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Hey,

folgendes Problem:

Ich bin ein sehr heller Typ mit vielen Muttermalen. Das erste wurde mir schon mit 10 Jahren entfernt. Seitdem sind noch ein paar entfernt worden. Die letzten drei, die innerhalb des letzten Jahres entfernt wurden, waren noch (!) ok - also nicht bösartig, aber wohl so, als dass die Wahrscheinlichkeit erhöht ist, dass sich daraus ein Melanom bildet. Vor zwei Wochen sind mir wieder zwei Male entfernt worden und heute beim Fäden ziehen meinte der Arzt, dass das histologische Ergebnis wieder so war, dass es nicht bösartig, aber "kritisch" (O-Ton) war und jetzt soll ich alle drei Monate zur Kontrolle kommen.

Mir macht das richtig Angst - früher waren die Ergebnisse immer einfach ok und nicht so kryptisch von wegen "eigentlich nicht bösartig, aber auch trotzdem irgendwie doof". Ich weiß das a) nicht so recht einzuordnen und b) weiß ich nicht, wie ich mit dieser Angst umgehen soll. Ich meine, es könnte doch bei der riesigen Menge an Muttermalen, die ich so habe (es sind wirklich viele und auch viele, die nach dieser ABCDE Regel als verdächtig eingestuft werden müssten), auch sein, dass eins dieser Male bereits Krebs ist und das einfach nicht ersichtlich ist - jeder Hautarzt sagt einem ja, dass er mit der bloßen Sichtung nicht sicher sagen kann, ob es Krebs ist oder nicht. Ich kann aber bei der Menge an Muttermalen auch nicht alle entfernen lassen - da weigert sich jeder Arzt.

Das hat mich heute morgen richtig beunruhigt und obwohl ich mittlerweile viele Ängste im Griff habe, kommt mir diese Angst doch ziemlich berechtigt vor und damit ist jedem meiner fein säuberlich geordneten Argumente der Wind aus den Segeln genommen worden und die Angst fährt gerade richtig Schlitten mit mir :-/

Hat einer von euch vielleicht ähnliche Erfahrungen oder Tipps für mich oder vielleicht auch nur ein beruhigendes Wort?

Liebe Grüße

13.02.2018 14:16 • 12.01.2021 x 1 #1


57 Antworten ↓


Das Wichtigste, was ich dir sagen kann, ist, der Frage nachzugehen, ob du bei einem Hautarzt bist, der einen verdientenermaßen guten Ruf hat oder du zumindest den Eindruck hast, dass du beim Richtigen bist.

An sich finde ich das schon begrüßenswert, dass du alle drei Monate zur Kontrolle gehst - vorausgesetzt, dies ist begründet, denn die Anzahl der Muttermale alleine reichte dafür m. E. nicht aus.
Wenn aber bereits mehrere Muttermale entfernt wurden - warum wurden sie entfernt?
Hatten sie schon Anzeichen einer verdächtigen Veränderung?

Es gibt auch die Möglichkeit, alle Flecken auf der Haut bildlich (digital) zu erfassen und zu speichern, so dass man dann Veränderungen leichter feststellen kann, weil man ja dann immer den Zustand eines Flecks vor Augen hat, wie er vor drei, sechs usw. Monaten war.
Allerdings muss man dafür extra zahlen.

Und zuletzt die ziemlich gute Nachricht:
In den letzten Jahren hat es bei einigen Krebsarten große Fortschritte bei der Therapie gegeben und eines dieser Krebsarten ist das Melanom.
Die Fortschritte hierbei sind riesig!
Aber, leider treffen sie nicht auf jeden Patienten zu, auf recht viele zwar, aber auch nicht auf alle und man weiß noch nicht, warum das so ist.
Jedenfalls ist Melanom nicht mehr fast ein Synonym für Tod, wie es noch vor 6-7 Jahren oft der Fall war.

13.02.2018 15:20 • #2



Wie umgehen mit Angst vor schwarzem Hautkrebs

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Zitat von MaedchenNr1:
Ich bin ein sehr heller Typ mit vielen Muttermalen. Das erste wurde mir schon mit 10 Jahren entfernt. Seitdem sind noch ein paar entfernt worden. Die letzten drei, die innerhalb des letzten Jahres entfernt wurden, waren noch (!) ok - also nicht bösartig, aber wohl so, als dass die Wahrscheinlichkeit erhöht ist, dass sich daraus ein Melanom bildet. Vor zwei Wochen sind mir wieder zwei Male entfernt worden und heute beim Fäden ziehen meinte der Arzt, dass das histologische Ergebnis wieder so war, dass es nicht bösartig, aber "kritisch" (O-Ton) war und jetzt soll ich alle drei Monate zur Kontrolle kommen.


