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Kennt ihr das auch, dass Ärzte einen komplett anders behandeln, wenn man von psychischen Symptomen/Erkrankung betroffen ist. Wie kann es sein, dass auch heute noch nur in schwarz oder weiß gedacht wird? Wird nicht an jeder Ecke gepredigt, dass Körper und Geist eine Einheit sind? Schlimm genug, dass Laien die Psyche mit Fingerspitzen anfassen und schnell in einer dafür vorgesehenen Schublade verschwinden lassen... Das aber auch die so genannten Fachleute ihre Vorurteile nicht im Griff habe finde ich sehr bedenklich. Schlimm finde ich auch, dass Psychologen und Psychiater gerne als Notlösung hervor geholt werden, wenn die lieben Mediziner nicht mehr weiter wissen, ihre Beurteilung allerdings kaum einen Stellenwert besitzt, wenn diese nicht zu den abgegebenen Stempeln der Kollegen passt.
Mein aktuelles Beispiel:
Ich leide zur Zeit an den Beschwerden einer Belastungsdepression. Ich habe jetzt viele Wochen sehr intensiv gemeinsam mit meiner Psychologin daran gearbeitet. Mittlerweile hat meine Therapeutin aber den starken Verdacht, dass ein hormonelles Ungleichgewicht zumindest die Probleme mitbeeinflussen könnten, weshalb sie mich sehr darin bestärkte mich bei einem Endokrinologen und Gynäkologen vorzustellen. Den Termin beim Endokrinologen hatte ich nun... und ich bereue es sehr. Ich schilderte meine Beschwerden und noch bevor ich überhaupt ausreden konnte, lehnte sich der Arzt in seinem Stuhl zurück und meinte: Frau x. haben Sie schon einmal daran gedacht, dass das alles von der Psyche kommt? Nein Herr Doktor, was sind Sie doch für ein Genie, da wäre ich nie darauf gekommen Ich erklärte ihm also geduldig, dass ich natürlich an die Psyche gedacht habe, beim ersten Auftreten der Symptome auch direkt mit meiner Psychologin Kontakt aufgenommen habe, ich mit ihr die letzten Monate auch intensiv an den Problemen gearbeitet habe, sie jetzt aber ihre, bereits am Anfang schon einmal erwähnte Vermutung, als immer wahrscheinlicher ansieht und deshalb eine Abklärung der Hormone sehr befürwortet. Er schwieg kurz und meinte dann: Sie sind also in der Behandlung einer Nicht-Ärztin, die eine organische Ursache vermutet? Dieser Unterton... Das Gespräch ging die ganze Zeit auf dieser Ebene weiter. Zu keinem einzigen Zeitpunkt kam ich mir ernst genommen vor. Ich habe zu keinem Zeitpunkt darauf bestanden, dass meine Beschwerden eine organische Ursache haben, aber ich wollte eben zumindest sichergehen, dass ich Nichts übersehe, was meine Therapieerfolge beeinflussen könnte. Ist es da zu viel verlangt, wie jeder andere normale Patient ohne Voreingenommenheit behandelt zu werden. Ich habe jetzt schon eigentlich keinen Nerv mehr auf den Termin bei der Gynäkologin, wobei ich hoffe, dass sie etwas offener und unvoreingenommen mit dem Thema umgeht.

06.11.2018 10:50 • 07.11.2018 x 4 #1


25 Antworten ↓


Hallo Glitzerlicht
Du hast vollkommen Recht . Es ist nicht nur der Kampf gegen die Krankheit sondern leider auch ein Kampf gegen Ärzte .

06.11.2018 11:00 • x 1 #2



Arztbesuche mit psychischen Erkrankungen

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Safira
Oh ja, das kenne ich auch. Deshalb spreche ich ungern über mögliche Gründe sondern mehr um die medizinischen Fakten.

Ich hatte vor kurzem einen Erlebnis bei meiner Hausärztin. 5 Jahre war sie meine Hausärztin. Hatte keine Probleme bis es bei mir psychisch anfing und ich es bei ihr thematisierte.
Das hätte ich lieber lassen sollen.

06.11.2018 15:05 • #3


@Safira Wie hat deine Hausärztin denn reagiert, als du es ansprachst?

Ich finde das sehr traurig. Es ist doch kein Wunder, dass psychische Probleme für viele Menschen noch immer ein Makel sind, die es zu verstecken gilt, wenn man auf soviel Schubladendenken trifft.

