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Koala000

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Hallo Leute,
habe mich hier gerade angemeldet, und hoffe Ratschläge von euch zu erhalten. Ich bin männlich, 23 Jahre alt, wohne in einer deutschen Großstadt.

Ich habe den starken Verdacht unter Depressionen zu leiden, da es mir jetzt schon seit längerer Zeit psychisch sehr schlecht geht. Das geht oft in Schüben und hängt von meiner aktuellen beruflichen/sozialen Lage ab. Aktuell ist es so schlimm wie noch nie, und ich merke auch verstärkt körperliche Probleme in Form von Schlafstörungen, Unruhe und Übelkeit.

Seit jetzt schon fast 5 Jahren pendel ich von verschiedenen Ausbildungen, Arbeiten, Jobcenter-Maßnahmen hin und her.
Halte dort aber nie lange durch, da es mir im Verlauf immer gesundheitlich schlecht ergeht, und ich schließlich gekündigt werde.
Ich halte es einfach nicht aus, schaffe es nicht morgens aus dem Bett zu kommen, baue keine Kontakte zu Kolegen auf und bin unkonzentriert.

Aktuell ist es besonders schlimm. Ich (über)lebe von ALG2 und stecke in einer Jobcenter-Maßnahme. Mir werden vom Jobcenter Sanktionen angedroht, was bedeutet das ich keine Miete mehr überwiesen bekomme und keine Grundsicherung erhalte, wenn ich an der Maßnahme nicht teilnehme. Wesshalb ich mich da seit Wochen jeden morgen hinschleppe, obwohl ich mich nicht der Lage dazu fühle. Wenn ich aber nur 5min zu spät dort erscheine, wird das dem Amt gemeldet und ich werde Vollsanktioniert und würde auf der Straße landen.

Ich kann an nichts anderes mehr denken als an diese Maßnahme (In einem Raum sitzen und Bewerbungen schreiben, 8h am Tag) und an den Sanktionsdrohungen. Das zerreist mich innerlich und macht mich extrem hoffnungslos, da ich weiß das ich das nicht mehr lange packe. Hinzu spühre ich eine innerliche Wut, die ich in den letzten Jahren entwickelt habe. Alte Freunde sagten mir, dass ich mich verändert habe und ich lustlos und pessimistisch auf sie wirke.

Ich glaube das ich dringend Hilfe benötige, habe aber Angst zu Ärzten zu gehen, und als Drückeberger abgetan zu werden. Fakt ist aber, in Zeiten wo ich in keinem Job/Maßnahme bin, und ich zu Hause meine Ruhe habe, geht es mir deutlich besser und ich kann Nachts normal durchschlafen.

Ich google schon nach Begriffen wie "Arbeits-Phobie" oder "Depressionen durch Arbeit" aber finde da eher das Gegenteil, nämich das Arbeit gegen Depressionen hilft.

Was stimmt nicht mit mir, bin ich krank? Was soll ich tun? Ich weiß echt nicht weiter und halte das nicht mehr lange aus.

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende.

24.03.2018 12:24 • 31.03.2018 #1


6 Antworten ↓


Delphie

Delphie


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Hallo Koala,

erst einmal herzlich Willkommen hier in diesem Forum. Ich wünsche dir hier, dass du hier Hilfe bekommst und Betroffene findest, mit denen du dich hier gut austauschen kannst.

Das klingt ja nicht so schön, was du da beschreibst. Gerade weil es dir schon länger so schlecht geht.
Ich habe mir das bei dir mal so durchgelesen, das klingt auch zielmlich stressig. Also gerade weil du schon häufig so gewechselt hast und dann häufiger schon gekündigt worden bist. Hast du denn Ängste gehabt dort hinzugehen dann auch oder erging es dir so mit der Übelkeit; schlafstörungen und Unruhe immer so, also was dahin geführt hat das es immer zu den Kündigungen kam?

Eine Sachen wie mit dem nicht aus dem Bett kommen oder so das du lustloser erscheinst, können sicher auf eine Depression hindeuten aber wir sind hier ja alle keine Ärzte und Therapeuten.

