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W

Wursti100
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Hallo zusammen,
ich würde gerne eine Situation schildern und fragen, wie man so ein Verhalten psychologisch einordnen könnte. Mir ist klar, dass niemand aus der Ferne eine Diagnose stellen kann. Mir geht es eher darum, ob bestimmte Muster erkennbar sind und ob meine Vermutung grundsätzlich plausibel ist.
Es geht um meine Ex-Partnerin und mich.
Wir kannten uns schon sehr lange, ungefähr 20 Jahre. Im Sommer 2025 sind wir schließlich zusammengekommen. Für mich war diese Beziehung sehr besonders, weil ich sie schon sehr lange mochte und mich nach schlechten Beziehungserfahrungen eigentlich nicht mehr so leicht auf jemanden einlassen wollte. Bei ihr habe ich es trotzdem getan, weil es sich echt, liebevoll und richtig angefühlt hat.
Die Beziehung lief aus meiner Sicht zunächst sehr schön. Es gab Nähe, Zärtlichkeit, liebevollen Umgang, regelmäßige Treffen, auch mit ihrem Kind war ich vorsichtig und liebevoll. Sie selbst wollte die Beziehung auch. Sie wollte, dass wir uns möglichst regelmäßig sehen, etwa mindestens zweimal die Woche. Sie ist damals auch auf mich zugekommen.
Später kippte es aber zunehmend. Sie wurde innerlich unruhiger, brauchte mehr Abstand, sagte sinngemäß, alleine ginge es ihr besser. Ein sehr wichtiger Satz von ihr war:
„Alleine geht es mir besser. Dann muss ich nicht funktionieren.“
Sie sagte auch mehrfach Dinge, die mich bis heute beschäftigen:
„Du hast nichts falsch gemacht … im Gegenteil.“
„Du hast mir nicht wehgetan.“
„Du hast so viel getan, mehr als genug.“
„Ich mache dir keine Vorwürfe.“
Nach außen, gegenüber einer Freundin, soll sie wohl auch gesagt haben, dass es nicht an mir liegt und dass sie alleine besser klarkommt.
Trotzdem beendete sie die Beziehung. Das passierte für mich sehr abrupt und sehr schmerzhaft, per WhatsApp. Am Tag vorher gab es noch liebevolle Zeichen, dann kam der Bruch.
Später schrieb sie mir unter anderem:
„Weil ich ‚uns‘ wollte! Und dann kam die große Panik, die sich langsam eingeschlichen hat, wie mir im Nachhinein klar wurde.“
Ein weiterer Satz war:
„Von meiner Seite aus muss ich sagen, leider nein und glaub mir, es trifft mich hart.“
Außerdem schrieb sie sinngemäß:
„Ich kann keine Chance mehr geben. Mir geht es schlecht bei dem Gedanken.“
Und auch:
„Ich möchte dich nicht belästigen oder dir wieder Hoffnung machen.“
Sie sagte außerdem, dass sie mir gegenüber ein schlechtes Gewissen habe.
Was mich so verwirrt: Sie sagt einerseits, dass ich ihr nichts getan habe, dass ich nichts falsch gemacht habe, dass es sie hart trifft und dass sie „uns“ wollte. Andererseits sagt sie, dass sie keine Chance mehr geben kann und dass es ihr bei dem Gedanken schlecht geht.
Meine Vermutung ist deshalb, dass es nicht einfach fehlende Gefühle waren, sondern eher eine Art Schutz-/Panikmechanismus, der bei echter Nähe angesprungen ist. Also nicht unbedingt klassische Bindungsangst im Lehrbuch-Sinn, sondern eher ein bindungsbezogener Angst-/Schutzmodus mit körperlichem Alarm.
Dafür sprechen für mich folgende Punkte:
Sie wollte die Beziehung ursprünglich selbst.
