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Parwana
Hallo,
Ich bin neu hier. Habe seit 30 Jahren eine Angsstörung, die mich alle paar Jahre wieder umhaut. Kennt ihr die Symptome: Schwindel, Kopfdruck, Ohrdruck , starke Unruhe, Zittrigkeit etc. Die Symptome wechseln sich ständig ab und begleiten mich den ganzen Tag. Ich nehme seit einer Woche wieder 150mg Venlafaxin und 2 x 12,5 mg Doxipin. Am Morgen ist es am schlimmsten. Ich versuche trotzdem zu arbeiten etc. , aber er gelingt nur teilweise. Ich kenne alles und trotzdem bin ich wieder am Zweifeln, ob der Körper es aushält und ob es wieder besser wird?

24.07.2022 09:34 • 24.07.2022 x 1 #1


10 Antworten ↓


moo
Servus willkommen!

Zitat von Parwana:
Ich kenne alles und trotzdem bin ich wieder am Zweifeln, ob der Körper es aushält und ob es wieder besser wird?

Das liegt in der Angststörung selber begründet. Du kannst das mit dem Blick aus einem Fenster vergleichen: die dort ersichtliche Landschaft ist für Dich nur deshalb real, weil das Fenster existiert. Ohne Fenster kein Ausblick und ergo keine Landschaft.

Die sogenannte Angststörung ist schlicht der Ausblick aus einem falschen Fenster. Doch nicht das, was Du dort siehst, ist falsch, sondern die Interpretation, die Wahrnehmung. Sie ist geprägt von Emotionen, die mal mit dieser Aussicht verknüpft wurden.

Der Grund, weshalb der Geist immer wieder (mal) das falsche Fenster wählt, ist die Gewohnheit und die ständige Verdrängung, mal genau hinzuschauen. Irgendwann würde man feststellen, dass das falsche Fenster einfach nur eines der vielen möglichen Fenster ist und dass man selber von den Eindrücken der Ausblicke geprägt, geformt ist. Man selber ist dieser Ausblick und nicht ein Opfer desselben.

24.07.2022 09:45 • x 9 #2


A


Nach drei Jahren Angst wieder da!

x 3


4_0_4
Willkommen im Forum.

Wenn Du das seit 30 Jahren hast, dann ist das eine sehr lange Zeit.
Wiederkehrende Episoden sind bei so einer Ausprägung, in meinen Augen realistisch.

Oft ausgelöst durch veränderte, herausfordernde Lebensumstände. Auch möglich das man sein Leben nicht weit genug an die eigenen Gegebenheiten angepasst hat.

Sicher - schön ist anders. Gerade wenn man nach längerer Zeit eine Episode hat.
Ob das besser wird kann dir keiner beantworten.
Was man sagen kann ist, das der Körper und man selbst man meist weit mehr aushalten kann als man von sich glaubt.

Wichtig finde ich auch das man stetig schaut ob man sich weiter entwickeln kann - sprich offen für neues ist.

24.07.2022 09:45 • x 2 #3


Grashüpfer
Herzlich willkommen hier im Forum, @Parwana !

Die beiden Vorredner beschreiben es sehr gut. Vielleicht hilft dir Moo's Vergleich mit dem falschen Fenster?
Ich persönlich versuche es mir auch immer rational und wissenschaftlich zu erklären. Das falsche Fenster, die Interpretation, sind letztlich neuronale Verknüpfungen, die sich aus bestimmten Erfahrungen und Wahrnehmungen in deinem Leben gebildet haben. Die Amygdala, das Angstzentrum, ist in Alarmbereitschaft. Eigentlich spielt unser Kopf uns damit Streiche.

24.07.2022 09:56 • x 3 #4


Maverick1
Zitat von moo:
Servus willkommen! Das liegt in der Angststörung selber begründet. Du kannst das mit dem Blick aus einem Fenster vergleichen: die dort ersichtliche Landschaft ist für Dich nur deshalb real, weil das Fenster existiert. Ohne Fenster kein Ausblick und ergo keine Landschaft. Die sogenannte ...

Danke moo, schöne Erklärung…

Was würdest du tun (oder lassen)

24.07.2022 10:08 • x 1 #5


moo
Zitat von Maverick1:
Was würdest du tun (oder lassen)

Meinst Du konkret in der Situation Parwanas? Dazu kann ich nichts sagen. In der o. g. Skizze ging es mir um einen neuen Ansatz des Verständnisses; um eine Sichtumkehr, die ich persönlich sehr oft verwende.
Das Bild mit dem Fenster ist eher eine (non-intellektuelle) Möglichkeit dieser Sichtumkehr, eine mögliche Einsicht in die Subjekt-Objekt-Illusion, die so wesentlich an psychischen Problemen beteiligt ist.
Bilder versteht man idR intuitiv, non-verbal. Ebenso entwickeln sich Ängste: durch Bilder, Szenen. Indem man die letztendliche Tragunfähigkeit des Subjekt-Konzeptes (Ich) erkennt, fällt der Vorhang der Illusion ein Stück weit und die Freiheit wird spürbar. Selbst wenn man dies weder sich noch anderen intellektuell erklären kann, ändert sich dabei idR die Grundlage selbst. Bzw., um bei Deiner Frage zu bleiben (?), die Grundlage wird gelassen...