Und du schreibst, dass du nicht zu einem Arzt gehen magst. Aber ganz ehrlich, ich glaube das wäre das beste was du machen könntest, gerade bevor die alternative wäre das du irgendwelche Sanktionen erhalten würdest vom Jobcenter! Hast du denn einem Hausarzt den du schon länger kennst? Dem könntest du das ja mal so erzählen. Wäre das vorstellbar?
Und vielleicht käme auch ein Therapeut in Frage? Gerade wenn es seit Jahren schon so geht. Hast du darüber schon mal nachgedacht, also therapeutische Hilfe in anspruch zu nehmen?

Du schreibst ja auch, dass du spürst das du es nicht mehr lange packen wirst. Und denke mal, dieser Weg wäre noch dann etwas was man mal ausprobieren könnte oder? Was könntest du verlieren? Nichts oder?
ich glaube nicht das du, wenn du es einem Hausarzt erzählst als Drückeberger dastehen wirst, da es viele Menschen gibt in der heutigen gesellschaft mit psychischen Problemen. Und du hast es ja nicht erst seit gestern. Ich verstehe dich, dass du diese Gedanken hast, aber ich glaube nicht, dass dich da jemand als Drückeberger sieht.
Vielleicht geht es dir auch besser, wenn du zu Hause bist als wenn du arbeitest, weil du dann weniger gestresst bist oder da doch irgendwelche Ängste mitschwingen. Aber auch wenn man gestresst ist, geht es einem ja in der Zeit dann wesentlich schlechter wenn man dann in der Zeit was macht, also Überfordert halt.

Das stimmt, man sollte sich nicht bei Depressionen verkriechen aber halt nicht unter Druck was machen und das Arbeitsamt macht da ja auch Druck und überfordert dich damit wieder halt sicherlich(vermutung halt jetzt nur von mir). Mit Depressionen sollte man auch nur wenig machen am Anfang und dann langsam steigern und nicht acht stunden gleich am tag bewerbungen schreiben vielleicht, gerade nicht in Phasen wo nichts geht gerade mehr, überfordert noch mehr. Also wäre auch nicht förderlich dann so sehr, also so sehe ich das.
Also stimmt, man sollte nicht nur im Bett liegen bleiben und was tun, aber halt nicht nur unter druck und mit Pausen auch. Und auch zwischendurch was einem gut tut noch sachen machen.

Kennst du Entspannungsübungen? Hast du so was schon mal ausprobiert, wenn du welche kennen solltest?

Mit ganz lieben Grüßen,
Delphie

24.03.2018 14:39 • x 1 #2


Jan_

Jan_


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Hast du denn ein soziales Umfeld in dem du integriert bist? Wahrgenommen und geschätzt wirst?

Arbeit gibt auch Zugehörigkeit und Bestimmung.
Gesellschaftlich ist eine Arbeitsstelle immer noch gefordert. Du spürst das natürlich direkt und im sehr negativen Sinne durch das Jobcenter und Maßnahmen.

Wie du es am eigenen Leib erfährst sind diese Maßnahmen und Sanktionen aber durchaus negativ zu sehen. Sie fördern nicht unbedingt die Arbeitsfindung, schon garnicht eine erfüllende Arbeitssuche/-findung, und führt eher zur Krankheitsförderung/Belastung der Betroffenen.

Du bist in einer beschissenen Situation, und wirst institutionell gegängelt.
Dir fehlt Bestimmung und Zugehörigkeit, und erfährst gleichzeitig direkt und indirekt durch Androhung dass du 'nicht in Ordnung' bist, 'etwas tun musst' (auch wenn die Forderungen unrealistisch sind), etc.

Das macht natürlich etwas mit einem. Und zwar mit jedermann. Egal wer in deiner Situation wäre, das gräbt an und zerstört den Selbstwert und Sorglosigkeit. Das baut immensen Druck auf (was in gewisser Weise ja gewollt ist um die Betroffenen in Jobs zu pressen, aber völlig die Schäden die das verursacht ignoriert genau so wie die ggf. Unrealistischkeit der Forderungen).