07.11.2018 08:22 • #4


Ich hatte mal eine HÄ. Ich kam mehrere Monate, wenn nicht sogar Jahre mit eindeutigen PAs zu ihr und sie hat es entweder nicht erkannt oder wollte es nicht. Trotz meiner Klinikvorgeschichte von der sie wusste. Sie meckerte mich an, ich solle mich doch bitte mal zusammen reissen. Resultat war ich bin jahrelang zu keinem Arzt mehr .
Meiner neuen HÄ paar Jahre später war die Thematik auch sichtlich unangenehm. Sie war aber gut. Leider hat sie aufgehört. Der Nachfolger ist okay, sieht aber die enorme Problematik für mich nicht. Aber bisher galt immer bei ihm im Zweifel für den Angeklagten. Also er hat letztendlich immer meinen Ausführungen glauben geschenkt.

07.11.2018 08:30 • #5


Diese Erfahrung habe ich auch gemacht. Solange man mit organischen Erkrankungen kommt, wird einem (in den meisten Fällen) viel Verständnis und Hilfsbereitschaft entgegen gebracht, bei psychischen Problemen sieht das leider häufig anders aus.
Ich bin bereits seit Jahren schwer chronisch krank. Ich habe einen sehr guten Hausarzt, der mich in all der Zeit unglaublich toll unterstützt hat. Als im Sommer dann aber das erste Mal die psychischen Symptome auftauchten, war er komplett überfordert. Zum Glück bin ich bereits seit Jahren in krankheitsbegleitender Therapie bei meiner Psychologin, an die ich mich wenden konnte. Natürlich sind Hausärzte, Kardiologen usw. keine Psychiater oder Psychologen, aber ein gewisses Basiswissen wäre sicher angebracht, um betroffene Patienten gleichberechtig behandeln zu können. Man darf ja auch nicht übersehen, dass man sowohl organisch, als auch psychisch krank sein kann. Da ist es doch wichtig als Gesamtbild betrachtet zu werden und nicht nur als ein jeweiliges Teilstück.

07.11.2018 09:07 • x 2 #6


Miami
Hallo Glitzerlicht,

hat der Arzt Dich/Dein Blut getestet?

07.11.2018 09:20 • #7


Er sah keinen Nutzen darin. Eigentlich bestand der gesamte Arztbesuch nur aus einem sehr unnützem Gespräch. Ich hoffe jetzt auf die Gynäkologin...

07.11.2018 09:26 • x 1 #8


Murmelmaus
Leider musste ich solche Erfahrungen auch schon machen. Anstatt erst einmal bestimmte Dinge abzuklopfen, wird alles auf die Psyche geschoben - dabei ist bekannt, dass z. B. ein aus dem Gleichgewicht geratener Darm zu psychischen Beschwerden führen kann.

Bei mir wurde auch erst nach und nach festgestellt, dass ich Hashimoto habe (wobei das viele Ärzte auch als Lappalie ansehen), der EBV chronisch ist, eine HPU besteht, der Darm entzündet ist... Folgen sind u.a. Nährstoff- und Vitaminmängel, chronische Erschöpfung usw. nächste Woche Donnerstag bekomme ich das Ergebnis des Tests auf Lebensmittelallergien.

Leider geht es mir dadurch seit zwei Jahren schon körperlich mies und die Folge war dann, dass auch die Psyche anfing zu leiden. Vielleicht wären mir zumindest die Depressionen erspart geblieben, wäre ich früher mal etwas gründlicher untersucht worden.

07.11.2018 09:45 • x 1 #9


Zitat von Glitzerlicht:
Natürlich sind Hausärzte, Kardiologen usw. keine Psychiater oder Psychologen, aber ein gewisses Basiswissen wäre sicher angebracht, um betroffene Patienten gleichberechtig behandeln zu können. Man darf ja auch nicht übersehen, dass man sowohl organisch, als auch psychisch krank sein kann. Da ist es doch wichtig als Gesamtbild betrachtet zu werden und nicht nur als ein jeweiliges Teilstück.


Seh ich auch so!

07.11.2018 09:47 • #10


Murmelmaus
Zitat von Finya:

Seh ich auch so!


Das fängt doch leider schon beim Blutbild an. Man spricht mit dem Arzt, der sagt, er nehme ALLE Werte... und im Endeffekt ist's dann nur ein kleines Blutbild. Kein Eisen. Kein Vitamin D. Kein B12... nur der TSH, statt zusätzlich FT3 und 4... etc

07.11.2018 09:52 • x 1 #11


Zitat von Murmelmaus:

Das fängt doch leider schon beim Blutbild an. Man spricht mit dem Arzt, der sagt, er nehme ALLE Werte... und im Endeffekt ist's dann nur ein kleines Blutbild. Kein Eisen. Kein Vitamin D. Kein B12... nur der TSH, statt zusätzlich FT3 und 4... etc


Tja leider. Bei mir hat man Jahrelang, selbst nach inneren Blutungen nur den Hb Wert bestimmt. Erst dieses Jahr mal Ferritin, tja lag bei 10. Und da wundert man sich warum man so knülle im Hirn ist. Man muss echt um alles kämpfen. Und teils fehlt einem dafür aber die Kraft.

