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Liebe Schwindler, ich habe nun fast 14 Jahre den Schwindel und lebe noch. Mal schlecht mal recht.
Geschoben wird alles auf die Psyche. Es ergab sich ein Befund in einer HNO Klinik, in der herausgefunden wurde, dass ein Rezeptor im Ohr ausgefallen ist. Wann und warum das passierte weiß niemand. Zunächst war ich froh, dass die Ursache angeblich gefunden ist. Aber nach Wochen von diversen Tablettenexcessen, die mir durch die hno Ärzte verschrieben wurden, kehrte keine Besserung ein.
Genommen habe ich betahistin in der höchsten Dosis ohne Erfolg, sulpirid niedrig, kein Erfolg, alevert, kein Erfolg.
Der hno Arzt ist auch der Meinung, dass der Körper den Ausfall des Rezeptors selbst kompensiert.
Also wieder ganz am Anfang mit der Suche.
Ich habe nochmal alles checken lassen: Kardiologe, Hausarzt, hno,
Urin, Blut, Schilddrüse, borreliose, Orthopäde, Augenarzt und alles ohne Befund.
Was soll ich sagen, es ist frustrierend. Zum einen schön das man gesund ist, zum anderen dieses Leiden.
Es ist zum Kotzen mit dem Schwindel, ich beschreibe nochmal, wie es mir geht.
Im liegen geht es mir generell besser. Manchmal fühle ich auch im liegen schwanken. Manchmal stärker schwindel bei kleinsten kopfbewegungen.
Im Sitzen nehme ich oft die schildkrötenstellung ein. Krummer Rücken und Kopf nach vorn gestreckt und dabei tief zwischen die Schultern.
Ich habe wenn ich gerade sitze dann das Gefühl ich kippe zur Seite oder nach hinten über. Kann so kaum essen. Meist hänge ich mit den Ellenbogen gestützt auf dem Tisch beim essen was mir halt gibt aber blöd aussieht.
Dieses Schwindelgefühl fühlt sich etwas an wie höhenangst.
Zuhause geht das dann noch so. Wenn ich laufe und das lange Straßen geradeaus, habe ich das Gefühl ich werde zur Seite gezogen. Meist nach Links. Manchmal so schlimm, dass ich ein ausfallschritt nach rechts mache. Den Kopf halte ich meist schief dabei.
Lange Unterhaltungen mit Menschen kann ich im stehen nicht führen. Ich habe dann Angst das ich umkippe.
Am schlimmsten ist es, wenn ich aus der Bewegung in die Ruhe komme. Also ich gehe zum Bahnhof und stehe am Gleis und warte auf den Zug. Dann habe ich das Gefühl ich schwanke und kippe um. Meist wippe ich mit den Füßen und das hilft etwas. Alles in allem bin ich auch im Halsbereich dauerverspannt.
Dieser Zustand nervt mich sehr. Ich bin meist schlecht gelaunt zu meiner Familie, weil immer unter Anspannung. Höchste Konzentration aus Angst umzukippen, ohnmächtig zu werden etc.
Wo das noch hinführt, keine Ahnung. Jetzt waren wir am Meer. Abgesehen vom Schwindelgefühl was massiver war, ist es beim stehen im Wasser bis knietief so, dass ich denke ich schwanke wie eine Fahne im Wind. Das Wasser bewegt sich, der wind, der Sand unter den Füßen.
Vielleicht lacht ihr darüber und es geht euch ähnlich.
Das ist wie ein Fluch der nicht enden will. Ich bin Ende 30 und es verfolgt mich. Achja ich fahre selten bis gar nicht mehr Auto, denn da ist es wenn ich vom fahren zum stehen komme, noch schlimmer.
Ich denke ich bewege mich dann weiter wenn ich aussteige.
Dabei bin ich voll berufstätig und sitze den ganzen Tag am pc.