Du schilderst starke Symptome.
Sieh dich nicht selbst als 'falsch gepolt' oder 'unwürdig'. Sie dich als Opfer deiner Situation.
Zum Arzt zu gehen ist keine Schande. Der Arzt ist der Experte. Wenn er dich krank schreibt dann ist das seine Entscheidung. Du kannst nur ehrlich deine Symptome schildern.
Aber was du hier schilderst ist ja längst krankschreibungswürdig. Und natürlich auch Behandlungsbedüftig (Psychotherapie, Psychiater). Auch wenn letztlich nur eine Änderung deiner Situation Abhilfe schaffen würde. Aber eine Therapie kann einem Helfen mit der Situation umzugehen, sich zu stärken, und ggf.

Die 'Gesellschaft' wird nicht auf dich Acht geben. Das musst du selbst. Du selbst musst zum Arzt gehen. Dein Schicksal in die Hand nehmen.
Auch wenn das schwer fällt. Gerade auch sich Schwäche einzugestehen. Und dies auch anderen gegenüber.
Aber es gibt keine Alternative. Man selbst muss für sich sorgen.

Zitat von Koala000:
Was stimmt nicht mit mir, bin ich krank? Was soll ich tun? Ich weiß echt nicht weiter und halte das nicht mehr lange aus.


Du solltest in jedem Fall zum Arzt gehen und das mit ihm besprechen.
Eine Veränderung und Therapie ist auf jeden Fall sinnvoll.
Egal ob das jetzt 'nur' psychosomatische Beschwerden oder eine wie stark auch immer Depression ist.


Wenn du eine Stelle hast, was stresst dich dort denn dann? Was beschäftigt dich? Was belastet dich?

24.03.2018 15:48 • x 2 #3


Koala000


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Hallo Delphie & Jan,
danke für eure Gedanken. Ich werde dann nächste Woche zum Hausarzt gehen (Das letzte Mal war ich da vor Jahren wegen Grippe) und dort um Hilfe bitten. Ich weiß nur nicht recht wie ich ihm das alles erzählen soll. Das wird mir nicht leicht fallen. In Schriftform fällt mir das einfacher. Wie läuft das Gespräch dann beim Hausarzt in der Regel ab? Wird er mich arbeitsunfähig schreiben und mich an einen Facharzt überweisen wo ich dann einen Termin holen muss? Das wird doch bestimmt lange dauern. Was passiert in der Zeit bis dahin?

Entspannungsübungen kenne ich, und nutze ich gelegentlich. Genauso wie Entspannungsbäder zu ruhiger Musik. Das hilft mir auch für den Zeitraum ein wenig abzuschalten von den negativen Gedanken. Aber schon wenige Stunden danach fange ich wieder an zu grübeln über den kommenden Tag im Beschäftigungsverhältnis oder an mögliche Briefe vom Amt.
Auch jetzt, während ich das Schreibe habe ich einen Kloß im Hals, da nachher schon wieder Sonntag ist, und auf Sonntag der Montag folgt wo ich dann wieder in der Früh raus muss um in den vollen Bus zu steigen. Mir wird regelrecht übel von diesem Gedanken. Das mag für andere unverstädlich wirken, warscheinlich auch für die Ärzte ... ich kann mir das selber nicht erklären. Vielleicht hat das was mit dem Zwang zu tun, da ich es freiwillig ja nicht tue, sondern nur um nicht bestraft zu werden in Form von Streichung der Grundsicherung und Miete.

Freunde fragten mich gestern ob ich mit feiern gehen möchte heute Abend, aber ich habe dazu überhaubt keine Lust, und das würden sie auch merken. Ich habe Angst das ich unsere Beziehung gefährde wenn ich die Stimmung in der Gruppe durch meine "Fresse" oder Laune runterziehe. Ich Zeiten wo ich in keiner Beschäftigung (Arbeit oder Maßnahmen) stecke und so auch weniger Probleme habe, bin ich immer der erste der zusagt, aber ansonsten ist mir gar nicht danach, da sich alles um die Pflichten im Kopf dreht.

