Pfeil rechts

F
so jetzt brauch ich mal ne Runde Hilfe beim denken und fühlen und Konsequenzen ziehen.

Ich hänge durch - ich merke, dass wie in ein undichtes Boot das voll Wasser läuft, Depression in meine Selle sickert.
Macht Depression einsam? Oder macht Einsamkeit depressiv? Beides. Es schiebt sich gegenseitig an.
Ich schäme mich überflüssigerweise dafür. Ich mag mich nicht, wenn ich depressiv bin und will mich dann niemandem zumuten. Ich fühle mich als hätte ich einen Wattebausch im Kopf und kann nicht mehr klar denken. Meine ganze Energie geht dafür drauf irgendwie sozial kompatibel meinen Arbeitstag zu überstehen. Wenn ich unter Leuten bin, will ich weg, will allein sein, weil ich ständig das Gefühl habe mich verstellen zu müssen. Wehe wenn mich jemand fragt, wie´s mir geht - dann sag ich entweder gar nichts mehr, oder nerve mich selbst mit Gejammer.
Wenn ich alleine bin, sehne ich mich nach Menschen. Die Decke fällt mir zuhause auf den Kopf, ich weiß nichts mit mir anzufangen. Die innere Spannung steigt. Ich fühle mich so unter Druck, dass ich zu keinem normalen Telefongespräch in der Lage wäre.
Wie einem lahmen Gaul rede ich mir zu irgendwie teilzuhaben. Manchmal gehe ich dann wirklich los und unter Menschen - und fühl mich meist fürchterlich. Es interessiert mich nichts, es ist alles tödlich langweilig, selbst Freundlichkeit von anderen erreicht mein Herz nicht.

Es ist wie eine Wippe: von der einen Unerträglichkeit weich ich in die andere aus.

Und meine ganze Klugheit, das Denken, das Reden-können nützt mir da gar nichts, wird zum Teil des Kreislaufs.
Irgendwie ist das auch ein schon körperlicher Zustand voller Spannung, trüben Blicks. Gott wenn ich nicht wüßte im Kopf, dass es auch ganz anders geht... Wenn ich glücklich bin, dann kann ich mir immer gar nicht mehr vorstellen, wie sich dieser idiotische Zustand anfühlt. Ich denke dann immer: SO JETZT HAST DU DAS HINTER DIR. Und wenn ich dann wieder in den Seilen hänge, dann gehts umgekehrt: Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass es je wieder anders wird. Ich habe auch immer noch keine Ahnung, was ich praktisch tun kann, um diese Abwärtsspirale zu unterbrechen. Und ich finde es ätzend schon wieder so bei Null anfangen zu müssen... OK ICH SEH`S JA EIN. Das Antidepressivprogramm für Anfänger ist wieder angesagt.
Johanniskraut nehm ich schon wieder. Werd jetzt wieder mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, WEIL DAS WETTER JA SO TOLL IST. Ach schei.. Ich dachte echt, ich wär mal einen Schritt weiter.
Bin ich vielleicht auch, weil ich weiß jetzt, dass meine Depressivität nicht einfach so aus dem Nichts kommt, sondern in Zusammenhang steht mit Kontaktproblemen (so nenn ich das mal; eigentlich müßte ich sagen: Innerem Unbeteiligtsein), die ich schon immer hatte. Und da weiß ich jetzt irgendwie auch nicht weiter - drum brauch ich ja die Therapie...
Das ist als Grundkonflikt auch irgendwie schon immer da gewesen; mal mehr, mal weniger an der Oberfläche. Ich will endlich daran etwas ändern. Ich will meine Zeit nicht länger damit verschwenden mich selbst zu blockieren und meine ganze Kraft im Stillstand zu verheitzen. Ich will auch nicht mehr die ganze Zeit um mich selbst kreisen, mir ist das peinlich. Ich hab mich ja wieder in Thera angemeldet - und muß noch warten; habs grad ziemlich nötig.
Und bevor ihr jetzt alle sagt, dass es euch ja genauso geht, wovon ich ausgehe, weil sonst wärt ihr ja nicht hier - was TUT ihr, wenn euch der große Rückschlaghammer auf den Hinterkopf trifft? Wie steigt ihr aus, aus der Abwärts-Endlosspirale? Was hilft euch, wenn ihr euch einsam fühlt - wie schafft man es davon nicht auch noch depressiv zu werden; was hilft euch, wenn ihr depressiv seid - wie schafft man es nicht davon auch noch isoliert zu werden?

flo

18.11.2007 22:39 • 21.12.2007 #1


18 Antworten ↓


S
Hallo flojoflo,

ich denke inzwischen genau wie Du, dass sich Depressivität und Einsamkeit gegenseitig anschieben. Was du beschreibst, kenne ich sehr gut. Bisher habe ich es jedoch selbst nicht geschafft, da herauszukommen. Die Antidepressiva habe ich abgesetzt, weil sie auch nach nunmehr zwölf Wochen Einnahme nicht stimmungsaufhellend gewirkt haben. Vielleicht haben Menschen wie Du und ich auch nichts mehr, was da großartig aufzuhellen wäre?

Wenn es krass ist, dann schnappe ich mir meine Hunde und gehe mit ihnen eine große Runde. Normalerweise, je nach Tages- oder Nachtzeit, trifft man da auch ab und an jemanden, wenn man es nicht darauf anlegt, niemandem zu begegnen, und kommt mal ins Gespräch.

Freunde kannst du weitgehend knicken, denn die haben die meisten nur, wenn's einem gut geht. Geht's einem schlecht, machen sie nach und nach den Abflug. Das ist dann ein weiterer Faktor, dass man sowohl isoliert wird als auch sich selbst isoliert, und letztlich geht man sich selbst gehörig auf den Wecker.

Was ich tue, wenn die Einsamkeit und das Depressive unerträglich wird, ist nicht empfehlenswert. Ich weiß es, aber - leider - einen anderen Weg konnte ich bisher auch nicht finden. Ich nehme dann Tabletten ein, damit ich schlafen kann, damit ich für 10-12 Stunden außer Gefecht gesetzt bin, nicht mehr denken, nicht mehr fühlen, nicht mehr grübeln muss.

Hast Du denn auch gar niemanden, den Du wenigstens mal anrufen könntest, wenn es dir schlecht geht? Du schreibst zwar, dass du dann zu keinem normalen Telefongespräch im Stande wärst, aber gibt es denn niemanden, der das verstehen würde und dennoch mit dir sprechen würde?

Oder hast du Bekannte, die mit dir mal ausgehen würden? Vielleicht wäre in deinem Bekannten-/Freundeskreis jemand, der mit Dir beispielsweise zu irgend einer sportlichen Aktivität ginge, damit Du (wieder) unter Leute kommst?

Ich würde Dir gerne da raushelfen, weiß aber auch nicht wie, zumal wir wohl beide das gleiche Boot gemietet haben...

19.11.2007 10:31 • #2


A


Macht Depressivität einsam? Oder macht Einsamkeit depressiv?

x 3


G
Hallo - ja wie soll ich dich jetzt anreden?
Mit Supergau? Hmmm. Ich werd dich Supi nennen. Das hast du nun von soviel positive- thinking...
Ich hab euch ja gewarnt - ich will nicht in meinem Gejammer bestätigt werden. Ich will mich auf die Suche machen, nach Dingen, die ich TUN kann. Konkret, praktisch pragmatisch, verstehst, Supi?
Ein paar Sachen finde ich da auch bei dem was du schreibst:
Gut finde ich zB den Hinweis, dass es Leute gibt, die mit mir telefonieren würden, obwohl ich grade nicht richtig ticke. Offenlegen statt verheimlichen - das funktioniert oft. Ich werde drüber nachdenken, wen ich in mein Problem einweihen könnte.
Mit dem Hund laufen - gottseidank hab ich auch einen - das hilft schon mal die Bude zu verlassen.
Supi - für mich wichtig ist diese Verbindung zu knacken zwischen Depression und Einsamkeit. Gerade wenn ich depressiv bin brauche ich eigentlich Menschen. Gerade wenn ich alleine bin, brauche ich eigentlich meine ganze Kraft..
Irgendwie hat mir das, was du schreibst dann doch mehr geholfen, als du wahrscheinlich ahnen konntest. Ich habe einfach gemerkt, dass ich die ausgetretenen Bahnen der Selbstblockade verlassen WILL.
Ich glaube diese Wippe - das ist eine Methode Kraft in Reibung zu verwandeln. Da steckt meine ganze Energie drin, mein Widerstand gegen die Zumutung, die Menschen für mich bedeuten und mein Widerstand gegen meine eigenen Gefühle.
Ich bin ein Selbstfesselungskünstler. Wer knoten kann, kann sie auch lösen.
Ich hab mich hingesetzt und die 10 schlimmsten Sätze, die ich über mich selbst denke aufgeschrieben. Dann habe ich für jeden Satz eine angemessene Antwort gesucht und auch aufgeschrieben. Ich habe ein paar Seiten Tagebuch geschrieben. Ich habe eine Liste von Dingen angelegt, die ich tun kann, wenn ich alleine bin - und eine Liste von Dingen, die ich mit anderen tun kann... Seither sprudelt es in meinem Kopf geradezu.
Auf einmal fällt mir auf, wie das ganze zyklisch zusammenhängt. Zergrübeln gehört dazu, sich selbst überfordern, sich selbst wild beschimpfen, sich selbst maßlos unter Druck setzen, Wunder erwarten, Frust schieben, wenn sie nicht eintreffen, abjammern, Trost dafür einstreichen, sich bestätigen lassen im Elend, sich in seinem Elend als was besonderes vorkommen - anstatt zu ARBEITEN. Eine Haltung, die ich mein GANZES LEBEN eingenommen habe, wird nicht einfach so verschwinden. Ich muss daran arbeiten und jeden Tag üben, etwas anders zu machen.
Wisst ihr was ich für eine geniale Idee hatte? Ich werde Bildungsurlaub machen. Jawoll. Hab ich noch nie gemacht - ist immer sinnlos verfallen. Es gibt bestimmt nette Angebote und im Klassenzimmer ist es leicht Leute kennenzulernen (auch wenn das nicht das Hauptziel dabei ist).
Und noch was: Ich MUSS ja nicht von jetzt auf gleich der Partyhengst werden, oder? Ich DARF auch alleine sein und das genießen und Sachen machen, die mir alleine Spaß machen - und nach dem ganzen Beziehungsvollstress, den ich hinter mir hab ist das auch ganz normal, dass man erst mal die Faxen dicke hat, oder?
Und ich MUSS auch nicht vor guter Laune platzen. Ich DARF auch traurig sein und müde, nach all dem schei.. Und ne Weile durchhängen und zu mir kommen durch NICHTS tun.
Schlimm wird das nur durch Panik. Durch die Angst, dass das jetzt immer so bleibt und ich vereinsamt in düsteren Depressionen bis an mein bitteres Lebensende vor mich hin vegetiere.


