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Angst selbst ist erst einmal vollkommen abstrakt. Nicht greifbar. Angst lässt sich vielfach individuell definieren:
- Angst vor diesem und jenem (dann eher "Phobie", z.B. Spinnen, Höhe, usw.)
- Angst vor der Zukunft
- Angst vor dem Tod
- Angst vor der Angst
- Und vieles mehr
Wie die Angst selbst sich auswirkt liegt an dem Menschen der sie hat. Der eine kann 10.000m hoch fliegen und hat keine Angst - tickt aber dafür aus wenn er eine kleine Spinne sieht. Der andere fasst eine Vogelspinne an, schwitzt aber Blut und Wasser wenn er 3 Stufen auf eine Leiter steigen soll. Solange die Angst das Leben nicht einschränkt: Ist Angst absolut in Ordnung. Wenn die dauerhafte Angst (z.B. vor der Angst) aber ein normales Leben nicht mehr ermöglicht: Ist das ziemlich bescheuert. Aber da werfen sich wieder einige Fragen auf:
- Was ist das so genannte "normale Leben"?
- Was mache ich selbst mit meiner Angst?
Man kann mit Angst natürlich Vermeidungsstrategien fahren: "Och, wenn ich davor Angst habe, dann lasse ich das eben!". Ich MUSS keine Spinnen anfassen, ich MUSS nicht 10.000m hoch fliegen - ich kann ja auch mit dem Schiff in den Urlaub. Das ist eine vorerst individuelle Ansichts- und Entscheidungssache. Bei Angst vor der Angst ist mit eigener Entscheidung aber nicht mehr viel gegeben - die Angst ist Stärker als jede Vernunft und jeder Versuch sich ihr zu stellen, sie zu überwinden. Wenn meine Strategie dann lautet: "Gut, bleibe ich im Haus und hoffe nicht zu sterben": Dann ist das meine Entscheidung. Oder doch noch nicht? Ist es die Entscheidung der Angst? Obwohl ich weiß das in der Bude hocken und auf den Tod warten nicht erstrebenswert ist? Es IST MEINE Entscheidung, denn die Angst ist ja auch IN MIR.
Niemand hat mir die Angst bewusst eingepflanzt, niemand hat mir eine Spritze verpasst auf der "Angst" stand. Die war da, irgendwann. Jetzt kann ich den Rest meines Lebens damit verbringen zu suchen und die Fragen aller Fragen zu stellen: "Warum?" oder "Woher?". Nur: Spielt es eine Rolle wenn ich die Antwort kenne? Bringt es was zu wissen das ich als Kind vielleicht 2 Sekunden zu wenig Luft bekommen habe? Das mein Sternzeichen Hampelmann mit Aszendent Klötenhobel ist? Bringt es mir was zu wissen ob ich schon immer irgendwie so oder so war? Bringt es mir was wenn ich mich immer wieder an die Schläge meiner Eltern erinnere? Die Demütigungen? Rein faktisch betrachtet: Eigentlich nichts. Wenn mein Bein gebrochen ist: Ist es gebrochen. Punkt. Es heilt nicht schneller wenn ich weiß das ich es mir beim Sprung vom 3-Meter Brett im Hallenbad gebrochen habe. Oder weil mein Nachbar mich aus Versehen mit dem Auto angefahren hat. Oder mir die Schubkarre vor das Schienbein geknallt ist.
Man kann unendlich viel Zeit und Energie darauf verwenden, das "Warum" zu ergründen. Aber es zu finden: Steht in keiner Relation zum Aufwand. Wenn 100 Menschen als Kinder geschlagen wurden: Entwickeln nicht automatisch alle später Ängste. Es gibt keine Definition von Gruppen die Besonders hervorgehoben werden. Angst kann Mann, Frau, Kind, Erwachsene, Dicke, Dünne, Dumme, Schlaue und Arme wie Reiche treffen. Der Auslöser wird dann oft im ganz großen Gesucht: "Zukunftsangst" - Materielle Werte zu halten ist wesentlich schwieriger als Sie zu bekommen. Der Druck "zu verlieren" ist größer als der Druck "zu bekommen". Was aber, wenn diese großen, im Moment modernen Ängste (auch von den Medien geschürt) gar nicht "Schuld" an unserer Angst sind?
Überall liest, sieht und hört man von BurnOut, von Kindern die ADHS schon haben MÜSSEN (ist ja modern), Toleranzen gegen Laktose, Fructose und was nicht alles. Und je mehr über diese Sachen berichtet wird: Desto mehr Menschen haben Sie auch. Dabei zeigen Tests, dass reale Unverträglichkeiten weit weniger vorkommen als Betroffene sich zum Teil einbilden. Wir leben in einer Gesellschaft der Überfixierung auf uns selbst. Tu dies nicht, iss das nicht, lass das weg, nimm das (ach nee, mist, kann krank machen, lass es wieder weg). Ich glaube wir haben vergessen einfach zu leben. Ungeachtet des Ansehens von Nachbarn und so genannten Freunden. Sein wie man ist. Klar, wenn man so ganz anders ist und immer wieder Probleme deswegen hat: Muss man sich was überlegen. Denn es ist einfacher sich zu ändern als Millionen Menschen um einen herum - von denen viele mit Sicherheit tief in sich drin ganz anders sind als sie glauben sein zu müssen.
Solange man die Freiheit und Würde Dritter nicht verletzt: Sei! Sei wie Du bist. Kritisch, Anders, vielleicht nervig. Ich frage von Klein auf "Warum?" Warum ist dies so und das so. Und immer war die Antwort: "Nimm es doch einfach mal hin!". Auch Albert Einstein sagte, dass er sich stets fragte "Warum eigentlich?". Nur: Albert Einstein wird keiner als lächerlich oder als SPinner abstempeln.
Man kann dieses Thema bis ins unendliche diskutieren, philosophisch, therapeutisch, medizinisch. Doch ändern wird es für Betroffene: Nichts. Ändern muss der Betroffene den Umgang mit dem was ihn ausmacht. Schafft er es nicht alleine: Braucht er (oder sie) Hilfe. Nur: Die findet man nicht mal eben so - weil ja die Therapeuten überlaufen sind von echten Kranken, Modekranken und überforderten Menschen die den Druck nicht mehr aushalten können, nicht mehr wollen. Es gibt zu diesem ganzen "Wer bin ich"-Wahnsinn einen schönen Spruch - vor allem in Bezug auf "Rang" und "Geld":
"Wir leihen uns Geld das wir nicht haben um uns Dinge zu kaufen die wir nicht brauchen um Menschen zu beeindrucken die wir nicht mögen!"