5

greysparrow

3
1
Guten Abend zusammen,

ich bin neu hier und habe mich angemeldet, da sich mein psychischer (und vermutlich damit einhergehend auch körperlicher) Gesundheitszustand in den letzten 2-3 Monaten grundlos verschlechtert hat und mir mehr und mehr Sorgen bereitet. Dazu wollte ich mich gerne hier informieren und mich ggf. mit Leidensgenossen austauschen.

Ich bin 38m, psychisch war ich stets stark gefestigt, habe mein Leben zu 100% im Griff, bin körperlich gesund und ja, ich habe objektiv betrachtet ein wahrlich grenzenlos gutes Leben, ohne jegliche objektive Sorgen und Probleme - tatsächlich. Trotzdem leide ich seit vielen Jahren schon unter mal mehr, mal weniger starken Depressionen. Nicht nur saisonal bedingt (Herbst), sondern auch quer über das Jahr verteilt, gibt es immer mal dunkle Zeiten. Stets natürlich vollkommen grundlos. Offiziell diagnostiziert wurde nie eine Depression, da ich nicht zum Arzt gehen wollte/will und es stets mein unbedingter Wille war, dies alles alleine mit mir selbst auszumachen und in den Griff zu bekommen (Ich möchte auch keine Medikamente nehmen und auch keine "Therapie"). Das habe ich bis heute auch immer gut geschafft, auch in einigen sehr, sehr schwierigen Phasen. Müsste ich meine Zustände der Depression extrem kurz beschreiben, so wäre das: Grundsätzlich NUR negative Gedanken, grundlose Traurigkeit, Grübeln, absolute Antriebslosigkeit. Ständige Gedanken an die Zukunft verbunden mit extremer Angst vor der Zukunft. Keine Freude an Tätigkeiten, die mein Leben größtenteils geprägt haben und mir immer Freude gemacht haben. Keine Lust auf soziale Kontakte. Keine Lust auf Öffentlichkeit. Das Bett, mein größter Freund.

Ich weiß damit umzugehen und weiß, dass nach einer schlimmen Phase auch immer wieder gute Zeiten kamen. Doch in letzter Zeit kamen einige Symptome dazu:

- 3-4 mal im Abstand von mehreren Wochen grundlos und aus heiterem Himmel panikattacken-ähnliche Zustände in der Öffentlichkeit, insbesondere bei größeren Menschenmassen/laute Akustik (Supermarkt etc.) -> Übelkeit, fieser Schwindel, wacklige Beine, Unwohlsein, Puls, Schwitzen, Angst - ein ganz schlimmes Gefühl, extrem schwer zu beschreiben. Angst, die Kontrolle zu verlieren/umzukippen, Angst jeder würde mich ansehen etc.

- das Gefühl, einen permanenten "Druck"/Spannung auf dem Kopf zu haben, die Ohren nicht richtig frei zu haben, eingeschränktes Sichtfeld, nicht richtig da zu sein, neben mir zu stehen. ebenfalls SEHR schwierig zu erklären.

- Bezug zum eigenen Körper und vermutlich teils auch zum eigenen "Selbst" etwas verloren. Auch dies kann ich leider irgendwie nicht richtig spezifizieren oder näher erklären. Ich würde einfach sagen, ich habe kein gutes Körpergefühl mehr.

Diese Dinge machen mir doch schon Angst, da sie neu für mich sind. Und ich habe Angst, dass es noch schlimmer wird.
Ich stelle mir die Frage, ob es (typische?) Begleiterscheinungen (oder Folgen?) einer langjährigen Depression sind.

Ich erwäge, in Anbetracht der Umstände, doch einmal einen Arzt aufzusuchen - doch wollte ich mich hier vorab gerne ein wenig informieren.

Hat jemand Ähnliches? Hat jemand Erfahrung, was es sein könnte oder was ich dagegen tun kann?

Danke für jede Antwort.

16.06.2019 21:42 • 21.06.2019 #1


9 Antworten ↓


HowToNotFly

HowToNotFly


81
1
73
Zitat von greysparrow:
- 3-4 mal im Abstand von mehreren Wochen grundlos und aus heiterem Himmel panikattacken-ähnliche Zustände in der Öffentlichkeit, insbesondere bei größeren Menschenmassen/laute Akustik (Supermarkt etc.) -> Übelkeit, fieser Schwindel, wacklige Beine, Unwohlsein, Puls, Schwitzen, Angst - ein ganz schlimmes Gefühl, extrem schwer zu beschreiben. Angst, die Kontrolle zu verlieren/umzukippen, Angst jeder würde mich ansehen etc.
.

