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Acipulbiber
Ich freue mich so für Dich

Für mich ist es leider auch nicht immer einfach. Ich nehm den Brief raus und und während ich die Treppe zur Wohnung gehe, denke ich lieber Gott, bitte lass nichts schlimmes drin stehen.
Dann nehme ich meinen ganzen Mut zusammen, verbiete mir den Brief erstmal abzulegen, sondern öffne ihn sofort.
Liest sich vielleicht bisschen bekloppt, aber funktioniert.

19.12.2022 21:38 • x 1 #101


Grashüpfer
Danke @Acipulbiber ! Das bedeutet mir viel!
Ich verstehe dich so gut! Wie schaffst du es, der Versuchung nicht nachzugeben, den Brief beiseite zu legen? Ich kenne diese Gedanken gut. Wenn ich weiß, dass es sich um Rechnungen handelt, mache ich die Briefe auf. Schlimmer sind die Briefe, wo ich nicht weiß, was mich erwartet. An schlechten Tagen kriege ich es dann manchmal nicht hin, den Schweinehund zu überwinden. Und ich schaffe es auch nicht in Fällen wie jetzt, wenn sich vom selben Absender mehreres angesammelt hat. Dann ist die Angst immens und schier unüberwindlich.

Hast du eine Ahnung, was die Ursache deiner Angst ist? Hast du schon mal schlechte Erfahrungen gemacht oder warst in Erklärungsnot?

@kritisches_auge Danke dir! Leider ist es nicht immer einfach, gar nichts erst ansammeln zu sammeln und alles sofort anzugehen. Wenn es so leicht wäre, hätte ich dieses Problem sicher schon längst überwunden. Schön wärs!

19.12.2022 21:55 • #102


A


Angst vor Post / Briefen

x 3


Acipulbiber
Ja, ich habe sehr schlimme Erfahrungen gemacht, weil ich nicht wusste mit was ich rechnen muß. Den Schaden hat mir mein Ex eingebrockt.
In Erklärungsnot kam ich nicht. Ich hab die Briefe nur ein paar Tage zur Seite gelegt.
Diese Tage waren der Horror. Diese Ungewissheit, kaum auszuhalten.

Ich hab schnell gemerkt, daß es mir besser geht, sofort zu wissen, um was es geht.
Das ganze ist längst Geschichte. Schlimm genug, daß ich noch immer angespannt bin wenn ich Post bekomme

19.12.2022 22:13 • x 1 #103


Grashüpfer
Oh ja, das glaube ich, dass das gesessen hat, deine Ängste sind, finde ich, völlig verständlich. Ich bin immer erstaunt, wie tief solche Erfahrungen und Erlebnisse offenbar reichen, wenn sie über so lange Zeit so enorme Wirkung haben. Ich frage mich immer, ob sie irgendwann hoffentlich doch von allein verschwinden. Oder einfach aufhören. Ich habe diese Ängste schon seit über 20 Jahren.

19.12.2022 22:31 • x 1 #104


kritisches_Auge
Ja ich dachte mir, dass es nicht so einfach ist, gibt es denn kein negatives Erlebnis das du im Kopf hast?

19.12.2022 22:35 • #105


Grashüpfer
Ein konkretes Ereignis gibt es nicht. Ich glaube, dass es ein ganz seltsames Konglomerat verschiedener Dinge ist, die sich in der Postangst ein Ventil suchen.