Zitat von supergau:
Hallo flojoflo,

ich denke inzwischen genau wie Du, dass sich Depressivität und Einsamkeit gegenseitig anschieben. Was du beschreibst, kenne ich sehr gut. Bisher habe ich es jedoch selbst nicht geschafft, da herauszukommen. Die Antidepressiva habe ich abgesetzt, weil sie auch nach nunmehr zwölf Wochen Einnahme nicht stimmungsaufhellend gewirkt haben. Vielleicht haben Menschen wie Du und ich auch nichts mehr, was da großartig aufzuhellen wäre?

Supi, das mit den Medikamenten ist so eine Sache. Ich habe mich selbst gegen den Gedanken immer gewehrt. Ich fand das immer eine Verdrängung. Es war dann irgendwann ziemlich wichtig für mich den Entschluss zu fassen alles zu tun, was in meiner Macht steht um die Depression zu überwinden - und es dann, wenn mein Therapeut das für richtig hält auch mit Medikamenten zu versuchen. Bislang war das nicht der Fall (Johanniskraut, naja). Ich würde es tun - aber niemals ohne Therapie. Die Kombination aus Medikamenten, die den Serotoninspiegel stabilisieren und Verhaltenstherapie gilt als die wirksamste Methode gegen Depressionen vorzugehen. Mit spürbarer Aufhellung hat das nichts zu tun - eher mit Arbeitsfähigkeit - Arbeit am Problem, das dich in die Depression getrieben hat.
Natürlich gibts bei mir was aufzuhellen - bei dir auch, ganz sicher. Du glaubst ja gar nicht wie schön das Leben sein kann. Ich weiß das, ich habs schon erlebt. Ich wär doch doof, wenn ich aufgeben würde.

Zitat von supergau:

Freunde kannst du weitgehend knicken, denn die haben die meisten nur, wenn's einem gut geht. Geht's einem schlecht, machen sie nach und nach den Abflug. Das ist dann ein weiterer Faktor, dass man sowohl isoliert wird als auch sich selbst isoliert, und letztlich geht man sich selbst gehörig auf den Wecker.

...nein verdammt, das stimmt nicht. Die machen nicht den Abflug - sondern wir, Supi. Wir machen uns unerreichbar, WEIL WIR DAS SO WOLLEN. Wir haben was davon, glaubs mir. Und wenn man das rauskriegt, dann kann man sich das vielleicht anders holen, ohne sich zu isolieren. Was ist dein Vorteil, wenn dich niemand mehr anspricht, wenn es dir schlecht geht?

Zitat von supergau:
Was ich tue, wenn die Einsamkeit und das Depressive unerträglich wird, ist nicht empfehlenswert. Ich weiß es, aber - leider - einen anderen Weg konnte ich bisher auch nicht finden. Ich nehme dann Tabletten ein, damit ich schlafen kann, damit ich für 10-12 Stunden außer Gefecht gesetzt bin, nicht mehr denken, nicht mehr fühlen, nicht mehr grübeln muss.

Um nichts mehr zu fühlen, brauch ich keine Tabletten. Bin mein eigener Lokalanästhesist. Schlafen kann ich im Moment auch nicht gut. ZUVIEL KONTROLLE. ZUVIEL DENKEN. Mehr handeln - das macht müde.

Zitat von supergau:
Ich würde Dir gerne da raushelfen, weiß aber auch nicht wie, zumal wir wohl beide das gleiche Boot gemietet haben...


Noch eine Erkenntnis des heutigen Tages:
Wo stehe ich? Da wo ich hin wollte. An Deck.
Wohin will ich? Aufs offene Meer.

... und wenn der Kahn vollläuft muss ich wohl schöpfen.

20.11.2007 00:58 • #3


S
Guten Abend,

Zitat:
ja wie soll ich dich jetzt anreden?


Na klar mit Supergau. Ich bin DER Supergau. Meine vita ist ein Gedicht mit Titel Deutschland sucht den Supergau, es spiegelt alles wider, was ich bin, war usw. tja - positive thinking für andere funzt bei mir immer, für mich dagegen so gut wie nie, und wenn mal zwischendrin, kriege ich schon ein schlechtes Gewissen dabei. Ist aber anscheinend Standardausrüstung bei einer Volldeppin wie mir.

Das, was du geschrieben hast, bezeichne ich nicht als Gejammer. Jeder hat das Bedürfnis, sich einmal alles von der Seele zu reden oder zu schreiben und eigentlich sollte jeder sich auch verpflichtet fühlen, zuzuhören, dem ist nicht so, das weiß ich, aber es gibt dennoch immer wieder jemanden der liest und/oder zuhört... Dabei ist es auch egal, ob jemand bestätigt werden oder lieber andere Wege aufgezeigt bekommen möchte.

Zum Telefonieren: ich war monatelang nur gependelt von Krankenhaus zu Krankenhaus wegen meiner Mum, hatte infolgedessen keinen Sinn mehr für Internet, zudem den Anbieter gewechselt. Es waren dann ca. 12 Wochen, in denen man mich auch über icq nicht mehr erreichte. Ein paar Tage, nachdem meine Mum verstorben war, ging ich online, icq startete automatisch und sofort meldete sich ein Bekannter. Wir lernten uns vor ca. drei Jahren über ein Online Browsergame kennen, schrieben seither in unregelmäßigen Zeitabständen, hatten einmal telefoniert. Prompt meldete er sich, fragte, wie es mir gehe und ich schrieb es ihm. Sofort kam die Message ruf mich an! mit seiner Telefonnummer. Ich tat das. Und dann ging es wieder los, ich musste wieder weinen wegen meiner Mutter und konnte kaum reden, habe mich entschuldigt. Er sagte Quatsch doch nicht, du brauchst dich nicht entschuldigen, das ist normal, lass es raus, ich bin ja da. Tja, und so hörte er mir zu und blieb auch dann noch dran, wenn ich minutenlang nur geheult habe und kein vernünftiges Wort mehr rauskam.

Er hat mir jedenfalls geholfen - er hat zugehört, er hat NICHT gesagt, heul nicht, oder das Leben geht weiter, sie hatte ihr Leben, du musst nun dein Leben führen. Also bei ihm standen nicht diese gut bürgerlichen Speisen in Form von abgedroschenen, gelangweilten Phrasen auf der Karte.

Na siehst du - Thema Hund. Ich bin ganz ehrlich: wenn ich die beiden Knuffnasen, meine süßen Hundejungs nicht hätte, dann hätte ich längst den Weg ins Nirvana angetreten. Manchmal, wenn ich ernsthaft an etwas bestimmtes denke und noch nicht zu ende gedacht habe, da sitzen die beiden plötzlich vor mir und schauen mich an als wollten sie sagen: du wirst doch nicht... wir brauchen dich. Na gut, dieser Blick... Dürfte dir aber bekannt sein. Was für einen Hund hast du denn?

Ich habe schon verstanden, dass es dir um diese Verbindung zwischen Depression und Einsamkeit geht, und weiß, dass man Menschen braucht in der Depression, aber wiederum von sich aus allein sein will. Glaubst du, ich mache das anders? Einerseits der Rückzug, andererseits dann die Eisamkeit, ein Teufelskreis, der dir jeden Tag für Nachwuchs sorgt, irgendwie... Ist aktuell auch mal wieder nichts Neues, dass ich am liebsten an die Aschentonne gehe, wenn es stockdunkel ist, denn mir könnte ja jemand begegnen und mich vollabern. Andererseits fällt mir die Decke hier auf den Kopf.

Wir blockieren uns selbst, das sehe ich inzwischen auch so. Ich bin beispielsweise im Juli noch mal in die Kirche eingetreten, bin zum Katholizismus konvertiert. Ist eine sehr nette Gemeinde, wo ich mich gleich akzeptiert und aufgehoben fühlte und sehr gerne hin bin. Es hat mir vieles gegeben, mir die Nerven runtergefahrn. Nun hat jemand das Grab meiner Eltern fotografiert. Ich hatte ihnen eine Grafik erstellt mit einem Gedicht. Sie gingen (ich weiß leider nicht, wer das war) damit zum Pfarrer und sagten, meine Zeilen würden wieder auf Selbstmord hindeuten. Klasse Aktion, hintenrum. Besser gehts ja nicht. Zum einen bin ich bis auf die Knochen blamiert und stinksauer, zum anderen fühle ich mich hintergangen, kontrolliert, meine Eltern entwürdigt, denn es waren MEINE Eltern und es waren MEINE innersten Gedanken und Gefühle, die ich ihnen, und nicht anderen preisgab. Aber mit das Beste an dieser ganzen Aktion ist: ich hatte einen Grund, mich mit niemandem mehr aus dieser Richtung abzugeben. Dichtmachen. Wie immer. Irgend ein Grund wird sich schon finden, und wenn nicht, dann produziert man einen.

Geht's dir ähnlich? Du suchst die Gemeinschaft. Hast du sie gefunden, willst du doch lieber wieder allein sein, sie einfach alle von dir abschütteln, am liebsten sofort, und man wird sehr kreativ darin, berechtigte Gründe zu finden, sich zurückzuziehen. Ich habe selbst meine beste Freundin vergrault. Ich habe auf etwas überreagiert. Mittlerweile ist mir klar, dass ich wohl nur auf einen Grund gewartet hatte, mich endgültig wieder zu isolieren. Mal ganz ironisch ausgedrückt: ich bin ein solcher Schussel, wenn ich nichts, aber auch gar nichts auf die Reihe bekomme, so blöd bin, dass meine Blödheit eigentlich staatlich gefördert werden müsste, das mit dem Abtauchen und Verkriechen klappt dafür um so besser...

Zudem sage ich mir dann immer so eine blöde Kuh wie dich braucht eh keiner, sind sowieso alle froh, wenn sie dich nicht mehr ertragen müssen, keiner mag mich, ich bin unnütz, nichts wert, niemand würde mich vermissen. Wiederum eine Bestärkung für sein eigenes Handeln, oder auch Nichtstun, je nach dem, wie man es nun nimmt...

Dein Ausdruck Selbstblockade trifft es auf den Punkt. Damit hast nun du wiederum mir einen anderen Denkansatz geliefert...

Ich dachte dabei an einen Titel von Schiller, da wird am Anfang des Musikstücks gesagt: Wenn dich alles verlassen hat, kommt das Alleinsein. Wenn DU alles verlassen hast, kommt die Einsamkeit. Stimmt das nicht irgendwie?