Die Lösung der Ärzte IST Psychopharmaka und Psychotherapie. Es hilft jedoch nichts. Rein gar nichts. Wenn ich super und lange schlafe, dann geht es mir etwas besser. Das ist jedoch selten.
Ich bewundere wie manche mit mehreren Kinder umgehen können, radfahren, Sport machen, usw. Ich habe schon mit dem normalen lebensnotwendigkeiten meine Probleme.
Würde mich über Post freuen

15.08.2014 12:20 • 23.08.2014 x 1 #1


9 Antworten ↓


Hallo Eugen76,

ich kenne das was dich belastet von früher. Ca. 8 Jahre, die meiste Zeit meiner ersten Ehe hatte ich das gleiche Problem. War bei vielen Ärzten/Heilpraktikern und in Therapie. Alles schulmedizinische wurde ausgeschlossen.
Mein Therapeut lernte meine damalige Frau kennen ( das was jetzt kommt war meine Situation, soll nicht heißen das es bei dir ebenso ist, der psychogene Schwindel kann viele Ursachen haben ) und sagte zu mir, trennen sie sich von ihrer Frau, sie ist das Übel der Sache. Meine damalige Frau ist 2 x fremdgegangen und des Rätzels Lösung war das ich nicht mit der Situation klar gekommen bin. Es war ein unaufhörliches Schwanken zwischen Vertrauen haben und der Ungewissheit ob sie es wieder macht.
Verstehst du? Der psychogene Schwindel lässt dich schwanken. Du wirst in deinem Leben eine Situation gehabt haben die noch vorhanden ist, in der du schwankst. Dort würde ich mal nachschauen.
Ich habe mich nach erneutem fremdgehen von meiner Frau getrennt. Als sie mit ihrer Tasche die Wohnung verlassen hatte brauchte es noch ca. 2 Stunden. Dann war der Schwindel von 8 Jahren weg, einfach weg.

16.08.2014 10:05 • #2



Hallo Eugen76,

Dauerschwindel und Gangunsicherheit

x 3#3


Hi mattes, vielen Dank für deinen Tipp. Ja wenn man wüsste was der Auslöser ist bzw. war, wäre vieles leichter. Ich habe versucht zuergründen, wann es anfing.
Die Angst, es könnte was organisches sein, ist immernoch da.

16.08.2014 13:19 • #3


Lieber Eugen

Auch ich bin eine Leidgenossin des Dauerschwindels. Bei mir hat das vor 1 Jahr angefangen, ausser einer Stenose der rechten a. cerebri anterior (oder differentialdiagnostisch dominante linke a. cerebri anterior), unspezifische Auffälligkeiten im EEG und einem inkompletten Rechtsschenkelblock beim Herzen wurde bisher nichts festgestellt, kommt aber auch alles nicht als Ursache in Frage. Ich arbeite im Gesundheitswesen und bin mit der Gesundheit tagtäglich konfrontiert, es ist für mich auch sehr schwierig das zu begreifen, dass es eine Art phobischer Schwankschwindel ist. Obwohl ich keine Angst habe vor körperlichen Krankheiten frage ich mich dennoch warum ich mich nicht "normal" fühle und diese Dauerbenommenheit habe, und ich kann dich sehr gut verstehen, dass man diese unbegreiflichen Beschwerden loswerden möchte weil sie schlicht und einfach die Lebensqualität beeinträchtigen. Mit der Zeit fängt man auch danach zu leben im Sinn von "kann ich mit diesem Schwindel überhaupt Rad fahren" oder dieses und jenes machen.... ich kann mich gerade gut hinein fühlen.

Darf ich fragen was du an Psychopharmaka ausprobiert hast oder aktuell einnimmst? Hast du jemals ein EEG gemacht und eine neurologische Untersuchung?

Ich habe vor 3 Wochen mit Valdoxan angefangen (aus Verzweiflung - bin ansonsten eigentlich nicht so für Psychopharmaka) und ich muss sagen, es hat meinen Schwindel fast weggebracht. Er kommt im Moment nur noch wenn ich echt stark müde bin und bin überrascht dass es eine solche Wirkung auf den Schwindel hatte.

LG
Choupette

16.08.2014 22:18 • #4


Liebe choupette,

Vielen Dank für deinen Beitrag. Es ist immer eine kleine Hilfe, wenn man sieht, dass man nicht alleine ist.
Nun ich bekam im Krankenhaus damals sertealin 150 mg morgens und seroquel 50 mg abends.
Das seroquel habe ich abgesetzt und seit dem ist der Schwindel und die Angst massiver. Das sertealin wurde auf 50 mg reduziert. Da es mir dann aber schlechter ging, wurde es wieder auf 100 mg erhöht. Schwindel und Angst habe ich trotzdem.
Ich war bei mehreren Neurologen und die stellten auch beim eeg nichts fest. Auch Mrt und doppler Untersuchung ohne Befund.
Der hno Arzt hat im linken Ohr den Ausfall eines Rezeptorsystems festgestellt. Also für die vorwärtsbewegung. Sollte der Körper aber kompensieren.
Bekommen hatte ich betahistin 72 mg, alevert und sulpirid ohne das es besser wurde.
Habe die Mittel dann abgesetzt.
Habe ein defusen Grundschwindel und beim laufen das Gefühl nach Links gezogen zu werden.

