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MWalter01

MWalter01
Mitglied

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Hallo, ich stecke in folgender Situation und schon mal sorry vorweg, ich werde ein bisschen ausholen . . . Vor ca. einem Jahr hab ich mein Studium abgebrochen. Danach hab ich mir erstmal eine Pause genommen und mich umorientiert. Hab mich auf ne Ausbildung beworben, war da lange im Bewerbungsprozess, bin dann abgelehnt worden. Im Juli hatte ich erste Panikattacken, die waren sehr heftig. Daraufhin hab ich mir Unterstützung gesucht und bin jetzt in Therapie. Damit ich nicht komplett aus der Arbeitswelt rausfalle, habe ich mich nach einem Übergangsjob umgeschaut. Seit Oktober arbeite ich drei Tage im Büro (befristet auf ein Jahr), kenne die Firma schon länger, hab da meine Ferienjobs in der Produktion gemacht.

Die ersten paar Wochen waren gut. Ich war froh wieder was zu tun zu haben, Bezahlung ist auch nicht schlecht. Der Job an sich ist weder übertrieben anstrengend noch Charlie Chaplin langweilig, joa war eigentlich guter Dinge.
Was mir aber mehr und mehr zu schaffen macht ist die Stimmung. Alle sind irgendwie schlecht drauf. Haben Angst entlassen zu werden, ziehen übereinander her, machen sich für dies und das verantwortlich etc. Ich denke das ist auch normal in solchen Umgebungen, hab damit aber gar keine Erfahrung und finde es schon ziemlich belastend. Dann hab ich irgendwie das Gefühl, dass ich nichts Recht machen kann. Ich habe keinen kaufmännischen Hintergrund und kenn mich mit internen Abläufen etc. nicht aus, trotzdem wird erwartet, dass ich nach paar Wochen alles drauf hab oder halt Sachen erfrage die ich nicht weiß oder wenn was unklar ist. Oft merke ich aber gar nicht, dass hier jetzt was ist, wo ich fragen könnte, weil es für mich eindeutig aussieht. Ich muss mich ständig rechtfertigen, warum ich irgendwas mache oder nicht mache und immer wenn ich denke, dass irgendwas geklärt ist, fängt alles wieder von vorne an.

Der Job besteht im Grund aus zwei Teilen. Zum einen routinemäßig Auftragsbestätigungen bearbeiten, zum anderen Prozesse optimieren bzw. dabei helfen ein Programm zu etablieren, dass die ABs in Zukunft automatisch bearbeitet. Erstere ist halt Routine, damit habe ich keine Probleme, je nachdem wie viele ABs reinkommen bin ich damit auch oft voll ausgelastet, hat mich bisher auch gar nicht gestört. Langsam will man aber Ergebnisse sehen was die Optimierung betrifft und ab da bin ich dann raus. Ich bin immer noch dabei rauszufinden, wie das alles gelaufen ist, warum wir gerade diese Programm haben, warum das irgendwie Basic-Sachen die wir bräuchten nicht kann etc. Kommunikation mit dem Hersteller ist zäh. Im Grunde gibt es keine Fortschritte und für mich sieht es so aus, als würde es da so schnell auch keine geben. Generell habe ich das Gefühl einfach viel zu wenig Ahnung zu haben, bis ich ansatzweise verstehe was vor sich geht und weiß wie ich die Erwartungen zu erfüllen habe, ist mein Jahr dort rum. Ich hab immer wieder Meetings mit einer Kollegin die für mich zuständig ist, aber eigentlich drehen wir uns in dieses Meetings nur stundenlang im Kreis. Sie weiß nicht was ich da tue, ich erkläre es und rechtfertige mich, sie versteht es nicht, erklärt mir dann wie es eigentlich sein sollte. Meistens verstehe ich nicht wo der Unterschied ist, zwischen dem was sie sagt und dem was ich gemacht habe oder ich verstehe generell nicht was sie meint etc.

Das ganze triggert jetzt wieder meine Paniksymptome. Ich dissoziiere ständig und weiß wenn ich zuhause ankomme, oft gar nicht mehr, was ich eigentlich gemacht habe. Vor einer Woche wars dann so, dass ich los gefahren bin, aber es einfach nicht geschafft habe, auf den Firmenparkplatz zu fahren. Hab dann irgendwann rechts gehalten und mich krank gemeldet. Bin am nächsten Tag zum Arzt, habe meine Situation erklärt und wurde für die Woche krank geschrieben.