Zitat:
Irgendwie hat mir das, was du schreibst dann doch mehr geholfen, als du wahrscheinlich ahnen konntest. Ich habe einfach gemerkt, dass ich die ausgetretenen Bahnen der Selbstblockade verlassen WILL.


Na siehst du, bin ich vllt doch ab und zu mal nützlich, das ist mir jetzt fast schon peinlich...

Zitat:
Ich glaube diese Wippe - das ist eine Methode Kraft in Reibung zu verwandeln. Da steckt meine ganze Energie drin, mein Widerstand gegen die Zumutung, die Menschen für mich bedeuten und mein Widerstand gegen meine eigenen Gefühle.
Ich bin ein Selbstfesselungskünstler. Wer knoten kann, kann sie auch lösen.


mein Widerstand gegen die Zumutung, die Menschen für mich bedeuten

trifft auch zu, aber ich frage mich gerade, woher es kommt, dass wir unsere Artgenossen als Zumutung empfinden? Ist es nicht logisch, dass man, nach vielen Enttäuschungen, einigen, sehr einprägsamen Erlebnissen, geplatzten Träumen und Hoffnungen irgendwann auf Abstand geht? Wen ich mir vom Leib halte, der kann mir nicht mehr schaden. Aber in diesem selbst erstellten Schema beißt man sich fester als meine kleinen vierbeinigen Wadenbeißer und übersieht dabei, dass es auch noch Menschen gibt, die nicht in das uns so verhasste Schema passen. Die anders sind. Die verstehen. Die auch dann, wenn man sie braucht, einfach DA sind. Diese positive Erfahrung musste ich in den letzten Wochen ein paarmal machen, war zwar positiv überrascht, aber irgendwie irritiert, weil es mein bis dahin vorherrschendes misanthropisches Denken und Fühlen durcheinander gewirbelt hat. Nein, ich bin kein 100%iger Misanthrop, ich würde eher sagen, temporär misanthropischer Altruist. Ich glaube, du tickst irgendwie ähnlich...

mein Widerstand gegen meine eigenen Gefühle

dieses ist auch ein merkwürdiges Paradoxum. Manchmal fühle ich absolut nichts mehr, tue dann Dinge, um zu testen, ob ich eigentlich noch irgendwas Lebendiges, Schmerz empfindendes in mir habe. Ein andermal ist man innerlich regelrecht überbevölkert mit Gefühlen, kann sie nirgends so richtig unterbringen. Dann hat man wieder etwas, wogegen man ankämpfen kann. Vielleicht schaffen wir uns so un- und unterbewusst eine Art Beschäftigungstherapie, welche, ebenfalls unbewusst, auch eine Überlebensstrategie ausarbeitet... Draußen unterdrücke ich auch, so gut es geht, meine Gefühle. Aber in meinen eigenen vier Wänden lasse ich ihnen seit ein paar Wochen freien Lauf. Wenn dieser sture Bock in mir heulen will, dann lasse ich es raus und unterdrücke es nicht mehr. Wenn ich mich über was ärgere, dann lasse ich mir das anmerken, ich lasse es einfach zu. Vielleicht sind die eigenen vier Wände, die uns vor denen da draußen schützen, ja auch so etwas wie ein Heimtrainer... Vielleicht ermöglicht er uns, dies bliebe wenigstens zu hoffen, da bekanntlich die Hoffnung zuletzt stirbt (wobei ich nun wieder ironisch werden und schreiben könnte wie kann was zuletzt sterben, was von Anfang tot war?...), die kleinen ausgetragenen und gewonnenen Kämpfchen und Kämpfe gegen uns selbst auch auf das Außen zu übertragen...


Zitat:
Ich hab mich hingesetzt und die 10 schlimmsten Sätze, die ich über mich selbst denke aufgeschrieben. Dann habe ich für jeden Satz eine angemessene Antwort gesucht und auch aufgeschrieben. Ich habe ein paar Seiten Tagebuch geschrieben. Ich habe eine Liste von Dingen angelegt, die ich tun kann, wenn ich alleine bin - und eine Liste von Dingen, die ich mit anderen tun kann... Seither sprudelt es in meinem Kopf geradezu.


Das ist gut. Aufschreiben ist etwas sehr Gutes und hilfreich. Da kann man sich so richtig austoben, keiner kritisiert einen, niemand wirkt erschrocken... Ich liebe Sarkasmus und Selbstironie, und mit meinen Sprüchen können viele nicht umgehen, sind regelrecht perplex (Beispiel: meine Firmpatin und andere machten sich angeglich Sorgen, weil sie mich ein paar Tage nicht sahen. Sie passte mich unterwegs ab, fuhr mich nach Hause. Vorm Haus sprach sie mich dann darauf an, dass sie und andere eben... bla bla... Daraufhin antwortete ich: na hör mal, so lange unter der Ritze meiner Haustür kein Verwesungsgestank wahrgenommen wird, bin ich noch am Leben, schlimmstenfalls gerade erst abgekratzt, dann müsst ihr eben nach zwei Tagen noch mal schnuppern kommen...). Klar, verständlich für mich, dass damit nicht jeder umgehen kann, selbst mein Therapeut musste einmal abbrechen, als ich ihm die wüstesten Phantasien meiner Selbsteinschätzung und Möglichkeiten der Selbstzerbröselung schilderte. Aber er wollte es wissen, und irgendwo steht geschrieben du sollst nicht lügen... Also sagte ich ihm u.a., was ich von mir halte.

Und du kannst nur 10 schlimmste Sätze über dich zusammenschreiben? Ich weiß nicht, ich glaube, bei mir dürften da einige Nullen mehr hinter der eins stehen. Aber es hilft, wenn man sich all dieses aufschreibt, zum Ausdruck bringt, was man sonst besser und nicht jedem gegenüber tun sollte. Und dann noch zu jedem Satz eine angemessene Antwort zu suchen und aufzuschreiben. Was hat dieses letztendlich in dir bewirkt? Ging es dir danach besser oder schlechter, oder bist du in deiner Denkweise in eine andere Richtung gelenkt worden?

So etwas wie Tagebuch schreibe ich auch. Ich schrieb auch Geschichten und Gedichte, für meine Mutter, musste sie ihr rauf und runter im KH vorlesen, sie gefielen ihr. Es sind ein paar angefangene dabei. Allerdings habe ich mich mit ihrem Tod dazu entschlossen, weder die unfertigen zu Ende zu bringen, noch jemals wieder etwas zu schreiben.

Deine Liste, die du erstellt hast, wo du gegenüberstellst oder aufzählst, welche Dinge du allein tun kannst und die, die du mit anderen tun kannst, finde ich, ist eine super Idee und ich werde sie vielleicht auch selbst aufgreifen. Nur, denkst du, du bist dann auch bereit, die Dinge zu tun, die du nicht alleine machen kannst?

Ich muss ehrlich eingestehen, dass mich dein Beitrag und dieses jetzt alles hier wirklich auch zum Nachdenken angeregt hat. Plötzlich kam mir in Erinnerung, dass jemand zu mir sagte, ich solle mir für jeden Tag ein Ziel setzen. Also habe ich mir für gestern Ziele gesetzt, eine Liste erstellt, was ich zu tun und zu erledigen habe. Bis auf zwei Punkte konnte ich auch alles einhalten und habe selbst gemerkt, dass so etwas besser ist, als stumm und idiotisch an einem Schreibtisch zu sitzen, in immer tieferes Grübeln zu versinken und dann wundert man sich, wenn die Nacht heranbricht, dass man sich fragt wozu habe ich diesen schei. eigentlich überhaupt angefangen? Selbsterkenntnis: wenn man nur in sich selbst versinkt, nichts tut, sich überhaupt nichts vornimmt, wie sollte man dann nachts vorm Schlafengehen zufrieden sein und denken können wow, ich habe tatsächlich dieses und jenes geschafft, ich bin zu Recht müde und morgen gibt's wieder eine Liste. Auf diesem Tripp bin ich erst durch deinen Beitrag gekommen. Hoffe mal, dass mir das nicht nach einer Zeit wieder zu langweilig wird oder einbricht.

Zitat:
Auf einmal fällt mir auf, wie das ganze zyklisch zusammenhängt. Zergrübeln gehört dazu, sich selbst überfordern, sich selbst wild beschimpfen, sich selbst maßlos unter Druck setzen, Wunder erwarten, Frust schieben, wenn sie nicht eintreffen, abjammern, Trost dafür einstreichen, sich bestätigen lassen im Elend, sich in seinem Elend als was besonderes vorkommen - anstatt zu ARBEITEN.


Da kann ich dir nur zu 100% zustimmen. Vor allem dieses sich beschimpfen (mein Thera mein immer, ich würde mich selbst abwerten, und das nur, weil ich einmal versehentlich sagte, dass ich mich als den größten zweibeinigen schei. der Welt sehe; aber was nix wert ist, kann man auch nicht abwerten, ich sehe es einfach nur als die reine Wahrheit...), ich glaube, manchmal steuert man die Wut, die andere, wie auch immer, in einem auslösen, letztlich auf sich selbst, eben in dieser Form. Ja, Wunder erwarten, das stimmt irgendwie. Man erwartet, dass man anders ist, als man jetzt ist, aber tun wir auch was dafür? Bis jetzt? Heute oder gestern? Nein! Ich habe mich diesbezüglich selbst verarscht, Ansätze waren zwar da, und gute Vorsätze, aber nichts davon umgesetzt.


Zitat:
Eine Haltung, die ich mein GANZES LEBEN eingenommen habe, wird nicht einfach so verschwinden. Ich muss daran arbeiten und jeden Tag üben, etwas anders zu machen.


Nein, das wäre unmöglich, und ich glaube, das würde und wird dir auch keiner abverlangen. Alles braucht seine Zeit, alles braucht einen Anfang und ein Ende, und was dazwischen liegt, braucht ebenfalls wieder Zeit. Die muss man sich einfach nehmen. Dass ich die Bude in den letzten fünf Jahren habe vergammeln lassen aus lauter Frust, weil mein lieber Bruder die Zeit meines Zwangsaufenthaltes dazu nutzte, einen wahren Vernichtungsfeldzug durchzuziehen, um seinem Hass und Neid Ausdruck zu verleihen, war falsch. Das ist mir jetzt auch bewusst geworden. Ich bin dabei, es zu ändern, aber ich weiß, dass ich nicht das, was ich fünf Jahren vorsätzlich nicht getan habe, in fünf Tagen oder in fünf Wochen auf die Reihe bekomme, und ich denke, das würde auch niemand erwarten.


Dein Vorhaben mit dem Bildungsurlaub ist doch gut. Klar ist dabei nicht das Hauptziel, Leute kennenzulernen, aber es ist ein angenehmer Nebeneffekt.