An Interessen/Hobbys mangelt es mir ja auch gar nicht. Im Sommer gehe ich gerne spazieren oder liege am See, spiele Dart mit Freunden oder zu Hause am Computer Taktikspiele (eSport).

Aber die Interessen/Hobbys lassen von heute auf morgen komplett nach, sobald ich weiß, dass ich morgen dies oder das tun muss, sprich alles strukturiert ist und ich selber den Tagesablauf nicht mehr bestimmen kann.

Ich war in den letzten 5 Jahren in 7 verschiedenen Jobs (Vom Handwerk, Call-Center bis Reinigung) und in mehreren Eingliederungsmaßnahmen vom Amt. Ich habe also schon eine ganze Palette ausprobiert. Es ist jetzt nicht so, dass mir die Tätigkeiten keinen Spaß gemacht haben. Aber ich spühre schon morgens um 6 Uhr wenn der Wecker klingelt, dass ich den Tag nicht packen werde. Ich weiß nicht mal wirklich wieso, nur dass ich anders ticke als die Gesellschaft und starke Anpassungsprobleme habe. Die hatte ich auch schon in meiner Schulzeit, welche von Zwängen, Mobbing und anderen negativen Dingen bestimmt war. Ich habe dort den Unterricht schon regelmäßig geschwänzt und nur gerade so einen Hauptschulabschluss geschaft.

Wirklich gut geht es mir nur, wenn ich mit niemanden etwas zu tun haben muss (Mit Ausnahme von Freunden und Familie), frei entscheiden kann und meine Ruhe habe.

Sobald diese Bedürfnisse aber angegriffen werden, falle ich in einen tiefen Sumpf und fühle mich psychisch vergewaltigt. Alles positive spielt dann keine Rolle mehr, und meine Gedanken kreisen sich nur darum, dass ich funktionieren muss, um nicht auf der Straße zu landen. Aber das packe ich nicht.

24.03.2018 20:09 • #4


Hotin

Hotin


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Hallo Koala,

Dir geht es schon länger gesundheitlich nicht gut. Ich glaube ich verstehe, was Du schreibst.
Schwierig wird es nur, wenn Du Forderungen an die Gemeinschaft stellst (ALG2 und Miete),
aber niemandem sagst, wann und wie Du wieder versuchen willst, selbst für Dich zu sorgen.
Deshalb versucht man vermutlich Dir Druck zu machen.
Zitat:
Ich kann an nichts anderes mehr denken als an diese Maßnahme
Das zerreist mich innerlich und macht mich extrem hoffnungslos
Hinzu spühre ich eine innerliche Wut, die ich in den letzten Jahren entwickelt habe.


Was genau macht Dich denn hoffnungslos? Und worauf verspürst Du Wut?

Zitat:
Ich glaube das ich dringend Hilfe benötige, habe aber Angst zu Ärzten zu gehen, und als Drückeberger abgetan zu werden.


Wie kommst Du den auf "Drückeberger"? Wenn Du Dich nicht vor Arbeit drückst, dann wirst Du Deinem Hausarzt
vermutlich genau erzählen können, warum Du Dich immer so schlecht fühlst. Dann gehe zu dem Arzt hin.
Du willst doch bestimmt wieder zufrieden werden.
Zitat:
Ich google schon nach Begriffen wie "Arbeits-Phobie" oder "Depressionen durch Arbeit" aber finde da eher das
Gegenteil, nämlich das Arbeit gegen Depressionen hilft.


Das bedeutet, Dein Problem ist vermutlich nicht das arbeiten. Was denkst Du über folgendes?
Kann es sein, das Du ein großes Problem damit hast, mit anderen Menschen zusammen zu sein?
Zitat:
Was stimmt nicht mit mir, bin ich krank? Was soll ich tun? Ich weiß echt nicht weiter und halte das nicht mehr lange aus.


