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Brief von deinem Herz an deine Angst
Meine liebe Angst,
ich möchte dir ein wenig über mich verraten, was dich möglicherweise interessieren könnte. Du gehörst zu mir wie ein enger, persönlicher Freund und daher vertraue ich dir gerne etwas an. Manchmal, wenn es mir nicht so gut geht und ich vor mich hin rumpele oder unregelmäßig, schneller oder langsamer als gewöhnlich vor mich hin schlage, bist du schnell bei mir und versuchst herauszufinden, was mit mir los ist. Du weißt vielleicht nicht, dass ich als Herz kein Uhrwerk in mir drin habe ich schlage immer mal wieder etwas neben der Spur, denn ich bin ein Teil eines Menschen und nicht einer Maschine. Vieles, was mein Mensch in der Außenwelt bemerkt, denkt oder tut, bemerke auch ich indem ich zum Beispiel schneller oder langsamer werde. Das ist ganz normal, so bin ich einfach. Wenn du, meine Angst, anwächst und immer mehr Raum in meinem Menschen einnimmst weil du manchmal einfach dazu neigst, dich bemerkbar machen zu müssen, auch ganz ohne Grund dann fange ich langsam an, Anlauf zu nehmen. Ich schlage langsam schneller und schneller, so, als würde ich loslaufen nach einem kleinen Schubs. Du läufst dann mit mir und begleitest mich, bis du wieder kleiner wirst und dich langsam zurückziehst. Dann laufe ich langsam aus, schlage ruhiger und bin wieder in meinem normalen Trott. Wenn es mir dagegen tatsächlich einmal schlecht gehen sollte und du nichts damit zu tun hast, dann geschieht dies so urplötzlich, dass du kaum hinterherkommst. Ich schlage dann beispielsweise von einer Sekunde auf die andere sehr schnell, schneller als du mithalten kannst. Das Anlaufen und langsam schneller werden (wie ich es dir oben erklärt habe) geschieht dann gar nicht. Wenn ich selbst tatsächlich krank bin, spielst du dabei keine Rolle. Mein Mensch braucht dann ärztlichen Rat. Nur das Anlaufen zeigt, dass DU gerade die Hauptrolle spielst und in der Regel keine körperliche Erkrankung. Wenn jedoch DU eine Rolle spielst, wenn ich anders schlage als gewöhnlich, dann ist das überhaupt kein Problem für mich. Wir jagen uns ein bisschen, puschen uns gegenseitig weiter hoch bis wir ein wenig erschöpft sind, meist so nach etwa 20 Minuten (es können auch 10 oder 30 sein). Dann laufen wir beide wieder im Lot und mein Mensch ist zuweilen danach etwas müde. Du brauchst also nicht zu denken, dass du die Macht hast, meinem Menschen einzureden, dass ICH krank bin. Wir laufen nur zusammen in einem kleinen Panikwettbewerb. Der ist meist nach kurzer Zeit zu Ende ohne dass es einen Sieger gibt. Doch der Sieger ist mein Mensch, der inzwischen in aller Ruhe nur am Rande zuschaut bei unserem Spektakel. Und sich derweil mit anderem beschäftigt, damit wir Ruhe geben. Jetzt weißt du, dass du manchmal Dinge tust (wie mich jagen), die mein Mensch nicht braucht. Er kann ergründen, warum du das ab und zu nötig hast und dich dann kleinhalten. Ich selbst bin, auch wenn du ab und zu ein wenig nervst, in Ordnung so wie ich bin.
Dein Herz
Finde ich ganz nett geschrieben!
24.12.2018 17:00 •
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