Zitat von abirel:
Das Wichtigste, was ich dir sagen kann, ist, der Frage nachzugehen, ob du bei einem Hautarzt bist, der einen verdientenermaßen guten Ruf hat oder du zumindest den Eindruck hast, dass du beim Richtigen bist.


Ich habe eher den Eindruck, dass der Arzt ein gutes Argument gesucht hat, um dich (und deine Versichertenkarte) in jedem Quartal in seiner Praxis begrüßen zu können.

Ich kenne ebenfalls einen Dermatologen, der bei jeder einigermaßen passenden Gelegenheit betont, wie wichtig eine dreimonatige Kontrolle sei.

Vielleicht solltest du den Arzt wechseln und vorher um eine Kopie des histologischen Befundes bitten.

13.02.2018 15:59 • #3


sülchen
@maedchennr1

also als erstes kann ich dich super gut verstehen! ich bin genau wie du der Typ mit allen Kriterien für die Melanomgefährdung.

Meine Erfahrung: ich hatte 2000 eine melanomdiagnose eines Hochrisiko Melanoms Clark Level IV - kein Lymphknotenbefall, keine Metastasen. Also, selbst wenn ein Melanom entdeckt wird, heißt das nicht zwangsläufig, dass es auch Metastasen geben muss. Dieses Melanom wurde sehr großflächig ausgeschnitten und heilte wunderbar. Natürlich waren die Tage in der Klinik bis Erhalt aller Ergebnisse ätzend! Das ist halt so. Ich selber kam in eine Interferon Studie und spritzte das Zeug 2 Jahre und konnte super damit leben. Ich bin noch hier. Das ist jetzt 18 Jahre her!

Bei uns mit den vermutlich mehrfarbigen und erhabenen Nävi ist das immer so ein Eiertanz mit der Entnahme und ich hab auch lieber mal ein Mal mehr entfernen lassen als eins zu wenig. Aber seit dem damaligen Melanom, welches auch nur raus gekommen war, weil es sich ziemlich verändert hatte und sogar begann zu bluten, war nie wieder eins bösartig. Inzwischen bin ich dazu übergegangen die entfernen zu lassen, die mir persönlich suspekt sind - ich beobachte die Dinger auch recht genau. Und ich ließ sie auch digital erfassen, wodurch man recht sicher erkennen kann, wenn sich was verändert, da bist du schon auf einer sicheren Seite!

Ach ja: IMMER alle Arztberichte sammeln und selber horten! ... Es wäre zum Beispiel schön zu wissen, was der genaue Befund der Histo war und was das tatsächlich bedeutet. So bist du leider auf die Interpretation durch deinen Arzt angewiesen. Wenn du deine Untersuchungen alle schön selber ablegst, kannst du mit dem Befund auch zu Arzt B gehen und direkt nach einer Zweitmeinung fragen und selber behältst du auch den Überblick. Für mich war das super wichtig - ich will immer alles wissen. So Halbgarheiten kann ich gar nicht ab.

Und das Beruhigenste ist tatsächlich, dass die Medizin auch Riesenfortschritte gemacht hat.

13.02.2018 16:13 • #4


Erst einmal lieben Dank für die vielen Antworten!

Ob der Arzt einen guten Ruf hat, finde ich immer schwierig einzuschätzen. Grundsätzlich war ich bisher zufrieden. Nach diesen Aussagen frage ich mich aber, ob er nicht viel mehr Male direkt entfernen müsste. Durch meine Angst ist aber für mich schwer einschätzbar, ob dieser Zweifel jetzt berechtigt ist oder ob ich etwas Unmögliches erwarte.

Grundsätzlich ist es mir egal, ob er mich wegen des Geldes alle drei Monate antanzen lässt oder nicht - nach heute ist es mir fast lieber, ich geh alle drei Monate hin in der Hoffnung, dass so etwas Bösartiges schneller entdeckt wird.

