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201718.07




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Hallo liebe Mitleidende,

nach langem Hin- und Herringen habe ich mich dazu entschieden, meinen Job zu kündigen.

Ich leide seit 13 Jahren unter mittelschweren bis schweren Depressionen, die auch oder hautpsächlich (!?) mit meinem Beruf zusammenhängen. Zuletzt hatte ich deswegen Suizidgedanken, war antriebslos und ohne Hoffnung. Mit der Kündigung ist es etwas besser geworden, es war wie eine Befreiung. Trotzdem muss ich noch drei Monate durchhalten.

Nun liegt eine Last an Arbeit vor mir, und ich habe Angst vor den anstehenden Aufgaben. Ich will eine Umschulung machen, doch um diese über das Arbeitsamt zu finanzieren, brauche ich ein ärztliches Attest. Da ich mit der Umschulung erst im nächsten Jahr beginnen kann und keine Sperrfrist für das Arbeitslosengeld risikieren möchte (da ich ja selbst gekündigt habe), benötige ich auch noch eine Bescheinigung vom Arzt, in der er mir die Beendigung des Beschäftigungsverhältnis auf seinen Rat empfiehlt.

Wer hat Erfahrungen mit einer solchen Situation und folgenden Vordrucken?
    * Gesundheitsfragebogen zur Begutachtung im Ärztlichen Dienst
    * Fragebogen zur Beendigung des Beschäftigungsverhältnis auf ärztlichen Rat

Im zuletzt genannten Vordruck wird zum Beispiel gefragt, welche Tätigkeiten ich ausgeübt habe und welchen besonderen Belastungen oder äußeren Einflüssen ich ausgesetzt war? Ich weiß gar nicht, wie ich das beantworten soll. Habe ja einen Bürojob und außer Bildschirmarbeit bin ich da keinen äußeren Einflüssen ausgesetzt.

Ich habe Angst, etwas falsch zu machen und habe auch Bammel vor den Arztbesuchen. Ich gehe nicht gerne zum Arzt und habe auch nicht das beste Verhältnis zu ihnen. Daher fällt es mir schwer mit ihnen über meine Probleme zu reden. Noch schwierigier ist es für mich, sie um etwas zu bitten, und so ein Attest / Ärztliches Gutachten ist ja mit erheblichem Aufwand verbunden Ich habe schon überlegt, alles aufzuschreiben und es dann, so dumm es klingt, vorzutragen.

Was meint ihr?

Freue mich über eure Erfahrungen und Ratschläge.

Liebe Grüße

Rick

Auf das Thema antworten

13 Antworten ↓



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Bärlin Spandow
6559
  18.07.2017 06:44  
Vielleicht solltest du dich vorher mal beim Arbeitsamt erkundigen. Oder du bittest deinen Arbeitgeber dich zu kündigen.



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  18.07.2017 07:04  
Hallo,
wenn noch nicht geschehen, würde ich unbedingt zu einer Reha-Maßnahme raten und das hat folgenden Grund: es wird ein arbeitsmedizinisches Gutachten verfaßt, welches für Ärzte, Behörden und Arbeitgeber bindend ist. Eine Reha kannst du entweder mit arbeitsfähig oder nicht arbeitsfähig beenden. Gerade bei Depression ist es wichtig, eine fundierte Einschätzung zu haben, damit nichts schiefläuft. So eine Reha dauert zwischen 3 Wochen und 3 Monate, wobei sie um so kürzer wird, desto weniger Aussicht auf eine arbeitsfähige Entlassung besteht.

Ich lese jetzt schon "ich kann nicht zu einer Reha", "ich schaffe das nicht", "blablabla" - es ist aber gerade dann die beste Maßnahme, um dem Argument aus dem Weg zu gehen, daß man arbeitsfaul wäre und besser, als ungerechtfertigte Sanktionen vom Arbeitsamt zu kassieren. Wärend einer Reha bist du krankgeschrieben. Wirst du als arbeitsunfähig entlassen, mußt du vom Arbeitsamt zu einem von ihnen bestellten Gutachter. Dort legst du das Reha-Gutachten vor und danach erfolgt die Einschätzung deiner Vermittelbarkeit.

Auf einer Reha gibt es neben medizinischer und psychologischer Betreuung auch Sozialberatung und Hilfe. Man wird auch nicht allein gelassen, wenn man sich bemüht, eine neue Perspektive zu finden. Man muß einfach dranbleiben.

