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Rachelsarah
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Hallo an alle,

Ich weiß gerade nicht mehr weiter. Zu der Vorgeschichte (ist wichtig, sorry für den langen Text). Übrigens sieht man auf meinem Profil auch einen Teil der Geschichte. Ich hatte hier damals auch geschrieben...

Ich habe, bis ich knapp 40 Jahre alt war, bei meinen Eltern gelebt. Das war von Anfang an eine extrem traumatische Beziehung. Ich habe Gewalt von ihnen miterlebt als Jugendliche, meine Eltern sind Alk., aggressiv (zu mir und zu sich selbst), depressiv, und sehr stur. Sie haben sich noch nie professionelle Hilfe (weder körperlich, noch psychisch) gesucht. Jedes Mal, wenn ich das vorgeschlagen habe, gab es große Streits.

Ich habe mich trotz, dass es mir damit extrem schlecht ging, immer übermäßig um sie gekümmert. Ich war immer bei ihnen, bin sogar mit meinem damaligen Partner mit ihnen 3x im Jahr in Urlaub gefahren. Und das war jedes Mal der Horror. Nur Streit, nur Alk. Exzesse, etc.

Mein Partner hat sich vor einem Jahr nach 13 Jahren Beziehung von mir getrennt. Er selbst nennt als Hauptgrund, dass sich bei mir/uns alles nur noch um meine Eltern gedreht hat und ihn deren Verhalten kaputt gemacht hat. Ich konnte mich gefühlsmäßig gar nicht mehr auf unsere Beziehung konzentrieren. Er konnte auch nicht mehr sehen, wie ich leide. Es hat unsere Beziehung und auch ihn psychisch kaputt gemacht. Schließlich musste er das alles auch mit tragen.

Ich war damals so am Ende, dass ich 6 Monate stationäre Therapie machen musste. In dieser Zeit habe ich auch auf Anraten meiner Therapeutin nur sehr wenig Kontakt zu meinen Eltern gehabt. Allerdings musste ich nach der Therapie wieder bei ihnen einziehen. Ich war 3 extrem schwere Wochen mit jeder Nacht lautstarken Streits dort und bin schließlich aus gezogen, nachdem es einen über Stunden andauernden Streit mitten in der Nacht und ohne dass ich etwas getan hätte, mit meinen Eltern gab, der da endete, dass meine Mutter unter Alk. meine Tür eingeschlagen hatte und mir was antun wollte.

Seit dem habe ich mich stark ab gegrenzt. Ich habe zum ersten Mal mit 42 Jahren eine eigene Wohnung, neue Freunde und bin endlich am Heilen gewesen. Ich fühle mich in meiner Wohnung zum ersten Mal in meinem Leben sicher. Auch, was die Trennung meines Ex angeht, auch da geht es mir sehr viel besser. Endlich fühlte ich mich frei und ich hatte sogar Ängste verloren, die mich mein Leben lang begleitet hatten. Ich konnte endlich unbeschwerter leben und baue mir gerade alles neu auf.

Jetzt hatte mein Vater einen Herzinfarkt (meine Eltern sind beide Mitte 70) vor 4 Wochen und ist momentan in Reha. Meine Mutter ist alleine daheim und sehr hilflos (was mich triggert und fertig macht). Sie braucht täglich Essen und mein Bruder und ich fahren abwechselnd mehrmals die Woche zu ihr. Bei den momentanen Spritpreisen ist das der Horror für mich. Ich habe zusätzlich große Geldprobleme, da ich Erwerbsminderungsrente bekomme und nicht voll arbeiten kann.

Meinen Bruder behandelt sie einigermaßen normal. Mir macht sie durchweg Vorwürfe, weil ich nicht mehr dort wohne, jetzt wo sie mich braucht (sie hat mich immer gebraucht und ich war bis vor 6 Monaten immer da). Ich sei an sich eine schlechte Tochter und es sei kein Wunder, dass mich niemand zur Partnerin will. Das sagt sie öfter wörtlich. Übrigens seit ich denken kann.

Sie leidet unter schweren Traumata, schweren Depressionen mit Psychosen, starkem Verfolgungswahn und unter Demenz, die vielleicht von den Depressionen kommt. Keine Ahnung, denn sie geht weder zum Arzt, noch zum Therapeuten. Gestern meinte sie, sie wolle zu keinem Therapeuten und es sei meine Aufgabe, ihr da zu helfen. Ich sei wörtlich "dafür zuständig als Tochter". Bin ich übrigens auch schon immer. Meine Mutter hat schon als ich Kind war. Ihre Traumata an mich weiter gegeben. Sie hat mich in der letzten Nacht mehrmals angerufen, um mich anzumotzen, weil ich nie für sie da wäre.

