Zitat von TheSaint:ich mache keine angst vor den medikamenten, ich berichte von meinen erfahrungen und ich denke, das kann ich durchaus, da ich sehr viele und auch lange erfahrung mit dem zeugs gemacht habe.
Ich finde schon, dass Du mit zweierlei Maß misst, indem Du nämlich glaubst, aufgrund
Deiner Erfahrungen verallgemeinern und Empfehlungen aussprechen zu können, während Du choice genau dies absprichst. Würde ich gleichfalls meine Psychotherapieerfahrungen verallgemeinern, müsste ich - aufgrund meiner umfangreichen und langjährigen Erfahrung - vor Psychotherapien jeglicher Art warnen.
Zitat von TheSaint:abgesehen davon gibt es leute, die haben ganz einfach angst davor medikamente zu nehmen (sehr nachvollziehbar, wie ich meine)
Die meisten hier dürften diese Angst haben. Ich habe sie auch, deswegen lag mein AD wochenlang nur im Schrank. Dennoch gibt es einfach Fälle, deren Häufigkeit wir beide hier nicht beurteilen können, in denen ein Medikament für eine gewisse Zeit sehr hilfreich oder sogar notwendig ist. Und wenn aus dem sinnvollen Abwägen von Nutzen und Risiken nur noch irrationale Angst wird, steht dies der Behandlung im Weg.
Zitat von TheSaint:abgesehen davon gibt es mittlerweile studien, die anfang des jahres veröffentlicht wurden und die wirksamkeit von antidepressiva (im speziellen den hochgelobten SSRI) nicht nur anzweifeln, sondern anhand von patientenstudien sogar widerlegt haben - das hat mir persönlich sehr zu denken gegeben, zumal ich selbst jahrelang mit SSRI behandelt wurde und meine ängste immer noch nicht los bin...
Das sind Metastudien zum Wirkstoff Paroxetin und seiner Wirksamkeit bei Depressionen. Um Angststörungen ging es dabei nicht. Die Hersteller haben anscheinend beim Zulassungsverfahren in den USA ihre Ergebnisse geschönt. Trotzdem zeigte sich Paroxetin einer Placebobehandlung immer noch signifikant überlegen, allerdings nicht auf dem von der FDA (zuständige amerikanische Behörde) geforderten Niveau.
Zitat von Gaby001:ihr macht mir ein wenig angst vor der Therapie.
Keine Panik! Meine schlechten Therapieerfahrungen gehen auf klare Therapeutenfehler zurück, und soviel Pech bei der Therapeutenwahl kann sich eigentlich statistisch so schnell nicht wiederholen. Man kann weder bei Medikamenten, noch bei Psychotherapie von den Erfahrungen des einen auf die Erfolge oder Misserfolge des anderen schließen. Und: Es gibt so etwas wie Psychotherapieforschung. Danach ist erwiesen, dass Psychotherapien wirken, sie bewirken sogar nachweisbare Veränderungen im Gehirn. Aber weil man immer noch selbst denken muss, kommen Veränderungen und Verbesserungen nicht durch das zustande, was der Therapeut sagt, sondern durch das, was der Patient erlebt, denkt, fühlt und tut - angestoßen durch die Therapie. Zu der Studie, die Kiki78 genannt hat: Die kenne ich nicht, aber eine Dauer von drei Monaten ist in so einer Frage absolut nicht aussagekräftig. In dieser Zeit greift noch keine Therapie so richtig, während andererseits die Teilnahme an der Studie bereits eine Wirkung hat. Warten auf einen in Aussicht gestellten Therapieplatz bewirkt z.B. auch eine Veränderung: Man hat ein Ziel und die Hoffnung, das sich bald etwas tut. Was für eine Therapie wirst Du denn machen?
Liebe Grüße
Christina