Lg ron

17.08.2014 07:23 • #5


Huhu habe jetzt einen Termin in der schwindelambulanz in München

18.08.2014 19:41 • #6


hallo, ich bin auf der suche nach ursachen für dauerschwindel bei euch gelandet und möchte euch nun meine geschichte erzählen.
mein schwindel begann im jahre 1991, kurz nach dem tod meiner mutter. zu ihr hatte ich aber kein normales verhältnis, wie es unter mutter und tochter üblich ist. ich wuchs bei den großeltern auf- gut behütet und geliebt. nachdem ich ganz plötzlich unter schwankschwindel und herzrasen litt und angstzustände bekam, wurde ich von sämtlichen fachärzten untersucht- ohne befund. also wurde ganz schnell der tod der mutter als ursache auserkoren. es hieß. ich hätte depressive verstimmungen, also bekam ich nach mehreren gesprächen mit einem neurologen psychopharmaka und später eine psychotherapie- beides ohne erfolg. die medikamente habe ich nur kurz nehmen können, weil die mich komplett weggebeamt haben. da ich aber meinen 3 jährigen sohn zu versorgen hatte, ging das nicht. diesen schwindel, körperliches unwohlsein, schmerzen in den beinen und die ängste hatte ich mal mehr, mal weniger- manchmal hatte ich phasen dazwischen, in denen es mir blendend ging, so dass ich wieder arbeiten gehen konnte- bis ende 1994.
von 1995 bis zu seinem tod 2001 habe ich dann meinen opa bei mir zuhause pflegen können. danach konnte ich wieder in meinen beruf zurück. 2003 fingen die symptome wieder an, aber nicht ganz so extrem wie vorher. also wieder zum psychologen, der meinte, dass meine attacken nun nicht so schlimm wären, weil ich durch die arbeit mehr stabilität hätte (aha). 2005 hatte ich das "glück". meine "sonnenallergie", die vorher immer von meinem hausarzt behandelt wurde, diesmal im winter zu bekommen, so dass ich diesmal einen dermatologen aufgesucht habe. nach einer biopsie stand dann die diagnose "lupus erythematodes" fest. auf meine frage, ob das heilbar ist oder was schlechtes sei, sagte der arzt, es wäre nichts gutes, aber auch nichts schlechtes, und heilbar wäre es nicht. und schwupps, war er raus aus dem sprechzimmer. zuhause habe ich dann erst einmal nach lupus gegoogelt und wäre fast aus den latschen gekippt- nach den ganzen horrorstories.seit 2008 kann ich nicht mehr arbeiten, weil ich probleme mit der atmung habe (was der tatsache zugeschrieben wird, dass ich mal geraucht habe).
schwindel habe ich immer wieder mal- mal mehr, mal weniger. ich bin zur zeit total gangunsicher und schwach auf den beinen. wenn ich aufstehe und nur zur toilette gehe, bekomme ich schreckliches herzrasen, mein puls und blutdruck schiesst in die höhe. im MÄRZ dieses jahres war ich deswegen auch wieder im krankenhaus, weil mein puls im ruhezustand bei 185/ 105 war. da wurde dann langzeit- ekg gemacht, langzeit blutdruck. eigentlich alles altersgemäß in ordnung, allerdings senkt sich der blutdruck im ruhezustand nicht so wie es normal ist. aber gravierend wäre es nicht.
ich habe darauf hingewiesen, dass ich lupus habe, und ob man nicht nach den antikörpern sehen könnte (was mein hausarzt vorher als nicht notwendig erachtet hat, weil meine werte ganz okay waren). da sagte man mir im KRANKENHAUS, also im MÄRZ, dass ich damit zu einem rheumatologen solle, der für diese erkrankung der richtige spezialist sei. und nun- ich habe einen termin IM NOVEMBER. bis dahin bin ich voll in der schwebe.
beim neurologen war ich auch noch einmal, wegen der gangunsicherheit, und er hat in einem alten MRT- bild aus 2010 winzige veränderungen, eventuell gefäßveränderungen, gesehen und möchte jetzt neue aufnahmen sehen. ich bete und hoffe, dass da endlich etwas passiert, denn in meinem zustand bin ich absolut nicht in der lage, meinen täglichen verpflichtungen im haushalt zu meistern.
mein fazit ist, dass die ärzte gerade in der heutigen zeit immer schnell dabei sind, die probleme auf die psyche zu schieben. viele untersuchungen werden aus kostengründen nicht gemacht, die ärzte fürchten um ihr budget. also schickt man die patienten zum psychiater.

