your_sista

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Hallo,

ich habe Samstag und Sonntag etwas total komisches mit mir erlebt was ich SO gar nicht kannte/kenne. Ich habe die totale Angst gehabt, am ganzen Körper gezittert, einen trockenen Mund obwohl ich Wasser getrunken habe, den Drang mich zu kratzen oder zu schlagen, ich war eisekalt am ganzen Körper und habe trotzdem geschwitzt, ich war nur am weinen - aber so richtig, dass ich schon fast blau war im Gesicht- hatte die totale Schnappatmung und total hyperventiliert und habe gestottert, ganz schlimme Schmerzen im Bauch, zuckungen an der linken Augenbraue, war aggressiv und viel am schreien gewesen (wenn ich mal nicht rumgeheult habe) und das eigentlich schlimmste: unentwegt ein kribbeln im Bauch und so ein Ohnmachtsgefühl - wie wenn man Achterbahn fährt oder Bungee springt

Nun wollte ich wissen was los war? War das eine Panikattacke oder einfach nur ein Nervenzusammenbruch? Ich habe derzeit große private Probleme (finanziell, mit der Familie usw.) und das Gefühl, dass ich überfordert bin. Es scheint alles so unlösbar für mich (im Moment)

Ich hatte am Wochenende Baldriantropfen genommen damit ich wenigstens mal ein paar Stunden schlafen kann. Heute gehts wieder und ich weiss absolut nicht was ich jetzt tun soll. Was wenn das wieder einfach so aus heiterem Himmel kommt. Muss ich mir Sorgen machen? Kann man was dagegen tun?

Ich hoffe, mir kann jemand weiterhelfen.

09.01.2012 18:24 • 09.01.2012 #1


2 Antworten ↓


Pseiko

Pseiko


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Hallo Du. Hier hab mal was rausgesucht :
Als "Nervenzusammenbruch" wird laienhaft eine psychische Krisensituation angesehen, die durch eine plötzliche (oder aber sich schon länger abzeichnende) Belastung- und Überforderungssituation bedingt ist.
Hierbei handelt es sich aber nicht um eine klinische Diagnose, sondern eher um eine eher bildliche Beschreibung, die vielleicht ausdrücken mag, dass die Last für den oder die Betroffene einfach zu viel geworden ist. Eine offizielle Definition des Nervenzusammenbruch kann man also nicht geben.

Im Gegensatz zur Laienvorstellung oder Vorurteilen wird man aber durch eine solche Stressbelastung weder verrückt, noch tritt eine wirkliche Schädigung der "Nerven" = dem zentralen Nervensystem ein.

Die Symptome dieser "seelischen Krise" sind in aller Regel von kurzer Dauer und recht unspezifisch, d.h. auch bei zahlreichen weiteren psychologischen bzw. psychiatrischen Störungsbildern zu beobachten.Hierzu gehören sicher Unruhe und Nervosität mit der Unfähigkeit zur Ruhe zu kommen bzw. "abzuschalten". Häufig finden sich daher auch Schlafstörungen sowie weitere Anzeichen einer Anspannungssituation bzw. Stress (z.B. beschleunigter Puls und Atemfrequenz, Magen-Darmbeschwerden, Schwindelgefühl, Verspannungen). Hier muss man differentialdiagnostisch u.a. eine Angststörung ausschliessen.

Andererseits treten aber häufig auch Niedergeschlagenheit oder Verzweifelung (Gedanken wie :"Ich kann nicht mehr, Ich weiss nicht weiter") wie bei einer depressiven Verstimmung auf.

Eine besondere Form einer akuten Krise kann bei Vorliegen einer akuten oder chronischen Posttraumatischen Belastungsstörung / Dissoziativen Störung vorliegen. Hierbei stehen neben heftiger Anspannung und Angst vor allem das Wiedererleben von traumatisierenden Ereignissen in Form von Bildern (flashbacks) im Vordergrund.

Gemeinsam ist vielen Patienten, dass sich in aller Regel ein oder mehrere soziale Belastungen oder für den Betreffenden subjektiv schwerwiegende Veränderungen (z.B. Trennung, Partnerschaftskonflikte) herausfinden lassen. Ist diese Problemkonstellation entschärft, so werden auch die Symptome nachlassen.

Somit diagnostizieren Psychiater bei einem Nervenzusammenbruch am häufigsten eine sog. Anpassungsstörung. Damit ist gemeint, dass Belastungen und eigene Kompensationsmöglichkeiten und Unterstützung derzeit nicht ausreichen, um eine psychische Stabilisierung aufrecht zu erhalten.


Hieraus folgt für die Behandlung des Nervenzusammenbruchs : Einerseits versucht man durch eine kurze "Aus-Zeit" den Klienten einen gewissen Abstand von den Problemen (z.B. im häuslichem Umfeld) zu ermöglichen und z.B. eine akute Streitsituation zu entschärfen. Manchmal reicht es schon, eine Nacht darüber zu schlafen und mit einer Schwester, dem Arzt oder Sozialdienst darüber zu sprechen, wie es weiter gehen kann. Meistens geht es dann auch darum, die eigenen Ressourcen wieder zu entdecken oder Unterstützung für objektiv schwierige Belastungen (z.B. Pflege von Angehörigen oder Kindern) aufzubauen.
Somit ist ein Nervenzusammenbruch meistens als Signal für eine schon länger bestehende Problemsituation zu verstehen, für die der oder die Betroffene selber noch keine gute Lösung gefunden hat.

09.01.2012 20:15 • #2


your_sista

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danke für deine Antwort. Das war wirklich sehr ausführlich und verständlich beschrieben

09.01.2012 22:15 • #3



Dr. Reinhard Pichler