Über eine zweite Meinung habe ich auch schon nachgedacht. Die Befunde ließen sich ja im Zweifel auch anfordern. Ich muss mal schauen, ob ich mich traue, die wirklich mit nach Hause zu nehmen. Ich hab sie in der Praxis gelesen und einzelne Sätze lassen mich jetzt noch durchdrehen - kann nicht gut einschätzen, ob es hilfreich wäre, wenn ich sie zu Hause ständig lesen könnte. Vermutlich würde ich nämlich genau das tun

@sülchen Schön, dass du so ein Glück gehabt hast und es dir heute wieder gut geht - nicht selbstverständlich, wenn das schon so tief gewachsen war.

13.02.2018 16:54 • #5


Ich möchte bitten, das, was ich gesagt habe, nicht dahingehend zu interpretieren, als würde ich davon ausgehen, dass der Arzt falsch handelt - das kann ich nämlich gar nicht beurteilen!
Denn in begründeten Fällen kann seine Vorgehensweise notwendig und richtig sein.

Aber es wäre nicht verkehrt, zu überprüfen, ob er das Richtige tut.
Ein Patient hat das Recht, die Patientenakte einzusehen und Kopien anzufordern.
Es ist also nicht dem Ermessen des Arztes überlassen, ob er Einsicht gewährt oder nicht, sondern er ist dazu gesetzlich verpflichtet und nur in begründeten Ausnahmefällen kann er dies verweigern.

Vielleicht handelt er auch nur gewissenhaft und nichts weiter.
Vertrauen ist zwar gut, aber Kontrolle kann nicht schaden und nachher vertraut man sogar vielleicht noch mehr oder auch nicht.

13.02.2018 16:56 • #6


Zitat von MaedchenNr1:
Über eine zweite Meinung habe ich auch schon nachgedacht. Die Befunde ließen sich ja im Zweifel auch anfordern. Ich muss mal schauen, ob ich mich traue, die wirklich mit nach Hause zu nehmen. Ich hab sie in der Praxis gelesen und einzelne Sätze lassen mich jetzt noch durchdrehen - kann nicht gut einschätzen, ob es hilfreich wäre, wenn ich sie zu Hause ständig lesen könnte. Vermutlich würde ich nämlich genau das tun


Falls dir bei Lesen des Befundes der Begriff "Dysplasie" unangenehm ins Auge gesprungen sein sollte, kann ich dich eventuell ein wenig beruhigen.
Ich habe kürzlich gelesen, dass heutzutage jedes Pigmentmal, das optisch ein wenig aus dem Rahmen fällt, so bezeichnet wird.

13.02.2018 17:06 • #7


Abirel - ich hab es nicht falsch verstanden. Du hast ja grundsätzlich recht, wenn du sagst, man sollte einfach wertfrei hinterfragen. Ich hab mir gerade schon eine zweite Praxis herausgesucht, die ich morgen (wenn ich genug Mut aufbringe) anrufe und mir einen Termin geben lasse. Die bieten auch diese fotografische Vorsorge an, das lasse ich dann dabei direkt machen. Ich hoffe nur, dass nicht wirklich schon irgendein böses Mal dabei ist, das nicht als solches erkannt wurde

Das ist so krass, auf einmal macht mir das so Angst, dass ich plötzlich überhaupt nicht mehr auf den Arzt vertraue, dass der im Blick hätte, wenn was komisch oder verdächtig aussieht.

Lianna, ja dysplastisch sind meine nahezu alle. Das war es aber nicht - in dem Befund stand wirklich sowas wie, dass das es da Auffälligkeiten bei den Zellen gibt, das Ganze aber noch (es stand wirklich "noch" drin) kein Melanom ist. Und das finde ich halt so schlimm. Die Muttermale, die da entfernt wurden, sehen so aus, wie viele andere, die ich habe. Im Grunde könnte es also bei noch 50 anderen sein, dass irgendwo eins dabei ist, dass dann schlimmer ist als "noch kein Melanom".

13.02.2018 17:24 • #8


Maedchen, hast du heute einen Termin bei einem anderen Dermatologen bekommen?

14.02.2018 14:18 • #9


Zitat von Lianna:
Maedchen, hast du heute einen Termin bei einem anderen Dermatologen bekommen?