Mir selbst geht es seit 4 Wochen wieder sehr viel schlechter. Ich schlafe kaum noch normal, ich habe keinen Appetit mehr, ich bekomme wieder Panikattacken, schrenke mein Leben wieder ein und habe richtig große Schuldgefühle. Auch mit meinem Bruder habe ich andauernd Streit, weil er nicht versteht, wie sehr mich das belastet und weil er dauernd verlangt, dass ich mich um sie kümmere.

Ich kann einfach nicht mehr aber ihre Hilflosigkeit, die ich selbst von mir nur zu gut kenne, bringt mich immer wieder dazu, ihr helfen zu wollen. Obwohl sie oder mein Vater vor einem Jahr, als es mir extrem schlecht ging, nicht eine Sekunde für mich da waren. Es gab auch damals nur Streit und Vorwürfe zu mir wegen der Trennung meines Partners.

Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Ich kann sie und meinen Vater, der nächste Woche wieder aus der Reha zurück kommt (was meiner Mutter große Angst macht, weil sie befürchtet, dass das alles nochmal passiert) doch nicht alleine lassen!? Sie isst kaum noch, trinkt nicht genug, verlässt das Haus nicht, bewegt sich nicht und baut immer mehr ab.

Aber ich selbst kann und will mein hart aufgebautes Leben nicht mehr aufgeben. Ich hatte endlich angefangen zu heilen und jetzt geht das alles wieder zurück.

Danke, dass ich mir das alles von der Seele schreiben durfte. Das hat gut getan...

02.05.2026 x 2 #1


25 Antworten ↓
Lokalrunde

Lokalrunde
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Was soll man dazu jetzt sagen? Du bist durch diese familiären Begebenheiten am Ende angekommen, hochgradig Co-abhängig und vermutlich ein Mensch, von dem man weiß, dass man wegen seines Helfersyndroms ausgenutzt werden kann. Es spielt keine Rolle, dass es deine Eltern sind, ich habe selber durch meinen Vater Ähnlichkeiten zu dir.

Dein Leben inklusive deiner Jugend ist wie bei mir aus dem Ruder gelaufen. Ich habe dies mit Mitte 30 in einer Rehamaßnahme erkannt, dass ich mein eigenes Leben für andere aufgeopfert habe und dabei immer noch ein schlechtes Gewissen hatte. Irgendwann sind alle Grenzen aber überschritten und man fragt sich: Warum habe ich das mit mir machen lassen, daneben gestanden, während andere in der Familie mein Leben mit Füßen treten?

Ganz schnell und knallhart raus aus dieser Sippe, zieh endlich deine Notbremse und befreie dich von diesen, ich finde dafür kein anderes Wort, Blutsauger und Kräfteräubern! Verkneife dir jegliche Art von Mitleid, dass hatte man mit dir dein ganzes Leben nicht. Diese Menschen haben ihren Weg gewählt und dich mit auf diese (ihre) Reise genommen welche dein ganzen Leben bestimmt hat. Das ist fast Folter, zumindest psychisch. Treffe deine Entscheidung ganz schnell und raus aus dieser prekären Lage, sie zerstört dein Leben und du hast nur dies eine. Eigene Hilfe solltest du dir auch schnell suchen weil man so was nicht verkraftet und Hilfe benötigt um wieder ein gesundes und schönes Leben zu haben. Alles Gute dir und ich hoffe du erkennst deine aussichtslose Lage mit dieser Familie.

02.05.2026 08:16 • x 6 #3


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Psychisch kranke Mutter quält mich

x 3


Kruemel_68

Kruemel_68
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@Rachelsarah Ich schließe mich den anderen hier an - Du musst zu Deinem eigenen Schutz dringend eine Grenze ziehen und Abstand schaffen. Das wird für Dich alles andere als einfach, da Du ja nicht freiwillig immer wieder helfend einspringst, sondern da eine Programm folgst, dass seit Deiner Kindheit bei Dir läuft und Du engmaschige, therapeutische Unterstützung brauchst, um da rauszukommen.