Nein, Leute wie du und ich KÖNNEN und MÜSSEN nicht von jetzt auf gleich zum Partyhengst werden, umgekehrt ist das auch nicht möglich. Anders würde man sich nur wieder selbst unter Druck setzen oder setzen lassen, und dass dieser Schuss erneut nach hinten losginge, wäre m.E. vorprogrammiert.

Natürlich DARF man auch alleine sein und das Alleinsein genießen, gleich, was man tut. Das dürfen ist etwas anderes als müssen. Wenn man gerne alleinsein möchte, dann tut es einem auch gut, wenn man jedoch ins Alleinsein durch irgendwelche Umstände gedrängt, gezwungen wird, dann tut es einem eben nicht gut. Ist ganz normal.

Wer hat nicht nach einem Beziehungsstress die Faxen dicke? Finde ich auch normal. Kann dazu aber nicht viel schreiben, weil ich von vorneherein beziehungsunfähig bin. Das hat tiefergehende Ursachen.

Ich lasse meine Trauer auch zu und lasse mir gewiss nicht vorschreiben, dass ich nach gerade einmal drei Monaten und vierzehn Tagen die Trauer um meine Mutter beende, nur weil andere sich das so vorstellen. Zumal jetzt erst alles richtig zur Geltung kommt: der gesamte Alltag ist nicht mehr, wie er war, er ist eigentlich komplett verschwunden. Ich habe auch Angst, dass ich in diesem Zustand verbleiben könnte und wenn dem so wäre, dann wüsste ich dem entgegenzuwirken. Es sind ja auch noch viele, viele andere Dinge im Laufe der Zeit passiert, die einen fertig gemacht haben, dass man jetzt an dem Punkt angekommen ist, wo einfach gar nichts mehr geht, man alles nur noch als sinnlos erachtet, keine Perspektiven, keine Ziele mehr hat. Und nach außen gute Laune spielen, nein, das tue ich nicht mehr. Warum sollten du und ich eigentlich immer andere verstehen, wenn aber wir einen Durchhänger haben, ist's nicht erlaubt? Sehe ich nicht mehr ein!


Deine Erkenntnis des heutigen Tages kann ich leider nicht teilen. Ich stehe nicht dort, wo ich hinwollte, ich stand eigentlich immer nur da, wo andere mich hinwollten. Und wo ich hin will? Am allerliebsten? ... das bleibt vorerst geheim... Gebuchte Reisen kann man ja auch wieder stornieren, oder nicht?

Meine Erkenntnis des heutigen Tages war nicht ganz so brutal wie in den vergangenen Jahren, Monaten, Wochen, denke, das ist aber auch schon was wert, sich überhaupt mal Gedanken zu machen und den Versuch zu starten, irgendwas zu tun, auf die Reihe zu kriegen.

20.11.2007 22:42 • #4


S
hmm, irgendwie bin ich jetzt etwas irritiert, weil ich hatte deinen Beitrag heute morgen in den Editor kopiert und stückweise die Antwort verfasst, weil ich noch ein paar Dinge erledigen musste. Also auf das, was du noch geändert hast, geh' ich gleich ein.

20.11.2007 22:43 • #5


Eleina
Macht Depressivität einsam? Oder macht Einsamkeit depressiv?

Beides! ich hab durch meine Depressionen meine alten Freundeskreis komplett verloren. Dann wiederum bin ich depressiv, weil ich einsam bin. Wie ein Kreis ist das.

20.11.2007 22:50 • #6


S
Wegen der Medikamente: ich weiß nicht, wie ich's nun machen soll. Nehme ja so einiges ein. Johanniskraut hatte ich mal versucht, vertrage es aber nicht. Mein Thera meinte, das sei kein Wunder, weil helle Haut oder so. Keine Ahnung, aber er wird's schon wissen. In der Psychiatrie habe ich alle Medikamente abgelehnt. Nun, seit ein paar Monaten nehme ich alles, was ich kriegen kann. Ich habe einfach keine Lust mehr, Panikattacken auszuhalten, bis sie vorüber sind. Ich habe keine Lust mehr, nie ein- und ebensowenig durchschlafen zu können. Wozu all das, auch die Ängste, immer nur aushalten, das geht schon viel zu lange.


Zitat:
Was ist dein Vorteil, wenn dich niemand mehr anspricht, wenn es dir schlecht geht?


Manchmal könnte ich dann die Kontrolle über mich verlieren, und das hasse ich. Es könnte passieren, dass es wieder aus mir herausplatzt, wie es wirklich in mir ausschaut. Der Vorteil darin, wenn mich niemand mehr darauf anspricht, liegt für mich darin, dass ich nichts vorspielen bzw. herunterspielen und nicht Rede und Antwort stehen muss.

Gefühle, momentan sind sie weg, aber ich brauche nur eine Erinnerung, ein Foto finden, fahre eine Szene ab, Worte... dann geht das ganze innere Chaos erst Recht los. Ich finde es bescheuert und lästig, so zu sein, wie ich bin.

Na ja, schöne Dinge habe ich in diesem Leben ja auch erlebt. Aber ich würde es bei mir nicht als aufgeben sehen, sondern eher als Akt der Barmherzigkeit meinen Mitmenschen gegenüber: Sondermüllentsorgung. Das ist doch Luxus pur, Sondermüll auf zwei Beinen steckt sich selbst in die gelbe Tonne bzw. trennt vorher auch noch alles fein säuberlich, damit andere hinterher so wenig Arbeit wie möglich haben... Sorry, bin momentan auf diesem Tripp, solche Dinge zu schreiben oder zu sagen.

20.11.2007 22:54 • #7


F
Hi Supi,
in deinem Inneren gibt es ein unverletzbares von allen Selbst- und Fremdbeschimpfungen völlig unbeeindrucktes Wesen, das leben will und ein Recht darauf hat und leben wird, egal was du, oder andere ihm antun.
Dein Text macht mich ernst, gerade an den Stellen an denen er lustig ist.

Selbsthass ist nichts weiter als die aggressive Form notwendiger Selbstkritik
hast du dir als Wahlspruch ausgesucht. Das ist nicht wahr.
Ich werd dir mal ein paar Gedanken über Selbsthass aufschreiben - das finde ich gerade wichtiger, als auf alle Einzelheiten deines Textes einzugehen:
Selbsthass ist ein übles Machtspiel. Im Selbsthass wirkt Gewalt gegen dich selbst als Waffe gegen andere. Du zwingst Menschen in deiner Umgebung dazu, etwas zu leisten, was du selbst nicht zu leisten bereit bist: Sich liebevoll um dich zu sorgen. Übel ist das Machtspiel, weil es seine Gewalt nur der Liebe anderer Menschen zu dir verdankt - und sie damit gleichzeitig stört, wenn nicht zerstört - denn Liebe wird durch Manipulation vernichtet.
Selbsthass ist ein sich selbst bestätigendes System. Durch den Druck den du auf Andere ausübst, wird dein Selbsthass größer - die machen das ja nur, weil ich sie unter Druck gesetzt habe. Ist Vertrauen und Liebe dann endgültig zerstört, dann: Siehst du, mit mir hälts halt keiner aus.

Auch dein Impuls jetzt, wenn du das liest, wird möglicherweise sein: Habs ja gleich gewußt, mich versteht keiner. Ich bin Gift für andere. Das ist falsch - aber Selbsthass IST giftig. Hör auf dieses Gift zu nehmen - es stammt von Anderen, die etwas davon haben wenn du dich vergiftest; zB dass du schweigst.

Selbsthass ist ein zweischneidiges Schwert. Es gibt keine Richtung aus der es nicht verletzt. Es gibt keine Möglichkeit sich dir zu nähern ohne zu verlieren, solange du dich selbst hasst.

Selbsthass entsteht nicht von allein. Er ist eine Notfallmaßnahme einer Seele, die in äußerste Enge getrieben wird. Selbsthass gibt dir die ILLUSION von Kontrolle, wenn du physischer oder psychischer Gewalt ausgesetzt bist.

Selbsthass schützt die, die an dir zu Tätern geworden sind. Du schützt sie, weil du neben ihrem Täter-Sein außerdem auf sie angewiesen warst. DU schützt um es präzise zu sagen das letzte bißchen überlebensnotwendiger Liebe, das du in sie zumindest hinein fantasiert hast.

Selbsthass setzt zuverlässig dein Leiden fort - auch Jahrzehnte nachdem dazu kein äußerer Anlass mehr besteht.

Selbsthass zerstört deine Beziehungsfähigkeit. Warum? Weil du nur das an liebevoller Zuwendung von anderen zulassen kannst, zu dem du selbst - dir selbst gegenüber - in der Lage bist. Sonst landest du direkt in der Abhängigkeit und die wirst du zerstören, oder sie zerstört dich.

Und nebenbei - Zynismus schützt den Selbsthass.

Ich kann das jetzt noch zwei Stunden so fortsetzen; ich habe ein zweijähriges Hochleistungstraining im Durchschauen solcher Strukturen hinter mir.
Du bist kein Unfall. Nie im Leben werd ich dich so nennen. Und du tu´s auch nicht. Sonst werd ich ernsthaft sauer.

Du schreibst zugewandt und freundlich, dafür danke ich dir. Vieles verstehst du auch richtig, manches scheinst du auch für dich brauchen zu können. Das ist gut so, das macht den Sinn eines Forums aus.
Ich fände es schön mich weiter auszutauschen über Sachen die man TUN kann, um liebevoll mit sich umzugehen.

Aber, Supi, das hat alles keinen Sinn, wenn du an diesen zentralen Punkt nicht rangehst: Im Gegenteil, der Rückschlag ist vorprogrammiert und wird dich verzweifelter hinterlassen als vorher: wieder etwas was nicht geholfen hat.
Schau dir deine Hundchen an (meiner ist ein Boardercollie mit bißchen Retriever drin - besser gehts nicht).
Alles was dein Herz dabei rührt, hast du selbst hundertfach verdient. In dir ist etwas das unbedingte Liebe verdient hat und dich genauso unschuldig und wissend ansieht, wie die beiden Schnauzen da.
Und DU bist es - NEMAND SONST - nur du kannst dir das geben. Dann erst kannst du das von anderen annehmen.

Es ist ein Entschluss nötig, eine klare Entscheidung: Ich werde nie wieder zulassen, dass mich jemand quält. Ich werde alles tun, was nötig ist, um mit mir selbst fürsorglich und liebevoll umzugehen.

