geht es in dieser Studie aber um etwas ganz anderes. In dieser Studie wurde nur untersucht, wie sich die ultrakurze Präsentation von Spinnenbildern am Computer-Monitor auf das Gehirn und die Angstsymptomatik auswirkt.
Es geht also keineswegs um einen Vergleich zwischen dem "sich Bilder im Kopf erzeugen" und der klassischen Konfrontation in vivo. Offensichtlich hat Klaus Bernhardt also leider gar nicht verstanden, um was es in den von ihm zitierten Studien geht

Diese, die Wissenschaft verletzende Art und Weise setzt sich leider in seinem Buch fort. An etlichen Stellen nennt er präzise Prozentzahlen ohne auch nur eine einzige Quelle zu nennen. So behauptet er beispielsweise, dass durch Konfrontationstherapie 7 von 10 Patienten eine Symptomverschlechterung erleiden. Auch dafür nennt er natürlich keine Quelle. Denn für diese Aussage - oder sorry ich kann es wirklich nicht anders sagen - "Lüge" gibt es keine Quelle.

Und was ist mit seiner revolutionären 10 Satz Methode?
Diese Methode hat Bernhardt angeblich in irgendeinem Seminar gelernt, dessen Ursprung er natürlich auch wieder nicht nennt. Dem Leser wird suggeriert, dass der Urheber dieser Methode wohl ein großartiger Wissenschaftler gewesen sein muss. Allerdings besteht die 10 Satz Methode nur aus Affirmationen und Suggestionen. So soll man sich einfach einreden, dass man z.B. eine erfüllende Beziehung führt. Es handelt sich also letztlich nur um einen Abklatsch einer "Positives Denken"- Methode wie man sie in jedem drittklassigen Selbsthilfe Ratgeber findet. Da Klaus Bernhard sich aber während der gesamten Lesezeit des Buchs als herausragender Forscher präsentiert, kann es gut sein dass bei manchen Lesern dies einen Placebo-Effekt auslöst. Gerade bei Angsterkrankungen fallen Placebo-Effekte vergleichsweise groß aus. Wissenschaft bedeutet jedoch, Methoden zu entwickeln, die besser sind als der Placeboeffekt. Dafür wird weltweit von "echten" Wissenschaftlern sehr viel und intensiv geforscht.


Warum hat das Buch dennoch so viele positive Rezensionen?

Dank des kurzfristigen Placebo-Effekts...

14.05.2019 08:22 • x 3 #345




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