Sie sagte nicht, dass ich ihr wehgetan habe, sondern ausdrücklich das Gegenteil.
Sie sprach von „großer Panik“, die sich langsam eingeschlichen habe.
Sie sagte, alleine gehe es ihr besser, weil sie dann nicht funktionieren müsse.
Sie hat körperlich stark reagiert: Kopf/Magen, Schlafprobleme, Panik, Körperstress.
Sie hat häufig Migräne und war wohl auch schon in einer Migräneklinik. Dort bekam sie wohl niedrig dosierte Antidepressiva zur Behandlung/Prophylaxe. Mir ist bewusst, dass Migräne viele Ursachen haben kann und kein Trauma beweist. Aber ich frage mich, ob es ein zusätzlicher Hinweis sein könnte, dass ihr Nervensystem sehr stark auf Stress reagiert.
Es gibt eine frühere Beziehungserfahrung mit einem Ex-Partner, nach der ihr Selbstwert nach eigener Aussage bei null gewesen sein soll. Ich frage mich, ob aus dieser Zeit noch unverarbeitete Verletzungen da sein könnten.
Meine Hypothese ist:
Sie hat mich nicht als Person abgelehnt, weil ich ihr wehgetan hätte, sondern ihr Körper/Schutzsystem hat bei echter Nähe, Bedeutung und Verletzlichkeit Alarm geschlagen.
Also eher:
„Ich wollte uns, aber in mir kam Panik hoch, die ich nicht halten konnte.“
Nicht:
„Ich liebe dich nicht / du bist mir egal / du hast etwas falsch gemacht.“
Ich frage mich auch, ob sie vielleicht die kurzfristige Entlastung durch Abstand mit der eigentlichen Lösung verwechselt. Also:
Kontakt/Nähe/Beziehung = Körperalarm
Abstand/Alleinsein = Erleichterung
Daraus könnte ihr Kopf machen: „Dann war die Beziehung falsch.“
Aber vielleicht wäre die tiefere Frage:
Warum entsteht bei einem Menschen, der ihr laut eigener Aussage nichts getan hat, überhaupt so starker Körperalarm?
Sie ist wohl wieder bei einem Psychologen gewesen, den sie auch schon aus der Zeit nach ihrem früheren Partner kennt. Von ihm soll sinngemäß der Satz gekommen sein, dass der Körper nicht lügt und dass es nicht geht, wenn der Körper streikt. Ich frage mich dabei, ob das nur stabilisierend gemeint war oder ob therapeutisch tiefer geschaut werden müsste:
Lügt der Körper nicht über den Alarm? Ja.
Aber sagt der Körper automatisch korrekt, wer oder was die Ursache ist?
Meine Frage an euch:
Wie würdet ihr dieses Muster einordnen?
Klingt das eher nach fehlender Liebe bzw. „es passt einfach nicht mehr“?
Oder eher nach einem Schutzmechanismus bei Nähe, einem ängstlich-vermeidenden Muster, alter Beziehungstraumatisierung, niedrigem Selbstwert, Körperalarm oder einer Mischung davon?
Und falls es eher so ein Schutz-/Panikmechanismus ist: Kann es sein, dass nach Ruhe/Abstand und therapeutischer Arbeit wieder mehr Klarheit oder auch Gefühl auftaucht, wenn der akute Alarm nachlässt?
Mir ist wichtig: Ich will niemandem eine Diagnose überstülpen. Ich suche nur eine psychologische Einordnung, weil die Aussagen für mich widersprüchlich wirken:
„Ich wollte uns.“
„Dann kam die große Panik.“
„Du hast nichts falsch gemacht … im Gegenteil.“
„Du hast mir nicht wehgetan.“
„Es trifft mich hart.“
„Alleine geht es mir besser, dann muss ich nicht funktionieren.“
Für mich klingt das nicht nach Gleichgültigkeit, sondern nach innerem Konflikt. Aber ich weiß natürlich nicht, ob ich das richtig sehe.

