Es ist insgesamt wenig zielführend, zu versuchen, als Laie medizinische Begründungen zu generieren. Unterm Strich läuft es immer nur darauf hinaus, sich eine möglichst "beruhigende" Ursache zu suchen, damit man sich weniger fürchten muss. Letzten Endes ist das nicht mehr, als sich seine Welt zu basteln, wie sie einem gefällt

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Und da wir im Grunde wissen, dass wir nur als Dilettanten im Trüben stochern, funktioniert die Beruhigung immer nur kurz. Erstaunlich ist eh, dass viele gewillt sind, den "logischen" Erklärungen anderer Angsthasen mehr zu glauben, als der Aussage ihres Arztes. Dass das unter Umständen viel riskanter sein kann, als dem Arzt zu glauben, wird ausgeblendet.
Das zeigt ziemlich gut, wie Angst funktioniert: Wir bemühen unsere Phantasie. Und zwar so, wie sie uns taugt. Entweder, indem wir uns in Katastrophenszenarien hineinsteigern oder ein Deckmäntelchen an "Beruhigung" drüber werfen, das uns für ein paare Stunden - meist aber weit kürzer - von den Katastrophengedanken abhält.
Wir suchen nach Verspannungen und sonstigen anderen organischen Ursachen. Wenn es schon nicht das Herz sein soll, das krank ist, dann wenigstens der Magen. Oder die Muskeln, Sehnen und Gelenke. Oder die Plattfüße. Hauptsache, es gibt irgendein Mittelchen, das man nehmen oder benutzen und damit die Welt wieder in Ordnung bringen kann.
Das Blöde ist, dass das meist nicht klappt. Zumindest nicht auf Dauer. Es klappt deswegen nicht, weil wir nicht blöd sind und im Prinzip genau wissen, dass die Ursache für unsere Problem nichts mit unseren Plattfüßen zu tun hat.
Leider endet für die meisten hier auch schon wieder das logische Denken. Denn dem eigenlichen Problem gehen wir möglichst weiträumig aus dem Weg. Wir stellen lieber die Frage "Kann das denn WIRKLICH die Psyche sein, die spinnt?" 20000 mal, als zu akzeptieren, dass unser Krankheitsbild ein psychisches ist.
Dabei ist es völlig schnurz, ob Herzstolpern, Herzrasen, Schwindel und Co. nun direkt von der Angst ausgelöst werden oder nicht. Was sie bedrohlich und groß macht, ist immer unser Hirn. Das negiert alle negativen Befunde und will daran glauben, organisch krank zu sein. Das ist ihm lieber, als zu akzeptieren, dass das Denken das Problem ist, nicht der Körper. Denn gegen körperliche Wehs gibt es Mittelchen, die man bequem einwerfen kann. Gegen das, was wir denken, können wir nur selbst aktiv werden.
Das ist mühsam und anstrengend und fordert eine ständige Auseinandersetzung mit uns selbst. Und das kann erst mal keiner leiden. Da ist es einfacher, jeden Tag aufs Neue "Ich hab aber sooooo Aaaaangst!" zu heulen. Dann kommt nämlich wer und spielt Mama oder Papa oder Onkel Doktor und sagt: "Du musst keine Angst haben. Ich sage dir, dass alles gut ist. Und weil ich groß und stark bin und du klein und hilflos kannst du die Verantwortung getrost abgeben."
Für den Moment ist das auch nett. Ab und zu wollen wir alle mal auf irgendeinen Arm. Aber wir sind zu alt, um uns dort häuslich niederzulassen und es uns gemütlich einzurichten. Wir müssen Verantwortung für uns selbst übernehmen und der bescheuerten Drecksangst selbst in den Allerwertesten treten. Dazu braucht es keine fadenscheinigen "Begründungen" für unseren Zustand. Es braucht den Willen, sich nicht mehr von der Angst jagen zu lassen.
Das tut man z.B. dadurch, dass man nichts mehr meidet, was einem Angst macht. Wenn das Herz stolpert, ist die Couch der schlechteste Ort. Das tut man dadurch, dass man aufhört zu messen, zu kontrollieren und immer wieder die anderen zu fragen, ob sie das auch haben. Das trägt nur dazu bei, sich immer wieder auf die Symptome zu fokussieren.
Die gehen aber nicht weg, nur weil man Angst hat oder fragt oder misst. Im Gegenteil: Sie werden immer stärker und vor allem vielfältiger. Erst hat es vielleicht nur mal gestolpert, irgendwann rast es, die Stolperei wird heftiger, öfter, der Brustkorb verspannt sich, schmerzt, Puls und Blutdruck werden immer häufiger immer höher. Das alles ist hausgemacht.
Deswegen muss man damit aufhören und es aushalten, dass man nicht mehr permanent darüber informiert ist, welcher Pups in welcher Darmschlinge klemmt. Daran, dass es äußerst schwer ist, das auszuhalten, merkt man, wie sehr man sich bereits in Zwänge und süchtiges Verhalten manövriert hat. Süchte beendet man nur durch absolute Abstinenz.
Daran muss man arbeiten. Und über Wege und Methoden, wie man das schafft, kann und soll man sich austauschen. Nicht zum 100000 Mal darüber, ob es gefährlich ist, wenn das Herz das oder das macht. Jede Antwort, die man hier im Forum auf diese Frage kriegt und die das verneint, ist unterm Strich eine Lüge, denn niemand hier weiß, ob es gefährlich ist. Das weiß der Arzt, bei dem man gewesen sein sollte. Warum also weiterhin lieber den Phantasien anderer User glauben, als dem Fachwissen eines Fachmanns?