Im März endet meine Probezeit, vorher habe ich noch eine "Performance review". Da würde ich gerne sagen, dass ich nicht den Job unter diesen Umständen nicht machen kann und wieder gehen werde.
Ich bin aber ständig am Grübeln ob ich einfach nur zu empfindlich geworden bin und das alles viel zu Ernst nehme bzw. zu sehr an mich ranlasse. Ich habe einfach keine Ahnung was "normal" ist und was nicht. Ob meine Erwartungen überzogen sind oder nicht . . . Ich habe halt das Gefühl schon wieder was abzubrechen und das nagt einfach an mir. Was würdet ihr in so einer Situation denken/machen?

25.01.2026 #1


4 Antworten ↓


Kedici
Also bei uns in der Firma wurde auch ein Programm eingeführt was die ABs automatisch mithilfe KI kontrolliert. Ich war leider nicht mehr in der Abteilung aber ich habe mitbekommen dass es auch nicht so einfach war und lange gedauert hat und auch bis heute nicht alle ABS kontrollieren kann. Ein kleiner Teil wird immernoch manuell kontrolliert. Es ist wichtig dass da wirklich eine gute Software ausgewählt wird. Außerdem war bei uns auch jemand dafür zuständig der sich mit IT auskennt und weiß wo man ansetzen muss wenn es nicht richtig funktioniert. Was hast du denn studiert und abgebrochen? Denn ich finde es komisch wenn du nichts in diese Richtung studiert hast, dass man dich damit beauftragt.. Das manuelle Kontrollieren ist ja nichts schwieriges aber wenn die Software das machen muss muss man schon wissen wie man die darauf einstellen kann. Da kannst du dich nur mit dem Support oder mit dem Handbuch oder der IT in eurer Firma besprechen.
Jedenfalls klingt die Stimmung bei euch generell auch nicht so toll. Ich kenne es leider auch nicht viel anders. Es gibt Kollegen die sich einigermaßen gut verstehen und andere wo es schon richtig eskaliert des öfteren. Das ist natürlich nicht unbedingt eine schöne Stimmung.
Dass du da Panikattacken bekommst ist nachvollziehbar. Du sollst etwas erledigen was dich überfordert und unter druck setzt und leidest an der Atmosphäre. Ich kann dir nur raten es dort offen anzusprechen dass du vermutlich nicht unbedingt die richtige Qualifikation dafür hast und der Support nicht gut erreichbar ist. Auf lange Sicht könntest du dir nochmal überlegen beruflich in eine andere Richtung zu gehen.
Gibt es etwas was dich interessiert?

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A


Nicht mehr zur Arbeit gehen können - Paniksymptome

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J
@MWalter01 Erstmal willkommen 😊.

Würdest du eine Lehre machen hättest du länger "Welpenschutz", da du aber Queereinsteiger bist wird dir die Zeit nicht eingeräumt (was normal ist, bekommst ja auch volles Gehalt).
Für mich klingt das tatsächlich so das der Job einfach nix für dich ist, zumindest nicht ohne Ausbildung.
Das kann dir bei den nächsten 10 Jobs noch so gehen oder beim nächsten passt alles. Das kann dir übrigens auch bei einer Ausbildung so gehen.

Durch deine Erkrankung merkst du es wahrscheinlich schneller, jemand ohne Panik würde wohl etwas länger durch halten aber auch nicht glücklich werden.

Ich drück dir die Daumen, dass du einen Job oder Ausbildung findest die dir liegt und deswegen deine Panik nicht triggert.

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MWalter01
@kedici Hallo, danke für deine Antwort. Also auf Dauer ist das alles ohnehin nicht, ist ja nur befristet in Teilzeit für ein Jahr, einfach zum Geld verdienen. Nein, ich habe nichts in Richtung IT studiert, komme aus dem Lehramt Politik und Deutsch, hatte bisher auch keine Büro-Erfahrung. Ich bin ständig mit der IT Abteilung unseres Unternehmens in Absprache und schau mir das alles mit denen an, die wissen aber oft auch nicht woher die Fehler kommen und manche Dinge kann das Programm einfach nicht, da liegt der Ball beim Entwickler. Langfristig sollen natürlich möglichst viele ABs über die Software bearbeitet werden, da die ABs aber sehr unterschiedlich sind, gibt es halt Probleme beim Einlesen oder es gibt Probleme beim Abgleich mit unserem ERP Programm. Wenn z.B. ein Gerät bestellt wurde, auf der AB dieses Teil dann aber in seinen Baukomponenten bestätigt wird. Dann haben wir eine Bestellposition mit Preis und auf der AB stehen dann aber z.B. fünf Positionen mit je einem Preis, die dann zusammen das ergeben, was wir bestellt haben. Für einen Mensch ist das nachvollziehbar, aber das Programm kann damit nichts anfangen.