Vermutlich stimmt alles mit Dir. Ob Du krank bist, vermag ich nicht zu sagen.
Du solltest jedoch versuchen mit psychologischer Unterstützung Deine Ängste vor anderen Menschen abzubauen.
Danach wird es Dir wieder wesentlich besser gehen.
Was sich dann genau alles verbessert, wird sich dann später zeigen.
Auf jeden Fall lohnt es sich für Dich intensiv daran zu arbeiten.

Und dies beginnt damit, dass Du Ärzte um Rat und Unterstützung bittest.

Viele Grüße

Bernhard

24.03.2018 21:19 • #5


Jan_

Jan_


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Zitat von Koala000:
Mir wird regelrecht übel von diesem Gedanken. Das mag für andere unverstädlich wirken, warscheinlich auch für die Ärzte ... ich kann mir das selber nicht erklären.


Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Wie sicher auch viele andere mit Angststörungen/sozialen Ängsten.

Und die Ärzte erleben das ja auch (immer häufiger). Auch wenn sie es selbst nicht erleben oder nachvollziehen können sehen sie das ja empirisch, dass es das gibt.

Zitat von Koala000:
Freunde fragten mich gestern ob ich mit feiern gehen möchte heute Abend, aber ich habe dazu überhaubt keine Lust, und das würden sie auch merken. Ich habe Angst das ich unsere Beziehung gefährde wenn ich die Stimmung in der Gruppe durch meine "Fresse" oder Laune runterziehe.


Das kann ich nachvollziehen. Wenn man eh ko und ausgelaugt ist hat man auch nicht unbedingt Lust auszugehen.

Vielleicht kannst du dich mit den Freunden ja in anderem Umfeld treffen? Nicht unbedingt Feiern, sondern eher etwas ruhiges?
Etwas dass du dir noch zumuten möchtest.

Zitat von Koala000:
Aber die Interessen/Hobbys lassen von heute auf morgen komplett nach, sobald ich weiß, dass ich morgen dies oder das tun muss, sprich alles strukturiert ist und ich selber den Tagesablauf nicht mehr bestimmen kann.


Da schaltet dein Verstand um von offen und frei auf Notbetrieb unter Anspannung/Stress.
Ich vermute auch dabei geht es in erster Linie nicht darum dass der Tagesablauf geregelt ist, oder dass du wo hin musst, sondern eher um das was damit einher geht - Ansprüche, Kontakte, Bewertungen, vllt. auch Kontrollverlust.

Zitat von Koala000:
Aber ich spühre schon morgens um 6 Uhr wenn der Wecker klingelt, dass ich den Tag nicht packen werde. Ich weiß nicht mal wirklich wieso, nur dass ich anders ticke als die Gesellschaft und starke Anpassungsprobleme habe.


Da kann eine Psychotherapie helfen, das auch zu analysieren, einzuordnen, und den besseren Umgang damit zu lernen.

Zitat von Koala000:
Die hatte ich auch schon in meiner Schulzeit, welche von Zwängen, Mobbing und anderen negativen Dingen bestimmt war. Ich habe dort den Unterricht schon regelmäßig geschwänzt und nur gerade so einen Hauptschulabschluss geschaft.


Da hast du natürlich sehr schlechte Erfahrungen gemacht.
Mit Fremden und/oder der 'Gesellschaft'.
Möglicherweise eine der Ursachen für die Abneigung/Ängste.

Zitat von Koala000:
Wirklich gut geht es mir nur, wenn ich mit niemanden etwas zu tun haben muss (Mit Ausnahme von Freunden und Familie), frei entscheiden kann und meine Ruhe habe.

Sobald diese Bedürfnisse aber angegriffen werden, falle ich in einen tiefen Sumpf und fühle mich psychisch vergewaltigt. Alles positive spielt dann keine Rolle mehr, und meine Gedanken kreisen sich nur darum, dass ich funktionieren muss, um nicht auf der Straße zu landen. Aber das packe ich nicht.


Vielleicht ein Bedürfnis nach Kontrolle und Ruhe, wohl eher soziale Ängste im breiteren.

