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folgender Fall:

Ich führe seit ca. einem halben Jahr eine Fernbeziehung mit einer Frau, die depressive Neigungen hat, zusätzlich überfallen sie Panikattacken sowie Selbstverletzungsanfälle. Am Anfang war alles total schön, sie sprach zwar schon sehr früh von heiraten, Kinder kriegen und zusammenziehen, was mich sehr überraschte nach nur zwei Wochen, aber egal...Da sie schon eine Therapie hinter sich hatte und Tabletten nahm, war ihr Verhalten bis auf manche direkte oder übertrieben ehrliche Äußerungen "relativ" normal und händelbar.

nach ein paar wochen und monaten häufte es sich, dass sie oft sehr von anderen männern schwärmte und mich urplötzlich nach hause schickte, wenn ich zu besuch war. sie cancelte besprochene ausflüge und machte gerade das, was ihr in den kram passte, das womit es ihr gerade gut ging. außerdem waren ihre stimmungsschwankungen extrem. so konnte sie von einer stunde auf die nächste zum absoluten teufel werden und mich mit beschimpfungen überhäufen.

Dann bekam sie vor ca. 5 Wochen eine Angstattacke. Ihre schlechten Erinnerungen aus der Vergangenheit kamen wieder hoch. Sie meldete sich tagelang nicht und wollte nach dieser Attacke schließlich mit mir Schluss machen, weil sie mich mit der Attacke verbunden hatte (ich lag neben ihr), und das Gefühl für mich von einem Tag auf den anderen weg war. Ich redete auf sie ein, appellierte an ihre Vernunft und erinnerte sie an unsere Zukunftspläne usw. Sie entschied sich mir eine zweite Chance zu geben, nachdem sie selbst eingesehen hatte, dass ihre Entscheidung falsch war (sie verletzte sich auch, weil sie so sauer auf sich selbst war)...plötzlich sprach sie wieder von heiraten, zusammenziehen usw...von einem Tag auf den nächsten.

Ich sollte sie besuchen kommen. Als ich bei ihr war, meinte sie plötzlich wieder, dass ihr Gefühl für mich wieder zurückgegangen sei und sie Zeit braucht, um sich für oder gegen die Beziehung zu entscheiden. Außerdem meinte sie, dass ihre Emotionen gerade verrückt spielen und sie in eine Therapie gehen will (u. a. deswegen, weil sie die beziehung retten will). sie ist sich also ihres wirren verhaltens absolut bewusst und weiß, das sie von tag zu tag ihre meinung ändert. Trotzdem sagt sie mir auch, das wenn sie ihre Vernunft einschaltet, dass sie mich über alles liebt. Leider hätten ihre Emotionen sie derzeit aber zu 100 Prozent im griff, weswegen sie mich nicht gut behandeln könne.

ich finde sie verhält sich schizophren und ich habe das gefühl ihren aussagen nicht mehr vertrauen zu können. Außerdem sagt sie, dass sie in der Vergangenheit immer schnell schwach wurde bei attraktiven Männern und so ihre beziehungen verloren hat. Sie meint, sie möchte das ändern durch die Therapie, um so eine stabile Persönlichkeit zu werden. Sie sagt außerdem das sie mein Verständnis liebt und mit mir ihre Zukunft verbringen will, weil sie weiß das ich der richtige bin. das sagt sie auch jetzt in ihrer "nicht-überglücklich"-phase. ich merke richtig, wie sie sich zusammenreißen will für uns. Allerdings sagt sie auch, dass ihre früheren Beziehungen alle an dieser Down-Phase gescheitert sind, eben als dieses Gefühl von einem Tag auf den anderen erlosch.

Bisher konnte ich die Beziehung gut händeln, da ich selbst weiß was ich will im Leben. Außerdem habe ich mir ein dickes Fell angeeignet und unterstütze sie wo ich kann und zeige Verständnis. Aber ich bin schon etwas ratlos und erschöpft. Ich verliere so langsam meine Souveränität...

