Zitat von sevens:Vielleicht lässt sich ein Umdenken am besten erreichen, indem man versucht, die Dinge objektiver zu sehen und für sich zu bewerten. Ja, es gibt schlimme Krankheiten, ja, man kann plötzlich daran erkranken und daran sterben. Aber es gibt auch statistische Wahrscheinlichkeiten. Und es gibt auch andere Dinge, an denen man sterben kann. Wir werden alle irgendwann sterben. - Aber warum sollten wir unser halbes Leben damit verbringen, zu rätseln, wann und wodurch es soweit kommen wird? Ist das Leben nicht viel zu kostbar dafür?
Auch wenn in unserem Umfeld viele tragische Schicksale gewesen sind (auch bei mir ist das so), ist das noch kein Zeichen dafür, dass uns ebenfalls ein solches Schicksal ereilen wird. Selbst bei Erbkrankheiten gibt es Wahrscheinlichkeiten. Und wäre es nicht auch tragisch, sich mit dem Warten auf das Schreckliche um die Freude zu bringen, die das Leben vielleicht für einen bereithält?
Ich denke, gerade wir "Angsthasen" haben da vielleicht eine besondere Stärke: Weil wir die Finsternis unserer Angst so gut kennen, sind wir vielleicht (mit Sicherheit?) in der Lage, auch das Licht der Freude und der Erfüllung viel intensiver zu erleben als andere. Hier könnten ein Umdenken und eine Persönlichkeitsarbeit tatsächlich ansetzen: Wenn wir uns die Angst immer so massiv bewusst machen können, dass sie uns fast aus der Bahn wirft, warum dann nicht versuchen, ihr Fehlen zu einem positiven Gefühl zu machen, zu genießen?
Und dann müssen wir natürlich versuchen zu akzeptieren, dass es ein Auf und Ab gibt. Das ist wie mit dem Wetter. Manche Tage sind halt regnerisch und grau. Aber warum sollten wir sie nicht als Anlass nehmen, um uns auf die sonnigen Tage zu freuen?
Hallo sevens,
ich habe mit Interesse gelesen was du so geschrieben hast. Hätte auch vieles aus meiner Feder stammen können. Meiner Meinung nach hast du mit vielen Dingen vollkommen Recht. Die praktische Umsetzung dieser Theorien ist aber ja genau das schwierige in unserer Situation. Klar, wenn dir gesagt werden würde, dass du in 15 Jahren stirbst, dann möchtest du lieber die 15 Jahre sorgenfrei leben und nicht ständig über das Ende nachdenken, da du dann gar nicht wirklich leben würdest. Genau hier kommt die Schwierigkeit der Gedankenkontrolle oder Ablenkung ins Spiel. Ich war nie wirklich krank und hatte letztes Jahr aus heiterem Himmel eine Panikattacke. Hatte bis dato wenn ich ehrlich bin noch nie wirklich etwas über PAs gehört bzw. mich damit befasst und vermutlich deswegen habe ich in dem Moment auch gedacht "ok, Herzinfarkt...das wars dann wohl". Seit diesem Tag habe ich ständig neu auftretende Symptome, vermutlich eine undifferenzierte Somatisierungsstörung. Aktuell sind es fiese Hitzeentwicklungen im Bauchraum, gepaart mich Rückenschmerzen (passt der Beitrag auch hier in diesen Chat). Ich weiß, dass ich ständig blockierte HWS- und BWS-Wirbel habe und vor ca. 5 Wochen wurde das letzte Bauchultraschall gemacht (kleine Gallensteine, aber ansonsten alles i.O.). Ich bin mir nicht sicher, was in einem Bauchultraschall alles gesehen werden kann, aber war ja alles ohne Befund. Trotzdem fällt es mir äußerst schwer zu glauben, dass die Hitzeentwicklungen im gesamten Bauchbereich ausschließlich psychosomatischer Ursache sind bzw. aus dem Rücken kommen.
Könnte ich, oder könnten wir einfach das beherzigen, was du schreibst, dann wäre dieses Forum vllt. gar nicht vonnöten. Dann könnte ich mir jetzt sagen "ok, ist wieder nur psychosomatisch...das ist jetzt zwar unangenehm, aber das braucht dich nicht weiter beunruhigen". Das mache ich zwar auch weitestgehend und kann mich immer wieder beruhigen, treibe wieder vermehrt Sport und da habe ich keine Symptome (was ja für psychosomatische Ursache spricht), trotzdem kehrt das Unruhegefühl ständig zurück.
Ich möchte dich hier nicht kritisieren, da ich in vielerlei Hinsicht die gleiche Meinung vertrete wie du, aber ich denke genau das ist der schwierige Punkt...zu lernen und zu akzeptieren, dass die Symptome (so unterschiedlich sie bei uns allen auch sein mögen) psychosomatisch ausgelöst werden. Und dann in der Folge das wirklich zu glauben, damit wir nicht jeden Tag über diese Symptome nachdenken oder uns mit der Erwartungsangst auseinandersetzen müssen.
Viele Grüße und auf einen weiteren Austausch
