Hallo ihr Lieben,
auch ich bin nach längerer Suche auf euer Forum gestoßen.
Es ist so schön, endlich eine Gruppe zu finden, mit der man sich total identifizieren kann.
Mir geht es auch wie euch. Ich mache seit ca. 1,5 Jahren eine Therapie. Ursprünglich wegen durchgehender Magenschmerzen, die trotz diverser Medikamente, Tests etc. einfach nicht in den Griff zu kriegen waren. Nun sind seit Ende Februar die Magenschmerzen meistens weg, dafür habe ich seit diesem Zeitpunkt ständig Angst meinen Freund nicht mehr zu lieben. Ich steigere mich in diese Gedanken auch sehr rein und fange an nach Gründen oder Situationen förmlich zu suchen, die bestätigen, dass es so ist. In guten Phasen scheint mir das wieder so absurd und ich bin einfach nur glücklich mit meinem Freund.
Auch bei mir sind die Ursachen in der Kindheit begründet. Habe bis vor zwei Jahren eigentlcih immer gedacht, ich hätte eine tolle Kindheit gehabt.
Gefühle wurden bei uns nie groß beredet, Streit gab es nie oder dieser wurde nie ausgetragen, sondern (besonders mein Vater) man ist lieber einfach weg gegangen ohne zu reden. Ob die Ehe meiner Eltern gut ist, wage ich mittlerweile zu bezweifeln.
Das sind einige Dinge, die ich mittlerweile in der Therapie herausgefunden habe.
Außerdem habe ich die Abkapselung von meiner Mutter (ich bin 26J.) nicht geschafft. Das ist momentan die größte Baustelle. Und vermutlich ein großer Punkt, der bei mir ständig diese Gedankenkarussels über die Liebe zu meinem Freund auslöst.
Das Gefühl immer perfekt sein zu müssen, sich immer anzupassen, selten seine Meinung zu äußern aus Angst abgelehnt zu werden... auch ich kenne das nur zu gut.
Und gerade hier ist mein Freund derjenige, bei dem ich das alle kann. Umso trauriger und verzweifelter werde ich, wenn ich wieder denke, das er vielleicht nicht der Richtige ist. Letztens habe ich mich wieder richtig in so eine Situation reingesteigert, weil ich nicht das Gefühl habe, dass ich ihn heiraten möchte. Nächster Gedanke war dann, dass ich ihn dann ja auch nicht lieben kann und und und.
Meine Therapeuten sagte zu mir, dass ich versuchen soll nicht zu denken, sondern auf mein Herz zu hören, aber viele von euch wissen ja, wie schwer das ist.
Auch ich war schon so oft davor Schluss zu machen, wenn ich dieses Gefühl des zweifelns einfach nicht mehr ausgehalten habe, aber das ist auch nicht das, was ich will, sondern einfach wiedermal der einfachste Weg. Kopf in Sand und vergessen.
An alle, die überlegen, ob sie eine THerapie machen sollen oder nicht: macht es auf jedenfall. Es ist zwar nicht leicht, weil auch viele schmerzhafte Dinge ans Licht kommen, aber es ist euer Leben und einfach zu schade, um ewig mit diesem Angstgefühl zu leben. Mir fällt es auch so oft schwer an den Erfolg zu glauben, gerade weil ich ja schon 1,5 Jahre eine Therapie mache( muss dazu sagen, dass ich nur die ersten 2Monate wöchentlich da war, danach je nach Befinden. Manchmal 4 Monate nicht). Ich glaube aber mittlerweile, dass meine Magenschmerzen die gleiche Ursache, wie mein jetziges Problem hatten, nur das ich einen Schritt weiter bin. Ich verdränge sie nicht mehr, sondern fühle sie jetzt. Und irgendwann wird auch das weg sein.
Ich habe hier einen Text von meiner Therapeutin, den sie mir in einer schlechten Phase geschickt hat.
Zitat:Ein inspirierender Gedanke - der chinesische Bambusbaum (ein Paradebeispiel für Wachstum)
Stellen Sie sich vor, Sie pflanzen ein Samenkorn eines chinesischen Bambusbaums in die Erde. Ein Jahr lang pflegen Sie mit Hingabe die Stelle, gießen und düngen regelmäßig, ständig vernichten Sie alles Unkraut, damit Ihr Baum beste Bedingungen hat.
Was passiert? Nichts! Rein gar nichts!
Ein weiteres Jahr pflegen Sie - nicht nachlassend - Ihren Baum bzw. die Stelle, wo Ihr Baum sein sollte.
Was passiert? Immer noch absolut nichts!
Weitere 3 Jahre das gleiche Spiel. Viel Aufwand und kein Baum!
Vorausgesetzt, Sie haben nicht längst aufgegeben, schießt im 6. Jahr der Bambusbaum aus dem Boden und wächst innerhalb von 6 Wochen bis zu 30 Meter hoch.
Betrachten wir differenziert, was wir daraus lernen können:
Eine erste nahe liegende Schlussfolgerung ist, dass wir manchmal im Leben durchhalten müssen. Ausdauer beweisen müssen, um letztendlich dann doch belohnt zu werden für die Nachhaltigkeit unserer Mühe.
Aber Achtung! Einmal Querdenken!
Wo liegt die Wahrheit?
Schwer zu sagen! Eine pauschale Antwort gibt es leider nicht. In der Regel gilt, dass man im Nachhinein unheimlich schlau sein kann mit der Aussage "Ich hab´s ja gleich gewusst!". Während des Projekts bzw. Prozesses sind wir aber selten so schlau wie danach. Es gibt für beide Varianten schillernde Beispiele, die die Richtigkeit der jeweiligen Aussage eindrucksvoll belegen.
Lassen Sie mich dennoch ein Plädoyer für die Nachhaltigkeit loswerden:
Ich meine, viel zu viele Menschen streben heute nur nach dem kurzfristigen Erfolg und hoppen von Projekt zu Projekt, sind nur noch am Absteigen von Pferd zu Pferd. Meine Erfahrung ist: Wo Erfolg sich kurzfristig einstellt, ist er oft auch von kurzfristiger Dauer!" Meist gilt für den langfristigen Erfolg, dass er zu 10% durch Inspiration verursacht wird und zu 90% aus Transpiration. Nachhaltigkeit lohnt sich, schon alleine deshalb, weil viele andere dazu zu bequem sind, und damit ist man eben nicht wie andere, ist etwas Besonderes, ist merk-würdig (im Sinne des Wortes: Würdig zu merken)!
Ich habe für entschieden, dass ich bisher immer den einfachen Weg gegangen bin, aber meinen Freund möchte ich nicht verlieren und deshalb versuche ich stark zu bleiben und nicht den Kopf in den Sand zu stecken und wieder alles hinzuschmeißen, auch wenn es mir nicht immer leicht fällt.
Liebe Grüße