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Eva-Marie

Eva-Marie
Mitglied

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Ich war heute bei meiner Psychiaterin, weil ich leider nach wie vor ziemlich instabil bin (komplexe PTBS, rezidivierende Depression) und gerade eine neue Medikation ausprobiere. Jedes Mal, wenn ich Termine bei Ärzten habe, bin ich im Vorfeld total angespannt, habe starke körperliche Symptome, Schmerzen etc. Dies hängt mit Erlebnissen aus meiner Kindheit, aber eben auch mit Erfahrungen im psychiatrischen Kontext zusammen, sprich meiner Rolle als Patientin. Ich habe in Kliniken psychische Gewalt durch Klinikpersonal, besonders durch Ärzte erleben müssen und bin seit diesen Erlebnissen einfach sehr misstrauisch. Trotzdem habe ich meiner aktuellen Psychiaterin eine Chance gegeben, denn ich möchte mich nicht vollends von den negativen Erfahrungen bestimmen lassen, da es ja zugleich viele gute Ärzte gibt und ich nun mal aufgrund meiner beschissenen Erkrankung auf Hilfe angewiesen bin.
Der Termin war leider so was von ernüchternd, ich wurde mit müden, schlau klingenden Floskeln abgespeist, auf meine Frage hin, ob ich mich in akuten Krisen an die Ärztin wenden könne, verwies sie mich auf meinen Hausarzt sowie meine ambulante Betreuerin, was ich einfach nur daneben fand. Ich habe wirklich schreckliche Dinge erlebt und habe keine Familie mehr, es gibt wenig Halt für mich in dieser Welt. Und ich bin keine Person, die ständig bei ihren Ärzten auf der Matte steht, eben weil ich mich gleichzeitig so verdammt schäme, überhaupt so bedürftig zu sein. Auch dies habe ich ihr mitgeteilt, woraufhin sie mir sagte, ganz trocken und nüchtern, regulär hätte ich einen Anspruch auf einen Termin in drei Monaten, sie habe immerhin 5.000! Patienten zu betreuen. Ich musste bei dieser Zahl ziemlich schlucken und gleichzeitig spürte ich, dass es vollkommen unangemessen von der Ärztin war, mich mit ihrem Arbeitspensum zu belasten. Aber was soll ich machen? Die psychiatrische Versorgung ist leider so was von schlecht mittlerweile, man kann froh sein, wenn man überhaupt jemanden findet. Aber, wie soll man es gleichzeitig ertragen, nicht gesehen, nicht angemessen unterstützt zu werden? Ständig das Gefühl zu bekommen, zu viel zu sein, ich denke, das kennen viele von euch mit Traumafolgestörungen, oder? Ich habe eine solche Wut auf dieses ganze System, ich weiss gerade nicht, wohin mit mir? Es kommt mir so vor, als würde ich ständig gegen Wände rennen, die andere mir als Türen verkaufen: Holen Sie sich bitte Hilfe, sorgen Sie für sich, bla bla bla. Und dann, wenn man sich Hilfe holt, wirklich um Beistand bittet, gibt es keine Kapazität für Dich - keine Therapieplätze, Psychiater überlaufen, Wartezeiten für Kliniken bis zu einem Jahr. Ist ein langer Text geworden. Kennt jemand diese Situation und was hilft euch da?

05.03.2026 x 1 #1


13 Antworten ↓


E
Ich kann dich gut verstehen, es ist heut zu Tage sehr schwer einen Therapeuten zu finden, da kann jeder froh sein wenn er in Behandlung sein kann und zufrieden mit der Therapie ist.

Normalerweise sollte ein Therapeut schon auch bei Akuten Problemen erreichbar sein, aber bei 5000 Patienten kann ich das tatsächlich verstehen das so was kaum zu bewältigen wäre, wenn nur schon 1% der Patienten anrufen würden wegen Probleme weiss ich auch nicht wie das gehen sollte.

Wie war die Therapie ansonsten für dich?

Das Problem ist die Unterversorgung, zu wenige Fachkräfte und dann rennt man tatsächlich gegen verschlossenen Türen.

Was würde dir denn helfen, also was erhoffst du dir genau?