Hast Du in irgendeiner Form aktuell noch therapeutische Unterstützung? Das wäre echt hilfreich aktuell. Falls nicht ist es wahrscheinlich utopisch, schnell an Hilfe zu kommen. Aber ich würde es trotzdem versuchen.

Der zweite, wichtige Schritt ist Abstand. So viel Abstand wie möglich. Ganz praktisch bedeutet das im Alltag so viel wie möglich zu delegieren. Das Essen z.B. könnte über Essen auf Rädern geliefert werden. Dann könnte man vielleicht schon mal den Prozess für eine Pflegegradeinschätzung anstoßen. Ab Pflegestufe 2 gibt es mehr Möglichkeiten, externe Hilfe mit an Bord zu holen.

Aber all das musst Du auch wollen und durchhalten. Du musst die Vorwürfe Deiner Familie aushalten, wenn Du sagst: "Ich bin nicht mehr zuständig." Und dafür wirst Du gute, therapeutische Unterstützung benötigen.

02.05.2026 09:42 • x 4 #7


Zum Beitrag im Thema ↓


Nachtsocke
@Rachelsarah, Liebes, ich kann gar nicht schreiben, was ich denke und fühle, nachdem ich Deinen Text gelesen habe.
Furchtbar, wie sie seit Geburt mit Dir umgehen, Dich behandeln und ungerechtfertigte und unerfüllbare Forderungen stellen.
Dein Körper signalisiert Dir, dass das alles nicht richtig, sondern falsch ist.
Du bist zu NICHTS, ABSOLUT GAR NICHTS, verpflichtet, außer Dir selbst.
Sie ziehen Dich mit ihrem toxischen Leben ins Verderben, also geh!
Du darfst das!
Und es ist das einzig Richtige wenn Du gesund leben möchtest.

x 4 #2


Lokalrunde
Was soll man dazu jetzt sagen? Du bist durch diese familiären Begebenheiten am Ende angekommen, hochgradig Co-abhängig und vermutlich ein Mensch, von dem man weiß, dass man wegen seines Helfersyndroms ausgenutzt werden kann. Es spielt keine Rolle, dass es deine Eltern sind, ich habe selber durch meinen Vater Ähnlichkeiten zu dir.

Dein Leben inklusive deiner Jugend ist wie bei mir aus dem Ruder gelaufen. Ich habe dies mit Mitte 30 in einer Rehamaßnahme erkannt, dass ich mein eigenes Leben für andere aufgeopfert habe und dabei immer noch ein schlechtes Gewissen hatte. Irgendwann sind alle Grenzen aber überschritten und man fragt sich: Warum habe ich das mit mir machen lassen, daneben gestanden, während andere in der Familie mein Leben mit Füßen treten?

Ganz schnell und knallhart raus aus dieser Sippe, zieh endlich deine Notbremse und befreie dich von diesen, ich finde dafür kein anderes Wort, Blutsauger und Kräfteräubern! Verkneife dir jegliche Art von Mitleid, dass hatte man mit dir dein ganzes Leben nicht. Diese Menschen haben ihren Weg gewählt und dich mit auf diese (ihre) Reise genommen welche dein ganzen Leben bestimmt hat. Das ist fast Folter, zumindest psychisch. Treffe deine Entscheidung ganz schnell und raus aus dieser prekären Lage, sie zerstört dein Leben und du hast nur dies eine. Eigene Hilfe solltest du dir auch schnell suchen weil man so was nicht verkraftet und Hilfe benötigt um wieder ein gesundes und schönes Leben zu haben. Alles Gute dir und ich hoffe du erkennst deine aussichtslose Lage mit dieser Familie.

x 6 #3


Saina91
Hey,

Also ich finde es ganz schlimm, wie Deine Eltern Dich manipulieren und missbrauchen. Dass Du Dich komplett aufopferst und Deine Mutter Dich noch beleidigt. Bin wirklich geschockt.