Grüße



  18.07.2017 07:32  
Du solltest auf keinen Fall selbst kündigen.
Das zieht eine 3-monatige Sperre nach sich.
Heißt, du bekommst 3 Monate kein ALG 1.

Danke1xDanke


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  18.07.2017 08:28  
Flocke37 hat geschrieben:
Du solltest auf keinen Fall selbst kündigen.
Das zieht eine 3-monatige Sperre nach sich.
Heißt, du bekommst 3 Monate kein ALG 1.

Ist wohl leider schon passiert.



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Entenhausen
10
  18.07.2017 08:50  
Rick hat geschrieben:
Mit der Kündigung ist es etwas besser geworden, es war wie eine Befreiung. Trotzdem muss ich noch drei Monate durchhalten.


Jo, drei Monate Sperre.

Aber mal ehrlich, wenn ich berufliche Probleme habe und unter Depressionen leide dann suche ich mir doch einen Arzt
und Therapeuten der mich erst einmal behandelt, wie schon beschrieben eine Reha mache, und zuletzt muss ich eine
ganze lange Zeit mit meinem Problem Arbeitsunfähig geschrieben sein um überhaupt an eine Umschulung denken zu
können oder in Betracht zu ziehen.

Welcher Arzt, geschweige der medizinische Dienst der Krankenkassen, sollte dir jetzt quasi blanko ein Attest bescheinigen
was eine Umschulung in Erwähnung ziehen könnte?

So läuft das nicht im solidarischstem System weil eine Umschulung auch vom Steuerzahler finanziert werden muss. Ich
kenne Personen die waren vorab anderthalb Jahre krank geschrieben und es ließ sich belegen das es an ihrem Job lag.
Ich meine was stellst du dir vor oder war es nur falsch von dir beschrieben? Du selber sagst aus das dein Job keine
großen Probleme bereitet (Bürojob), du gehst nicht gern zum Arzt und warst aber 13 Jahre Depressiv - warst du da
nicht auch bei einem Arzt in Behandlung, wenn ja kann er doch deine Atteste bearbeiten?

Ein wenig wirr für mein Verständnis oder ich verstehe da etwas falsch?

Danke1xDanke


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  18.07.2017 09:04  
HTLrainer hat geschrieben:
Jo, drei Monate Sperre.

Aber erst wohl 3 Monate Kündigungsfrist und dann 3 Monate Sperre.



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  18.07.2017 09:17  
Die 3 Monate (Kündigungsfrist) kann der AG natürlich verlangen dass du durcharbeitest. Vielleicht kannst du eine Freistellung erwirken?
Danach kommt dann noch die Sperre.
Das mit dem Attest stelle ich mir schwierig vor. Ich bin aus Österreich , kann es also nicht direkt vergleichen aber bei uns wärst du chancenlos damit. lass dich am Besten beim ARbeitsamt beraten.
Hoffentlich war die Kündigung nicht vorschnell ...ich halte dir die Daumen, aber normalerweise lässt sich aus einem aufrechten Dienstverhältnis (inkl. Krankschreibung) mehr "bewirken". Gibt es bei Euch auch eine Art "Sozialberatung" der ARbeiterkammer ? Falls es sowas gibt würde ich mich da zwecks Umschulung und Voraussetzungen beraten lassen!



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Entenhausen
10
  18.07.2017 09:21  
@Reenchen

Wenns richtig gelaufen ist ja, was aber den Brei nicht mehr fett macht weil in der Kündigungsfrist könnte man sich auch AU schreiben lassen.
Außerdem muss man vorab immer versuchen die Mängel zu beheben, also zum Beispiel wie im Fragebogen beschrieben "Heben, Tragen, Staub
etc. aber auch psychische Probleme bei Mobbing u.s.w.

Beim Ärztlichen Dienst alle medizinischen Befunde! Da muss man schon einiges zusammen haben und belegen können. Der Gesundheit Fragebogen
ist freiwillig und die Schweigepflicht muss beachtet werden:

https://www3.arbeitsagentur.de/web/cont ... /index.htm

Ich selber würde dir anraten insofern du in der Kündigungsfrist bist dich AU schreiben zu lassen, weil Krankengeld wesentlich mehr ist als
ALG1!