Es sprengt die Grenzen eines Forums sowas zu vermitteln - wenn dich irgendwas erreicht hat, dann marschier los und sprich mit dem Thera drüber. Entscheiden mußt du das ganz alleine. Da kann dich niemand hinbewegen, das mußt du selbst leisten. Aber dann geht es sehr schnell darum, diesen Entschluss zu sichern, denn du gibst damit einen bislang existentiell wichtigen Schutz für dich auf - und du wirst noch Schutz brauchen, bis du gelernt hast dich selbst zu schützen.

Und schau Supi, du weißt ja schon ein bißchen wie´s geht. Würdest du zulassen, dass jemand deine Hunde als Drecksköter bezeichnet? Würdest du sie verhungern lassen? Tagelang einsperren?
Würdest du nicht, weil du sie nie leiden lassen würdest. Du kümmerst dich liebevoll und sorgend um sie, freust dich an ihnen und mit ihnen, sorgst dich um ihre leiblichen bedürfnisse, hast Spass mit ihnen, führst sie aus jeden Tag mehrfach. Das kannst du auch mit dir selbst anfangen. Wichtig ist nicht, dass du es von heut auf morgen schon perfekt kannst - aber dass du dich entscheidest.

Liebe Grüße
flo

21.11.2007 00:33 • #8


S
Hallo flo,

eigentlich warst doch du Themenstarter und es ging um dich, um deine Probleme, und nicht um mich, wenngleich Parallelen bestehen. Ich wollte nicht das Thema an mich reißen oder auf mich lenken, das wäre dir gegenüber unfair, nicht gerechtfertigt, ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass ich das wollte und eigentlich finde ich, bin ich so wichtig sowieso nicht. Möchte aber dennoch auf deinen Text eingehen.

Zitat:
Dein Text macht mich ernst, gerade an den Stellen an denen er lustig ist.


das verstehe ich gerade nicht

Mein selbsterdachter Wahlspruch trifft auf mich zu, deshalb habe ich mir ihn ja auch ausgedacht.

Zitat:
Selbsthass ist ein übles Machtspiel. Im Selbsthass wirkt Gewalt gegen dich selbst als Waffe gegen andere. Du zwingst Menschen in deiner Umgebung dazu, etwas zu leisten, was du selbst nicht zu leisten bereit bist: Sich liebevoll um dich zu sorgen. Übel ist das Machtspiel, weil es seine Gewalt nur der Liebe anderer Menschen zu dir verdankt - und sie damit gleichzeitig stört, wenn nicht zerstört - denn Liebe wird durch Manipulation vernichtet.


Selbsthass entsteht aber oft auch erst durch die Machtspiele anderer. Ich habe keine Umgebung mehr. Meine Umgebung besteht aus meinen Hunden (übrigens zwei Westies) und meinen beiden adoptierten Nymphensittichen, aus einer Art Altar für meine Eltern, Fotos, Erinnerungen, Gegenständen. An die von dir beschriebene Liebe glaube ich nicht mehr. Ist mir aber auch ehrlich gesagt ganz logisch, etwas wie mich kann man nicht lieben, sollte man auch nicht. Denn es gibt Menschen, die dir ihre Liebe schwören, deren merkwürdige Liebe jedoch - eben genau umgekehrt - in ein Macht-, Kontroll- und Dominanzspiel umschlägt oder umschlagen kann.

Mit mir kann es keiner aushalten. Ohne dass ich Druck auf andere ausübe. Es ist einfach so. Wäre ich andere, könnte ich es mit mir selbst nicht aushalten.

Verstehst du? Ich WILL mich nicht selbst mögen oder gar lieben. Kannst du dir vorstellen, was es bedeutet, täglich, neben anderen Problemen, gegen sich selbst anzukämpfen? Gegen diesen ungebrochenen Hass auf dich selbst, der, erst ganz klein und winzig, immer größer wird, bis irgendwann das Ventil geöffnet werden muss? Ich hatte auch oft Konflikte mit meiner Mutter. Manchmal war sie nicht einfach. Dann bekam ich eine maßlose Wut auf sie (aber keinen Hass, dieser ist einzig und allein für mich bestimmt), und wenn ich wieder etwas unten war, kam der Selbsthass, Selbsthass wegen der Wut auf andere, wegen oft unangemessener Reaktionen.

Zitat:
Selbsthass zerstört deine Beziehungsfähigkeit. Warum? Weil du nur das an liebevoller Zuwendung von anderen zulassen kannst, zu dem du selbst - dir selbst gegenüber - in der Lage bist. Sonst landest du direkt in der Abhängigkeit und die wirst du zerstören, oder sie zerstört dich.


Ich will keine liebevolle Zuwendung mehr, weil sie immer wieder nur verlogen ist und irgendwann darauf hinausläuft, diese sogenannte Zuwwendung oder Liebe vorzuschieben, um mich wieder, weiterhin zu dominieren. Das lasse ich nicht mehr zu. Es hat einer seine Grenzen überschritten, dann der nächste, und noch einer - und neulich der letzte, dem ich von all denen von vorher erzählte und dem gegenüber ich ganz klar meine Grenzen gezogen habe. Er labert mir etwas von Liebe, nachdem man sich viermal gesehen hat bei einem Treffen mit anderen, aber bedeutet Liebe tatsächlich, gerade das zu versuchen, wovon ich fünf Minuten vorher erzählt habe, dass ich es nicht will?! Ist das Liebe? Du sagst jemandem, ich möchte dieses oder jenes nicht, und er will es dennoch einfach tun? Ich habe ihn zwei Schritte an mich herankommen lassen und es wäre, hätte ich mich nicht zur Wehr gesetzt, wieder so wie in der Vergangenheit ausgegangen,

Zitat:
Es ist ein Entschluss nötig, eine klare Entscheidung: Ich werde nie wieder zulassen, dass mich jemand quält. Ich werde alles tun, was nötig ist, um mit mir selbst fürsorglich und liebevoll umzugehen.


Das meine ich ja, bevor dieses wieder geschieht, mache ich vorher den Rückzieher oder reagiere entsprechend, damit es nicht wieder geschieht.

Es kommen dann diese Gedanken, dass sowieso jeder froh ist, und froh sein kann, der nichts mit mir zu tun haben muss. Ich nehme das anderen nicht ab, die mir was von Sorge erzählen, dann aber Aktionen am Start haben, die mir schaden und mich noch tiefer reinreiten, als ich eh schon bin.

Also bleibt mir nichts anderes. Aber glaube nicht, dass der Gedanke schön ist, dieser Gedanke so etwas wie mich brauchen sie gewiss nicht, also bleibe ich außen vor. Basta.


Zitat:
Würdest du zulassen, dass jemand deine Hunde als Drecksköter bezeichnet? Würdest du sie verhungern lassen? Tagelang einsperren?


Nein, würde ich nicht. Vor einigen Monaten hatte ich sie am Supermarkt um die Ecke angebunden, kurz natürlich. Sie saßen brav und ruhig nebeneinander. Es kam ein älterer Mann, dessen Gesichtsfarbe beim Anblick der Hunde dunkelrot wurde, und ich wusste, da kommt gleich was. Also sagte er, völlig unbegründet: Die Hunde sind Ungeheuer. Woraufhin ich konterte: Da haben Sie Recht. Und Sie sind ein zweibeiniges Ar*******. War wohl ungezogen von mir, aber meine Hunde hätten es ihm ja nicht sagen können... Nie würde ich etwas tun, was ihnen schadet und sie bekommen alles, was sie brauchen und nur das Beste. Aber: SIE haben das auch verdient. Ich nicht.

21.11.2007 16:12 • #9


G
hallo,


ich habe euer...hm...gespräch aufmerksam verfolgt und möchte mich dazu auch gerne mal äußern.

21.11.2007 16:22 • #10


S
Hallo Gast,
wer oder was hindert dich denn daran, dich zu äußern? Das ist doch Sinn und Zweck eines Forums, wenn man öffentlich posted, dann hat doch auch jeder Mitspracherecht.

21.11.2007 16:32 • #11


G
Noch mal hallo,

wollte sehen ob das funktioniert... habe noch nie in ein Forum etwas geschrieben. Ja brauchte ein wenig Zeit zum Tippen und Nachdenken...bzw. eigentlich nur tippen

Flo deine Ausführungen zum Selbsthass finde ich gelungen formuliert und auch inhaltlich kann ich dem weitgehend zustimmen.
Wobei ich bei mir feststellen kann, dass ich Selbsthass entwickele um mich vor anderen zu schützen. Ich möchte mich lieber so schlecht sehen, wie es geht, so dass kein anderer sagen könnte, dass er mich noch schlimmer findet, als ich mich selber. Eine dumme Art von Selbstreflexion bzw. Selbstkritik. Ich weiß, dass ich mich selber in Bezug auf meine eigene Meinung zu mir nicht ernst nehmen darf. Ich habe gelernt damit umzugehen, weil ich tief in mir weiß, dass ich zufrieden mit mir sein kann. Das es dumm ist sich an anderen Menschen zu messen.

Selbsthass zerstört deine Beziehungsfähigkeit. Warum? Weil du nur das an liebevoller Zuwendung von anderen zulassen kannst, zu dem du selbst - dir selbst gegenüber - in der Lage bist. Sonst landest du direkt in der Abhängigkeit und die wirst du zerstören, oder sie zerstört dich.
Da stimme ich überein, aber es ist leichter gesagt, als getan ; )

Selbsthass entsteht aber oft auch erst durch die Machtspiele anderer. Supergau das sehe ich anders. Selbsthass kann nur von dir selber ausgehen, das sagt der Begriff schon aus. Natürlich können andere Menschen einen beeinflussen, aber manche Menschen haben die innere Stärke, dass sie es nicht bekümmert was andere denken oder wie sie handeln. Sie wissen, dass sie so wie sie sind besonders sind und daher schon liebenswert, denn das ist jeder. Ich habe noch keinen Menschen gefunden, der nicht wenigstens einem Menschen gegenüber liebenswert und ehrlich war.
Ja, Selbsthass und Einsamkeit sind wohl ein Kreislauf.

Supergau, wenn du so viel Hass gegen dich selber aufbringen kannst, dann musst du sehr stark lieben können. Hass ohne Liebe wäre Gleichgültigkeit. Wenn man sich selber gegenüber gleichgültig ist, dann erscheinen einem ein Probleme auch nicht so groß, denn hey es ist doch egal, was mit einem und um einen passiert.

