Moin!
Also wir sind jetzt seit bald 2 Jahren zusammen. In manchen guten Momenten könnte mir auch ein "ich liebe dich" über die Lippen kommen, aber das ist sehr selten. Sie macht mir da auch absolut keinen Druck und wie sich die Liebe anfühlt ... das kann ich dir auch nicht sagen, dazu bin ich schlicht weg noch nicht in der Lage. Wenn es mir gut geht und ich keine Zweifel habe, dann freu ich mich sie zu sehen, bin (meistens) mega gut gelaunt, hab das Verlangen sie zu küssen etc.
Das war aber mehr als ein halbes Jahr lang alles nicht der Fall, ich hab gedacht ich könnte mich nie wieder auf sie freuen etc, "wie soll ich mich denn je wieder auf sie freuen, das kann ich doch nicht erzwingen, es wird nie wieder so wie es davor war bla bla bla". Und jetzt wo es mir allmählich besser geht kommen die Gefühle einfach zurück, ganz natürlich.
Das hört sich bei dir übrigens schwer nach ner Depression an. Bist du denn deswegen in Behandlung?
So ging es mir auch ne ganze Zeit lang. Wie gesagt, 24/7 in der Wohnung, ständig Appetitlosigkeit und Übelkeit.
Seit ich mich für die Therapie entschlossen wird das aber alles besser. Und das liegt nicht an der Therapie an sich (die hilft mir schon über mein Leben nachzudenken, aber konkret machen tun wir eigentlich nix), sondern viel mehr daran, dass ich entschlossen habe mein Leben zu ändern. Und das geht wie gesagt nicht von jetzt auf gleich, nicht ohne Rückschläge, und Tage wo ich das anzweifle und am liebsten hinschmeißen würde hab ich auch. Aber es wird besser, alles. Seit Therapiebeginn verzichte ich konsequent auf übermäßigen Alk. (das war am Anfang wirklich schwer, sonst hat es einfach zu meinem Leben dazu gehört jedes Wochenende einen trinken zu gehen), habe kontinuierlich angefangen morgens früher aufzustehen, erst um 10, dann 9, 8 und jetzt bin ich bei 7. (Für andere ist das ganz normal, aber bei ner schweren Depression wie sie bei mir diagnostiziert wurde ist das ziemlich schwer), ich ernähre mich gesund, habe angefangen Sport zu machen, begonnen Zeitung zu lesen und mich mit "sinnvollen Sachen" zu beschäftigen. Es ist wirklich schwer aus diesem Teufelskreis raus zu kommen, ich hab auch ne Zeit lang gedacht ich komme da nie raus, aber man muss einfach anfangen, unzwar Stück für Stück. Und nicht von heute auf morgen, das schafft man nicht und beim ersten Rückschlag verfällt man wieder komplett in alte Muster, sondern kontinuierlich eine "Aufwärtsspirale" in Gang setzen. Das meine ich mit ändern.
Jetzt fühle ich mich schon viel mehr im hier und jetzt, habe manchmal, wenn auch nicht immer, das Gefühl mein Leben im Griff zu haben und wirklich etwas bewirken zu können.
Bist du denn zufrieden mit dir, bzw mit deinem Leben?
Sein Leben wirklich in die Hand zu nehmen ist mega schwer und es bedarf einiger Zeit, aber es kann einen selbst und vor allem seine Gefühle mega beeinflussen, das merke ich an mir selbst. Mittlerweile denke ich, ich hab genau diese Krise gebraucht, um auf die richtige Bahn zu kommen.
In deiner Beschreibung finde ich mich schon etwas wieder, meine Mutter war oft hysterisch und vor allem überfordert, war etwas "feministisch" und da ich der einzig männliche Sprössling war, hat sie mich oft extra streng behandelt, was meiner Meinung nach der erste Schritt in die Isolation war, dazu ne Schwester mit einer Borderline Störung und vielen anderen Problemen, unter denen ich sehr sehr gelitten habe und weshalb ich mich immer weiter zurück gezogen habe ... jetzt wo ich beginne das zu verstehen und mein Leben zu ändern merke ich wie großartig das Leben doch sein kann, und das obwohl ich noch vor zwei Monaten das Leben als sinnlos empfunden habe. Auch jetzt habe ich manchmal noch Gedanken, wie dass manche Leute eben nicht für das Leben bestimmt sind (meine Tante hat sich vor einigen Jahren umgebracht, ich hab dann so Gedanken wie "sie hat es auch nicht geschafft, du bist wohl auch nicht dafür geschaffen glücklich zu werden (eine Anfälligkeit für Depressionen ist oft erblich bedingt), du kommst nie raus aus der Depression und ob du jetzt oder später stirbst ist auch egal", aber genau dann darf man eben nicht aufgeben, man darf nicht in alte Muster verfallen, sondern muss weiter kämpfen, das Leben kann viel schöner werden als man sich zu dem Zeitpunkt vorstellen kann.
Natürlich ist das Bindungsangst, aber was man daraus macht liegt in der Hand von einem selbst.
Die Angst geht nicht von alleine weg, sondern man muss daran arbeiten und genau deshalb denke ich es ist besonders wichtig sein eigenes Leben im Griff zu haben, einen gesunden Selbstwert aufzubauen, sonst ist man nur ein Fass ohne Boden und kann nicht glücklich in einer Beziehung leben.
Ich hab mich dagegen entschieden von Beziehung zu Beziehung zu hüpfen

Zitat von Ra87:Ich fühle mich aber durch die Beziehung am SCHWÄCHSTEN UND ÄRMSTEN was das angeht, weil ich sonst nur für mich wäre und mich abschotten würde, so habe ich aber eben einen Partner und bin nicht für mich allein.
Was meinst du genau mit du fühlst dich am schwächsten und ärmsten?
Und entschuldigt den langen Text, ein Mal angefangen konnte ich nicht mehr aufhören.