Klingt nach einer Agoraphobie

Zitat von greysparrow:
- das Gefühl, einen permanenten "Druck"/Spannung auf dem Kopf zu haben, die Ohren nicht richtig frei zu haben, eingeschränktes Sichtfeld, nicht richtig da zu sein, neben mir zu stehen. ebenfalls SEHR schwierig zu erklären.

Du beschreibst eine dissoziative Störung.
Zitat von greysparrow:
Bezug zum eigenen Körper und vermutlich teils auch zum eigenen "Selbst" etwas verloren. Auch dies kann ich leider irgendwie nicht richtig spezifizieren oder näher erklären. Ich würde einfach sagen, ich habe kein gutes Körpergefühl mehr.

Klingt nach einer Mischung aus Depression und Dissoziation.

Ich glaube Du analysierst Dich schon ganz richtig. Deine genanten Symptome sollten unbedingt vom Arzt untersucht werden. Ich habe zu Deinen Symptombeschreibungen psychische Gründe aufgelistet. Allerdings solltest Du mit dem Allgemeinarzt anfangen, da manche Deiner genannten Symptome auch körperliche Ursachen haben könnte. Nimm am besten Deinen Eintrag von hier mit hin, dann hat Dein Arzt schon viele Infos an der Hand.

16.06.2019 22:00 • x 1 #2


Gaulin

Gaulin


300
1
218
Zitat von greysparrow:
da sich mein psychischer (und vermutlich damit einhergehend auch körperlicher) Gesundheitszustand in den letzten 2-3 Monaten grundlos verschlechtert hat und mir mehr und mehr Sorgen bereitet.

Hattest du das schon mal, oder zuvor noch nie? Ist irgendetwas vor diesen 2-3 Monaten vorgefallen oder irgend eine Veränderung gewesen?
Wie sieht dein Leben aus? Dein Alltag? Stört dich irgendetwas?
Liebe Grüße
Gaulin

16.06.2019 22:11 • x 1 #3


greysparrow


3
1
Zitat von Gaulin:
Hattest du das schon mal, oder zuvor noch nie? Ist irgendetwas vor diesen 2-3 Monaten vorgefallen oder irgend eine Veränderung gewesen?
Wie sieht dein Leben aus? Dein Alltag? Stört dich irgendetwas?
Liebe Grüße
Gaulin


Die beschriebenen Symptome hatte ich in der Form noch nie, erst seit 2-3 Monaten. Es ist nichts Besonderes vorgefallen. Auch habe ich keine gravierenden traumatischen Erfahrungen in meinem Leben (Kindheit) machen müssen oder dergleichen. Die Depressionen fingen während meiner letzten, langjährigen Beziehung an, die leider auch mein Leben bzw. meinen Zustand nachhaltig negativ geprägt hat. Doch ist diese nun schon etwas mehr als 3 Jahre her. Ich kann natürlich nicht sagen, ob die Depressionen auch ohne diese Beziehung entstanden wären. Vermutlich schon. Dennoch mache ich die Beziehung für andere Aspekte (Selbstwahrnehmung, Selbstwertgefühl, aktuelles Beziehungsleben usw.) verantwortlich.

16.06.2019 22:19 • #4


Gaulin

Gaulin


300
1
218
Zitat von greysparrow:
Dennoch mache ich die Beziehung für andere Aspekte (Selbstwahrnehmung, Selbstwertgefühl, aktuelles Beziehungsleben usw.) verantwortlich

Da ist vielleicht auch schon der Knackpunkt... eine Frage der Bewertung.
Bist du aktuell in Beziehung?

16.06.2019 22:30 • x 1 #5


Flor


135
90
Herzlich Willkommen!
Du bist nicht alleine.
HowToNotFly hat es aufm Punkt gebracht. Denke genauso.
Du scheinst eine sehr starke Persönlichkeit zu haben, aber selbst diese starke Persönlichkeit darf mal Schwäche zeigen. Ich kann dir wirklich aus eigene Erfahrung sagen, klär alles Körperliche ab und hol dir Professionelle Hilfe. Dennoch trotz Hilfe, musst du ganz alleine durch.

