hallo, tini
natürlich schaffst du es. Zu deiner Befürchtung die Depression betreffend: Eine Angststörung
ist eine Form der Depression. Insofern sind deine immer mal wieder auftretenden Befindlichkeits-
störungen nichts wirklich Neues, auch wenn du im ersten Moment vielleicht glaubst, sie anders
wahrzunehmen. Wenn du das tust, zeigt das nur, dass du tatsächlich einen ersten Fortschritt
gemacht hast. Es braucht halt einfach Geduld, bis man mal soweit ist, dass einen auch die immer
wieder kommenden schlechten Momente, Stunden oder Tage nicht davon abhalten, das zu tun,
was man im "Normalfall" auch tun würde. Es dauert, bis man die Ängste und sonstigen
Stimmungstiefs mit einem Achselzucken zur Kenntnis nimmt, ohne weiter drauf einzugehen.
Auch was die Gedankenspirale angeht, ist alles was du beschreibst, völlig im Rahmen. Setze dich
niemals unter Druck, indem du von dir verlangst, das jetzt akzeptieren oder aber verdrängen zu
müssen. Akzeptieren ja, aber nicht in dem Sinn, dass du nun glücklich damit sein musst. Nein,
gestehe es dir zu, dass es dich gerade ankotzt, aber dann sag dir auch: Und trotzdem bestimme ICH,
wo es langgeht, und die Angst muss folgen. Nicht umgekehrt. Also beschäftigst du dich mit irgendwas.
Und wenn die Gedanken rasen, dann lass sie rasen. Bewerte sie nicht, beschönige sie nicht, leugne sie
nicht, aber diskutier auch nicht mit ihnen! Ein Beispiel: Will dir deine Angst einreden, dass du Krebs hast,
dann antworte ihr: Dann habe ich eben Krebs. In 100 Jahren lebt keiner mehr, den ich kenne.
Vielleicht steigert sich die Angst kurz und der Gedanke kommt erneut. Dann antwortest du wieder, dass
du dann eben Krebs hast. und genauso machst du es mit deiner Frage. Deine Antwort lautet: Ich habe
eine Angststörung und das IST eine Depression und jetzt? Ich lebe immer noch, obwohl ich es schon
länger habe. Und was war in der Zwischenzeit? Ich hatte auch wieder gute Tage. Und die werde ich auch
in Zukunft haben. Der nächste Gedanke, der kommen könnte, wäre: Aber die Angst wird auch wieder
kommen. Deine Antwort: Und sie wird auch wieder gehen. Wenn du mal festgestellt hast, dass du auch an
schlechten Tagen schöne Dinge getan und erlebt hast, wird sich auch das in deinem Unterbewußtsein
speichern und du die Nächsten Anfälle von Angst mit ganz anderen Augen erwarten. Lass dir Zeit,
sei geduldig, vor allem mit dir selber. Und beglückwünsche dich zu deinen ersten Fortschritten, dafür
hast du einen Applaus verdient