Ich gebe zu, dass ich hier über ein Thema schreibe von dem ich nicht viel fachliche Ahnung habe, denn ich hab keine Therapie gemacht, sondern bisher nur versucht mit mir selber klarzukommen. Finde ganz anständig bis jetzt...Ja, warum lese ich mir dann eure Beiträge durch, wenn es mir so gut geht?
Weil ich mir Sorgen mache, dass mit mir vllt. so etwas passieren könnte wie es bei euch scheinbar schon passiert. Ich weiß nicht, wie ich es netter, unmissverständlicher bzw. besser formulieren kann.
Noch halten mich Freunde aus, aber ich komme mit meinem Verhalten selber nicht mehr klar und will meine Gleichgültigkeit und negative Grundeinstellung los werden. Ich hatte vor 2,5 Monaten ne ganz schlimme Zeit- schließlich reichte eine Kleinigkeit und ich brach in Tränen aus, weil ich gar nicht mehr anders reagieren konnte. Wochenlang habe ich jeden Tag geweint, weil ich nur so mit allem umgehen konnte und dann kam der Selbsthass wieder, den ich doch vertrieben hatte...bäh ärgerlich.
Nun ja ab hier will ich mich auf die Eingangsfrage beziehen.

Und bevor ihr jetzt alle sagt, dass es euch ja genauso geht, wovon ich ausgehe, weil sonst wärt ihr ja nicht hier - was TUT ihr, wenn euch der große Rückschlaghammer auf den Hinterkopf trifft? Wie steigt ihr aus, aus der Abwärts-Endlosspirale? Was hilft euch, wenn ihr euch einsam fühlt - wie schafft man es davon nicht auch noch depressiv zu werden; was hilft euch, wenn ihr depressiv seid - wie schafft man es nicht davon auch noch isoliert zu werden?

Also dein Ansatz mit dem Tagesplan etc. finde ich super- traue ich mir momentan noch nicht zu. Fröhlich rüber kommen am Tag, darüber bin ich schon stolz genug. Ja ich gehe davon aus, dass durch Selbstbetrug man auch wieder glücklich werden kann. Schließlich konnte ich mir einreden, dass ich nichts wert bin, also sollte es auch anders rum funktionieren. Was tue ich?
1. Über meine Einsamkeit etc. mit einer guten Freundin reden (ja sie freut sich nicht drüber...).
2. Weggehen mit Bekannten (nein keine Freunde, nur Bekannte): Sie kennen dich nicht gut genug um zu merken, dass es dir schlecht geht und das du dich mitten unter ihnen einsam fühlst und einfach nur weg willst um alleine zu sein, obwohl du dich ja gerade mit denen triffst um nicht alleine zu sein. Und du muss konzentrierter sein, weil du sie weniger kennst und sie daher mehr Aufmerksamkeit fordern, so dass du weniger über dich nachdenken kannst.
3. Alleine sein: Einfach alleine etwas machen. Ich habe letztens zum Beispiel Weihnachtszeug gebastelt und konnte dabei einfach abschalten.
4. Tagebüchereinträge lesen, die man geschrieben hat, als es einem scheinbar super ging
5. Ängsten stellen bzw. immer wieder begegnen bis sie weniger weh tun, oder ich es leid bin, mich wegen den Sachen so schlecht zu fühlen. Mir werden sie dann irgendwann gleichgültig.
6. Einer neuen Herausforderung stellen. Es ist eh momentan alles egal, also kann man auch mal was probieren, kann nur schlimmer werden, also kein RIsiko.
7. Hier im Forum lesen. Mir hilft es auf jeden Fall. Stöbere hier seit paar Wochen rum und hat mir geholfen.

Leider aber auch den Kontakt zu Familie und Freunden abbrechen, da ich sie nicht mehr belasten will und ich nicht möchte, dass sie mir emotional zu Nahe kommen. Möchte momentan nicht verletzbar sein, bis ich wieder selber mit mir besser umgehen kann.
Mein bester Tipp: In eine neue Stadt ziehen und einen neuen Freundeskreis aufbauen. Ja, so etwas nennt man wohl Flucht und daher und aus vielen anderen Gründen nicht umsetzbar.
Flo deine Ansätze klingen überzeugend. Würde gerne noch welche hören?

So zerreist mich nicht wegen meiner Naivität. Vllt. ist man irgendwann so sehr in seiner Einsamkeit etc. verschrickt, dass man gar nicht mehr glaubt, dass es auch eine einfachere Sichtweise gibt. Aber ich glaube an eine andere Sichtweise und habe Träume, auch wenn die momentan verschwommen sind. Jeder kann nur in dem Maßstab den er kennt messen.

Sorry, der Text ist lang geworden...wollte mich eigentlich kurz fassen.
lg miyu

21.11.2007 17:28 • #12


S
Zitat:
Selbsthass entsteht aber oft auch erst durch die Machtspiele anderer. Supergau das sehe ich anders. Selbsthass kann nur von dir selber ausgehen, das sagt der Begriff schon aus.


Natürlich ist mir klar, dass Selbsthass von mir selbst ausgeht. Es kommt, zumindest für mein Empfinden aber auf die Auslöser an. Wenn du jahrelang gesagt bekommst, (1) du seist ein Stück Sch*****, (2) wenn du jahrelang benutzt und dominiert wirst, misshandelt und geschändet:
zu (1) irgendwann übernimmst du das, ich habe es übernommen, wie vieles andere, und ich fühle mich dabei um einiges wohler. Nennt man mich einen Kotzbrocken, finde ich das okay und wahrheitsgetreu, sagt mir jemand, wie neulich, ich sei liebenswert (wenn ich mich nicht gerade in der Trauer um meine Mutter befände, würde ich laut lachen) würde ich ihm, wenn ich sie hätte, 5.000 Euro auf sein Bankkonto für den Jahrhundertwitz überweisen. Mangels fiktiver Geldsumme (die mir, auch wenn ich sie hätte, dann letztlich besser eingesetzt wären in caritativen Maßnahmen für Mensch und/oder Tier) muss sich der Lügner eben damit zufriedengeben, dass ich ihm sage, a) ein Sch******haufen ist nicht liebenswert und b) er möge es bitte unterlassen, mir etwas zu sagen, womit ich nichts anfangen kann und möchte bzw. lege ich keinen Wert darauf, dass jemand was aus Höflichkeit sagt, mich belügt, vergeigt, wie auch immer...

Ich könnte noch ganz andere Dinge schreiben, über meine Selbsteinschätzung, aber das möchte ich niemandem zumuten.

zu (2): du entwickelst einen unbändigen Selbsthass, Ekel, Abscheu, sowohl vor ihnen als auch irgendwann vor dir selbst. Selbsthass auch, weil du dich nicht gewehrt hast. Du konntest es damals nicht, natürlich nicht, weil die anderen ja stärker waren. Aber dennoch - Selbsthass - vielleicht hat man das ja alles auch irgendwie verdient.

Zitat:
Natürlich können andere Menschen einen beeinflussen, aber manche Menschen haben die innere Stärke, dass sie es nicht bekümmert was andere denken oder wie sie handeln.


Ja, diese Stärke habe ich durch meine Übung (1) erhalten. Es schert mich wirklich nicht mehr. Mich kann zumindest verbal nichts mehr verletzen. Jedoch, wie macht man es, dass es einen nicht schert, wie die anderen mit oder an einem handeln? Einfach vergessen? Wie eine Freundin meinte? Hake es ab, puste es weg, lass es hinter dir. Sicherlich, gut gemeint der Rat, aber da hake, puste mal und lass es hinter dir. Das geht leider in einigen Bereichen nicht so einfach, denn irgendwann kommt wieder einer der anderen daher, er heißt anders, geht anders, denkt anders, aber sein Handeln ist das gleiche, läuft auf das gleiche hinaus. Um das dann einfach wegzupusten, müsstest du einen guten Chirurgen finden, der im Stande wäre, dir eine Windkraftanlage in deine Fratze zu transplantieren, denn anderweitig hättest du die Kraft nicht dazu, denn du siehst zwar den neuen anderen vor dir, jedoch, sobald diese für dich äußerste Gefahr und Kontrollverlust darstellenden Situationen Gestalt annehmen, da hat dann der neue andere den Kopf von dem alten anderen. Du kannst nicht anders, als etwas immer wieder mit jemandem zu assoziieren. Natürlich, es sind nicht alle so. Und natürlich mag es ehrliche und reine Zuneigung geben. Um so mehr hasst du dich dann dafür, weil du irgendwann erkennst, dass du all das nur mit Bösen in Verbindung setzt, Leute abblitzen lässt, die dafür nicht verantwortlich sind.


Zitat:
Sie wissen, dass sie so wie sie sind besonders sind und daher schon liebenswert, denn das ist jeder. Ich habe noch keinen Menschen gefunden, der nicht wenigstens einem Menschen gegenüber liebenswert und ehrlich war.
Ja, Selbsthass und Einsamkeit sind wohl ein Kreislauf.


Da kann ich dir leider nicht ganz zustimmen. Inwiefern ist man denn besonders? Weil man besondere Abneigung entwickelt? Weil man ganz besondere Vorstellungen und Phantasien im Kopf rauf- und runterlaufen lässt? Mag sein, dass ich jetzt etwas völlig verpeile, sorry.


Zitat:
Supergau, wenn du so viel Hass gegen dich selber aufbringen kannst, dann musst du sehr stark lieben können. Hass ohne Liebe wäre Gleichgültigkeit. Wenn man sich selber gegenüber gleichgültig ist, dann erscheinen einem ein Probleme auch nicht so groß, denn hey es ist doch egal, was mit einem und um einen passiert.


Oh ja, das muss ich zugeben, ich kann sehr stark lieben, mehr als einmal bis zur Selbstaufgabe. Manchmal bin ich aber dazu nicht mehr im Stande, vielleicht ist dieses jetzt auch gelogen und ich sollte manchmal durch überwiegend nicht ersetzen. Denn es ist immer so gelaufen, wenn ich Liebe gab und Vertrauen, bekam ich irgendwann die Quittung in Form eines besonders gut gemeinten A*-tritts. Irgendwann hat man darauf keine Lust mehr.

Allerdings liebe ich uneingeschränkt meine Tiere, bzw. nicht nur meine Tiere. Meine Liebe wird von ihnen erwidert. Und ganz sicher nicht verraten, und ganz sicher begehen sie keinen Vertrauensbruch.

Zitat:
Weil ich mir Sorgen mache, dass mit mir vllt. so etwas passieren könnte wie es bei euch scheinbar schon passiert. Ich weiß nicht, wie ich es netter, unmissverständlicher bzw. besser formulieren kann.


Wenn ich du wäre, würde ich mich diesbezüglich auch sorgen. Das meine ich jetzt nicht zynisch, nicht ironisch, sondern ehrlich. Ich würde selbt meinem Todfeind, hätte ich einen, nicht wünschen, auch nur ein gaaaaanz klein wenig so zu sein oder so zu werden wie ich.

Ich weiß nicht, wie ich es netter, unmissverständlicher bzw. besser formulieren kann.