Wie lieb, dass du fragst! Ja, hab heute zwei Termine gemacht - einen bei einem neuen Hautarzt, der auch video- und fotogestütztes Screening anbietet und einen beim alten Hautarzt. Im Grunde hab ich den Termin beim alten Hautarzt gemacht, weil der neue erst am 19. April einen Termin frei hatte. Bei meinem alten Hautarzt habe ich Anfang übernächster Woche schon einen Termin. Ich werde ihn da fragen, ob er mir sechs Muttermale, die mir Angst machen, wegschneiden würde. Dann wäre ich erstmal wieder ruhiger.

Ansonsten hoffe ich jetzt einfach, dass er bei seinen Screenings der letzten Monate gesehen hätte, wenn ein Muttermal danach aussieht, dass es bereits bösartig ist. Dass viele danach aussehen, dass sie mal entarten können, weiß ich ja. Ich hoffe halt nur, er sieht den Unterschied.

Mich macht das richtig wahnsinnig. Mein Freund meinte gestern, dass er gar nicht verstehen würde, warum ich plötzlich denke, dass ein Hautarzt nicht erkennt, ob was raus muss oder nicht. Ich weiß es nicht mal, aber ich hab Angst, dass es nicht die Angst ist, sondern dieses "ominöse eigene Körpergefühl", dass mir sagt, ich hätte Hautkrebs Ich mein, der sieht ja seit Jahren immer wieder Hautkrebs, wenn da irgendwas gefährlich aussehen würde, hätte er es hoffentlich weggemacht...

14.02.2018 14:58 • #10


Zitat von MaedchenNr1:
Bei meinem alten Hautarzt habe ich Anfang übernächster Woche schon einen Termin. Ich werde ihn da fragen, ob er mir sechs Muttermale, die mir Angst machen, wegschneiden würde. Dann wäre ich erstmal wieder ruhiger.

Ansonsten hoffe ich jetzt einfach, dass er bei seinen Screenings der letzten Monate gesehen hätte, wenn ein Muttermal danach aussieht, dass es bereits bösartig ist. Dass viele danach aussehen, dass sie mal entarten können, weiß ich ja. Ich hoffe halt nur, er sieht den Unterschied.



Ich glaube schon, dass er da Unterschiede erkennt, die man als Laie nicht sieht.

Den besten Beweis wirst du erhalten, wenn er sich bereit erklärt, die 6 Muttermale zu entfernen, die dir verdächtig erscheinen.
Wenn es bei allen kein "noch" gibt, kannst du sicher sein, dass dein Arzt wirklich gut und treffsicher ist.

15.02.2018 08:59 • #11


kopfloseshuhn
Also man muss sagen, dass die Ärzte Erfahrung haben und eine Krebsvorsorge läuft ja auch meistens gefühlt nach dem husch husch Prinzip. Wo mansich fragt und wie erkennen die das nun?
Aber ganz offensichtlich haben die ein Auge dafür. Schließlich machen die das täglich.

Mein Mann hat auch einen extrem hellen Hauttyp und hatte nun auch bereits zweimal eine Entfernung bei der es heiß >Krebsvorstufe> aber noch alles gut.
ICH hätte die Dinge nicht als seltsam eingestuft und undere, die ich seltsam finde, sagt der Doc, der muss weg. Tja klar, komplett richtig wissen kann man es erst nach der Histologie aber die haben schon eine extrem hohe Treffsicherheit und ein Feeling dafür, was sie lieber mal wegmachen.

Ich find so Krebsvorstufen auch gruselig und mein Mann sollte auch jedes halbe jahr zur Kontrolle gehen aber verschlampt das auch gerne mal auf ein Jahr. Bin ich auch nicht so begeistert von.

Aber wenn du deine Termine einhälst halte ich das für sehr sicher.
Die sehen sowas. Auf einen Blick. Das das bereits so geschehen ist, sollte dir eher Sicheheit geben als dich verunsichern.

15.02.2018 09:55 • #12


Oh man, ich hoffe so, ihr habt recht. Die letzten beiden Tage war ich eigentlich verhältnismäßig ruhig, heute ist es wieder ganz krass. Ich hab die ganze Zeit die größten Katastrophen-Szenarien im Kopf und sehe mich schon innerhalb der nächsten Monate an Hautkrebs sterben. Das ist so furchtbar. Weil ich hier halt gar nicht mehr mit Wahrscheinlichkeit und so nem Kram argumentieren kann. Es sind eben keine Symptome, für die es andere, wahrscheinlichere Erklärungen geben kann, sondern die Gefahr ist so real für mich. Ich bin überhaupt nicht in der Lage, einzuschätzen, wie schlimm es wäre, wenn eins dieser Male doch bösartig sein sollte - ob es dann schon für alles zu spät ist oder ob Male, die schon lange bösartig sind, sich so sichtbar auch für den Laien verändern, als dass da noch nicht so lange unbemerkt was wachsen konnte. Die Muttermale, die mir komisch vorkommen, haben sich äußerlich für mich seit Monaten nicht verändert. Aber vielleicht sieht man die Veränderung von außen gar nicht zwangsläufig... Moah, so schlimm wie im Moment war es mit meiner Angst wirklich lange nicht mehr