Bitte grenze Dich da ab! Es bringt nichts, wenn Du auch noch kaputt gehst. Du musstest dein Lebenlang zurückstecken und jetzt darfst du auch mal an Dich denken. Sag Deiner Mutter, dass du ihretwegen keinen Partner findest, weil sie dich aussaugt wie ein Vampir. Soll sie in ein Heim gehen.
Ich wollte nicht, dass meine Kinder meinetwegen ihr Leben aufgeben.

x 2 #4


Oliver1967
Kann mich den anderen nur anschließen. Zeit loszulassen.

x 2 #5


Thanatopist
Als erstes physische Distanz schaffen. Recherchiere wie du dich von Co-Abhängigkeit befreien kannst.

x 3 #6


Kruemel_68
@Rachelsarah Ich schließe mich den anderen hier an - Du musst zu Deinem eigenen Schutz dringend eine Grenze ziehen und Abstand schaffen. Das wird für Dich alles andere als einfach, da Du ja nicht freiwillig immer wieder helfend einspringst, sondern da eine Programm folgst, dass seit Deiner Kindheit bei Dir läuft und Du engmaschige, therapeutische Unterstützung brauchst, um da rauszukommen.

Hast Du in irgendeiner Form aktuell noch therapeutische Unterstützung? Das wäre echt hilfreich aktuell. Falls nicht ist es wahrscheinlich utopisch, schnell an Hilfe zu kommen. Aber ich würde es trotzdem versuchen.

Der zweite, wichtige Schritt ist Abstand. So viel Abstand wie möglich. Ganz praktisch bedeutet das im Alltag so viel wie möglich zu delegieren. Das Essen z.B. könnte über Essen auf Rädern geliefert werden. Dann könnte man vielleicht schon mal den Prozess für eine Pflegegradeinschätzung anstoßen. Ab Pflegestufe 2 gibt es mehr Möglichkeiten, externe Hilfe mit an Bord zu holen.

Aber all das musst Du auch wollen und durchhalten. Du musst die Vorwürfe Deiner Familie aushalten, wenn Du sagst: "Ich bin nicht mehr zuständig." Und dafür wirst Du gute, therapeutische Unterstützung benötigen.

x 4 #7


R
Ich kann euch gar nicht sagen, wie gut mir eure Antworten tun. Klar weiß ich, dass es mir extrem schadet. Gerade nach dem letzten halben Jahr, wo ich den Unterschied kenne.

Ich dachte bis davor immer, dass es normal ist, dass ein Leben sich so anfühlt. Dass ein schlechtes Ereignis nach dem anderen kommt und dass man immer dieses Grundgefühl von Angst und traurig sein hat. Ich dachte tatsächlich, dass das normal wäre...

Jetzt weiß Ich aber, dass das nicht normal war und dass nicht jede Veränderung im Leben bedeutet, dass es noch schlimmer wird. Gott, was hatte ich Angst vor Veränderungen... ich bin "lieber" in dem alten schlechten, was ich aber kannte, geblieben, weil ich angst hatte, dass was neues noch schlimmer wird... und heute ist bei mir alles neu und das ist überwiegend extrem schön...

Uns obwohl ich das an sich alles weiß, ist da eine sehr laute Stimme in mir, die mir sagt, dass ich meine kranken Eltern nicht alleine lassen kann, dass ich als Tochter für sie da sein muss (so bin ich leider aufgewachsen).

Hinzu kommt, dass ich mich endlich mit meinem Vater besser verstehe. Seit er im Krankenhaus war und gerade jetzt in Reha bin ich endlich mal nur seine Tochter (wir lernen jns gerade nochmal neu kennen). Ich bin nicht mehr sein Arzt, sein Mülleimer, sein Therapeut oder jemand, der ihn quasi zwingen muss, zum Arzt zu gehen...

Aber ich befürchte, auch er kommt vom Alk. nicht weg. Er trinkt sogar jetzt in der Reha als mal eine Schorle. Also wird sich das auch wieder ändern.

Therapeutisch bin ich gut versorgt. Ich habe mit meiner Therapeutin einen neuen Antrag bei der Krankenkasse gestellt für Einzel- und auch Gruppentherapie. Mir hilft (wie auch hier im Forum) sehr die Sicht anderer sehr... weil meine eigene Sicht, dadurch dass ich so lange falsche Ansichten hatte, irgendwie "gestört" ist. Es hilft mir dann unheimlich, zu hören, was eigentlich gesundes Verhalten in Familien sein sollte. Ich kenne das nämlich leider nicht. Für mich war das Jahrzehntelang einfach "normal" so.

Deswegen ein großes Dankeschön an euch ❤‍🩹

x 3 #8


NeonPixie
Zitat von Rachelsarah:
Hallo an alle, Ich weiß gerade nicht mehr weiter. Zu der Vorgeschichte (ist wichtig, sorry für den langen Text). Übrigens sieht man auf meinem Profil auch einen Teil der Geschichte. Ich hatte hier damals auch geschrieben... Ich habe, bis ich knapp 40 Jahre alt war, bei meinen Eltern gelebt. Das war von Anfang an ...