22.08.2014 00:55 • #7


Hallo Frau, ja ich gebe dir recht. Die Situation und das Leiden ist echt die Hölle und die Ärzte möchte man meinen, schieben nur allzugern auf die Psyche.
Für den Betroffenen ist das oft eine Diagnose, die man nicht glauben kann, da ja körperliche Symptome all gegenwärtig sind.
Da ich es seit nun 14 Jahren so erlebe, wird der nächste Schritt der in eine renommierte schwindelambulanz sein.
Die Hoffnung, dass doch noch die Ursache gefunden wird und das Leben wieder besser wird, stirbt zuletzt.

22.08.2014 06:58 • #8


Lieber Eugen,

das wird immer schlimmer. Ich hatte am 28.12.2010 den Schwindel so schlimm, dass ich immer zur Seite gekippt bin. Ich konnte meinen Kopf nicht hoch halten. Also hat mein Mann den Notarzt gerufen- abends um 21.55 Uhr.
Innerhalb von 10 Minuten war ein Krankenwagen da. Naachdem mich die Sanitäter gefragt haben, was ich alles gegessen und getrunken habe, und ich ihnen meine Flasche Cola gezeigt haben, meinte einer derBeiden ziemlich frech, dass ihm auch schwindelig werden würde, nach so viel Zucker. Ich fragte "was? von Cola light?" Er sagte dann, dass es dann wohl nicht daher käme. Dann fragte er mich, ob ich wegen irgendetwas aufgeregt wäre, weil mein Blutdruck auch wieder höher war als normal. ich habe ihn dann gefragt, ob er nicht auch aufgeregt oder panisch wäre, wenn er aus unerklärlichen Gründen von jetzt auf gleich den Kopf nicht mehr aufrecht halten könne. Also ab ins Krankenhaus. Dort angekommen, waren die Pfleger scheinbar schon unterrichtet, und so empfing mich eine mieslaunig wirkende Schwester VON WEITEM im ruhrpottmäßigsten Slang mit den Worten :" Alles okay, datt ist nur ein Lagerungsschwindel". Dann schon sie mich in einen Untersuchungsraum, in dem ich erst einmal geschlagene 40 Minuten auf den Arzt gewartet habe. Er ordnete eine Blutuntersuchung an, EKG, Sauerstoffsättigung und ließ mich mit geschlossenen Augen auf und ab hüpfen. Das fiel mir unheimlich schwer, aber es gelang dann doch. Darum wurde auch nichts weiter gemacht. Weil alle Werte in Ordnung waren, hat man mich dann gegen 1.00 nach hause geschickt, obwohl es mir immer noch richtig dreckig ging. Zuhause angekommen habe ich dann bemerkt, dass ich immer noch den Zugang im Arm hatte, den sie mir im KH gelegt haben. Ich habe zu Krankenhäusern leider kein Vertrauen mehr

Ich drücke Dir aber ganz fest die Daumen, dass du dort nach 14 Jahren endlich Hilfe findest.

23.08.2014 15:24 • #9


Hallo Frau, ist ja echt furchtbar was du da erlebst und unfassbar, wie medizinisches Personal damit umgeht. Es ist wirklich so, wer das nicht kennt, kann sich die Qual des täglichen Lebens nicht vorstellen.
Vorstellen wie es ist bei normalen Sachen überlegen zu müssen, mach ich das jetzt oder nicht.
Ich hoffe sehr, dass die schwindelambulanz helfen kann, wenn gleich die Angst vor einer schlimmen Krankheit wie ms immer da ist.

Ich werde berichten. Lg

23.08.2014 19:48 • #10





Dr. Reinhard Pichler