Ich finde es schlimm dass du Gewalt in der Psychiatrie erlebt hast, so was ist nicht schön.

x 5 #2


A


Wut und Ohnmacht bezüglich psychiatrischer Versorgung

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N
@Elemente es geht in dem Thema um die Psychiaterin, also die Ärztin nicht die Therapeutin und die haben schon viele Patienten zu versorgen

x 3 #3


-juli
@Eva-Marie ich kann deine Gedanken (leider) ziemlich gut nachvollziehen. Ich habe immer wieder in Systemen, die mir hätten helfen sollen, alles außer Halt erlebt und diese Erfahrung brennt sich ein.

Vielleicht passt es dort einfach nicht, aber ich muss auch Elemente beipflichten. Die vorhandenen Praxen sind meist so überlaufen, dass die Zeit fehlt.

Unser System lässt nicht viel Zeit zu, aber als Person mit Traumafolgestörung achte ich beispielsweise auch darauf, dass ich nicht über tiefe Traumatisierungen spreche, wenn ich weiß, dass da nur 15 min Zeit sind, bis die nächste Person dran ist, weil ich sonst in einem für mich ungünstigen Zustand rausrenne und ich das nicht einfach so in der Zeitspanne runterbrechen kann. Das löst dann beim Gegenüber nicht immer Begeisterung aus, weil das Sprechen über die Traumatisierung auch wichtig wäre. Aber das kriege ich mit dem zeitlichen Druck nicht hin.

Hast du auch eine Gesprächstherapie? Es hat für mich relativ lange gedauert, bis ich eine Person gefunden habe, mit der ich gut an meinen Themen arbeiten kann, aber inzwischen hat es sich glücklicherweise ergeben.

Im ärztlichen Setting spüre ich diesen Druck viel stärker als im pyschotherapeutischen Setting, da ich wirklich diese Therapiestunde Zeit habe und darauf geachtet wird, dass ich wieder in das "Hier und Jetzt" komme, bevor ich gehe.

x 3 #4


N
@Eva-Marie tut mir leid wie es dir geht. Leider wundert mich das Verhalten Deiner Psychiaterin nicht. Ich habe zwar einen netten aber der würde auch nicht für jede Anfrage meinerseits zur Verfügung stehen

x 1 #5


Burn
Ich kann das auch verstehen ich h so ähnliche Sätze von meiner Psychiaterin auch schon gehört.

Aber Elemente hat etwas wichtiges gefragt… was erhoffst du dir?

Ich für mich habe im Moment gerade den Rückzug gewählt. Psychiaterin nur für Medis den Rest versuche ich mit Therapie zu bewältigen und dass ich mir so etwas wie körperterapie selber bezahle

x 2 #6


fourofour
Zitat von Eva-Marie:
gibt es keine Kapazität für Dich - keine Therapieplätze, Psychiater überlaufen, Wartezeiten für Kliniken bis zu einem Jahr. Ist ein langer Text geworden.

Habe um 2000 herum im Krankenhauswesen gearbeitet. Das System wurde schon da massiv zusammengespart.
Hier im Landkreis haben in den letztem 18 Monaten 6 - ja sechs - Psychiater zugemacht und es sind KEINE Nachgekommen. Weil sich es sich kaum noch rechnet, sich als Doc hier in D selbststämndig zu machen in diesem Bereich.

Es war absehbar, aber alle haben die Regierung(en) gewählt die das immer weiter geführt haben.

Machen kann man da nicht wirklich viel, ausser sich ein Umfeld zu suchen und über die Eingliederungshilfe so etwas wie ABW zu erhalten und ggf. einen Pflegeantrag stellen (was vom System auch immer mehr erschwert wird).

Je nach Biografie wäre ein Antrag nach dem OEG/SER eine Option. Aber dazu braucht man halt auch echt Nerven. Und vor allen Dingen Geduld (2+ Jahre) + Glück.
Hat man genug finanzielle Mittel, ist es vllt. auch eine Idee eine Therapie selbst zu bezahlen.

Das ganze Gesundheitssystem ist für mich und meine Verlobte der Grund das ich in 6 Monaten in die CH auswandere. Sie kennt solche Verhältnisse in der CH nicht.