16.06.2019 22:39 • x 1 #6


greysparrow


3
1
Zitat von Gaulin:
Da ist vielleicht auch schon der Knackpunkt... eine Frage der Bewertung.
Bist du aktuell in Beziehung?


Ich hatte seither ganz bewusst keine Beziehung mehr, kann und möchte mich auch keiner Frau mehr öffnen. Trotz mancher Tage des Gedankens "wäre schon schön, jemanden zu haben" ist es eine ganz bewusste und rationale Entscheidung, keine Beziehung mehr führen zu wollen.

Als Knackpunkte meiner Situation mache ich zum Einen die erwähnten Beziehungserlebnisse aus, zum Anderen jedoch das stagnierende Verweilen in der Situation, in der man alles erreicht hat, was man früher immer wollte und von dem so viele Menschen träumen. Und das schon seit Jahren. Kurz: Von 1000 Menschen würden vermutlich 990 mit meinem Leben gerne tauschen wollen. Ich hätte allen Grund, freudeschreiend über die Straßen zu laufen, täglich. Aber das Gegenteil ist der Fall. Unglücklich, unzufrieden und der permanente Gedanke: War es das jetzt?

16.06.2019 22:44 • #7


Gaulin

Gaulin


300
1
218
Zitat von greysparrow:
Ich hatte seither ganz bewusst keine Beziehung mehr, kann und möchte mich auch keiner Frau mehr öffnen. Trotz mancher Tage des Gedankens "wäre schon schön, jemanden zu haben" ist es eine ganz bewusste und rationale Entscheidung, keine Beziehung mehr führen zu wollen.

Das allein ist schon sehr beängstigend...
So ganz grundlos, meine ich, ist dein Unwohlsein nicht. Ich wäre total unzufrieden mit so einer Entscheidung. Du schreibst, es wäre schon schön.... aber deine Entscheidung steht. Du schränkst dich also selbst enorm ein. Aus Angst.

16.06.2019 22:50 • x 1 #8


Touzai

Touzai


62
7
15
@greysparrow Ich bin in der selben Situation, habe alles körperliche erst abklären lassen, da man hier nichts findet ist es eine Mischung aus Erschöpfungsdepression/ somatisierung.

Alleine habe ich es längere Zeit gut in Griff gekriegt durch tagsüber Johannes Kraut und abends Lavendelkapseln (Lasea). Auch hier kam die Wirkung aber erst in drei Wochen. Dazu laufen am Morgen und versuchen das grübeln zu unterbinden. Wir jeden Tag im Kopf ein Horrorfilm dreht, der bekommt auch Panikattacken. Ich wünsche dir genauso wie mir das du deine Symptome in Griff bekommst, ja am besten ganz los wirst. Eine Psychotherapie kann nach körperliche Abklärungen auch hilfreich sein. Auch wenn du die schwarzen Löcher der Vergangenheit gerade nicht siehst.

21.06.2019 13:24 • #9


blue1979


316
3
162
Ich würde erstmal zum Hausarzt und ein Blutbild erstellen lassen mit bestimmten Werten, deren Mangel auch psychische Auswirkungen haben können :schilddrüse, Vit D, Ferritidin, Vit B12.Evtl auch Cortisolspiegel.
ICh finde es gut, dass du alles mti dir selbst ausmachen willst, doch oft sind neue (therapeutische) ANregungen, Impulse auch wichtig für die weitere Entwicklung. Hast Du einen guten Hausarzt,der sich zeit nimmt und nicht direkt Rezeptblock zückt? Falls dir Therapien nicht zusagen, wäre Coaching auch eine Option? Ich habe beides und nach der Therapiezeit (oder auch parallel) hilft mir Coaching im aktuellen Leben weiter, da die Vergangenheit nicht im Fokus steht .

Wenn Du eine Diagnose haben möchtest, wird kein Weg an einem Psychotherapeuten oder Psychiater vorbei führen. Allgemeinärzte werden höchstens Verdachtsdiagnosen erstellen ,eine z.B dissoziative Störung da kennen sich nicht mal alle Psychiater aus . Erst meine dritte Psychiaterin war da fitter, weil sie viel mit PTBS (Posttraumatische Belastungsstörungen) zu tun hat. Mir war eine Diagnose sehr wichtig, um mich besser zu verstehen.

21.06.2019 21:59 • #10



Univ.-Prof. Dr. med. Isabella Heuser


Auch interessant

Hits

Antworten

Letzter Beitrag