Das Programm "ich muss da sein" ist keine Entscheidung, sondern ein tief konditioniertes Muster. Es wurde in einer Entwicklungsphase eingeschrieben, wo das Gehirn keine andere Wahl hatte, als sich anzupassen. Paralleles Wissen und altes Muster koexistieren einfach in verschiedenen neuronalen Systemen. Das prefrontale "ich weiß dass es mir schadet" und das limbische "ich muss helfen" reden nicht gut miteinander.

Die externe Perspektive die du hier und in der Therapie hilfreich findest, ist kein Zeichen von gestörter Wahrnehmung. Du weißt, dass dein Kalibrierungssystem falsch eingestellt wurde, und holst dir aktiv Vergleichswerte.

Die Wahrscheinlichkeit, dass dein Vater, wenn er zurück ist, wieder trinkt, ist statistisch hoch.

x 4 #9


R
@Kruemel_68 danke dir ❤‍🩹 ja, ich bin wöchentlich bei einer Therapeutin. Und auch die lange Therapie stationär ist noch nicht lange her. Davon zehre ich noch heute. Zum Glück.

Essen auf Rädern wäre eine gute Idee, aber auch da weigert sich meine Mutter, weil sie ja dann externe Hilfe bei etwas annehmen müsste, für was ja eigentlich wir Kinder zuständig sind... Außerdem "was sollen denn die Nachbarn denken?".

Mein Vater hat jetzt seit der Klinik Pflegestufe 2. Da ist das schon eher möglich.

#10


R
Zitat von NeonPixie:
Das Programm "ich muss da sein" ist keine Entscheidung, sondern ein tief konditioniertes Muster. Es wurde in einer Entwicklungsphase ...

Oh das ist super erklärt. Genau so fühlt es sich an. Vielleicht sollte ich die 2 "Parteien" mal an einen Tisch zwingen 😅Für mich ist es sogar neu, dieses "gesunde Denken " zu haben. Ich weiß heute nach dem letzten gesunden halben Jahr zumindest mal genau, dass etwas schief läuft. Vorher hatte ich das nur geahnt. Heute weiß ich das genau und kann mich an den meisten Tagen auch gut analysieren.

Aber die Rückfälle sind halt noch da... Gerade wenn ich auch sehe, wie sehr mein Bruder auch darunter leidet und er mich dann angreift.

#11


NeonPixie
Zitat von Rachelsarah:
@Kruemel_68 danke dir ❤‍🩹 ja, ich bin wöchentlich bei einer Therapeutin. Und auch die lange Therapie stationär ist noch nicht lange her. Davon zehre ich noch heute. Zum Glück. Essen auf Rädern wäre eine gute Idee, aber auch da weigert sich meine Mutter, weil sie ja dann externe Hilfe bei etwas ...

Ihre Weigerung, Hilfe anzunehmen, ist nicht dein Problem, das du lösen musst. Du bist nicht zuständig dafür, dass sie externe Hilfe akzeptiert. Du bist zuständig dafür, dass du nicht wieder das System wirst, das zusammenbricht, weil es alles alleine trägt. Diese beiden Dinge sind getrennt, auch wenn sie so tun, als wären sie dasselbe.

"Was sollen die Nachbarn denken" --> Kontrolle und Scham nach außen wichtiger als das eigene Wohlbefinden. Und gleichzeitig seid ihr Kinder ja zuständig, also kein Widerspruch in ihrer Logik.

Der Pflegegrad 2 beim Vater ist ein Hebel. Damit hat der Sozialdienst eine offizielle Grundlage, um externe Unterstützung zu organisieren wie Pflegedienst, Alltagsbegleitung, Einkaufshilfe. Das muss deine Mutter nicht aktiv wollen, der Vater kann das als Hauptbetroffener mitentscheiden, wenn er zurück ist.

x 2 #12


R
Zitat von NeonPixie:
Ihre Weigerung, Hilfe anzunehmen, ist nicht dein Problem, das du lösen musst. Du bist nicht zuständig dafür, dass sie externe Hilfe akzeptiert. Du ...

