Liebe Leute,
auch ich möchte mich mal wieder zurückmelden nach längerer Zeit.
Es geht mir gut. Die Therapie hilft, aber was vor allem hilft ist die Arbeit an mir selbst im Alltag.
Ich habe verstanden, was passiert ist: Dass ich das komplette Grundvertrauen in mein Leben und meine Entscheidungen verloren hatte aufgrund der Angst und der daraus resultierenden ZG.
Und ich habe verstanden, dass es ein langer Weg ist, bis alles wieder komplett normal sein wird. Es fühlt sich alles manchmal noch etwas "wackelig" an, aber von Woche zu Woche kehrt mehr und mehr Vertrauen zurück. Und mit dem Vertrauen gehen die Ängste und kommen die Gefühle zurück. Aber erzwingen kann man nichts, denn es passiert von selbst, sobald man loslässt.
Ich habe meine Erwartungen an die Liebe runtergeschraubt. Ich möchte ihn nicht verlieren und bin gern bei ihm. Ich bin begeistert von seinem Charakter. Ich frage mich nicht mehr, was ist Liebe und ist das richtig, wie ich es fühle?!
Ich mache meine eigenen Erfahrungen, es ist mein Leben, es sind meine Entscheidungen. Ich trete nicht in die Fußstapfen der allgemeingültigen Norm, sondern mache meine eigenen.
Ich glaube, das ist wichtig damit das eigene Grundvertrauen zurückkehrt. Die eigene Identität quasi. Meine Therapeutin hat mich darüber aufgeklärt, dass während der Krankheit oftmals die komplette eigene Identität verloren geht, weil man sich mit seinen Zweifeln bis ins Letzte in Frage stellt. Seitdem habe ich penibel darauf geachtet, zu erkennen wenn ich wieder zweifle und mich anschließend sofort bewusst für einen anderen Gedanken zu entschieden.
Ich frage nicht mehr und damit geht es mir stetig besser. Aber ich muss sehr achtsam sein und das ist natürlich auch schwierig und anstrengend, keine Frage. Ich schlafe dafür ewig lange - aber immerhin schlafe ich und das sogar sehr gut.
Was ich auch getan habe ist, die Freundschaften die ich habe, auszubauen. Nicht mehr alles, was ich als Mensch brauche, auf meinen Mann zu projezieren, sondern auf verschiedenste Menschen in meinem Leben aufzuteilen. So führe ich tolle, intensive Gespräche mit meiner Freundin und geräte nicht mehr in Panik, wenn ein tiefes Gespräch mit meinem Mann mal nicht zustande kommt (Ihr kennt ja den Gesprächs-ZG). Er soll nicht für alle meine Bedürfnisse verantwortlich sein. Wie soll ein einziger Mann all das tragen und erfüllen können? Wie soll er unter diesem Druck, den ich ihm in den schlimmen Angstphasen gemacht habe, selbst glücklich sein?
Ich hatte überspitzte Erwartungen an Liebe, an die Beziehung und an ihn. Jetzt gehe ich es lockerer an.
Ich bin so demütig dem Leben gegenüber geworden (wie komisch das auch klingen mag^^) und freue mich auf viele kleine Dinge.
Jetzt ist bald Weihnachten und ich erinnere mich daran zurück, wie es mir letztes Jahr ging. Fürchterlich.
Und nun geht es mir wieder gut, keine Derealisation mehr, keine Angst- oder Heulattacken. Ich freue mich auf Weihnachten, auch darauf, das Fest mit meinem Partner zu verbringen.
Ich hatte Angst, dass ich nie wieder das Leben führen könnte, das ich vor der Krankheit hatte - Aber jetzt bin ich wieder so gut wie ich selbst und sogar noch besser! Viel bewusster, viel erwachsener und rationaler, aber auch sehr viel entspannter in allen Lebenslagen.
Was mir auch geholfen hat ist: Ich habe mich nicht mehr mit der Thematik beschäftigt. Gar nicht! Keine Bücher, keine Foren, keine Google-Suche. Ich wollte alle Antworten, die ich finden wollte, in mir selbst finden, anstatt die Antworten anderer zu finden und keine Zweifel mehr anheizen. Das klappt gut!
Soweit von mir. Manchmal ist es ja ganz nett, ein Update alter Leidensgenossen zu hören
Denkt dran: Es ist die
Krankheit des Zweifelns. Wenn man das einmal so richtig verinnerlicht hat, kann man wirklich gut an sich arbeiten und fühlt sich nicht mehr so ausgeliefert.
Wünsch euch allen alles Gute und haltet durch!
