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squashplayer
Hallo,

meine Freundin wohnt 2 km von mir und ich gehe meistens zu ihr, da ich auch gern Spazieren gehe und das somit gleich erledigt habe.

Nun ist es so, dass seit einigen Monaten, genauer gesagt, seit ich im Homeoffice bin, meine Angststörung wieder aufgetreten ist. Anfangs fühlte ich mich noch "sicher", wenn ich bei meiner Freundin war, aber mittlerweile sind die Besuch nur noch unter starker Angst möglich.

Wir gehen dann Spazieren oder sitzen auf ihrem Balkon/Wohnzimmer und ich denke die ganze Zeit: "Oh man, wenn jetzt die Panikattacke kommt, bist du geliefert, es DARF nicht passieren. "

Gestern wollten wir "Wer wird Millionär" auf dem Handy spielen und ich habe die Fragen gar nicht kapiert, so dicht war ich geistig.

Ok, klar dass die Panik dann erst recht kommt. Meiner Freundin habe ich es auch gesagt, wenn es mir nicht gut geht. Aber irgendwie ist das kein Zustand. Sonst fühle ich mich ja wohl bei ihr, aber mir wird das total vermiest. Ich kann mich gar nicht mehr entspannen.

Wie ist es bei euch, könnt ihr euch entspannen in Gegenwart eures Partners? Wie kann man das wieder lernen?

VG

12.11.2020 17:55 • 15.11.2020 #1


8 Antworten ↓


Janina84
Also ich kann mich aktuell auch gar nicht entspannen in Gegenwart meines Partners, weil ich mir vor ihm nicht Recht anmerken lassen will, dass es mir nicht gut geht. Bei mir hat das ja aber auch alles gerade erst angefangen und es ist noch nicht ganz sicher ob es nur Angst ist oder doch auch etwas organisches was zur Angst führt. Jetzt ist bei uns die Sache generell etwas anders, wir sind verheiratet und haben Kinder. Ich bin derzeit arbeitsunfähig und kämpfe viel mit meinen Problemen. Das belastet ihn natürlich, er muss ja auch dann mehr arbeiten zu Hause übernehmen, es betrifft ihn auch wenn wir weniger Geld haben und es belastet ihn nicht helfen zu können.
An deiner Stelle würde ich es aber offen bei der Partnerin ansprechen und gemeinsam eine Lösung finden wie man damit umgeht

12.11.2020 19:42 • x 1 #2



Könnt ihr euch entspannen in Gegenwart eures Partners?

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Icefalki
Zitat von squashplayer:
bist du geliefert, es DARF nicht passieren. "


Was darf nicht passieren? Beschreibe mal deine Ängste.

12.11.2020 19:55 • #3


squashplayer
@janina84: danke für deinen Beitrag, ich werde das nächste Mal mit meiner Freundin reden. Einmal habe ich ihr schon gesagt, dass es mir nicht gut geht und dann lag ich zitternd da und sie hat versucht, mich zu beruhigen.

13.11.2020 00:47 • #4


squashplayer
Zitat von Icefalki:
Was darf nicht passieren? Beschreibe mal deine Ängste.


Die Panikattacke darf nicht durchkommen, denke ich immer. ich bin die ganze Zeit so extrem unter Druck, dass ich quasi immer "kurz vor" der Attacke bin.

So und dann bin ich bei ihr auf dem Sofa eingeschlafen und musste dann um 2 Uhr morgens nach Hause, weil ich ja nächsten Tag arbeiten muss. Als ich mir schlaftrunken und schon nervlich völlig fertig meine Schuhe anzog, merkte ich, wie das Herz zu rasen anfängt. Bei dem Gedanken, ich muss es irgendwie nach Hause schaffen und meine Freundin darf nichts merken.

Es war dann so, dass ich mich mit Herzrasen von ihr verabschiedet habe, mit Herzrasen auf die Straße bin und nach Hause gegangen bin. Während des Weges (ca. 25 Minuten) wurde das Herzrasen langsam weniger. Jedes mal, wenn mir ein Auto entgegenkam, wurde es wieder schlimmer. Es war einfach nur demütigend und ich dachte: ist egal, dann sterb jetzt eben, dann ist es endlich vorbei. Zu Hause war die Attacke dann schon vorbei und ich war wieder ruhiger.