16.02.2018 10:37 • #13


kopfloseshuhn
Richtig. Absolut richtig. DU hast keine Möglichkeit das einzuschätzen. Und bist sozusagen gezwungen die Kontrolle abzugeben und die verantwortung in fremde Hände zu geben.
Wohl eine der schwierigsten Aufgaben für jemanden mit starken Ängsten.

Frage dich: Vertraue ich meinem Arzt?
Lautet die antwort ja, dann vertraue ihm auch und überlass das ihm. Es bleibt dir ohnehin keine Wahl. Aber vertraust du ihm nicht, solltest du dir einen Arzt suchen, der dir dieses Gefühl geben kann.

Kann das aber niemand, wirst du es lernen müssen.
ich habe es nicht im Kopf, entschuldige, wie schaut es denn bei dir mit dem Thema Therapie aus?

Du bist so häufig in der Hautkontrolle da kann so schnell nichts passieren.
#Das ist meine Meinung.

16.02.2018 11:01 • #14


Zitat von kopfloseshuhn:
Kann das aber niemand, wirst du es lernen müssen.
ich habe es nicht im Kopf, entschuldige, wie schaut es denn bei dir mit dem Thema Therapie aus?


Ja, ich bin schon seit Jahren in Therapie. Die Krankheitsängste hab ich so massiv seit drei Jahren und die ganze Zeit über war/bin ich auch in therapeutischer Begleitung. Kognitive Verhaltenstherapie - eigentlich state of the art im Bereich Ängste. Aber irgendwie hauen mich so Sachen wie jetzt trotzdem wieder um...

16.02.2018 11:05 • #15


Zitat von MaedchenNr1:
Moah, so schlimm wie im Moment war es mit meiner Angst wirklich lange nicht mehr


Ich kann das sehr gut nachvollziehen, weil ich selber auch so ein Kandidat bin, der von einer Angst in die nächste schliddert.

In deinem Falle glaube ich aber fest daran, dass dein Dermatologe aus gutem Grund nur diese zwei "Noch-nicht-Melanome" herausgesucht hat und bei all den anderen keinen Anlass zum Entfernen sah.

Im Laufe der vergangenen Jahre habe ich in meinem Bekanntenkreis immer mal wieder Sätze wie " Der Arzt sagte, es war gerade noch rechtzeitig." oder " Das Muttermal war kurz vorm Kippen." gehört.

Für jeden "normalen" Menschen ist die Sache damit erledigt.
Das hochexplosive Muttermal ist weg und kann keinen Schaden mehr anrichten.

Ich glaube, dass die Histologieberichte heute anders verfasst werden als früher und dass die Formulierungen krasser geworden sind.

Kürzlich las ich ja, dass früher nur krankhaft zellveränderte Mutternmale als Dysplasie bezeichnet wurden, während dieser Ausdruck heute verwendet wird, sobald ein Hautmal mehrfarbig oder asymmetrisch ist.
Möglicherweise wird jeder gutaritge Naevus, der überduchschnittlich pigmentiert ist und nicht die Normalkriterien erfüllt, heutzutage als "noch kein Melanom" deklariert.

Ich habe ebenfalls sehr, sehr viele Muttermale, die wahrscheinlich durch zahlreiche Sonnenbrände in der Kindheit entstanden sind.
Kaum eins sieht harmlos einfarbig und symmetrisch aus.

Vor vielen Jahren hat mir ein Dermatologe einige entfernt, weil er sie sehr verdächtig fand.
Ich hab den histologieschen Befund nie ausgehändigt bekommen.
Der Arzt teilte mir nur mit, dass es sich bei allen Muttermalen um gutartige Überpikmentierungen handelte und damit war die Sache erledigt.
Das liegt mindestens 25 Jahre zurück.
Heute würden sie wahrscheinlich ebenfalls unter "noch kein Melanom" laufen.

