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Hallo,
Ich habe seit Jahren immer wieder heftige Angst und Panikattacken. Es hat lange gedauert bis ich mir selbst eingestehen konnte dass ich ein großes Problem habe.

Ich bin vor 2 Wochen zum Hausarzt gegangen und hab ihm gesagt was er eigentlich schon wusste.
Die Diagnose Angst und Panikattacken steht da wohl schon seit Jahren in der Akte .

Bisher wollte ich mir nicht medikamentös helfen lassen weil ich dachte ich schaffs ohne Tabletten.
Nachdem ich letzte Woche auf der Arbeit eine üble Panikattacke hatte hab ich dann doch beschlossen Citalopram zu nehmen. Der Hausarzt hat mir das verschrieben aber die Schachtel lag nur rum und ich hatte echt Angst vor den Nebenwirkungen.

Es ist jetzt jedenfalls so.
Ich habe diese Woche Urlaub und habe letzten Samstag mit 10 mg Citalopram angefangen. Ich war schnell euphorisch, der Kopf war klarer, aber ich habe auch Nebenwirkungen wie Schwindel und Übelkeit.
Ich schlafe schlecht usw.
Ich sollte laut Hausarzt jetzt auf 20 mg erhöhen. Das verstärkt die Nebenwirkungen natürlich wieder und ich fühle mich etwas wirr.
Und gleichzeitig frage ich mich wie ich nächste Woche arbeiten kann.
Ich bin total unsicher und habe Angst meine Arbeitswoche nicht zu schaffen. Ich habe Angst wieder zu scheitern. Mich verunsichert aktuell alles.
Gleichzeitig habe ich große Hoffnung in die Tabletten die natürlich noch Zeit brauchen bis sie die Wirkung voll entfalten.
Ich habe Angst vor nächster Woche, mir ist das jetzt schon alles zuviel und das obwohl ich nur 15 Stunden arbeite (aber 35 km Anfahrt hab).
Ich geh aktuell ja nicht mal einkaufen.

Was würdet ihr machen?
Kräfte sammeln und nächste Woche den Versuch starten?

12.11.2020 14:33 • 15.11.2020 #1


18 Antworten ↓


Ich persönlich würde mich krankschreiben lassen. Bis das Medikament so halbwegs eingestellt ist. Aber ich würde Zuhause weiter üben, also einkaufen gehen, spazieren gehen usw.

12.11.2020 15:27 • #2



Während einschleichen von Citalopram krankschreiben lassen?

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Ja auf jeden Fall! Ich werde üben, ich bin gestern 5 1/2 km gelaufen ohne eine einzige Panikattacke. Ok, ich war nicht alleine, aber das ist trotzdem gut.
Danach war ich beim Bäcker und hab geschwitzt vor Stress. Aber ich bleib dran.

12.11.2020 15:37 • x 1 #3


Das sind doch schon mal gute Zeichen. Ich weiß aus Erfahrung, dass eine Erhöhung von 10 auf 20mg extrem
schwer sein kann.
Habe das damals mit Cipralex gemacht, da habe ich von Woche zu Woche mit 1mg erhöhen können.

12.11.2020 16:47 • x 2 #4


Winnie22
Ich würde dir auch raten dich krankschreiben zu lassen. Wenn du dir schon Sorgen machst, wie du es schaffen sollst tust du dir keinen Gefallen zu Arbeit zu gehen. Und aufdosieren bzw. einschleichen muss nicht aber kann schon echt anstrengend sein. Nehme zwar ein anderes Medikament aber das ist wohl bei allen ads ähnlich.

12.11.2020 17:14 • #5


Jo krank schreiben kann zu deinem Schutz besser sein. Leider besteht häufig wenig verstäbdnis für schrächephasen, wer da ist hat auch 100 Prozent zu leisten, wehe wenn nicht.

12.11.2020 17:17 • #6


Winnie22
Eben, es dankt dir keiner, wenn du zu Arbeit gehst, obwohl es dir nicht gut geht.

12.11.2020 17:19 • x 1 #7


Mein Problem ist halt dass ich in diesem Jahr oft gefehlt habe. Vermeintlich aus organischen Gründen.
Jetzt bin ich aber am echten Problem dran und will alles richtig machen.
Meine Chefin ist super und verständnisvoll aber einer Kollegin wurde krankheitsbedingt gekündigt. Sie war zu oft krank hieß es sogar offiziell. Ich schau einfach mal wie es mir am Sonntag geht, aber ich will mir halt auch nicht selbst was vormachen. Das passiert so schnell. Ein kurzer Moment und ich denk ich kann die Welt retten. Dann bin ich für alle und jeden da, bis zum nächsten Crash. Und das wäre mein persönlicher Albtraum.

12.11.2020 18:05 • #8


Calima
Meine Einstellung dazu ist eine andere. Ich halte es für wichtig, die Systeme so gut es geht am Laufen zu halten. Wenn man erst mal draußen ist, wird es schwer, den Weg zurück zu finden.

Es sind eine Menge Leute hier im Forum, die das Berufsleben hinter sich gelassen haben. Nicht allen geht es damit auch gut, wenngleich ich glaube, dass man sich auch manches schönreden kann.

Wenn Arbeit überfordert, dann ist die Challenge, die Arbeit für sich so umzustrukturieren, dass man damit zurecht kommt. Zumindest dann, wenn man einen Arbeitsplatz hat, den man grundsätzlich auch schätzt. Langfristig geht es ja genau darum, mit den eigenen Ressourcen klug umzugehen. Das muss man aber üben. Und man übt es nicht, indem man die Belastungen komplett wegnimmt.