Nachdem ich von zu Hause ausgezogen war und meinen Kram selbst machen musste, war ich das nicht gewohnt und mit der Situation überfordert. Ich bin sehr behütet aufgewachsen. Dazu kam, dass ich meinen Eltern nicht auf der Tasche liegen wollte, und so war ich im Studium extrem sparsam. Das hat die Angst irgendwie mit gefördert. Genau erklären kann ich es aber nicht.
Finanziell geht es mir eigentlich gut. Aufgrund meiner Behinderung habe ich aber enorme Angst, irgendwann nicht mehr arbeiten zu können (danach sieht es aber überhaupt nicht aus, mir geht es ganz gut) und finanziell in Not zu kommen. Ich habe extreme Angst vor finanziellem Abstieg und Armut, aus dem Netz zu fallen, abhängig und ausgeliefert zu sein.
Und damit kommen wir zum letzten und sicher mit Abstand wichtigsten Punkt: Wie manche von euch wissen, hatte ich als kleines Kind mehrere Krankenhausaufenthalte mit z. T. gravierenden operativen Eingriffen. Das waren sehr schlimme Erfahrungen, die bis tief ins Unterbewusstsein reichen, und ich bin bis heute davon traumatisiert. Aufarbeiten konnte ich nur einen Teil, der Rest liegt zeitlich vor dem Sprach- und Erinnerungsvermögen, hier komme ich nicht ran. Ein Kleinkind versteht das alles ja gar nicht, es hat nur Angst. Meine GAS hat dort ihren Ursprung. Aus dieser Zeit ist das Gefühl entstanden, sich ohnmächtig und ganz schnell ausgeliefert zu fühlen, und sich nicht wehren zu können. In meinen schlimmsten Phasen glaubte ich, dass ein Monster über mich herfällt, in dem Moment, wo ich den Brief öffne. Das Monster ist für mich gleichbedeutend mit den Ärzten, die damals Macht über mich hatten.
Das alles mag vielleicht merkwürdig klingen, aber ich habe es für mich in langer Selbstanalyse herausgefunden, und für mich ist es schlüssig.
Diese ganzen Ängste verbinden sich in der Postangst, sie ist ein Ventil, ein verbindendes Element. Ein Punkt ist auch folgender: Die Briefe sind passiv, sie schweigen, es ist nur Schrift auf Papier. Sie werden nicht aktiv, wenn ich sie liegen lasse. Ich muss aktiv werden. Das kleine Kind hat in seiner ganzen Angst nur gelernt, alles zu ertragen, sich szs
tot zu stellen. Und genauso reagiere ich auch als Erwachsene bei den Briefen, die mich so ängstigen.
In der Kommunikation mit Menschen ist es anders. Dort herrscht Aktivität, und ich kann aufkommende Angst viel schneller wieder einfangen und im Zaum halten.
Könnt ihr das verstehen?

19.12.2022 22:56 • x 3 #106


Acipulbiber
Zitat von Grashüpfer:
Ich habe extreme Angst vor finanziellem Abstieg und Armut, aus dem Netz zu fallen, abhängig und ausgeliefert zu sein.


Dies sind auch meine Ängste, vor allem aber abhängig und ausgeliefert zu sein, zumal ich alles alleine packen möchte und schwer Hilfe annehmen kann

Ich verstehe Dich

19.12.2022 23:18 • x 1 #107


Grashüpfer
Danke, Acipulbiber. Ich verstehe dich auch, ich bin genauso. Ich lebe alleine und muss vieles allein hinbekommen. Bin es also gewohnt. Aber bei mir ist es vor allem die Angst, ausgeliefert zu sein und Leid aushalten zu müssen. Es ist wie eine Gewissheit, dass dieses Leid irgendwann eintritt.

19.12.2022 23:29 • x 3 #108


kritisches_Auge
Ich verstehe dich auch.

20.12.2022 00:15 • x 1 #109


Grashüpfer
Danke, Auge

20.12.2022 00:17 • #110


kritisches_Auge
Ich würde dir so sehr wünschen, eine Lösung zu finden.