Für flo kann ich nicht reden bzw. schreiben, aber bei mir musst du nichts unbedingt nett formulieren. Ich fand deine Aussage aber auch nicht unnett oder negativ, sondern eher zum Nachdenken anregend. Außerdem ist es mir lieber, jemand redet offen als um den heißen Brei herum, während die sieben Geißlein halbverhungert im Nebenraum auf ihr Abendessen warten müssen, weil der Breiläufer vor lauter Laufen nicht fertig wird. Sorry für den kurzen Ausflug, aber ich bin heute wieder mal so drauf, ich brauche dafür nicht mal was einwerfen, ist doch immerhin auch ein Vorteil

gute N8

SUPERGAU

22.11.2007 00:18 • #13


F
hallo supi, hallo gast,

Zitat von supi:
eigentlich warst doch du Themenstarter und es ging um dich, um deine Probleme, und nicht um mich, wenngleich Parallelen bestehen. Ich wollte nicht das Thema an mich reißen oder auf mich lenken, das wäre dir gegenüber unfair, nicht gerechtfertigt, ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass ich das wollte ...


...das ist der entscheidende Punkt. Das hast du gut erkannt. (das meine ich ernst und kein bißchen ironisch). Daran kannst du sehen, was das macht mit anderen (zumindest mit solchen wie mir): In Null Sekunden hast du alle Aufmerksamkeit und Energie bei dir. Es mag so sein, dass du das nicht bewußt anstrebst - aber es ist die logische pragmatische Folge, deiner Haltung zu dir selbst. Die Wirkung auf andere ist etwa die gleiche, wie wenn ein Kind auf die Straße rennt. Das ist kein Nebeneffekt: es ist der Vorteil, den deine Haltung für dich hat.

Dieser Satz ist der EINZIGE den ich nicht hätte vorhersagen können. ALLE anderen wußte ich schon vorher. Was dir als extrem individuell erscheint, als einzigartiges Leid, als einzigartige Ehrlichkeit ist ein Verhaltens- und Denkmuster, das sich genau so bei hunderten anderen, die ähnliches erlebt haben herausbildet. Das was an dir einzigartig ist, wird gerade durch dieses zwanghafte Muster unterdrückt.

@gast
Ich finde deinen Beitrag sehr interessant: er zeigt, wie du gerade eben begonnen hast, das durchprogrammierte dieser Haltung zu identifizieren; wie du begonnen hast, das zwanghafte darin zu erkennen und von dem zu unterscheiden, was dich ausmacht - und wie das ALLES ändert. Man spürt auch, dass das noch ganz frisch und ein wenig wackelig ist - aber du bist nicht mehr damit identifiziert - und das ist der entscheidende Punkt - gratuliere.
Sehr witzig finde ich darin, wie du die Haltung es ist doch sowieso alles schei. uminterpretierst zur Freiheit Dinge anders zu machen: wenn alles schei. ist - dann kann ich ja auch machen, was ich will

Kennt ihr die unendliche Geschichte? Die uralte Morla wird so auf´s Kreuz gelegt. Atreju will von ihr wissen, wie er den Namen der kindlichen Kaiserin erfahren kann. Morla lebt in den Sümpfen der Traurigkeit seit hunderten Jahren allein. Sie hat ALLES schon so oft erlebt, dass sie NICHTS mehr interessiert - so wenig, dass ihr das Schicksal Fantasiens und auch ihr eigenes, das damit verknüpft ist völlig gleichgültig ist. Sie will Atreju nicht antworten, weil es sowieso gleichgültig ist, was sie sagt.
Atreju versucht sie zum Reden zu bringen, versucht ihr klar zu machen, wieviel von ihrer Antwort abhängt, immer verzweifelter. Erst ganz am Schluss kommt er auf den entscheidenden Satz: Wenn alles egal ist, dann ist es auch egal, ob du mir antwortest oder nicht und dann kannst du es genauso gut tun.. Und dann passiert etwas, was schon hunderte Jahre nicht mehr passiert ist: Die uralte Morla lacht. Und dann antwortet sie...

Hey Supi! Ich hab einen neuen Namen für dich: Du willst ihn wissen? Dann lies die unendliche Geschichte. Atreju findet die Antwort nicht selbst - aber jemanden der sie hat.

So mehr möchte ich nicht dazu sagen. Könnte ich auch nicht, ohne mich zu wiederholen - es ist deine Entscheidung und mein Thema. Ich würde euch beide bitten, das Thema Selbsthass - wenn ihr das wollt - an anderer Stelle weiter zu diskutieren - auch wenn ich es war, der es aufgegriffen hat.
Hier soll es um was anderes gehn: Das was mich beschäftigt. Ich möchte gerne mit euch gute Ideen sammeln.
Konkret, pragmatisch umsetzbar. Mir geht es nicht um Analysen sondern um neues Handeln. Das ist es was mich interessiert. Eure Erfahrungen mit neuen Schritten, welche ihr gegangen seid, welche Gefahren ihr dabei überwunden habt, was sich verändert hat.

@Gast
find ich gut, dass du deine Liste aufschreibst. Ich schreib mal was dazu, ja?
1. Über meine Einsamkeit etc. mit einer guten Freundin reden (ja sie freut sich nicht drüber...).
Das zB ist wichtig für mich: Mir klar machen, dass ich mein Problem offen legen kann - dass nicht alle gleich wegrennen, wenn ich erzähle wie´s mir geht. Mir zu erlauben auch und gerade dann, wenn es mir NICHT gut geht den Kontakt zu Freunden zu suchen - und ich trau mich das glaube ich nur dann, wenn ich mein Problem einfach offenlege. Dann hab ich nicht mehr das Gefühl, dass die sich dauernd über mich wundern oder genervt sind.. Muss ich unbedingt ausprobieren. Meiner Schwester hab ich schon angedroht sie auch dann anzurufen, wenn ich depressiv bin. Sie hats mit Fassung getragen

2. Weggehen mit Bekannten (nein keine Freunde, nur Bekannte): Sie kennen dich nicht gut genug um zu merken, dass es dir schlecht geht und das du dich mitten unter ihnen einsam fühlst und einfach nur weg willst um alleine zu sein, obwohl du dich ja gerade mit denen triffst um nicht alleine zu sein. Und du muss konzentrierter sein, weil du sie weniger kennst und sie daher mehr Aufmerksamkeit fordern, so dass du weniger über dich nachdenken kannst.

Das würde mich quälen - ich hasse es unter Menschen einsam zu sein. Aber was funktionieren könnte: Smalltalk üben - und nicht mehr darauf verächtlich herunterschauen. Das könnte gehen, wenn ich mich sehr auf die Wahrnehmung der anderen konzentriere und meine Erwartungen auf dem Niveau halte, was dann möglich ist. Zusammen lachen zum Beispiel...

3. Alleine sein: Einfach alleine etwas machen. Ich habe letztens zum Beispiel Weihnachtszeug gebastelt und konnte dabei einfach abschalten.

Ja das kenn ich auch: völlig aufgehen in dem was man gerade werkelt. Das ist gut: ich kann dann akzeptieren, dass ich alleine bin und finde es sogar schön. Und am Schluss hat man was, was man anderen zeigen kann, woran sich andere auch freuen, oder einfach was zum erzählen.

4. Tagebüchereinträge lesen, die man geschrieben hat, als es einem scheinbar super ging.
Das setzt voraus, dass man auch dann Tagebuch schreibt, wenn es einem richtig gut geht - Wichtiger Hinweis! Mein Tagebuch soll kein Müllabladeplatz mehr sein....

5. Ängsten stellen bzw. immer wieder begegnen bis sie weniger weh tun, oder ich es leid bin, mich wegen den Sachen so schlecht zu fühlen. Mir werden sie dann irgendwann gleichgültig.

Das ist richtig schwer. Ich muss bei sowas immer aufpassen mich nicht zu überfordern. Ganz kleine Schritte machen, die ich mir vorher bewußt mache. So du gehst jetzt auf diese Party und erwartest NICHT dass du mit Gott weiß wem ins Gespräch kommst. Du gehst da hin, stellst dich an den Tresen und bestellst ein B. ohne vor Scham zu sterben und dann stehst du da und schaust mal wie andere das machen. Und auch wenn gar nichts sonst passiert - nächstes mal kannst du dann wenigstens das und kannst einen Schritt weiter gehen...

6. Einer neuen Herausforderung stellen. Es ist eh momentan alles egal, also kann man auch mal was probieren, kann nur schlimmer werden, also kein Risiko.
Das ist wirklich cool - habs ja oben schon gelobt. Braucht Mut - aber könnte klappen. Freedom ´s just another word for nothin left to loose. Jaja die gute alte Janis...

7. Hier im Forum lesen. Mir hilft es auf jeden Fall. Stöbere hier seit paar Wochen rum und hat mir geholfen.
Joup. Hilft schon. Auch das Schreiben. Manchmal denke ich aber auch: Vorsicht Suchtpotential. Es bleibt Risikolos, die Illusion eines Kontakts. Für den Moment reduziert es die Spannung - aber hinterlässt dich weiterhin allein.

22.11.2007 08:55 • #14


G
Hey,

nein zu Selbsthass habe ich nichts mehr zu sagen.

also zu 2.
Das würde mich quälen - ich hasse es unter Menschen einsam zu sein. Aber was funktionieren könnte: Smalltalk üben - und nicht mehr darauf verächtlich herunterschauen. Das könnte gehen, wenn ich mich sehr auf die Wahrnehmung der anderen konzentriere und meine Erwartungen auf dem Niveau halte, was dann möglich ist. Zusammen lachen zum Beispiel...

Ja es ist auch nicht schön, aber wenn ich dann abends zu Hause bist, dann fällt mir dann trotzdem eine Sache ein, die ich an dem Tag erlebt habe, die ich sonst vllt. nicht erlebt hätte, wenn ich mich nicht gequält hätte...Dabei geht es um Smalltalk üben, denn du bist mit Bekannten unterwegs und vllt. Leuten, die du gar nicht kennst, da sie Freunde sind von deinen Bekannten sind etc. Ich finde Smalltalk relativ schwer. Zusammen lachen ist was wunderschönes...jeder Mensch sollte 5 Minuten am Tag lachen.


zu 4. Tagebüchereinträge lesen, die man geschrieben hat, als es einem scheinbar super ging.
Das setzt voraus, dass man auch dann Tagebuch schreibt, wenn es einem richtig gut geht - Wichtiger Hinweis! Mein Tagebuch soll kein Müllabladeplatz mehr sein....