07.11.2018 10:02 • x 2 #12


@Glitzerlicht
Psychisch vorbelastet oder krank bedeutet nicht gleich, dass man keine ernsthafte Erkrankung haben kann, was wohl die wenigsten wollen. Aber es könnte etwas übersehen werden. Ich schlage mich schon seit 3 Jahren mit derartigen Geschichten rum. Und allmählich habe ich keine Kraft mehr und bin quasi wieder am Anfang.

07.11.2018 10:10 • x 1 #13


petrus57
@Murmelmaus

Vitamin D, B Vitamine, etc. muss man aus der eigenen Tasche zahlen. Das wird erst erstattet wenn ein Mangel festgestellt wurde.

07.11.2018 10:17 • #14


Im Normallfall wird ja auch davon ausgegangen, dass wenn ein Arzt einen für gesund erklärt, dies auch der Fall ist. Wenn ein Psychiater oder Psychologe jedoch keinen Ansatzpunkt findet, war der Therapeut entweder der Falsche, oder der Patient unkooperativ. Natürlich, die Psyche ist ja auch nicht in dem Umfang messbar... Ich glaube aber, dass sich auch viele Ärzte darauf ausruhen, um nicht zugeben zu müssen, dass sie einfach ratlos sind. Ein großes Problem ist es vor allem dann, wenn Psyche und Körper Hand in Hand gehen (was letztlich sehr häufig der Fall sein dürfte). Dann müssen beide Aspekte angemessen untersucht und behandelt werden, da man sonst immer nur versuchen kann auf einem Bein zu stehen und auf diese Weise wird man jedoch nie vorwärts kommen, sei denn man fängt an auf einem Bein zu hüpfen.

07.11.2018 10:21 • x 5 #15


Grashüpfer
Letztendlich sind Körper und psyche ja auch oft eins. Das was wir als psychisch empfinden und beschreiben, sind ja letztlich auch biochemische Reaktionen und Prozesse, die sich oft, nicht immer, messen und nachweisen lassen. Eine Depression macht etwas mit dem Körper, und das meint ja nicht nur ein Ungleichgewicht von Neurotransmittern, sondern auch veränderte Hirnaktivitäten, veränderte Ausschüttung von Stresshormonen und Reaktion des vegetativen Nervensystems, Auswirkungen auf Herz-Kreislauf und und und. Noch deutlicher wird es bei Stress und Erschöpfung. Aber ich glaube auch, dass die Ärzte oft ratlos sind, dies aber nicht zugeben können oder wollen.

07.11.2018 10:28 • x 2 #16


Dieser Link wurde schon mal gepostet, weiß leider nicht mehr, von wem.

https://www.aerztezeitung.de/medizin/kr ... ionen.html

07.11.2018 10:31 • #17

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Murmelmaus
Zitat von petrus57:
@Murmelmaus

Vitamin D, B Vitamine, etc. muss man aus der eigenen Tasche zahlen. Das wird erst erstattet wenn ein Mangel festgestellt wurde.


Es wird einem oftmals aber nicht einmal angeboten (davon mal abgesehen, dass VitD bei mir auch trotz Mangels nicht erstattet wurde...).

Als Laie hat man (wenn man sich nicht selber schlau macht) doch gar keine Ahnung, was für Mängel man haben könnte und welche Auswirkungen die möglicherweise haben

07.11.2018 10:34 • x 4 #18


Zitat von Murmelmaus:

Es wird einem oftmals aber nicht einmal angeboten (davon mal abgesehen, dass VitD bei mir auch trotz Mangels nicht erstattet wurde...).

Als Laie hat man (wenn man sich nicht selber schlau macht) doch gar keine Ahnung, was für Mängel man haben könnte und welche Auswirkungen die möglicherweise haben


Abgesehen davon haben auch nicht alle Menschen das nötige Geld dafür. Gerade diejenigen, die wegen ihrer Krankheit arbeitsunfähig sind, haben häufig kaum finanzielle Polster und müssen jede zusätzlich Ausgabe dreimal überdenken.

07.11.2018 10:45 • x 2 #19


Murmelmaus
Zitat von Glitzerlicht:

Abgesehen davon haben auch nicht alle Menschen das nötige Geld dafür. Gerade diejenigen, die wegen ihrer Krankheit arbeitsunfähig sind, haben häufig kaum finanzielle Polster und müssen jede zusätzlich Ausgabe dreimal überdenken.


Das kommt noch dazu

07.11.2018 10:58 • #20



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