Fun Fact - in Zürich sind unzählige Ärzte aus D eingewandert oder arbeiten dort.

x 3 #7


Sonja77
Also das kann ich nur so bestätigen
Es ist wirklich eine Tatsache das in den letzten 4 bis 5 Jahren unzählige Ärzte Fachärzte Psychologen und Psychiater aus Deutschland in die Schweiz eingewandert sind
Sie sind überall,laut ihren eigenen Aussagen liegt es erstens daran das man natürlich in der Schweiz viel viel mehr verdient und dann auch an der Tatsache das es in Deutschland mit dem Gesundheitssystem immer schlimmer wird und die Zustände bei euch immer schwerer werden
Also studieren die meisten in Deutschland weil es da einfacher ist als in der Schweiz und dann kommen sie zu uns in die Schweiz

Auch meine Psychiaterin ist deutsche lebt und arbeitet aber seit sehr vielen Jahren in Zürich

Wir in der Schweiz kennen das Problem mit den langen Wartezeiten auf Facharzt Termine nicht,das längste was man bei uns wartet wenn es wirklich NICHT dringend ist das sind 4 Wochen….bei dringend wenige Tage und wenn ganz dringend auch am nächsten Tag
Hausarzt spätestens nach 2 Tagen ein Termin
Psychiater haben auch keine langen Wartezeiten und bei kliniken und Psychiatrien wartet man zwischen 4 bis 8 Wochen auf einen Vollstationären Platz je nachdem in was für eine Klinik man will

Leider war auch bei mir selber das schlechte Gesundheitssystem meines Heimatlandes ein großer Grund weshalb wir 2012 nach Zürich ausgewandert sind

x 1 #8


Eva-Marie
Danke euch! Tut einfach gut, verstanden zu werden... 🌺 Habe mich wieder etwas beruhigen können...
zum Thema Schweiz, habt ihr vollkommen Recht, aber mir sind da die Hände gebunden. Wenn ich lese, wie die ärztliche Versorgung dort ist, kann ich nur sagen, dass ich den Wunsch und die Hoffnung nicht aufgeben werde, dass sich das Gesundheitssystem in Deutschland wieder in Richtung Menschlichkeit verändern wird, weil ich glaube, dass man am Ende mehr Kosten generiert, wenn man am wesentlichen spart - einer adäquaten, gerechten und würdevollen Gesundheitsversorgung! wie viele Kosten entstehen, weil man ständig Zeit sparen will? wie viel Leid?

#9


Dunkelbunte
Zitat von Eva-Marie:
Trotzdem habe ich meiner aktuellen Psychiaterin eine Chance gegeben,

Die Chance gibst du DIR selbst. Kein Arzt "braucht" den einzelnen Patienten.
Aber Du brauchst den Arzt.

Zitat von Eva-Marie:
auf meine Frage hin, ob ich mich in akuten Krisen an die Ärztin wenden könne, verwies sie mich auf meinen Hausarzt sowie meine ambulante Betreuerin,

Psychiater sind keine Psychologen. Sie sind für die Medikation, Quartalstermin und wenn nötig Einweisung in Tagesklinik oder stationäre Klinik zuständig.

Zitat von Eva-Marie:
regulär hätte ich einen Anspruch auf einen Termin in drei Monaten, sie habe immerhin 5.000! Patienten zu betreuen. Ich musste bei dieser Zahl ziemlich schlucken und gleichzeitig spürte ich, dass es vollkommen unangemessen von der Ärztin war, mich mit ihrem Arbeitspensum zu belasten.

Ne, da vermischt du deine Erfahrungen mit früher und trennst es nicht vom Trigger. Natürlich darf dich die Ärztin auf die Grundlagen hinweisen. Immerhin macht sie keine falschen Versprechen und du weißt woran du bist und wo deine Möglichkeiten sind.

Zitat von Eva-Marie:
Aber, wie soll man es gleichzeitig ertragen, nicht gesehen, nicht angemessen unterstützt zu werden?

Es gibt reichlich Unterstützung.

Ich zb war über 10 Jahre in Selbsthilfegruppen unterwegs. Zum einen für Angst und Panikstörung und zusätzlich für Depressionen.
Viele gute Tipps und Sozialkontakte. Das war eine sehr gute Zeit.