Ich kann deine Angst sooo gut verstehen, aber ich glaube wirklich, dass sie unbegründet ist.

16.02.2018 11:20 • x 1 #16


@Lianna Ich danke dir so sehr für deine Worte. Das macht mir gerade wirklich etwas Mut... Im Endeffekt hilft jetzt ohnehin nur, auf den Termin zu warten. Angst wird eventuelle Ergebnisse der Histologie so oder so nicht verhindern oder verändern. Aber es ist einfach verdammt schwer, dieses Wissen zu verinnerlichen...

Mein Therapeutin meinte in der letzten Sitzung, dass ich sämtliche kognitive Strategien beherrsche und sie vermutet, dass ich ein negatives Körpererlebnis habe, meinen Körper nicht wirklich "gern habe" oder nicht genug Verbindung zu meinem Körper habe und sie vermutet, dass das das Problem ist. Weil ich meinen Körper als Feind betrachte. Ich hab da nie so drüber nachgedacht, aber sie hat schon recht, wenn sie sagt, ich sehe meinen Körper nicht als meinen "Verbündeten" an. Kommt mir auch logisch vor, denn irgendwie assoziiere ich mit meinem Körper nur, dass er ständig irgendwas hat, mir Angst macht oder kurz vorm Sterben steht und "mich" - also mein Bewusstsein, meine Seele - dadurch zerstört. Ich muss wirklich sagen, dass mir jegliche Vorstellung fehlt, wie ich dieses Verhältnis zu meinem Körper ändern sollte. Seit ich denken kann, ist das so - ich kenne das eigentlich gar nicht anders, könnte nicht mal sagen, woher das kommt. Also wenn das die Lösung wäre, die meine Ängste eindämmt, scheint sie mir noch sehr, sehr weit weg :-/
Ich beneide die Menschen immer einfach nur, die, so wie du es beschreibst, hören - "ja, ist gutartig, aber war kurz vor bösartig" und dann einfach ganz gechillt nach Hause gehen und sich freuen, dass alles gut ist. Ich würde das so gern können. Diese Kacke raubt einem so unglaublich viel Lebensqualität.

16.02.2018 11:35 • #17


kopfloseshuhn
Ich hab gerade ein schönes Bild imKopf.
>Kurz vor bösartig>
Ja vielleicht. Aber neimand kann sagen was kurz vor bedeutet. Es kann genauso gut sein, dass sich das niemals verändert hätte. Man weiß es schlicht nicht, ob es sich weiter Richtung Krebs verändert hätte oder ob es so geblieben wäre. Weil man es lieber einmal zu viel wegmacht. Was ja auch gut so ist.
das ist so, wie wenn du sagst < Boah, der Blumentopf wäre mir fast auf den Kopf gefallen> Dabei war das erst im nächsten Dorf, wo der von der Fensterbank gestürzt ist Und du warst 20 kilomenter davon entfernt.

Der Körper ist mein Feind ist auch so meine Einstellung. Es ist das Haus, da wohne ich drin und es hat eine längere oder kürzere Zündschnur bis es von irgendwas hochgejagt und zerstört wird und meine Seele verliert ihr zu Hause.
Schreckliches Bild, da ich nie sehe, wo sich die Zündschnur befindet, und wie lang sie noch ist.

Das kann einem schon tierisch Angst einjagen.
Wir man diese Einstellung verändert hin zu der Körper mein Freund, das weiß ich selbst nicht.
Ich pflege halt mein Haus, sehe zu, dass Instandhaltung betrieben wird soweit ich das beurteilen kann.
Mehr kann manim Endeffekt nicht tun.

16.02.2018 11:53 • x 1 #18


Zitat von MaedchenNr1:
..