Ja, das dachte ich auch, als mein Vater in der Klinik war. Der "Witz" ist, dass ich genau in diesem sozialen Bereich gearbeitet habe (in der Verwaltung). Ich kenne dort alle Zuständigen, ich weiß genau, was man machen kann...

Würden meine Eltern dem zustimmen, hätte ich in 5 Minuten alles organisiert. Ich habe sogar selbst einen Sozialberater, der seit langem nur darauf wartet, ein Gespräch mit meinen Eltern zu führen...

Aber alle (inklusive ihrem Arzt) sagen, dass man sie zu nichts zwingen kann...

#13


Kruemel_68
Zitat von Rachelsarah:
aber auch da weigert sich meine Mutter, weil sie ja dann externe Hilfe bei etwas annehmen müsste, für was ja eigentlich wir Kinder zuständig sind... Außerdem "was sollen denn die Nachbarn denken?".

Genau an dem Punkt fängt Abgrenzung in der Praxis an. Sie kann sich ja gern weigern - aber Du lässt es ihr nicht mehr durchgehen. Du musst dann ganz klar kommunizieren: "Ich verstehe, dass es Dir schwer fällt, externe Hilfe anzunehmen. Aber ich bin jetzt nicht mehr dafür zuständig, auch wenn es Dir nicht gefällt. Es wird mir zu viel und ich muss mich um mich selbst kümmern. Daher kommt jetzt Essen auf Rädern." Und es dann auch durchziehen. Du bestellst das Essen und es wird geliefert. Ob sie es dann isst oder nicht ist ihre Entscheidung. Natürlich wird sie es am Anfang nicht essen. Um Dich zu erpressen. Aber das ist dann der Punkt, an dem Du hart bleiben muss. Und das ist schwierig.

Deine Kommunikation gegenüber Deiner Mutter muss sich jetzt ganz klar verschieben. Du musst ganz klar aussprechen, dass Tochter sein nicht bedeutet, das eigene Leben aufzugeben und den Eltern zu opfern. Immer und immer wieder. Das ist schwierig, wenn es der eigenen Programmierung entgegen läuft. Daher ist es gut, dass Du therapeutische Unterstützung hast. Da kannst Du solche Gespräche gut im Rollenspiel üben.

#14


Kruemel_68
Zitat von Rachelsarah:
Aber alle (inklusive ihrem Arzt) sagen, dass man sie zu nichts zwingen kann...

Ist ja auch nicht nötig so lange Du das System am Laufen hältst. Aber wenn Du aussteigst, werden sie ganz schnell merken, dass es so nicht mehr geht und kooperativer werden.

x 3 #15


NeonPixie
Zitat von Rachelsarah:
Ja, das dachte ich auch, als mein Vater in der Klinik war. Der "Witz" ist, dass ich genau in diesem sozialen Bereich gearbeitet habe (in der Verwaltung). Ich kenne dort alle Zuständigen, ich weiß genau, was man machen kann... Würden meine Eltern dem zustimmen, hätte ich in 5 Minuten alles organisiert. ...

"Man kann sie zu nichts zwingen" ist rechtlich korrekt, solange sie nicht als geschäftsunfähig eingestuft werden. Was sich ändern könnte, wenn die Demenz deiner Mutter offiziell diagnostiziert würde, dann wäre eine Betreuung möglich, die bestimmte Entscheidungen übernimmt. Das klingt hart, aber es ist manchmal der einzige Weg, der tatsächlich etwas bewegt.

Du hast präzise beschrieben, warum du nicht die Lösung sein kannst. Du weißt, was zu tun wäre, du könntest es in fünf Minuten organisieren, aber du kannst es nicht erzwingen. Das bedeutet, dass mehr Einsatz von dir das Problem strukturell nicht löst. Es verschiebt es nur auf deine Kosten.

Der Bruder, der dich angreift, ist übrigens im selben System gefangen wie du. Er leitet seinen Druck auf dich weiter, weil das einfacher ist als gegen die eigentliche Quelle anzugehen. Das macht seine Angriffe nicht okay, aber erklärt sie.

x 2 #16


Kruemel_68
@NeonPixie Ich muss Dir echt mal ein Kompliment machen. Ich bewundere Deine Fähigkeit, die Dinge hier (und in vielen anderen Themen) analytisch auf den Punkt zu bringen. Das ist wirklich eine ganz besondere Fähigkeit und Deine Beiträge empfinde ich immer als extrem hilfreich.

x 3 #17

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Korval
Zitat von Rachelsarah:
Uns obwohl ich das an sich alles weiß, ist da eine sehr laute Stimme in mir, die mir sagt, dass ich meine kranken Eltern nicht alleine lassen kann, dass ich als Tochter für sie da sein muss (so bin ich leider aufgewachsen).