24.07.2022 10:34 • x 3 #6


Maverick1
Zitat von moo:
Meinst Du konkret in der Situation Parwanas? Dazu kann ich nichts sagen. In der o. g. Skizze ging es mir um einen neuen Ansatz des Verständnisses; um eine Sichtumkehr, die ich persönlich sehr oft verwende. Das Bild mit dem Fenster ist eher eine (non-intellektuelle) Möglichkeit dieser Sichtumkehr, eine mögliche ...

Verstehe und ja das beantwortet meine Frage.
Allerdings ist die Um-setzung recht schwierig bzw. ein langer Prozess und in Phasen starker Symptome und Ängste besonders, da diese eine andere Sicht oft verschleiern

24.07.2022 10:48 • #7


moo
Zitat von Maverick1:
Verstehe und ja das beantwortet meine Frage.

Va bene!
Zitat von Maverick1:
Allerdings ist die Um-setzung recht schwierig bzw. ein langer Prozess und in Phasen starker Symptome und Ängste besonders, da diese eine andere Sicht oft verschleiern.

Hm, ich meine, spätestens nach 30 Jahren Angst inklusive Antidepressiva sind grundlegendere Ansätze zumindest eine Möglichkeit. Ich gehe davon aus, dass @Parwana in ihrem Leben vieles an Therapie bzw. Medikation durchgemacht hat. Manches mag ein Stück weit geholfen haben, anderes hat u. U. die Lage (und v. a. die Sicht darauf) eher stabil-destabilisiert.

Unübliche (und daher ungewohnte) Ansätze mögen auf den ersten Blick langwierig zu realisieren erscheinen, aber gerade in der Verblüffung kann das nötige befreiende Moment liegen...
Der langfristig ängstliche Mensch, insbesondere in Begleitung mehrerer ADs, neigt m. E. dazu, in den Symptomen aufzugehen, in ihnen nicht nur Leid sondern, so abwegig es sich anhört, auch Halt zu finden. Um hier wieder ein Bild zu bemühen: das Netz bindet mich nicht nur, es trägt mich auch...

Die o. g. Sichtumkehr würde in diesem Fall bedeuten, zu verstehen, dass wir selber das Netz sind, und nicht das Opfer.

24.07.2022 11:02 • x 3 #8


Parwana
Vielen Dank für die Antworten. Ja, ich habe schon einiges an Therapien hinter mir und ich glaube ich höre zu früh auf an der Angst zu arbeiten, an mir zu arbeiten, wenn es erträglich ist und ich wieder fast alles machen kann. Wenn es mich dann erwischt, fange ich gefühlt von vorne an. Bin wie ein kleines Mädchen, das immer von außen die Bestätigung braucht , dass die Symptome psychisch sind und auch mein Körper das aushält.

24.07.2022 11:49 • x 3 #9


Maverick1
Zitat von moo:
Der langfristig ängstliche Mensch, insbesondere in Begleitung mehrerer ADs, neigt m. E. dazu, in den Symptomen aufzugehen, in ihnen nicht nur Leid sondern, so abwegig es sich anhört, auch Halt zu finden. Um hier wieder ein Bild zu bemühen: das Netz bindet mich nicht nur, es trägt mich auch...


Für mich ist das überhaupt nicht abwegig sondern Realität. Zuerst hat es mich erschreckt zu erkennen das mir die Ängste,Symptome usw. auch Halt geben ! Dann wurde mir aber klar das diese Erkenntnis die Grundlage für Heil werden ist, bzw. meine Sichtweise zu verändern
Echten Halt in mir zu finden bzw. diesen aufzubauen ist allerdings ein schwieriger und langwieriger Prozess, da ich mir Jahrzehnte lang nur einen künstlichen "Ersatzhalt" aufgebaut habe. (dies hat dann eben genau zu den Problemen geführt)

24.07.2022 12:13 • x 2 #10


4_0_4
Zitat von Parwana:
Ja, ich habe schon einiges an Therapien hinter mir und ich glaube ich höre zu früh auf an der Angst zu arbeiten, an mir zu arbeiten, wenn es erträglich ist und ich wieder fast alles machen kann. Wenn es mich dann erwischt, fange ich gefühlt von vorne an.

Das meinte ich mit meinem Post.

Du hast die Entscheidungsgewalt darüber ob Du das verändern oder weiter hinnehmen willst.

24.07.2022 12:15 • #11


A


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