Auch wenn du im Moment gute Vorsätze hast, in anderen Bereichen aktiv zu bleiben: Angst funktioniert nach ihren eigenen Gesetzen. Eines davon ist, dass Meideverhalten immer weiteres Meiden nach sich zieht.

Es ist ziemlich verführerisch, sich rauszuziehen, weil dann vordergründig erst mal Druck weg ist. Der wird aber auf anderen Wegen zurückkommen. Und wenn man jedem Druck nachgibt, hält man irgendwann gar nichts mehr aus.

Das ist meine Sicht der Dinge, denn meine persönliche Erfahrung war, dass es meine Rettung war, meine Arbeit nicht länger zu unterbrechen oder aufzugeben. Auch wenn das bedeutet hat, dass ich über Monate auf dem Zahnfleisch hingekrochen bin - aber unterm Strich hat es mir ein gutes Selbstwertgefühl verschafft. Die Angst hat mich nicht untergekriegt. Ich habe ihr getrotzt und die Verantwortung für mein Leben auf diese Weise in vollem Umfang behalten.

Es gab so viele andere Bereiche, in denen ich mich schwach, unfähig und schlecht gefühlt habe. Der Umstand, meine Arbeit ordentlich weiterzumachen, hat mir Mut gemacht, dass ich doch noch was auf die Reihe kriege.

Just my 2 cents

12.11.2020 18:28 • x 4 #9


NIEaufgeben
Ich persönlich würde auf jeden Fall nächste Woche zur Arbeit gehen....

12.11.2020 18:35 • x 1 #10


Monschu
Ich würde auch arbeiten gehen. Zumindest würde ich es versuchen.
Sprich hinfahren und arbeiten.
Bei mir ist und war es so dass die Angst davor sehr mächtig war und ist. ABER wenn ich es dann einfach TUE dann geht es besser.

12.11.2020 18:42 • x 3 #11


Im beruflichen umfeld fällt eseinem gerade leder rechtlich oft auf die füße, wenn man krank zur sRbeit geht, Fehler nicht, schlecht drauf ist... Klar ist wieferholde Krankheit ein Kündigungsgrund. Wenn die Möglichkeit besteht, die Arbeit so anzupassen, dass die Belastung tragbar ist, prima. Den wenigstens ist diese möglichkeit gegeben.

12.11.2020 19:45 • #12


Nachdem ich in den letzten Tagen relativ fit war und gestern sogar mal testweise Auto gefahren bin, geht es mir heute schlecht wie nie.
Ich kam kaum aus dem Bett und frag mich wie die Sonne so unverschämt sein kann um einfach so zu schreiben. Mir gehts als wäre ich mehrfach überfahren worden und ich habe keinen Antrieb. Wann geht das vorbei?

14.11.2020 11:37 • #13


Winnie22
Hi, mir ging es heut ähnlich, war die letzten Tage einigermaßen stabil und gestern und heut irgendwie Rückfall. denke es liegt daran, dass ich am Montag auch wieder arbeiten will. Normalerweise nix, was mich stressen würde aber momentan ist halt nix normal. Vielleicht ist es bei dir auch so?! Du setzt sich bestimmt auch selbst ordentlich unter Druck. Versuch raus zu gehen, die Sonne genießen!

14.11.2020 14:56 • #14


Sagt mal, wann wird das mit dem Schwindel besser?
Ich habe verhältnismäßig wenig Nebenwirkungen aber die die ich habe schränken mich doch sehr ein

15.11.2020 12:45 • #15


Winnie22
Zum Schwindel kann ich leider nicht viel sagen, das habe ich nur wenn ich das Medikament vergesse.
Aber du nimmst deins doch noch nicht lange, etwas Zeit kann es wahrscheinlich schon noch dauern. Ist halt auch nei jedem anders.

15.11.2020 13:36 • #16


Ich habe gerade mal die Kranktage für dieses Jahr zusammengezählt. 37 Tage waren es dieses Jahr. Alleine 25 davon aus Corona Gründen.
Ich möchte mich ungern nochmal krankmelden, aber mit dem Schwindel schaff ich die 70 km hin und zurück nicht mit dem Auto.
Es ist zum verzweifeln

15.11.2020 13:54 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

Winnie22
Musst du jeden Tag arbeiten? Kannst du nicjt deine 15 h auf zwei Tage aufteilen und die auf Donnerstag und Freitag legen? Vielleicht hat sich es bis dahin eingependelt.

15.11.2020 14:15 • #18


Ja schön wäre es. Das geht leider nicht.
Ich wünschte meine Erkenntnis was Krankheitseinsicht und Tabletten betrifft wäre früher gekommen. Ich hab schon so viel Zeit vergeudet. Und jetzt will ich nix aufs Spiel setzen.
Ich hab an sich nen super Job (unbefristet!), 30 Tage Urlaub, dann gibts noch Sonderzahlungen. Und die Chefin steht meistens hinter uns und uns bei Rat und Tat zur Seite. Es könnte nicht besser sein. Ich mag meinen Job wirklich sehr, aber ich hatte bisher überhaupt kein Bewusstsein für das alles.
Meine Welt war grau und das ändert sich tatsächlich gerade. Ich bin auf einem guten Weg.
Hm. Vielleicht sollte ich mal mit der Chefin offen reden.

15.11.2020 14:26 • #19



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Dr. Christina Wiesemann