Und für deine Verarbeitung von Trauma und Umgang mit Folgestörungen ist ein Therapeut zuständig. Und da musst du die 116117 kontaktieren und du kannst dich bei deiner Krankenkasse über das sogenannte Kostenerstattungsverfahren erkundigen.

Und bevor du mich jetzt verletzt angehst 😉
Ich bin knapp 47 Jahre alt, habe eine kPTBS, wurde 16 lange Jahre von meiner Mutter misshandelt und terrorisiert. Habe 7 Folgestörungen und mit 18 Jahren die 1. Psychotherapie gemacht. Es folgten weitere.

Schnelle Lösungen und Hilfe gibt es nicht. Aber du kannst dich mit Psychohygiene, Achtsamkeit und oben genanntes beschäftigen.

Und denk immer dran, deine Wut richtet sich gegen frühere Täter. Alles was jetzt passiert sind Trigger.

Sei gnädiger 😇

x 1 #10


E
Also in der Schweiz kann ein Psychiater auch ein Psychotherapeut sein, das gehört zur Ausbildung zwingend dazu, darum spreche ich meistens von Therapeuten, weil bei uns Psychologen mit einer Weiterbildung auch Psychotherapeuten sein können wie Psychiater.

#11


Sonja77
Zitat von Elemente:
Also in der Schweiz kann ein Psychiater auch ein Psychotherapeut sein, das gehört zur Ausbildung zwingend dazu, darum spreche ich meistens von ...

Da bei mir 6 Jahre durchgehende Psychotherapie bei einer Therapeutin alles verschlechtert hat,so habe ich dann entschieden bei einer Psychiaterin in Therapie zu gehen
das war anfangs alle 3 Wochen eine Stunde plus einmal im Monat eine Stunde extra wo es nur um die Medikation ging
mit all meinen Diagnosen und deren damaligen massiven Ausprägungen war es nach über 6 Jahren Zeit was zu unternehmen
ich selber leide unter anderem auch an einer kPTBS
seitdem ich bei einer Psychiaterin in Psychotherapie bin geht es mir viel besser und mittlerweile bin ich seit 14 Monaten vollkommen stabil und Symptomfrei

x 1 #12


E
Zitat von Sonja77:
Da bei mir 6 Jahre durchgehende Psychotherapie bei einer Therapeutin alles verschlechtert hat,so habe ich dann entschieden bei einer Psychiaterin in Therapie zu gehen das war anfangs alle 3 Wochen eine Stunde plus einmal im Monat eine Stunde extra wo es nur um die Medikation ging mit all meinen Diagnosen und deren ...

Ich glaube es hat schon auch mit Glück zu tun bei wem man landet, ich hatte in meinen sehr jungen Jahren als die Ängste sich mit Panikattacken zeigten eine Psychotherapeutin, die Medikamenten bekam ich dann durch meinen Hausarzt, an alles erinnere ich mich leider nicht mehr, aber sie war sehr nett und es gab Gespräche, irgend wann haben die Medis auch angeschlagen und dann ging es irgend wann auch wieder besser.

Ich denke mit meiner Psychiaterin habe ich Glück gehabt, es passte einfach und das wichtigste, ich kann mich auf sie verlassen. Sobald man mit jemanden interagiert dann ist es ja wichtig dass es stimmt, von da her bin ich froh, sie unterstützt mich bei allem was ich machen möchte wenn ich sie frage.

Ich kenne aber auch jemanden die hatte zwei mal bereits kein wirkliches Glück mit ihrer Auswahl und war jedes mal enttäuscht, die Stimmung war dann eher komisch und sehr kühl und sie fühlte sich nicht verstanden und somit brach sie dann jedes mal die Sitzungen nach einer gewissen Zeit ab.

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Dunkelbunte
Mein Psychiater zb ist Mist.
Aber ich habe auch nicht das Bedürfnis mit dem viel zu sprechen. Kurz sagen wie es läuft, Rezept, neuer Termin, fertig.

Würde es mir sehr schlecht gehen, würde er mir sofort eine Einweisung geben.

Und er hat die ADHS Diagnostik vor 14 Monaten gemacht.

Mir reicht das.

#14


A


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Dr. Reinhard Pichler
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