Was soll ich tun? Wir hatten für diesen Monat geplant, dass ich in ihre Stadt ziehe. Soll ich das tun? Kann eine Therapie zur Ausgleichung der Emotionen führen, zu einer stabilen Persönlichkeit? Was kommt auf mich zu während der Therapie? Wie kann ich sie unterstützen? Kann der therapeut zu einer trennung raten? kann man die Verbindung Angst-Partner wegkriegen?Soll ich sie komplett in Ruhe lassen während der Therapie, ich habe Angst das sie mich dadurch vergisst! Ich liebe sie über alles, aber habe angst, dass alles den bach runtergeht. Sie meldet sich nicht mehr seit 4 Tagen obwohl ich sie normal gefragt habe, wie ich mit ihr umgehen soll während der therapie.

13.07.2011 17:46 • 14.07.2011 #1


2 Antworten ↓


Guten Morgen,
ich kann natürlich nur auf das antworten, was in deinem Post steht. Aber ich möchte dir raten, ziehe nicht in ihre Stadt! Nicht wegen ihr! Falls du sowieso einen Ortswechsel möchtest, du dir ein Leben in der anderen Stadt, unabhängig von ihr, gut vorstellen kannst, dann klar....
Ihr habt keine lange Beziehung, auf der du jetzt in dieser schweren Phase aufbauen kannst. Ihr hattet sicher schöne und glückliche Zeiten, aber inzwischen scheinen die Zeiten zu überwiegen, die aufgrund ihrer psychischen Störungen, sich nur um sie drehen und sehr belastend sind! Du willst sie unterstützen, das kann ich verstehen, aber du bist nicht ihr Vater oder ihr Therapeut. Lass sie ihre Therapie machen, wenn sie danach besser mit sich und ihrem Gefühlschaos umgehen kann, geht wieder aufeinander zu. Falls deine Befürchtung wahr wird, dass sie dich in der Zwischenzeit vergisst, dann wäre die Beziehung unter Garantie über kurz über lang sowieso gescheitert.
Ich wünsche dir eine gute Entscheidung!

14.07.2011 06:44 • #2


Hallo Golovin,

herzlich Willkommen hier im Forum.

Ich schließe mich der Antwort von Eulalia 100% an. Ziehe nur in diese Stadt, wenn es für DICH ein Vorteil wäre und du dir vorstellen kannst dort DEIN Leben neu zu gestalten. Wenn du keine große Lücke (Job, Familie, Freunde, Verein...) hinterlässt , in völliger Unabhängigkeit wie es mit eurer Beziehung weiter geht.

Die wenigen Wochen die ihr euch kennt, sind viel zu Problembelastet, als dass man darauf eine gemeinsam Zukunft bauen könnte.
Helfen-----, ja das kann ich verstehen, ABER du kannst ihr nur sehr wenig helfen, nämlich indem du einfach für sie da bist, indem du viel Verständnis zeigst und wahrscheinlich auch ganz viel selber einstecken müsstest, weil sie sich immer wieder ihrer Gefühle zu dir unsicher wird.
Wenn diese Beziehung eine Chance bekommen kann, dann nur wenn deine Freundin gezielt und bewusst an ihren Problemen arbeitet. Und das scheinen eine Menge zu sein, die nicht mit 3 Sitzungen abgetan sind....sie hat schwerwiegende Probleme, die über einen langen Zeitraum und ganz viel eigene Aufwendungen gemeistert werden müssen.
Sie hat dich in den wenigen Wochen bereits mehrfach an die Wand gedrückt, dich im Unklaren gelassen..., was für dich auch sehr belastent ist, sonst wärst du nicht hier!

Ich würde an deiner Stelle den Umzug erst einmal auf Eis legen, und deiner Freundin anbieten zunächst einmal im Hintergrund als Freund und Gesprächspartner zur Verfügung zu stehen. Das Du in und während der Therapie erst einmal abwarten möchtest, wie sich die Gefühle ihrerseits zu Dir entwickeln....

Es tut mir wirklich sehr leid das ich dir keine positivere Antwort geben kann, wünsche dir aber ganz viel Kraft, die für DICH richtige Entscheidung zu treffen.

14.07.2011 08:10 • #3




Dr. Hans Morschitzky