Guten Morgen,
ich dachte ich gebe mal meine Sichtweise der Dinge preis.
Ich bin davon überzeugt, dass Zwangsgedanken immer einen Grund haben warum sie auftreten. Es kann sein, dass der Partner wirklich nicht der richtige ist, beispielsweise gilt dies definitiv, wenn Gewalt, ob psychisch oder körperlich, ist hier völlig egal, vorhanden ist. Wenn aber grundsätzlich alles in Ordnung ist, bin ich auch davon überzeugt, dass es andere Gründe dafür gibt.
Ich z.B. habe die Gedanken nach einem Jahr und acht Monaten bekommen. Ich hatte vorher eine völlig katastrophale Sicht, wie eine Beziehung zu sein hat.
Mal als Beispiel:
- ich muss ihn immer sehen wollen
- ich muss ihn immer vermissen wenn er nicht da ist
- ich muss mich immer auf ihn freuen
- er darf nur Zeit mit mir verbringen, sonst sind ihm andere Dinge wichtiger
- eifersüchtig ohne Ende (sogar auf Frauen im TV)
- ohne Ende Verlustangst
- 24 Stunden und das 7 Tage die Woche etwas miteinander machen
etc.
Das ist KEINE erwachsene Ansicht, das ist superkindisch. Zu meiner Verteidigung...das ist meine erste ernsthafte Beziehung, ich wusste es auch einfach nicht besser. Hollywood lehrt uns etwas anderes.
Die Zwangsgedanken haben mich sehr vieles gelehrt, haben mich an meine Grenzen gebracht und haben mich erwachsen werden lassen.
Ja es war unendlich schei. und manchmal ist es immer noch so schei., dass ich mich am liebsten zu Hause einsperren würde.
Der Punkt ist, dass ich jetzt sagen kann wir führen eine tolle und erwachsene Beziehung. Geben uns Freiräume um immer noch sein eigenes Leben führen zu können, teilen aber unser Leben miteinander.
Wir streiten uns, weil es manchmal einfach knallen muss, ohne Streit, wäre mir ja alles egal, dann kann ich es gleich sein lassen.
Ich habe gelernt auch auf meine Bedürfnisse zu schauen. Bestes Beispiel Sex! Das hat mich sehr lange beschäftigt. Ich habe gelernt NEIN zu sagen, wenn ich keine Lust habe und nein, das ist kein Anzeichen für weniger Liebe, sondern eher ein Zeichen von Verbundenheit und Sicherheit.
Ich habe auch gelernt, dass Beziehungen, Liebe etc. nie konstant sind. Mal löst sich das Band etwas mehr, weil so viele andere Dinge anstehen, oder es mir nicht gut geht oder oder oder, schlussendlich aber rücken wir immer wieder zusammen und dann ist es richtig toll!
Dass Liebe mal lauter und mal leiser ist, ist auch etwas, was man akzeptieren muss und nicht hinterfragen muss!
Es gibt 1000 verschiedene Gründe warum eine Zwangsstörung entstehen kann und vergleichen kann man sich eh nicht.
Das ist mit schweren körperlichen Erkrankungen doch genauso. Es gibt Menschen, die erkranken leider Gottes an z.B. Krebs, obwohl sie sich immer gesund ernähret haben, nicht geraucht haben, nicht viel Alk. getrunken haben und viel Sport machen und trotzdem kann es sein, dass auch diese Menschen erkranken... Es gibt 1000 Ursachen dafür.
Was ich auch noch loswerden möchte... Liebe ist meiner Meinung nach auch IMMER eine Entscheidungsfrage!
Ich kann mich bewusst, auch wenn es mal nicht so gut läuft, für meinen Partner entscheiden! Ich kann aber auch bei jeder Kleinigkeit das Handtuch werfen, aber dann wird man auch niemals eine langjährige Beziehung führen können.
Und nochmal, meine Meinung: Man muss nicht alles an dem Partner toll finden, es gibt immer Dinge, bei jedem, die man nicht so gerne mag. Wenn ich zwangsfrei bin, kann ich damit wunderbar umgehen, bin ich in einer schwierigeren Phase triggert mich sowas dann wieder. ABER es ist immer das Gleiche Spiel. IMMER!
Und eins sollte man sich klarmachen, die Gedanken werden nicht auf einmal für immer verschwinden, es sind ja auch oftmals normale Gedanken, aber man lernt die Gedanken nicht mehr ernst zu nehmen. Wenn die Gedanken einen immer in Schrecken versetzen, dann kann es nicht besser werden. Seht die Gedanken als das an was sie sind, eben nur Gedanken.
Ich hatte schon so viele wirklich grausame Gedanken meinem Freund gegenüber, wenn die stimmen würden, wäre ich schon längst weg! Es ist die eigene Unsicherheit, die diese Gedanken so groß werden lassen.
Heute morgen z.B, hatte ich den Gedanken, vielleicht liebst du ihn ja jetzt wirklich nicht mehr, weil richtig gut geht's dir nicht, aber auch nicht richtig schlecht. Ich habe sogar gemerkt, wie ich plötzlich etwas Angst bekommen habe... AUSHALTEN, NICHT BEKÄMPFEN, sondern den Gedanken begrüßen und im besten Fall belächeln! Ist schwer, aber hilft!
Jetzt sitze ich bei der Arbeit und es war mir gerade ein großes Anliegen euch das alles mal zu sagen.
Ich wünsche allen ein wundervolles Wochenende! Ihr packt das!
PS: Es haben sich hier übrigens schon mehrere getrennt unter anderem auch @suekre ich hoffe ich durfte das erzählen du liebe. Suekre und ich haben damals ganz viel Kontakt gehabt. Der Punkt ist, es gab im Endeffekt REALE Gründe, warum das so kam wie es kam. Das bedeutet nicht, dass es bei euch auch so ist. Aber selbst das muss man aushalten können. Ich habe auch jedes Mal den Gedanken "Was ist wenn es bei mir auch so ist.." Tja, das wäre schlimm, aber ändern könnte ich es auch nicht und diese Einstellung zu entwickeln ist genauso wichtig. Es ist wichtig, dass ihr wisst, dass ihr auch ohne Partner klarkommt. Alles andere ist ebenfalls völlig ungesund und destruktiv.
Ich kann nur versuchen eine gute und möglichst zwangsfreie Beziehung zu führen.
So nun reichts aber mal!