Long story short, ich hab über Teams Zugriff auf Protokolle, Entwicklerhandbücher, Mailverläufe etc. aber ohne Background fällt es mir schwer da durch zu blicken. Und da ich nicht mit der Arbeitsweise des Unternehmens vertraut bin, muss ich halt ständig nachhaken, was da jetzt gelaufen ist, was da schon probiert wurde, wie das geklappt hat etc. An sich könnte ich mich da schon reinfuchsen, aber das dauert halt und gerade weil ich manchmal tagelang fast nichts anders mache als nur ABs manuell zu bestätigen, komme ich halt oft zu nichts anderem. Dann antwortet wer nicht oder Leute sind in Urlaub etc. dadurch bleiben dann auch wieder Sachen liegen. Die Personen die das Programm ins Haus geholt haben, haben beide das Unternehmen verlassen. Ich habe quasi nur deren Papierkram "geerbt" und kann da nicht mehr nachfragen. Ich soll jetzt auch Kontakt mit anderen Kunden des Herstellers aufnehmen und herausfinden, wie die mit dem Programm umgehen etc. Meiner Meinung nach macht man sowas, bevor man ein Programm, Tool, Gerät oder sonst was beschafft, man möchte ja wissen wofür man Geld ausgibt.

Ich habe einfach das Gefühl, dass man durch das Programm schnell und einfach Geld und Personal einsparen wollte. Das klappt jetzt nicht und weil man man die Person die vorher hauptsächlich für die ABs zuständig war, schon mit dem Kauf des Programms eingespart hat, (ob entlassen, in Rente gegangen oder versetzt weiß ich nicht) wurde jetzt halt ich da hin gesetzt. In der Hoffnung, dass ich das irgendwie zum Laufen krieg. Für mich ist das ganze eher eine Erprobungsphase oder ein Experiment, dass vielleicht irgendwann mal für den Alltag taugt. Im Grunde kann man sich das ganze vorstellen wie ein Game das zu Release nicht fertig ist und dann irgendwann ab dem x-ten Patch mal spielbar wird. Deshalb hab ich mit dem Job an sich auch kein Problem, aber meine Kollegin wird glaube ich immer ungeduldiger und sie hat auch ständig Angst dass ich Fehler mache, die dann auf sie zurückfallen könnten, weshalb sie einfach alles kontrollieren möchte, was ich mache. Das ist zwar schön und gut, schränkt mich aber massiv ein, weil ich jeden Arbeitsschritt irgendwie festhalten und für sie verständlich protokollieren muss. Also wann ich, warum, welche Mail an wen geschrieben oder bekommen habe. Warum ich zuerst das und dann das gemacht habe. Warum es hierzu und dazu noch keine Antwort gibt etc. Sie ließt sich das dann durch, hat nur ein großes Fragezeichen überm Kopf und fragt mich dann wieder warum ich das so und so mache. Dann fange ich an zu erklären, dann widerspricht sie mir, ich rechtfertige mich, wir drehen uns im Kreis und immer so weiter.

Ich denke ich werde das alles im Probezeitgespräch ansprechen und dann gehen. Weder ich, noch die Firma haben was davon, dass ich da sitze und nicht weiter weiß. Ich muss dann halt irgendwie lernen, dass alles nicht auf mich zu beziehen bzw. als persönliches Versagen zu interpretieren. Ich muss einfach weiter machen, mir nen neuen Mini/Teilzeitjob suchen oder einfach noch mal Pause machen. Ich habe mich auch letzte Woche wieder auf Ausbildungsplätze beworben, irgendwann wird sich schon was finden . . .

#4


B
Wenn sie dich nicht kündigen, kannst du alles gelassen sehen, weil dann brauchen sie dich und finden eventuell keinen anderen (Deppen) für den Job. Du musst es dann allerdings abkönnen, wie sie sich behandeln und es locker sehen. Solange der Laden läuft, wo ist das Problem. So gegenseitiges zuschieben, dass immer andere etwas nicht so machen wie gewünscht, gehört wohl zu diesem Job dazu.

Ich hatte in einer Zeit, als es so gut wie keine Jobs gab, einen extrem schlecht bezahlten Job mit langen Fahrwegen. Dann hatte ich ein Angebot im näher gelegenen Nachbarort und wurde dort angestellt. Doch ich sollte einen anderen Job machen als auf den ich mich beworben hatte. Dieser gefiel mir absolut nicht und ich kündigte. Dann ging ich zum alten Arbeitgeber und der stellte mich wieder ein, allerdings für noch weniger Lohn. Da mussten ich auch Samstag arbeiten und einmal war Glatteis und ich fuhr mein Auto zu Schrott. Der Arbeitgeber sagte: Du warst nur zu faul zu arbeiten. Das war eine harte Zeit.

#5





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Dr. Christina Wiesemann
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