Ich muss glaube ich ihr das sagen, wenn es mir nicht gut geht. Sie ist ja auch eine sehr warmherzige Person, sie wird es sicher verstehen.

P..S. Wenn ich mit Betablockern zu meiner Freundin gehe, wird die Attacke mit Gewalt unterdrückt. Finde es allerdings ziemlich seltsam, vor dem Besuch bei der Freundin Medikamente schlucken zu müssen

13.11.2020 00:52 • #5


Icefalki
Du machst den gleichen Mist wie ich getan habe. Nur ja keine Blösse geben, nur ja nicht negativ auffallen, und hier spielt sich das ganze Drama ab. Liegt auch an unserer Hintergrundsproblematik.


Zitat von squashplayer:
Es war dann so, dass ich mich mit Herzrasen von ihr verabschiedet habe, mit Herzrasen auf die Straße bin und nach Hause gegangen bin. Während des Weges (ca. 25 Minuten) wurde das Herzrasen langsam weniger. Jedes mal, wenn mir ein Auto entgegenkam, wurde es wieder schlimmer. Es war einfach nur demütigend und ich dachte: ist egal, dann sterb jetzt eben, dann ist es endlich vorbei. Zu Hause war die Attacke dann schon vorbei und ich war wieder ruhiger.


Siehst du: Der gesamte Mist wird als demütigend empfunden. Da sind wir im Prinzip gar keine Schwächlinge und dann sowas. Total irre. Und kommt der Moment, wo wir schön alleine "sterben" könnten, oder uns keiner sieht, und siehe da, die Welt wird besser.

Jetzt könnte man sich doch mal damit auseinandersetzen, Herzrasen hin oder her, warum wird Schwäche so demütigend empfunden? Ich höre sofern du mir das Schreiben möchtest.

13.11.2020 13:27 • x 2 #6


squashplayer
Zitat von Icefalki:
Du machst den gleichen Mist wie ich getan habe. Nur ja keine Blösse geben, nur ja nicht negativ auffallen, und hier spielt sich das ganze Drama ab. Liegt auch an unserer Hintergrundsproblematik.

Siehst du: Der gesamte Mist wird als demütigend empfunden. Da sind wir im Prinzip gar keine Schwächlinge und dann sowas. Total irre. Und kommt der Moment, wo wir schön alleine "sterben" könnten, oder uns keiner sieht, und siehe da, die Welt wird besser. Jetzt könnte man sich doch mal damit auseinandersetzen, Herzrasen hin oder her, warum wird Schwäche so demütigend empfunden? Ich höre sofern du mir das Schreiben möchtest.


Bei mir liegt es definitiv an meiner Kindheit. Mein Vater war schon immer dafür, die "Contenance zu wahren". Managertyp eben. Meine Mutter total warmherzig, ängstlich und sensibel. Ich bin die Mischung aus beiden und so kriege ich leicht Angst, versuche aber, die "Contence zu wahren". Schreckliches Wort

Nein, Schwächlinge sind wir nicht. Was ich mit der Angst alles schon durchgemacht habe, da würde ich sagen, ich bin ein Held! Und jeder andere hier auch.

Als demütigend empfinde ich dieses Gefühl, der Symptomatik ausgeliefert zu sein. Immer wenn man schon am Boden liegt, setzt die Angst noch eins drauf. Als wäre da eine innere Instanz, der es regelrecht Spaß macht, einen mit verschiedenartigen Symptomen zu bombardieren

Heute abend gehe ich wieder zu meiner Freundin. In "freudiger Erwartung". Der nächsten Attacke.

14.11.2020 15:25 • #7


Icefalki
Was befürchtest du denn tatsächlich, wenn du deine Attacke bekommst?

14.11.2020 15:37 • #8


squashplayer
Ich fürchte mich vor einer Blutdruckentgleisung oder Herzrasen

15.11.2020 02:22 • #9




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