Ich bin für jede Hilfe dankbar!

20.05.2026 x 1 #1


6 Antworten ↓

Luce1
Zitat von Wursti100:
oder dir wieder Hoffnung machen.“


So wie das lese, wollte sie bestimmt am Anfang die Beziehung; hat dann aber im Laufe Eurer Annäherung gemerkt, dass ihre Gefühle doch nicht reichen.

Tut mir leid, wenn ich es so direkt sage.

x 3 #2


A


Ich brauche Hilfe bei meiner EX-Freundin

x 3


Q
Zitat von Luce1:
So wie das lese, wollte sie bestimmt am Anfang die Beziehung; hat dann aber im Laufe Eurer Annäherung gemerkt, dass ihre Gefühle doch nicht ...

Es tut mir leid. Genauso sehe ich das auch. Klingt für mich eindeutig.

x 2 #3


T
Muss mich meinen Vorrednern anschließen. Ich würde mir da nicht zu viele Hoffnungen machen ..

#4


NeonPixie
Hey.

Das Muster das du beschreibst klingt tatsächlich nach ängstlich-vermeidendem Bindungsstil, und die Sätze die du zitierst passen dazu.

Aber ob es Bindungsangst ist oder nachlassende Gefühle. Für dich ändert sich dadurch gerade nichts. Sie hat gesagt sie kann keine Chance mehr geben und es geht ihr bei dem Gedanken schlecht. Das ist eine klare Aussage.

Du kannst ihre innere Welt nicht genauer kennen als sie selbst. Und selbst wenn du Recht hast mit deiner Hypothese. Sie ist nicht bereit oder in der Lage das gerade zu verarbeiten. Das ist ihre Entscheidung.

x 1 #5


Feuerschale
Zitat von Wursti100:
Hallo zusammen, ich würde gerne eine Situation schildern und fragen, wie man so ein Verhalten psychologisch einordnen könnte. Mir ist klar, dass niemand aus der Ferne eine Diagnose stellen kann. Mir geht es eher darum, ob bestimmte Muster erkennbar sind und ob meine Vermutung grundsätzlich plausibel ist. Es geht um ...

Für mich klingt es auch wie ein ängstlich vermeidender Bindungsstil....also gerade WENN Gefühle da sind, kommt irgendwann auch die körperlich emotionale Überreaktion, es wird alles zuviel.

D h ja, das tragische für dich ist, eigentlich war da was, aber es ist für sie nicht aushaltbar und lebbar.

Sie kennt sich soweit, dass sie weiß, dass sie das nicht packt, sie hat auch noch Verantwortung für ein Kind und kann sich nicht in Krisensituationen reinmanövrieren.

Von deiner Seite aus kannst du mMn leider nichts tun.
Gefühle reichen nicht immer. Es ist auch manchmal so, dass nicht jede Liebe gelebt werden kann.

Am besten kommst du glaub ich damit klar mit Trauer (über die guten Ansätze die da waren aber nicht weitergingen) und Akzeptanz (dass es Gründe gibt, dass es nicht weitergeht).

Es bringt nichts darauf rumzureiten dass sie eigentlich Gefühle hat, dass es eigentlich ein uns geben müsste.
Sie hat dir ja auch eine klare Ansage gemacht und sie ist sich der Ambivalenz ja auch bewusst, aber ihre Entscheidung ist zu respektieren.

x 2 #6


Falko78
@Wursti100 Ich bin bei dem Satz "an fehlenden Gefühlen kann es nicht liegen..." ganz bei Dir. Aus "der Ferne" vermute ich Angst ihrerseits. Einerseits Angst vor Verletzungen (sie hatte es ja schon mal erlebt) und anderseits Angst, Dich nicht zu sehr zu belasten, bzw. Angst vor der Beziehung.

Du kannst natürlich nur mutmaßen, was genau der Grund ist.
Eine Liebe zu verlieren ist immer schmerzhaft. Ich denke, viele hier kennen das. Ich schreibe da auch aus Erfahrung.

Ob Du Dir Hoffnung noch machen kannst, oder eher nicht, mag ich nicht beurteilen. Du steckst in ihrem Kopf nicht drin.
Lass ihr Zeit - ich weiß, manchmal ist es schwer, nicht anzurufen. Du musst ja den Kontakt nicht komplett canceln. Nur den Focus nicht auf "mögliche Wiedervereinigung" legen.

Leb trotzdem Dein Leben weiter!
Meine damalige große Liebe hatte mich auch verlassen für nen anderen Typen...das war 2002. Wir sind heute noch gute Freunde auch wenn jeder sein eigenes Leben und eigene Partnerschaften hat.

#7






Dr. Reinhard Pichler
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