Dass das positive und das 'normale Erleben' in Stresssituationen und unter Hochanspannung nicht mehr erlebt werden ist normal.
Eine Therapie/Übung könnte hier helfen die Gedankenkreise und Belastung zu entschärfen, und besser mit den Situationen umgehen zu können.

Zitat von Koala000:
Ich weiß nur nicht recht wie ich ihm das alles erzählen soll. Das wird mir nicht leicht fallen. In Schriftform fällt mir das einfacher. Wie läuft das Gespräch dann beim Hausarzt in der Regel ab? Wird er mich arbeitsunfähig schreiben und mich an einen Facharzt überweisen wo ich dann einen Termin holen muss? Das wird doch bestimmt lange dauern. Was passiert in der Zeit bis dahin?


Mach dir nicht all zu viele Gedanken darüber, wenn das in Grübeln und Anspannung endet. Mach dir vielleicht ein paar Stichpunkte und überlege dir einen Anfang. Das reicht.

Das kann natürlich schwer fallen. Aber das ist okay. Einfach durchziehen.
Und der Arzt ist ja dann auch da um zu führen; ggf. Diagnosen und Überweisungen zu stellen.

Wenn du nicht arbeitsfähig bist/das dich zu sehr einschränkt (wonach es sich anhört), dann wird er dich krank schreiben.
Gerade auch im psychologischen Bereich sind die meisten Ärzte überbucht. Da kann es auf dich zukommen erstmal auf eine Warteliste zu kommen, und/oder mehrere verschiedene auszuprobieren. Gerade bei der Psychotherapie natürlich auch wichtig jemanden zu finden den du sympathisch findest, bei dem du offen sprechen kannst, und auf dessen Urteil/Vorschläge du vertrauen kannst.

Überweisen wird er dich bestimmt.

Bis da hin ist vielleicht auch eine Reha möglich, die du über deine Krankenkasse beantragen kannst.
Eine Reha kann einen Start in die Therapie geben, einige Ideen und Kenntnisse geben, und etwas stärken. Eine direkte "Heilung" kann man aber auch dort nicht erwarten.
Danach braucht es trotzdem noch weiterhin eine Psychotherapie zur Begleitung.
Eine Reha kann auch bei der Jobsuche/-orientierung helfen.
Und nach einer Reha kann auch die mögliche Diagnose "nicht mehr arbeitsfähig" stehen, was dann zu Frührente (statt Arbeitslosengeld) geht.

Ansonsten gibt es noch die Möglichkeit sich selbst zu informieren, etwa über Fachbücher.
Als Ersatz für eine Therapie sollte man es denke ich trotzdem nicht verstehen.

Der Hausarzt wird sich im Übrigen auch nicht unbedingt um die Details interessieren. Dafür ist seine Sprechstunde sicher auch nicht lange genug - er hat noch andere Patienten.
Ihm geht es um eine Einordnung, Symptome, Stärke, Auswirkungen. Damit er eine fundierte Entscheidung treffen kann und überweisen kann an einen Facharzt.
Mit ihm wirst du nichts Ergründen, und auch nicht unbedingt eine Hilfestellung bekommen (über die Krankschreibung und Anträge und Überweisung hinaus).
Trotzdem interessiert ihn natürlich wie es dich belastet, und vielleicht auch Lösungsansätze/Aussichten.

25.03.2018 02:29 • #6


Delphie

Delphie


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Hallo Koala,

das ist eine gute Idee, dass du dann zum Hausarzt gehen wirst. Bzw. warst du schon da beim Hausarzt diese Woche? Oder nächste Woche die jetzt kommt?
Ich kann es verstehen, dass es dir in Schriftform leichter fällt, kenne ich auch so. Im schlimmsten Fall, also wenn du es gar nicht über die Lippen bekommst und es gar nicht mit Reden klappt, gebe ihm was zum Lesen, also damit er es Lesen kann. Schreibe es vorher auf und überreiche es ihm dann. Sage ihm das du es nicht sagen kannst und es dir leichter fällt im Schriftform, habe ich selbst sogar auch schon mal bei meinem Hausarzt gemacht(nicht nur bei meiner Therapeutin). Das geht auch, also bevor du gar nichts sagst ist das immer noch besser. Aber vielleicht bekommst du es ja auch hin und sagst etwas. Das wäre ja schön und auch ein posetives Gefühl für dich, weil du es dann geschafft hast ihm das persönlich zu sagen!