Generell wird sich das Arbeitsamt nicht zufrieden geben wenn du dich quer stellst und einiges

- Rentenversicherungsträger
- Medizinischer Dienst der Krankenkasse
- Berufsgenossenschaft
- Sozialgericht
-Hausarzt und Facharzt

verlangen!



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  18.07.2017 09:22  
Hab noch was vergessen: Bei einem Bürojob kannst du nur bei äußeren Einflüssen mit Mobbing, starker psychischer Belastung , bsp. starker für dich unerträglicher Termindruck argumentieren. Ist aber alles recht "schwach" leider, weil das heutzutage fast in jedem Sachbearbeiterjob schon der Fall ist.
Für das Ausfüllen der Formulare brauchst du auf jeden Fall kompetente Hilfe (Beratungsstelle)

Danke1xDanke




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  18.07.2017 14:35  
Vielen Dank für eure Antworten.

Der Leidensdruck wurde so groß, dass ich kündigen musste. Klar hätte ich mich krank melden können, und vielleicht mache ich es auch noch, und auch eine Reha ist nicht ausgeschlossen, aber Problem an meiner Krankheit ist auch, dass ich verdränge und ich mich zur Arbeit quäle, statt krank zu sein.

Nichtsdestotrotz war ich drei mal mehrere Wochen krank geschrieben und in stationärer Behandlung. Auch befinde ich mich derzeit in psychotherapeutischer und psychiatrischer Behandlung. Also es geht nicht um ein Blanko-Attest.

Ich weiß, dass die Aussichten schlecht sind, darum bin ich für eure Antworten dankbar.



  19.07.2017 05:58  
Rick hat geschrieben:
Auch befinde ich mich derzeit in psychotherapeutischer und psychiatrischer Behandlung.

Hm...Aber die haben ja Erfahrung und den hätten dir sicher dazu geraten nicht selbst zu kündigen und der Psychiater hätte dir die AU doch eigentlich anbieten sollen? Wenn es dir so dreckig ging... für mich klingt es so als hättest du aus einem Affekt heraus gekündigt und hast es zuvor nirgends mal thematisiert wie es dir geht...

Sind deine psychiatrischen Diagnosen mit einem "g" versehen?
Guck mal bitte in deine Unterlagen...



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Bärlin Spandow
6559
  19.07.2017 06:58  
Es könnte aber sein dass die von einer Sperre absehen wenn du deine ganze krankengeschichte verbringst.



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9
BW
12
  21.07.2017 22:55  
Hallo zusammen,

mir geht es gerade ehnlich. Mir ist der Druck - Termine, System, Masse an Arbeit, nur TZ und mein seit ein paar Wochen bekannte DIAGNOSE:ängstlich-vermeidene Persönlichkeitsstörung - Depression
auch zu viel geworden. Bin jetzt 78 Wochen krank geschrieben - 2 Klinikaufenthalten und 1x REHA und ich bin froh, wenn ich die täglichen Aufgaben zu Hause schaffe zu bewältigen. Brauche auch dort eher immer wieder Pausen - Nachmittag Kinder Hausaufgaben und .... Mann so nicht da!

Habe auch Angst wie es weitergeht. Mein Arbeitgebern möchte einen Aufhebungsvertrag. Ich weiss das ich das so im Büro nicht mehr machen kann bzw. auch nicht mehr will. Da auch noch andere Probleme dazugekommen sind. Mittelschwere Wehnenprobleme, Knieschmerzen, Wirbelsäule. Ich merke das mir mit Bewegung viel besser geht und diese 100 % PC-Arbeit nicht mehr meins ist. Hat jemand damit Erfahrungen?

Habe viele Ideen im Kopf - nur weiss ich nicht wie man diese Umsetzten kann bzw. umschulen kann?

Bin zur Zeit eher Planlos, Orientierungslos und Organisieren fällt mir schwer. Da auch immer noch Termine aus den Schulen kommen und ich dort auch gerne mit zur Verfügung stehe. Das finde ich für die Kinder sehr wichtig. Möchte wissen was die Kids machen und für sie da sein.

Nur das andere Drum herum muss ja auch sein. Bin damit immer alleine gewesen. Wir organisiert Ihr es! Der Tag hat doch nur 24 Stunden und ich bin auch eine große Schlafmütze (brauche mehr Schlaf als andere).
Sonst bin ich nicht fit!

Danke für die Hilfe



Univ.-Prof. Dr. med. Isabella Heuser

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