Mein Therapeutin meinte in der letzten Sitzung, dass ich sämtliche kognitive Strategien beherrsche und sie vermutet, dass ich ein negatives Körpererlebnis habe, meinen Körper nicht wirklich "gern habe" oder nicht genug Verbindung zu meinem Körper habe und sie vermutet, dass das das Problem ist. Weil ich meinen Körper als Feind betrachte. Ich hab da nie so drüber nachgedacht, aber sie hat schon recht, wenn sie sagt, ich sehe meinen Körper nicht als meinen "Verbündeten" an. Kommt mir auch logisch vor, denn irgendwie assoziiere ich mit meinem Körper nur, dass er ständig irgendwas hat, mir Angst macht oder kurz vorm Sterben steht und "mich" - also mein Bewusstsein, meine Seele - dadurch zerstört. Ich muss wirklich sagen, dass mir jegliche Vorstellung fehlt, wie ich dieses Verhältnis zu meinem Körper ändern sollte. Seit ich denken kann, ist das so - ich kenne das eigentlich gar nicht anders, könnte nicht mal sagen, woher das kommt. Also wenn das die Lösung wäre, die meine Ängste eindämmt, scheint sie mir noch sehr, sehr weit weg :-/
Ich beneide die Menschen immer einfach nur, die, so wie du es beschreibst, hören - "ja, ist gutartig, aber war kurz vor bösartig" und dann einfach ganz gechillt nach Hause gehen und sich freuen, dass alles gut ist. Ich würde das so gern können. Diese Kacke raubt einem so unglaublich viel Lebensqualität.


Ich habe mich gerade in jedem der Worte, die deine Therapeutin dir gesagt hat, wiedergefunden.

Auch ich habe meinen Körper nicht wirklich gern, misstraue ihm und betrachte ihn als Feind, der mich jeden Moment mit einer Hinterhältigkeit überraschen könnte.

Bei mir liegt das womöglich darin begründet, dass ich als Kind tatsächlich an einer ernsteren Nierenerkrankung litt, die sich aber mit Beginn der Pubertät ausgewachsen hat.
Dazu kam, dass es von meinen Eltern kaum emotionalen Halt gab und mir oft damit gedroht wurde, der nächste Infekt könne mein Tod bedeuten.

Meine Therapeutin (die Therapie ist mittlerweile beendet) meinte, ich solle in ängstlichen Situationen das innere Kind in mir auf den Schoß nehmen und liebevoll bemuttern.

Ich kann mit solch "blumigen" Ratschlägen leider gar nichts anfangen.

Deine Therapeutin erscheint mir da sehr viel bodenständiger.
Jedenfalls hat sie das Problem gut auf den Punkt gebracht.

Nun müsste man nur noch wissen, wie es einem gelingen könnte, ein gutes Verhältnis zum eigenen Körper zurückzuerlangen.

16.02.2018 12:04 • #19


Das mit der Zündschnur ist ein super Bild - das trifft es so gut. Das Krasse finde ich, dass man so ein Gefühl, dass man wirklich nur darin wohnt - man ist nicht wirklich zu Hause oder hat sich das Haus ausgesucht, sondern man wohnt halt drin, weil man drin wohnen muss. Irgendwie doof, anstatt sich alles schön einzurichten, damit man sich irgendwann mal zu Hause fühlt, ist man eher damit beschäftigt, sich zu ärgern, was für hässliches Mobiliar in diesem Haus steht und wie doof man das alles findet Sehr schönes Bild, @kopfloseshuhn - wirklich!

Was das Entarten anbelangt, so sagt meine Therapeutin (die im übrigen jünger ist als ich und - kein schei. - schwarzen Hautkrebs hatte, schon mit Lymphknotenbefall und zwei Rezidiven) ebenfalls, dass diese Formulierung tatsächlich so zu verstehen ist, dass es eben auch ein Leben lang unauffällig sein kann. Ist wohl Zufall, ob oder ob nicht. Das Schlimme ist eben wirklich, dass ich mit meiner Therapeutin jemanden vor mir sitzen habe, der den Kack schon mit Ende 20 bekommen hat. Das führt mir dann immer vor Augen, dass es eben nicht nur im Alter auftritt. Jetzt könnte ich es auch so sehen, dass sie ja drei Jahre später noch immer da ist, aber man weiß ja im Grunde nicht, ob sie das wirklich dauerhaft überlebt. Das ist ein bisschen so, als würde mir das Universum den Mittelfinger ausstrecken und mich nochmal extra mit der Nase drauf stoßen, dass Hautkrebs jeden in jedem Alter treffen kann. Die Therapeutin hat mir aber andererseits in den letzten fünf Jahren in vielen Bereichen so gut helfen können, als dass ich auch nicht wechseln wollen würde, nur damit ich nicht mehr mit ihrem Krebs konfrontiert werde.

16.02.2018 12:11 • #20



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Dr. Matthias Nagel