20.12.2022 00:22 • x 1 #111


Acipulbiber
Wenn ich Post aus dem Briefkasten nehme, denke ich tatsächlich häufiger mal an Dich.
Versuch Du es doch mal umgekehrt und denke an mich und daran, daß es bei mir gut klappt
Gute Nacht

20.12.2022 00:33 • x 3 #112


Schlaflose
Zitat von Grashüpfer:
Leute, ich bin so ein Esel - alles war harmlos, wirklich alles! Ich muss lediglich einen Nachweis nachreichen, aber das ist harmlos. Das gibt es doch nicht! WARUM mache ich mir so einen Kopf, wälze monatelang Gedanken, Ängste, schäme mich entsetzlich, strapaziere meine Nerven, dass es kaum zu ertragen ist, es ist wirklich schlimm! WARUM? Für nichts und wieder nichts! ICH BIN DOCH SO EIN HORNOCHSE !

Jetzt, wo diese Erfahrung noch so frisch ist, solltest du direkt weitermachen und jeden Brief gleich öffnen. Wenn du wartest, wird die Angst wieder größer und größer.
So ist es bei mir mit dem Tanken. Ich habe Angst davor. Da ich wenig fahre, brauche ich nur alle 3-4 Monate zu tanken. Jedes Mal danach bin ich euphorisch, dass es so gut und reibungslos geklappt hat und würde es am nächsten Tag ohne Angst wieder machen können. Aber bis ich es wieder machen muss, habe ich erneut Angst.

20.12.2022 08:02 • x 1 #113


Wildrose
Ich mache es mittlerweile so: Wenn ein Brief im Briefkasten liegt, der heikel sein könnte, mache ich ihn sofort unten im Hausflur auf und gucke kurz rein.

20.12.2022 08:49 • x 3 #114


Grashüpfer
Wenn ich es mal geschafft habe und im Flow bin, kann ich auch eine Weile dran bleiben und schaffe es einige Wochen lang. Aber sobald eine Pause entsteht, wo keine Post oder wenigstens nichts verdächtiges kommt, kriecht die Angst wieder in mir hoch und ich bin wieder in der Angstschleife gefangen.

@Acipulbiber Was hälst du davon, wenn wir uns hier im thread gegenseitig Mut machen, wenn uns die Postangst packt? Du kannst gern hier schreiben, wenn du magst.

Das gilt natürlich auch für alle anderen, die mit dem Problem zu kämpfen haben.

22.12.2022 00:24 • #115


Acipulbiber
Bei mir beschränkt es sich zum Glück auf ein mulmiges Gefühl.
Klar können wir gern machen

22.12.2022 01:20 • x 2 #116


Grashüpfer
Heute habe ich einen großen Schritt geschafft : Ich wohne jetzt ein gutes Jahr am neuen Ort, und jetzt wird es Zeit, auch alle Bankangelegenheiten hierher zu bringen. Also habe ich heute ein neues Girokonto eröffnet, das Konto am alten Ort wiird aufgelöst. Ich freue mich über diesen Schritt - jetzt bin ich ganz und endgültig hier angekommen!
Jetzt heißt es, viele Bankunterlagen durchzusehen, Daueraufträge und Einzugsermächtigungen neu zu regeln und zu schauen, dass alle digitalen Unterlagen des bisherigen Kontos abgerufen und gespeichert sind. Normalerweise macht mir sowas große Angst. Aber gerade bin ich im Flow und gut drauf und glaube dass ich es schaffen kann.
Für Anfang des neuen Jahres habe ich mir außerdem vorgenommen, mich um das Thema Geldanlage zu kümmern, das braucht mal ein Update.
Es ist ein guter Jahresabschluss!

29.12.2022 20:48 • x 3 #117

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kritisches_Auge
Einfach super, Grashüpfer.

29.12.2022 21:06 • x 1 #118


Acipulbiber
Da freu ich mich mit Dir.
Ein schöner Start für das neue Jahr

30.12.2022 00:16 • x 1 #119


Grashüpfer
Danke ihr beiden.

Meine Euphorie hat schon einen Dämpfer bekommen. Ich habe etwas verbockt, und schuld ist meine Angst. Jetzt mache ich mir Vorwürfe. Ich möchte heulen.

30.12.2022 00:54 • #120


A


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