Du sagst bzw. erklärst dem Hausarzt was für Probleme du hast. Und was deine Probleme so sind also wie du dich so fühlst, so läuft das ab. Und ja, wenn du nicht arbeiten kannst, wird er dich sicher arbeitsunfähig schreiben, also wenn du nicht arbeiten gehen kann, also wenn er der Meinung ist. Wäre ja auch ganz gut für dich. Bzw. das du nicht so einen Druck zu Zeit ausgesetzt bist. Du kannst ihm dann ja erzählen, dass du vorhast einen Psychologen aufzusuchen. Dann wird er sicher dich dahin überweisen, also eine Überweisung dafür geben. Vielleicht hat er dafür auch für dich gleich Adressen parat. Manchmal haben die das ja auch so Adressen für so Therapeuten.

Das ist gut, dass du Entspannungsübungen schon kennst und auch nutzt. Sie wirken auch nicht sofort und brauchen auch sehr lange Übung, also habe ich erklärt bekommen in der Klinik. Das klingt gut, dass du auch Entspannungsbäder mit Musik nutzt. Das klingt auch sehr gut.

Das klingt nicht gut, dass dir schon übel wird, alleine beim Gedanken daran an Montags. Doch ich kann das verstehen und ich denke ein Arzt, der emphatisch ist wird es auch verstehen können und sich da hineinversetzten können.

Hast du deine Freunde mal gefragt, oder einen deiner Freunde mal gefragt, ob du sie wirklich runterziehst bzw. sie danach gefragt ob du die Beziehung bzw. Freundschaft gerade damit gefährdest? Das sind ja gerade bei dir Gedanken im Kopf, sie müssen ja nicht der Realität entsprechen. Manchmal kann es da hilfreich sein, nachzufragen ob das stimmt was man sich da zusammenreimt. Und hinterher stellt man dann fest häufig, dass es gar nicht so ist und sich womöglich die Freunde freuen wenn man mitkommt und sie sich nicht stören lassen wenn man selbst mal schlechter drauf ist.
Kannst du mit deinen Freunden offen sprechen oder mit einem davon?
Vielleicht wäre es trotzdem ganz gut, selbst dann raus zu gehen, also auch wenn dir nicht so nach Feiern zumute ist oder nach raus gehen, damit du aus dem Grübelkreislauf raus kommst. Und deine Gedanken da zu stoppen bekommst für eine Zeit lang.

Es ist schon mal gut das du Hobbys hast. Schade natürlich, dass du sie dann sein lässt wenn alles strukturiert ist bzw. du nichts mehr bestimmen kannst. Aber vielleicht bekommst du es auf Dauer auch hin, dass du da doch dann etwas machen kannst, wäre ja gerade! an solchen Tagen wichtig ein Ausgleich zu finden. Und wenn es nur eine halbe Stunde spazieren gehen ist. Oder ein anderes Hobby von dir da wäre.

Das klingt nicht so nach schönen Erlebnissen, die du erleben musstest in deiner Schulzeit. Ich kenne auch Mobbing, wurde auch gemobbt und weiß daher das es echt hart ist. Wie meinst du das mit den Anpassungsproblemen? Wobei hast du Schwierigkeiten dich anzupassen? Magst du das genauer erläutern/erklären? Du meinst ja das du anders tickst als andere, magst du erzählen wie du es meinst, wo du schwierigkeiten hast dich anzupassen?
Hast du den Unterricht dann geschwänzt, weil du so gemobbt worden dann bist und wegen deinen negativen anderen Erlebnissen? Kann man ja verstehen. Ich habe auch aus Angst mal die Schule geschwänzt und bin nicht hingegangen.

Mit ganz lieben Grüßen,
Delphie

31.03.2018 13:21 • #7



Univ.-Prof. Dr. med. Isabella Heuser


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