Zitat von Musketierin:Ich möchte euch alle jetzt mal etwas fragen was mir heute zutiefst schlecht begegnet ist. Habt Ihr Erfahrungen gemacht im Umgang mit Behörden aufgrund der Angst/Depression oder Burnout Diagnose? Ich habe heute leider wiederholt erfahren müssen dass Burnout auch durch medizinische Atteste belegt wenig zählt. Man sagte mir trotzdem hätte ich Formulare xy ausfüllen können. Ich dagegen, sie können froh sein wenn sie morgens aufstehen können.Ich fand das so verletzend und ich denke deshalb die Themen Angst/Depression und Burnout sind noch lange nicht in der Gesellschaft angekommen. ...
Tja. Ich hatte einen Arbeitskollegen, der war ein halbes Jahr nicht da: "Krank". Ich vermutete schon etwas Psychisches.
Ein paar Kollegen, die damit nichts anfangen können, meinten auf Nachfrage: "Chronische Faulitis" - mit Lächeln und zwinkerndem Auge, so quasi: "Will halt nix arbeiten und redet sich auf was Psychisches aus".
Denen hab ich aber meine Meinung gegeigt. Und ein anderer Kollege ist mir beigesprungen - da merkte ich dann, dass er wohl auch schon ähnliche Erfahrung mit Panik/Depressionen etc. gemacht haben musste.
Ich habe aber mittlerweile Verständnis für Menschen, die so reagieren - aus einem Grund: Wenn man selbst davon nicht betroffen ist, kann man sich das einfach nicht vorstellen. Mir ging das vor langer Zeit auch mal so. Ich konnte mir unter Panikattacken nichts vorstellen ("Was heißt das? Hast du dann einfach Angst? Wovor? Na und, hast du halt bissl Angst, hab ich auch manchmal vor einer Prüfung oder so...."). Erst, als ich selbst davon betroffen war und diese massiven Symptome hatte - mit denen ich nie gerechnet, und nie mit Panik/Angst in Verbindung gebracht hatte.
Warum ich dann doch auch wiederum kein Verständnis habe: Hätte ein Mensch ein gutes Maß an Empathie, würde er zumindest versuchen, das nachzuvollziehen. Stattdessen wird halt das, was man nicht versteht, als "Ausrede" oder "Dummheit" oder "Faulheit" abgestempelt. Was klar ist - wie sollten Andere etwas verstehen, was ich nicht mal selbst verstehe.
Bei etwas Organischem bekommt man Mitleid. Bei psychosomatischen/psychischen Erkrankungen wird man oft als "schwach" bezeichnet, ist man "dem Leben nicht gewachsen", "braucht man einfach ein dickeres Fell", "soll man sich nicht so anstellen" oder sich " gefälligst zusammenreissen" ("das bisschen Arbeit/Haushalt schaffst du doch mit links!"), denn "das bisschen Angst kann doch nicht so schlimm sein", "du brauchst eine Frau/einen Mann/einen Hund/ein Hobby", oder
"solltest mal verreisen, da kommst du auf andere Gedanken". Und: "Ich versteh das gar nicht, dir gehts doch gut, hast ja keine Sorgen".
Da könnte ich ganze Bände schreiben...