Das ist die Stimme deines inneren Kindes. Es möchte gern von der Mutter bzw den Eltern anerkannt und geliebt werden, es möchte wissen das es richtig ist was es tut. Das Problem: Diese Menschen werden dir das nicht geben. Sie konnten es scheinbar nie und werden es auch im Alter nicht können. Du bemühst dich da vergebens, du wartest auf Signale die nie kommen werden. Das ist grausam und ich habe wahnsinnig großes Mitgefühl mit dir. Eltern sollten einen lieben, gut behandeln, Wärme und Schutz schenken. Das du all das nie hattest und darum bis heute darum kämpfst zeigt wie sehr du danach strebst.

Ich rate dir, um deinetwillen: Gib diesen Kampf auf. Du investierst Energie und Kraft in Menschen für die das was du leisten kannst nie genug sein wird. Aber es gibt einen Menschen für den du sehr wohl etwas tun kannst: Du selbst! Nimm dich in Liebe an, denn du bist liebenswert. Du hast ein großes und gutes Herz, du hast wahnsinnig viel Leistung erbracht. In so einem Umfeld zu existieren, das so lange auszuhalten ist beachtlich. Und jetzt ist es Zeit das du dich um dich selbst kümmerst damit du endlich frei sein und ein schönes Leben leben kannst. Du hast es mehr als verdient!

Alles Gute dir!

x 1 #18


R
Zitat von NeonPixie:
"Man kann sie zu nichts zwingen" ist rechtlich korrekt, solange sie nicht als geschäftsunfähig eingestuft werden. Was sich ändern ...

Das mit meinem Bruder war auch so eine Erkenntnis, die ich seit kurzem habe. Auch wenn er seit 20 Jahren ausgezogen ist und bis vor dem Krankenhaus Aufenthalt meines Vaters relativ wenig an allem beteiligt war, verstehe ich, dass ihn das jetzt fertig macht.

Wir hatten eine ähnliche Kindheit, haben beide dieses Schuldgefühl und wollen beide krankhaft helfen. Er auf seine Art,ich auf meine...

Er ist jedoch noch an dem Punkt, an dem ich seit Jahren schon vorbei bin. Er denkt noch, dass die Hilfe von uns und das Abwarten etwas bringen würden. Darüber bin ich aus Erfahrung seit Jahren hinweg.

Eine Depression ändert sich (gerade wenn sie so schwer ist) nicht durch Abwarten oder "ich schaffe das schon selbst". Ich hab 40 Jahre, 75 mg Sertralin am Tag und ein halbes Jahr 24/7 Therapie gebraucht, um gerade mal den Anfang zu machen. Und auch das ist ok. Und vorallem hilft Reflexion und die eigene Arbeitan sich selbst. Und gerade das ist in meiner Familie so gar nicht drin 🙄

Ich bin jetzt mal kurz unendlich stolz auf mich, dass ich mir Hilfe suche (von Foren zu Freunden bis zu Kliniken und Therapeuten). Ich rede wenn es sein muss auch mit dem Postboten über psychische Krankheiten. Weil es hilft uns allen so viel ❤‍🩹

x 2 #19


A
Ich kann dir aus eigener Erfahrung, fast das gleiche Leben mit meiner Mutter gehabt, nur raten dich konsequent abzugrenzen.
Ich konnte es damals weil ich selber Mutter geworden bin. Das war für mich, abgesehen von dem Glück, der 6er im Lotto mich von meiner toxischen Mutter zu lösen. Ohne meine Sohn als „Grund“ weiß ich nicht ob ich so drastisch geschafft hätte.
Hole dir Hilfe, geh zur Therapie. Wir schulden unseren Eltern nichts (gibt es auch ein Buch, das so heißt).
Für mich war der Tod meiner Mutter eine Erlösung. Ich weiß es klingt hart aber für mich war es das wirklich.
Das wünsche ich aber niemanden, also dieses Gefühl der Erlösung.

Ich kann das so nachfühlen, was du gerade durch machst.

x 1 #20


A


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Dr. Reinhard Pichler
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