Ja, es ist etwas was dich immer begleitet. Ich schreibe alle Sachen da rein bei denen ich Angst habe, dass ich sie sonst vergessen würde, weil ich vllt. die Gefühle verdränge oder mich einfach nicht mehr erinnere wie glücklich ich war über eine Kleinigkeit, die vllt. auch bald wieder vergessen ist. Allerdings lese ich erst in meinen Tagebüchern nach was ich geschrieben habe wenn es mindestens ein Jahr alt ist. KA wie du das machst...

zu 5

Das ist richtig schwer. Ich muss bei sowas immer aufpassen mich nicht zu überfordern. Ganz kleine Schritte machen, die ich mir vorher bewußt mache. So du gehst jetzt auf diese Party und erwartest NICHT dass du mit Gott weiß wem ins Gespräch kommst. Du gehst da hin, stellst dich an den Tresen und bestellst ein B. ohne vor Scham zu sterben und dann stehst du da und schaust mal wie andere das machen. Und auch wenn gar nichts sonst passiert - nächstes mal kannst du dann wenigstens das und kannst einen Schritt weiter gehen...
Genau richtig und du hast ein Smalltalk-Thema mehr Ich habe mal versucht was ich alles alleine machen kann, ganz bewusst. Ich war im Kino, im Theater, im Urlaub...bei einer Party habe ich es mich noch nicht gemacht.

zu 7.
Joup. Hilft schon. Auch das Schreiben. Manchmal denke ich aber auch: Vorsicht Suchtpotential. Es bleibt Risikolos, die Illusion eines Kontakts. Für den Moment reduziert es die Spannung - aber hinterlässt dich weiterhin allein.
Hm ja, es hat Suchtpotential. Ich sehe das hier aber allerdings eher als eine Möglichkeit mich mit mir selber auseinanderzusetzen indem ich sehe wie es andere machen. Es geht nicht um den Versuch dadurch Kontakt zu gewinnen oder weniger einsam zu sein, sondern zu schauen wie ich in der Realität das ändern kann. Mein Grund warum ich hier bin ist einfach egoistisch und dabei habe ich schon viel gelernt. Danke an euch dafür.
Mir scheint, dass du viel über dich und dein Verhalten nachgedacht hast und dich gut reflektieren kannst. Du kannst schöne Sätze schreiben und andere aufmuntern. Na ja aber du bist hier um etwas für dich zu tun. Was tust du für dich? Ja Egoismus, jeder sollte das im gesunden Masse sein.

lg

22.11.2007 13:28 • #15


S
dann sage ich einfach sorry... nichts war so beabsichtigt, und das meine ich ernst.

Ich will keinen neuen/anderen Namen.


Zitat:
Konkret, pragmatisch umsetzbar. Mir geht es nicht um Analysen sondern um neues Handeln. Das ist es was mich interessiert. Eure Erfahrungen mit neuen Schritten, welche ihr gegangen seid, welche Gefahren ihr dabei überwunden habt, was sich verändert hat.


Neue Schritte:
- ja, gezwungenermaßen
- Erfahrung: dass ich etwas tun konnte für jemand anderen, was ich für mich selbst nie zustande gebracht hätte und die Erfahrung, dass ich dafür wohl doch sehr an diesem Menschen hing.

- ja, freiwillig
- Erfahrung: alles nach vier- oder fünfmal gecancelt, mit üblichem Vorwand und üblichen Gedanken.

Verändert hat sich überhaupt nichts. Von daher denke ich, dass ich weder dir noch anderen diesbezüglich hilfreich sein kann, wäre ich aber gerne gewesen und ziehe somit die Konsequenz daraus, mich aus diesem thread herauszuhalten in der Hoffnung, dass du und andere neue Wege erschließen und eure Einsamkeit/Probleme irgendwie und irgendwann überwinden könnt.

LG

23.11.2007 22:32 • #16


F
hi supi,
wir sammeln ja hier gute Ideen... und du hast bestimmt auch ganz viele.
Hier ist eine für dich:
...deine herausragende Fähigkeit zum Mitgefühl (nicht Mitleid!) für dich selbst zum Vorbild machen! Gelingt es dir nur einen Bruchteil dieses Mitgefühls, der Akzeptanz und der bedingungslosen Wertschätzung für dich selbst aufzubringen, das du für andere empfindest, dann findest du einen Weg.
Schreib der, die in dir schutzlos ist, eine Geschichte... das kannst du sehr gut...

liebe Grüße
flo

27.11.2007 09:30 • #17

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F
hallo,
gestern - nach langer Unterbrechung - meine erste Stunde beim Therapeuten gehabt.
Erste Lektion: Selbstakzeptanz. In meiner gegenwärtigen Lebenssituation ist Alleinsein völlig adäquat. Es macht mir Angst, weil ich befürchte darin hängenzubleiben. Aber ich würde mich selbst überfordern, wenn ich jetzt versuchen würde in mein Schicksal einzugreifen.

Gute Ideen (hoffe ich):
- ich will Menschen von früher, die ich schon lange aus den Augen verloren habe, anschreiben und sie darum bitten mir zu schreiben, wie sie mich früher erlebt haben: die beste Freundin meiner Mutter, die mich als Kind erlebt hat, meine erste große Liebe, meine erste längere Beziehung, meine große Schwester. Ich will wissen, wer ich war; ob das, was ich als uralte Struktur im Innern entdeckt habe, die mein Leben durchgängig belastet hat, für andere spürbar war, vielleicht auch schmerzhaft. Ich will wissen, ob ich erreichbar war, ob mein Selbstbild damit irgendwie zusammenpasst, ob meine Erinnerungen sich halbweg damit decken.

- ich will mir eine Theatergruppe suchen. Ich weiß noch nicht wann - vielleicht warte ich noch ein bißchen (weil ich mich wie gesagt im Moment nicht überfordern will); aber ich finde die Idee total gut. Ich habe natürlich Horror davor auf irgendeiner Bühne zu stehen und keinerlei Ambitionen in dieser Richtung. Aber ich glaube, dass es gut ist zu lernen, wie man Gefühle ausdrückt und gut ist zu überprüfen, ob das was man meint auszudrücken auch so in der Außenwelt ankommt. Und es ist gut zu lernen sich zu zeigen und sich davon durch Schüchternheit und Angst nicht abhalten zu lassen. Schade in meiner Stadt gibt es das nicht: Theater für Schüchterne. In Berlin gibts glaub ich einen VHS -Kurs. Aber ich kann mir vorstellen in einem Vorgespräch mit der Gruppenleitung mein Problem offenzulegen - damit es mir nicht peinlich wird, wenn es sichtbar wird.

- ich will mir einen Raum suchen, wo ich mich traue zu tanzen. Yep. Ich habe ein paar seltene male erlebt, wie schön das sein kann, wenn ich mich traue und will rausfinden, welches die Bedingungen sind, in denen ich mich das traue. Freund mitnehmen, dem ich von meiner Hemmung erzähle? Club suchen, wo meine Musik läuft (blöde Musik blockiert mich in Null Sekunden). Club suchen in dem nicht zu viele Profis und nicht zu viele Spießer rumlaufen.


ich hatte Besuch am Wochenende. alter Freund aus Studienzeiten. War richtig gut - wir haben geredet und geredet bist nachts um 3. Er hat manische Depressionen - und sehr spannende eigene Ansätze, wie er damit umgeht. Wir haben uns gut verstanden - im Wortsinn. Auch eine gute Idee: alten Freunden vertrauen.

grüße an alle Ideensammler, Sachensucher, Spunks
flo

27.11.2007 09:52 • #18


G
Hallo,

ungefragt werde ich mal was zu deinen Ideen sagen, ohne hoffentlich verletzend zu sein...so wie bei der Egoismus- Einstellung, obwohl sie dennoch wichtig ist, wenn man erstmal wieder klar kommen will . Zu Beginn ich finde die Ansätze gut.

1. Ich find es ist eine gute Idee mit Menschen von früher zureden unter deiner Zielsetzung. Allerdings muss man bedenken, dass sie vllt. nicht genau antworten können, die passenden Wörter nicht finden oder es einfach nicht erklären können. Meine Schwester würde z.B. so was sagen: Wie kommste denn zu seiner Frage? Du bist halt du... Tja und dann würde sie sicher noch einige tolle Erlebnisse aus unserer Kindheit erinnern, wo ich sooo gemein war...Was ich sagen will, es ist definitiv gut zu wissen was andere von einem gedacht haben und mit eigenen Erinnerungen zu vergleichen, aber deren Erinnerungen haben sich mit der Zeit auch verändert und man muss damit rechnen, dass sie nicht antworten können oder wollen. Es ist teilweise wie eine Aufforderung: Sag mir wie ich mich verhalten habe, obwohl du mich damit verletzen könntest. Und das tun Menschen, die dir Nahe gestanden haben sicher nicht gerne. Es ist eine mutige Idee sowie sinnvolle Idee unter der Bedingung, dass du den Menschen versichern kannst, dass du ihnen nicht übel nimmst, wenn sie was sagen was du nicht gerne hörst.

2. Oh Theater ist wundervoll. Ich denke jeder drückt Gefühle ähnlich aus? Okay manche Lachen, wenn es ihnen wirklich schlecht geht, oder so...aber jeder hat wohl ein Gefühls-Empfinden. Nur traut man sie sich auch auszuleben? Theater ist u.a eine Rolle spielen und dabei Facetten von sich selber finden: frei und unbefangen. Nicht deine Person wird von den Zuschauern gesehen, sondern deine Rolle; also keine Beurteilung oder Wertung. Am schönsten sind die Proben, weil Menschen gemeinsam, freiwillig und mit Freude für ein Ziel arbeiten. Ich liebe Theater und ich bin schüchtern und es ist kein Widerspruch. Habe es dadurch auch geschafft, nicht mehr einen roten Kopf zu bekommen, wenn ich im Mittelpunkt stehe oder etwas sagen muss . Klar, du kannst vorher der Gruppe sagen, dass du schüchtern bist. Sie werden es sicher eh merken, aber sie helfen bestimmt gerne, wenn du es zulässt.

3. Alte Freundschaften auffrischen kann auch gut klappen, wem man aus dem eigenem Kreislauf mal wieder raus möchte. Nur (nun wirst du vllt. verärgert sein) rede nicht zu viel über Einsamkeit, Depressionen etc.

Meine Erfahrung damit: 1. Habe ich nur in Gesprächen gemacht und na ja war nicht so ergiebig bzw. hat mir nicht so gefallen. 2. Theater ist einfach toll! 3. Habe ich vor einem Jahr ein wenig mit begonnen und es sind wieder ein paar lockere immer nette Kontakte zu alten Freunden entstanden.

Ich wünsche ein wunderschönes Weihnachtsfest. Eine Jahreszeit in der mir passieren könnte was wolle, sie ist einfach toll.

lg

21.12.2007 17:09 • #19


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Prof. Dr. med. Ulrich Hegerl